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It´s the Fed – stupid

Legendär ist der Ausspruch Bill Clintons, der in Bezug auf den Wahlausgang in den USA klar erkannt hatte, dass die Wirtschaft der entscheidende Faktor ist („it´s the economy – stupid“).

Und was bei Wahlen die Wirtschaft, das ist an den Finanzmärkten die amerikanische Notenbank Fed. Die Welt kann in Krieg und Chaos versinken – an der Wall Street würde man sich trotzdem nur für eine anstehende Fed-Sitzung interessieren.

Und heute ist der große Premiere-Tag für Janet Yellen, die nach Verlautbarung des Sitzungsergebnisses eine Pressekonferenz abhalten wird. Diese Aussicht trifft bei vielen Playern am Markt auf eine durchaus geteilte Freude: Janet Yellen ist das Gegenteil eine Entertainers. Ihre Sprache schwergängig, in breitestem New-Yorker-Brooklyn-Amerikanisch, als hätte sie eine zähe Kartoffel im Mund – stark Valium-verdächtig. Dabei auch von einer Monotonie, die in jeder Hinsicht einschläfernd ist – bei der Anhörung Yellens vor dem Senat hat man den Kursen an den Märkten geradezu physisch angemerkt, dass die beteiligten Akteure mit dem Einschlafen kämpfen.

Bei der Beobachtung der sich träge dahinwelzenden, lethargischen Kursverläufe kam mir die Idee, die Ansprache Yellens auf meinem Smartphone aufzunehmen – um sie meinem kleinen Sohn, der stets Einschlafschwierigkeiten hat, vorzuspielen. Mit durchschlagendem Erfolg: nach ca. einer Minute war der kleine Mann im Reich der Träume. Allerdings konnte ich den Trick nur einmal anwenden – am nächsten Abend lehnte er mein Video ab – das sei „zu langweilig“.

Und was ist heute von der Fed zu erwarten? In Sachen Tapering nicht viel Neues: weitere Reduzierung um 10 Milliarden US-Dollar (5 bei Staatsanleihen, 5 bei Mortgage-Backed Securities). Das würde dann darauf hinauslaufen, dass im 4.Qurtal 2014 Schluss ist mit den Anleihekäufen der Fed. Ist das wirklich schon eingepreist? Eher nicht..

Interessanter dürfte die Frage sein, wie die Fed mit der sogenannten Forward guidance umgeht. Bisher gibt es ja noch die Hürde von 6,5% Arbeitslosigkeit, bei deren Unterschreiten die Fed einst gemeint hatte, ihre Geldpolitik zu ändern. Doch das ist lange her – vermutlich wird man die Hürde von 6,5% senken – oder qualitative Aspekte in Sachen Arbeitsmarkt hinzufügen, die die Frage der Arbeitslosigkeit für die Fed weiter relativieren.

Also freuen wir uns aus ganzem Herzen auf Janet Yellen und ihre spannenden Ausführungen. Selig die Zeiten, als uns noch der professorale Bernanke den Lauf der Welt erklärte – ganz zu schweigen von Alan Greenspan. Den hat zwar keiner verstanden – was von Greenspan beabsichtigt war – aber sehr amüsant war er allemal!



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