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Anleihen

Grazie, Mario Draghi! Das Risiko wandert von den italienischen Banken zum deutschen Steuerzahler!

Euro – das ist die Geld gewordene Ideologie der großen Liebe der europäischen Völker jenseits der ökonomischen Vernunft. Nun verlagern italienische Banken ihre Risiken vor den anstehenden italienschen Wahlen in die EZB, und wenn es schief läuft, bleibt Deutschland nach einer möglichen Scheidung (Italexit) auf seinen Forderungen sitzen..

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Von Markus Fugmann

Anfang März sind bekanntlich Wahlen in Italien, und es sind vor allem die Euro-kritischen Parteien, die gute Chancen bei dieser Wahl haben. Das heißt nicht, dass Italien aus dem Euro austreten wird – aber ganz ausgeschlossen ist ein Italexit eben auch nicht infolge einer absehbar neuen Regierung von Euro-Kritikern, die schon laut zumindest über eine Parallelwährung nachgedacht haben (wie etwa der ewige Silvio Berlusconi, jener Polit-Figur, die den Italienern das schlechte Gewissen nimmt, wenn sie keine Steuern zahlen oder den Staat mit anderen Mitteln betrügen – der Silvio macht es doch auch, denkt man sich in Bella Italia).

Käme es zum worst case, nämlich zum Austritt Italiens aus dem Euro, dann müßte Italien, so hat es Mario Draghi nun mehrfach kundgetan, negative Target 2-Salden ausgleichen, sprich bezahlen. Und das würde Italien natürlich aus der Portokasse zahlen können, schließlich handelt es sich nur um die klitzekleine Summe von mehr als 400 Milliarden Euro. Ja, das würde der Silvio Berlusconi als potentiell nächster Regierungschef natürlich gerne zahlen – schon aus Liebe zu den Deutschen, deren Target 2-Forderungen inzwischen die 900-Milliarden-Grenze überwunden haben – Tendenz weiter steigend. Sollte Italien das aber aus irgendwelchen, völlig irrationalen Gründen doch nicht machen, bliebe Deutschland, sprich die Bundesbank, auf ihren Forderungen sitzen. Nach Italien verkaufte deutsche Autos wären dann sozusagen ein Geschenk der Deutschen an die Italiener – wäre doch mal eine nette Geste zum Abschied!

Alles natürlich kein Problem – auch für die EZB nicht. Was würde aber die Notenbank machen mit ihren italienischen Staatsanleihen, die sie im Rahmen des QE gekauft hatte, wenn Italien aus dem Club austritt? Mit einem netten Lächeln den Italienern zurück geben mit der Bitte um Abnahme?

Darüber aber möchte man bei der EZB natürlich nicht einmal nachdenken, oder wie es so schön heißt bei elitären Machthabern: „wir haben keinen Plan B“. Und es steht wirklich zu fürchten, dass es diesen Plan B nicht gibt, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Der Euro ist eben nicht nur eine Währung, sondern vor allem der Audruck einer Ideologie. Und die heißt, inspiriert vom deutschen Ex-Kanzler Kohl: nie wieder Krieg in Europa, wir haben uns doch alle lieb, und wenn´s hart auf hart kommt, zahlen die Deutschen eben dafür, dass wir uns alle lieb haben – und ganz fest versprochen: wir rücken nicht mehr in Polen ein und verzichten auf weitere Blitzkriege!

Jedenfalls ist auffällig, dass die EZB weiter sehr fleißig italienischen Staatsanleihen kauft. Und weil sie das nicht am Primärmarkt machen darf, also von Italien selbst, kauft sie über die Banken am Sekundärmarkt. Und welche Banken haben die meisten italienischen Staatsanleihen? Richtig, die italienischen Banken.

Und die entsorgen sich in den letzten Monaten sehr kräftig dieser italienischen Anleihen: sie verkauften im 4.Quartal italienische Anleihen im Volumen von 40 Milliarden Euro – an die EZB, weil die so gut wie der einzige Käufer italienischer Anleihen ist. Mit anderen Worten: sollte es blöd laufen und die Italiener wollen raus aus der Eurozone, dann sitzt die EZB auf noch mehr italienischen Anleihen, das Risiko wandert also immer mehr von den italienischen (Privat-)Banken zum europäischen, dabei besonders dem deutschen Steuerzahler, weil der für die EZB schließlich haftet und mit Abstand die größten Target-Forderungen hat.

Und gestern hat die EZB sehr wahrscheinlich in massivem Umfang italienische Staatsanleihen gekauft: während praktisch Staatsanleihen aller Länder stark unter Druck waren, sprich deren Renditen stiegen und Kurse sanken, fielen die Renditen für italienische Staatsanleihen erheblich, wie etwa der Vergleich zwischen der 10-jährigen italienischen Staatsanleihe (BTP, schwarz) und der deutschen 10-jährigen Bundesanleihe (Bund-Future, orange) zeigt:


(Chart durch anklicken vergrößern)

Da ist also gestern ein ganz dicker Wal in die Badwanne gefallen, sprich die EZB hat gestern heftig zugekauft – anders ist eine solche Bewegung bei der 10-jährigen italienischen Staatsanleihe in dem derzeitigen fast schon Crash-artigen Umfeld für Staatsanleihen gar nicht erklärbar.

Und die Moral von der Geschicht: Europa heißt, dass wir uns alle ganz doll lieb haben – und am Ende die Deutschen haften, wenn es doch völlig überraschenderweise zur Scheidung kommt..


Grande amore con Germania: Mario Draghi
Foto: EZB

26 Kommentare

26 Comments

  1. PK

    2. Februar 2018 13:10 at 13:10

    ja, aber das Hauptthema in der Tagesschau wird trotzdem wieder sein, daß ein paar Affen und Menschen Stickoxide in geringer Dosis eingeatment haben.
    Es ist unfassbar was da passiert und es interessiert keine Sau.

    • leser

      2. Februar 2018 13:26 at 13:26

      Und selbst die Affen-Nachricht ist, zumindest ohne weitreichende zusätzliche Erläuterungen, fake-news und Affentheater, https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/lichtblicke-kolumnen/um-diesel-ging-es-gar-nicht/

    • Michael

      2. Februar 2018 14:22 at 14:22

      @PK, so ganz ignorieren sollte man das aber auch nicht, in Verbindung mit den anderen Schummeleien ist die ganze Abgasgeschichte schon berichtenswert.
      Aber natürlich haben Sie recht, solche Themen sollten der Öffentlichkeit auf allen Kanälen schonungslos präsentiert werden. Ich persönlich finde dahingehend die von der FMW empfohlene 4-teilige Serie „Im Rausch der Macht“ genial. Hier wird klar und deutlich offengelegt, wie die Mechanismen funktionieren. Und alle, die es verdient haben, bekommen auch ihr Fett weg: Draghi, Banken, die Raute, Donnie Dumb, Hillary, Putin, Berlusconi, Sportfunktionäre…
      @alle AfD’ler: Und ja, ich weiß, ich weiß: Schon alleine die Tatsache, dass die Serie vom Spiegel produziert wurde, macht sie natürlich zu linker, sozialistischer Propaganda. Zu linkspopulistischer Lügen- und Lücken-Berichterstattung, zu Fake-News, suggestiv präsentiert von Gutmenschen, blah, blah, blah…

      • sabine

        3. Februar 2018 18:33 at 18:33

        http://www.manager-magazin.de/unternehmen/autoindustrie/ford-abgasskandal-erreicht-zweitgroessten-autobauer-der-usa-a-1187255.html
        Lückenlose Aufklärung und die ganze Härte des Gesetzes. Sagen die Pharisäer.

        „Beim Fracking wird Wasser mit hohem Druck in den Erdboden gepresst. Dort erzeugt es viele kleine Risse, in die die Flüssigkeit eindringt. Zur Stabilisierung dieser Risse wird Sand mit in die Tiefe gepumpt. Außerdem werden dem Wasser-Sand-Gemisch Chemikalien zugesetzt. Sie sollen unter anderem das Bohrgestänge vor Korrosion schützen und das Wachstum von Bakterien verhindern. Das macht die Fracking-Technik allerdings gefährlich für die Umwelt. Einige dieser Substanzen, zum Beispiel Salz- und Ameisensäure, sind giftig oder gelten als krebserregend. Zudem befinden sich im Untergrund auch Quecksilber und andere Schwermetalle, die beim Fracking ausgewaschen werden und mit dem Brauchwasser an die Erdoberfläche kommen. Darüber hinaus strömen über die Bohrlöcher möglicherweise auch Gase wie das krebserregende Benzol nach oben.“ Alles nur linke Propaganda.

  2. Donald Duck

    2. Februar 2018 13:26 at 13:26

    – und ganz fest versprochen: wir rücken nicht mehr in Polen ein und verzichten auf weitere Blitzkriege!

    Das braucht man nicht versprechen – siehe Schrotthaufen Bundeswehr

    • leser

      2. Februar 2018 13:28 at 13:28

      War auch mein erster Gedanke.
      Der „Feind“ sitzt ja auch eher in Frankfurt und in Berlin.

  3. vier saeulen system

    2. Februar 2018 13:31 at 13:31

    Ich wiederhole es gerne nochmal:
    Das Luftmoney,das sind die heutigen Neuzeitbomben!
    Obwohl wir euch doch so lieb haben,aber im looosen,da sind wir Deutschen unschlagbar…wenns ins Eingemachte geht!

  4. Jana

    2. Februar 2018 14:25 at 14:25

    es wird früher oder später sowieso passieren müssen, dass die EU auseinanderfliegt – mir persönlich ist lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende….

    • Columbo

      2. Februar 2018 14:54 at 14:54

      Irgendwann fliegt alles auseinander, auch die Sonne. So bald, wie sich das manche wünschen, fliegt die EU nicht auseinander. Und dann, @Jana, leidest Du derzeit an Schrecken ohne Ende, weil du die EU ertragen mußt? Gehts Dir so schlecht? Lebst Du auf der Straße? Oder bist Du einfach etwas schreckhaft?

      • Jana

        2. Februar 2018 15:18 at 15:18

        Nein, Ihre Meinung scheint mir im Rahmen dieser Thematik sehr kurzsichtig zu sein. Die extreme Verschuldung kann man sich nicht weglügen indem man sagt mir geht es gearde recht gut. Die Gesamtstabilität des Systems ist stark in Frage zu stellen. Schulden werden von neuen Schulden beglichen und das geht immer so weiter – Zinsen kann man kaum erhöhen in dieser Situation. Die Inflation steigt auch kontinuirlich an. Wenn die Reaktion darauf (also Zinserhöhung) im Grunde nicht durchgeführt werden kann, besteht die Gefahr einer immens steigenden Inflation – wenn nicht sogar Hyperinflation. Wir sind davon noch ein ganzes Stück entfernt – nur sollte man nicht nur im hier und jetzt leben, sondern auch mal an die Zukunft denken. Irgendwann muss sich diese Situation auflösen – es ist nunmal so. Man kann sich das Ganze auch mit geschlossenen Augen anschauen – wie Sie das scheinbar bevorzugen. Nur damit können SIe keine Tatsachen verschwinden lassen. Es wird in Zukunft größere Probleme mit diesem Geldsystem geben. Selbst wenn es noch Jahre vor uns liegt (was ich nicht mal glaube). Wer nicht mitbekommt, dass die Probleme der EU immer größer werden anstatt kleiner zu werden, der geht sowieso mit geschlossenen Augen durchs Leben.

        • Columbo

          2. Februar 2018 16:26 at 16:26

          @Jana, man sollte wirklich im Hier und Jetzt leben und sich keine Sorgen um die Zukunft machen, aus psychohygienischen Gründen. Man läuft sonst Gefahr ein Leben in „Schrecken ohne Ende“ zu führen und am Ende kommt es doch ganz anders. Es gibt ja nicht nur Schulden und Hyperinflation, sondern auch Unfälle und Krankheiten. Letztere treffen einen wesentlich häufiger, als Hyperinflation, Krieg oder was weiß ich. Also, take it easy😊.

      • Pit M.

        2. Februar 2018 15:30 at 15:30

        Haha ja stimmt innerhalb der EU herrscht Eintracht wie noch nie – und das Vertrauen in den Euro ist auch auf Allzeithoch…..

  5. Schmidt

    2. Februar 2018 14:26 at 14:26

    Dasselbe gilt auch für die deutschen Anleihen oder glaubt jemand dass Deutschland jemals seine Schulden zurückzahlen wird ?

    Was die ganze Diskussion um die Targetsalden geht, ohhh großes Risiko für den deutschen Steuerzahler bla bla bla. Wo ist der Unterschied ob die italienische Zentralbank oder die deutsche Zentralbank das Geld aus der Presse/Computer erzeugt und auszahlt, da keine Druckkosten mehr gibt sind es nur ein paar Cent für den Strom. Das Geld wurde von der Zentralbank ohne Gegenleistung erschaffen und liegt nun auf den Privatkonten der Autohersteller oder anderen Exportfirmen.

    Genauso könnte die Bundesbank die ganzen deutschen Schulden aufkaufen und dann alles abschreiben. Und genauso wird es kommen denn eine andere Alternative gibt es nicht. Wird irgend jemand ein Cent dadurch verlieren ?

    • leser

      2. Februar 2018 14:45 at 14:45

      Und gegen welche Position auf der Passiv-Seite der Bilanz wird abgeschrieben?

      • Schmidt

        2. Februar 2018 14:54 at 14:54

        Gegen die Luftposition woher auch das Geld für die Anleihen kam.

        • leser

          2. Februar 2018 15:02 at 15:02

          Wahrscheinlich haben Simbabwe und Venezuela das genau so gehandhabt…

          • Schmidt

            2. Februar 2018 16:00 at 16:00

            Wahrscheinlich, aber das Problem dort ist dass sie das gedruckte Geld dem Volk schenken müssen damit der Mob ruhig ist. Anleihen für Luftgeld kaufen und abschreiben ist was anderes.
            Die Staatsfinanzierung über die Zentralbank ist zum Normalzustand geworden trotz der vielen nationalen und internationalen Gesetze die wir haben aber viele wollen es nicht wahrhaben oder glauben dass es irgendwann wieder vorbei wird. Niemals. Würde Deutschland das kostenlose Geld in die Hand nehmen und in Infrastruktur, Bildung, Gesundheit usw. investieren und sich noch mehr verschulden als die anderen hätte man was davon. Aber wenn der angebliche gesunde Menschenverstand ständig auf der Schuldenseite starrt und entsetzt feststellt dass es immer grösser wird obwohl kein Eigennutzen davon hat dann kann ich nur sagen „Weiter so“ und Gratulation zum diesem tollen gesunden Menschenverstand. Weiter starren und entsetzen.
            Das Spiel gewinnt der der am meisten Aktivas von billigen Schulden gekauft hat wenn die Schulden abgeschrieben werden. Siehe die Schweizer, warum können die das ? Sie kaufen sogar Aktien auf Pump und die Japaner auch Immobilen, Aktien, ETFs alles was sie kriegen können. Und ist jetzt die Schweiz oder Japan, Venezuela oder Simbabwe ?
            Das gilt nicht für Privatpersonen sondern nur für unabhängige souveräne Staaten was Deutschland aber nicht ist. Daher wird sie das Spiel auch nicht gewinnen können.

      • Michael

        2. Februar 2018 14:55 at 14:55

        Gegen den gesunden Menschenverstand natürlich 🙂

  6. asisi1

    2. Februar 2018 15:18 at 15:18

    Deutschland zahlt seit 100 jahren irgendwelche imaginären schulden zurück. ich weiß zwar nicht an wen, aber wir werden weiterhin zahlen müssen!!!!

  7. Klaus

    2. Februar 2018 15:24 at 15:24

    „Wird irgend jemand einen Cent dadurch verlieren“ – Nein, jeder behält alle seine Cent, kein Cent geht verloren. Nur sind sie dann halt alle wertlos. Heute bekomme ich sogar noch Gold dafür – irre, nicht wahr?

    • Schmidt

      2. Februar 2018 16:02 at 16:02

      Ja, irgendwann. Und wer seine Cents nicht rechtzeitig wegkriegt bleibt auf diese sitzen in der Hoffnung dass sie doch nicht wertlos werden.

  8. asyoulike

    2. Februar 2018 15:35 at 15:35

    Moin, moin,
    interessanter Artikel. Hier kann sich sicher niemand beschweren. Es kommt doch nur was kommen muss, nichts anderes passiert. Es wurde auf der Wahlkarte angekreuzt und nun bringt der Kellner die bestellten Sachen. So einfach.
    Je eher diese Problematik zur Entladung kommt, desto besser. Dann muss Michel sehen, was sein falsches Kreuz angerichtet hat bzw. was die BRD Politik-Eliten mit ihm machen. Wohl bekomms mag man da nur sagen. Auf Lerneffekte darf man bei Michels auch nicht hoffen, sonst wären die Wahlen eh abgeschafft.

    • moin_moin

      2. Februar 2018 18:17 at 18:17

      https://www.gold.de/staatsverschuldung-deutschland/

      Im Moment dreht sich die Schuldenuhr mit 78Euro/s rückwärts.. das sind zwar nur 2.5 Milliarden im Jahr.. aber das läppert sich… um Target2 würde ich mir gar keine Sorgen machen.. jedes Land hat noch reichlich, was man verwerten kann.. selbst griechenland.. ist nur halt politisch nicht gewollt..

      • Lars

        2. Februar 2018 19:03 at 19:03

        Ach, wenn ich mir diese Uhr nur mal für eine Viertelstunde ausleihen könnte, wäre ich ein vollkommen freier Mensch und würde etwa 5 Jahre an enorm gestiegener Lebensqualität verbuchen können 😉

  9. Enka Latineg

    3. Februar 2018 00:04 at 00:04

    In einem Vortrag bei einer Privatbank sagte schon vor einigen Jahren der hausinterne Referent, dass Staatsschulden nicht zurück gezahlt werden müssen.

    Darauf setzten schon immer die Machthaber, liessen sich Gold für Eisen geben und schufen ,quodlibet, aus der alten Fiatwährung übernacht eine neue. Damit war dann selbst der kleinste FIAT bereits für die Mittelschicht gefühlt eine sehr lange Zeit unerschwinglich, sogar gebraucht.

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Anleihen

Italien mit doppeltem EZB-Problem

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am

Die neuen (!) Staatsanleihen-Aufkäufe der EZB durch Gelddrucken (Aufkaufprogramm PSPP) sind Ende Dezember beendet worden. Der weitere Bilanzausbau wird damit gestoppt (bisher entstand ein Aufkaufvolumen von 2,6 Billionen Euro). Es werden also keine frisch aus dem luftleeren Raum geschaffenen Euros mehr verwendet um vor allem Staatsanleihen aus Italien, Frankreich oder Spanien zu kaufen (Griechenland war wegen schlechter Bonität nicht Teil des Aufkaufprogramms).

Das ist natürlich in erster Linie für Italien ein Problem, das quasi nur noch vom Käufer namens EZB lebte (vereinfacht ausdrückt). Wer wollte sonst in großem Umfang italienische Schulden kaufen außer der EZB? Da hat man nun sein erstes Problem. Aber halt. Ganz so schlimm kommt es ja doch nicht, weil die EZB ja zugesagt hat zurück erhaltene Gelder von auslaufenden Anleihen gleich neu zu investieren? Also alles halb so schlimm?

Dann hätte man nämlich ein wunderbares Kreislaufsystem. Sagen wir mal vereinfacht die EZB hat vor drei Jahren eine italienische Staatsanleihe gekauft, die jetzt ausläuft. Italien zahlt an den Gläubiger EZB am Fälligkeitstag die Nominalschuld zurück, und bietet zeitgleich neue Anleihen an. Die EZB nimmt ihren Erlös, und kauft sofort die neue Anleihe. So hat Italien doch eigentlich kein Problem, und kann theoretisch endlos mit der EZB im Tandem umschulden?

Eigentlich schon. Aber erstens gibt es das Problem, dass Italien wegen fehlender neuer Käufe keine höhere Staatsverschuldung über die EZB finanzieren kann, sondern nur Altschulden umschuldet. Und zweitens hat die EZB auch zugesagt, dass sie ihre Bestände an den Kapitalschlüssel angleichen will. Jedes Mitgliedsland der EZB besitzt gemessen an seiner Größe auch einen entsprechend großen oder kleinen Anteil an der EZB.

Bisher waren Länder wie Italien in den Käufen der EZB über-repäsentiert im Vergleich zu ihrem EZB-Anteil. Die EZB hat versprochen ihre gehaltenen Anleihen wieder anzupassen, so dass der Anteil gehaltener Anleihen dem Länderanteil der Staaten an der EZB entspricht. Von daher wird die EZB nun bei ihrer Re-Investition auslaufender Anleihen weniger italienische Anleihen kaufen. Dafür wird sie mehr Anleihen kaufen müssen vor allem aus Ländern wie Deutschland.

Also wird Deutschland, das eh kein Problem hat neue Anleihen am Markt zu verkaufen, mit verstärkter Nachfrage der EZB noch niedrigere Renditen bei Neuemissionen durchsetzen können, und der Markt wird sie akzeptieren. Italien hingegen wird wohl zunehmend ein Problem bekommen, ob es genug kaufwillige Banken bei Neuemissionen gibt. Denn die EZB tritt mit ihren Anleihekäufen nie bei Emissionen auf, sondern immer erst am Sekundärmarkt, also im freien Anleihehandel nach einer erfolgreicher Emission.

Wenn Banken nun aber wissen, dass ihnen die EZB kurz nach der Emission die Italien-Bonds nicht mehr aus der Hand reißen wird, dürften sie sich auch vermehrt zurückhalten bei Neuemissionen. Das dürfte die Renditen für italienische Schulden möglicherweise nach oben treiben. Man darf vermuten, dass die EZB diese Umschichtung von Italien-Anleihen hin zu deutschen Anleihen über einen langen Zeitraum verträglich strecken wird. Also kann es zu einem langsamen schleichenden Anstieg in den Renditen italienischer Anleihen kommen?

Gestern stieg die zehnjährige italienische Rendite von 2,71% auf 2,90% in der Spitze (aktuell 2,86%). Hat da schon so manchem Bond-Trader gedämmert, was in Italien-Bonds nach und nach anstehen dürfte in den nächsten Monaten? Im Chart sieht man die Rendite seit Januar 2018.

Italien 10 Year bond yield

Italien EU Frankreich
© European Union, 2017 / Source: EC – Audiovisual Service / Photo: Mauro Bottaro

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Anleihen

Obama, Trump und die Schulden der USA

Über Schulden-Macher..

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am

Ein Beitrag von Thomas Müller

Der EX-Präsident Obama hat von Januar 2015 bis Oktober 2016 – also in 22 Monaten – insgesamt 895 Mrd. USD Schulden gemacht. Nun könnte man solche Zahlen sicherlich in einem anderen Blick sehen, wenn die US-Wirtschaft lahmen würde oder wenn Trump viel in Infrastruktur investieren würde – oder wenn er vorher angekündigt hätte, das Defizit zu erhöhen. Aber das Gegenteil ist richtig: Trump hat eine gut laufende Wirtschaft geerbt und schafft es offenbar nur mit Mühe und neuen Schulden, diese weiter am Laufen zu halten. Statt in Infrastruktur zu investieren, erhöht er die Rüstungsausgaben massiv und senkt die Steuern für Reiche. Angekündigt hatte er dagegen, die US-Staatsschulden nicht etwa zu erhöhen, sondern in acht Jahren auf Null zu senken.

Nun halte ich die seit gefühlt Jahrzehnten kursierenden Prophezeiungen über eine Staatspleite der USA zwar aus diversen Gründen für Unsinn, dennoch bleibt es ein gefährlicher Kurs. Obama hat 2009 mitten in der tiefsten Rezession seit 80 Jahren mit einem hohen Defizit begonnen und es dann Jahr für Jahr bis 2015 abgebaut. Trump hingegen steigert das Defizit bereits von Beginn an – und das während einer guten konjunkturellen Phase. Was wird also geschehen, wenn sich die bereits langsam abzeichnende Konjunkturabkühlung manifestiert?

Ob es nun kurzfristig zu einer Rezession kommt, ist zwar schwer zu sagen, es spricht jedoch sehr viel für eine deutliche Verlangsamung des Wachstums im kommenden Jahr. Trump wurde vor zwei Jahren gewählt und ist nun seit 22 Monaten im Amt. Die Verschlechterung würde ihn also mitten im Wahlkampf für die zweite Amtszeit treffen.

In gewisser Weise ist Trump zwar unberechenbar, doch können wir sicher sein, dass er die Verantwortung für die schlechtere Konjunktur nicht bei sich suchen wird. Vermutlich wird er leugnen, dass es überhaupt schlechter geworden ist, so wie er aktuell auch nicht einräumt, dass die Schulden höher und der Jobaufbau schwächer sind als zuvor. Ich vermute, auch wenn er eine konjunkturelle Abkühlung zunächst leugnen wird, wird er darauf mit noch mehr neuen Schulden reagieren. Im günstigsten Fall fließt das Geld dann wirklich in Infrastrukturprojekte, im ungünstigeren Fall erneut in Rüstung und weniger Steuern für Reiche. In jedem realistischen Szenario wird die Staatsschuldenquote jedoch am Ende von Trumps (erster) Amtszeit höher sein als am Beginn.

 

https://somesite.de/roundcube/?_task=mail&_action=get&_mbox=INBOX&_uid=217178&_part=2&_mimewarning=1&_embed=1

 

Foto: Matt H. Wade, CC BY-SA 3.0

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Anleihen

Anleihe-Kartell in der EU: Deutsche Bank mit Immunität – aber droht Ärger in den USA?

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am

Ja was ist denn hier los? Ein neuer europaweiter Finanzskandal kommt an die Öffentlichkeit, und die Deutsche Bank ist involviert? Wir sind vor lauter Überraschung total entsetzt! (Scherz) Aber von Anfang an. Die EU hat bekannt gegeben, dass sich offenbar unter großen europäischen Banken von 2009-2015 eine Art Händler-Kartell bildete, welches in privaten Chat-Rooms Preise im Handel mit Anleihen festlegte. Zu einem wichtigen Detail kommen wir gleich noch. Aber erstmal hier der Wortlaut von der EU-Kommission:

Die Europäische Kommission hat vier Banken darüber in Kenntnis gesetzt, dass diese ihrer Auffassung nach im Zeitraum 2009 bis 2015 durch gewollt wettbewerbsverzerrende Absprachen am EWR-Sekundärmarkt für supranationale, staatliche sowie halbstaatliche Anleihen (SSA-Anleihen) in US-Dollar gegen die EU-Kartellvorschriften verstoßen haben. Die Kommission verdächtigt die vier Banken, im Zeitraum 2009 bis 2015 mehrfach sensible Geschäftsinformationen ausgetauscht und sich in Bezug auf die Preise für auf US-Dollar lautende supranationale, staatliche sowie halbstaatliche Anleihen, sogenannte SSA-Anleihen, abgesprochen zu haben. Die entsprechenden Kontakte sollen hauptsächlich über Online-Chatrooms erfolgt sein. Sollte sich die vorläufige Auffassung der Kommission bestätigen, würde dieses Verhalten einen Verstoß gegen die EU-Vorschriften darstellen, die wettbewerbswidrige Geschäftspraktiken wie Preisabsprachen untersagen (Artikel 101 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union und Artikel 53 des EWR-Abkommens). Die Untersuchung der Kommission beschränkt sich auf das Verhalten bestimmter Händler dieser vier Banken und impliziert nicht, dass das mutmaßliche wettbewerbswidrige Verhalten eine geschäftsübliche Praxis unter SSA-Anleihehändlern darstellt. Eine Mitteilung der Beschwerdepunkte greift dem Ergebnis einer solchen Untersuchung nicht vor.

Was lesen wir da? Es ging also um Anleihegeschäfte in Europa. Aber die betroffenen Anleihen waren in US-Dollar begebene Anleihen. Das heißt: Die USA könnten hier mal wieder ins Spiel kommen. Wer die letzten zehn Jahre intensiv verfolgt hat, der weiß: Die USA nutzen jede, wirklich jede Gelegenheit, um all zu gerne ausländische Banken mit möglichst hohen Strafen zu überziehen. Dazu finden die USA auch noch so abenteuerliche Zusammenhänge, um sich für zuständig zu erklären.

Und wenn man hier sieht, dass der US-Dollar als Währung betroffen war, könnten US-Behörden ihre Zuständigkeit erklären? Wir formulieren das ganz bewusst als Frage. Der gigantische Danske-Skandal kommt gerade erst ins Rollen, und könnte für die Deutsche Bank in den USA verdammt teuer werden (das ist auch noch völlig unklar). Und jetzt der nächste Knaller. Werden die USA hier auch zuschlagen? Woher wir überhaupt wissen, dass die Deutsche Bank eine der am Skandal beteiligten Banken war? Die EU-Kommission hat ja keine Banknamen erwähnt. Nun, ganz einfach. Die Deutsche Bank geht hier vermeintlich in die Offensive, und gab folgende Erklärung raus. Man habe proaktiv gehandelt. Es erwarte die Bank (in der EU!) keine Strafe. War die Deutsche also der Kronzeuge? Wie gesagt, in Europa hat man also nichts zu befürchten. Man vergesse aber bitte niemals die US-Behörden. Zitat Deutsche Bank:

Stellungnahme zur Kartelluntersuchung der EU-Kommission

Die Deutsche Bank hat in dieser Angelegenheit proaktiv mit der Europäischen Kommission zusammengearbeitet und ihr wurde daher Immunität gewährt. In Übereinstimmung mit den Richtlinien der Kommission erwartet die Deutsche Bank keine Geldstrafe.

Und die Deutsche Bank-Aktie? Die zerlegt sich immer mehr, und rauschte gestern runter auf  7 Euro. Ein neues Tief. Einige Experten sagen schon seit Wochen das seien Kaufkurse… aber man denke bitte an andere Aktien, die mal ganz weit oben waren, und sich nie wieder erholt haben.

Deutsche Bank
Foto: Deutsche Bank AG

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