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Anleihen

Grazie, Mario Draghi! Das Risiko wandert von den italienischen Banken zum deutschen Steuerzahler!

Euro – das ist die Geld gewordene Ideologie der großen Liebe der europäischen Völker jenseits der ökonomischen Vernunft. Nun verlagern italienische Banken ihre Risiken vor den anstehenden italienschen Wahlen in die EZB, und wenn es schief läuft, bleibt Deutschland nach einer möglichen Scheidung (Italexit) auf seinen Forderungen sitzen..

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Von Markus Fugmann

Anfang März sind bekanntlich Wahlen in Italien, und es sind vor allem die Euro-kritischen Parteien, die gute Chancen bei dieser Wahl haben. Das heißt nicht, dass Italien aus dem Euro austreten wird – aber ganz ausgeschlossen ist ein Italexit eben auch nicht infolge einer absehbar neuen Regierung von Euro-Kritikern, die schon laut zumindest über eine Parallelwährung nachgedacht haben (wie etwa der ewige Silvio Berlusconi, jener Polit-Figur, die den Italienern das schlechte Gewissen nimmt, wenn sie keine Steuern zahlen oder den Staat mit anderen Mitteln betrügen – der Silvio macht es doch auch, denkt man sich in Bella Italia).

Käme es zum worst case, nämlich zum Austritt Italiens aus dem Euro, dann müßte Italien, so hat es Mario Draghi nun mehrfach kundgetan, negative Target 2-Salden ausgleichen, sprich bezahlen. Und das würde Italien natürlich aus der Portokasse zahlen können, schließlich handelt es sich nur um die klitzekleine Summe von mehr als 400 Milliarden Euro. Ja, das würde der Silvio Berlusconi als potentiell nächster Regierungschef natürlich gerne zahlen – schon aus Liebe zu den Deutschen, deren Target 2-Forderungen inzwischen die 900-Milliarden-Grenze überwunden haben – Tendenz weiter steigend. Sollte Italien das aber aus irgendwelchen, völlig irrationalen Gründen doch nicht machen, bliebe Deutschland, sprich die Bundesbank, auf ihren Forderungen sitzen. Nach Italien verkaufte deutsche Autos wären dann sozusagen ein Geschenk der Deutschen an die Italiener – wäre doch mal eine nette Geste zum Abschied!

Alles natürlich kein Problem – auch für die EZB nicht. Was würde aber die Notenbank machen mit ihren italienischen Staatsanleihen, die sie im Rahmen des QE gekauft hatte, wenn Italien aus dem Club austritt? Mit einem netten Lächeln den Italienern zurück geben mit der Bitte um Abnahme?

Darüber aber möchte man bei der EZB natürlich nicht einmal nachdenken, oder wie es so schön heißt bei elitären Machthabern: „wir haben keinen Plan B“. Und es steht wirklich zu fürchten, dass es diesen Plan B nicht gibt, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Der Euro ist eben nicht nur eine Währung, sondern vor allem der Audruck einer Ideologie. Und die heißt, inspiriert vom deutschen Ex-Kanzler Kohl: nie wieder Krieg in Europa, wir haben uns doch alle lieb, und wenn´s hart auf hart kommt, zahlen die Deutschen eben dafür, dass wir uns alle lieb haben – und ganz fest versprochen: wir rücken nicht mehr in Polen ein und verzichten auf weitere Blitzkriege!

Jedenfalls ist auffällig, dass die EZB weiter sehr fleißig italienischen Staatsanleihen kauft. Und weil sie das nicht am Primärmarkt machen darf, also von Italien selbst, kauft sie über die Banken am Sekundärmarkt. Und welche Banken haben die meisten italienischen Staatsanleihen? Richtig, die italienischen Banken.

Und die entsorgen sich in den letzten Monaten sehr kräftig dieser italienischen Anleihen: sie verkauften im 4.Quartal italienische Anleihen im Volumen von 40 Milliarden Euro – an die EZB, weil die so gut wie der einzige Käufer italienischer Anleihen ist. Mit anderen Worten: sollte es blöd laufen und die Italiener wollen raus aus der Eurozone, dann sitzt die EZB auf noch mehr italienischen Anleihen, das Risiko wandert also immer mehr von den italienischen (Privat-)Banken zum europäischen, dabei besonders dem deutschen Steuerzahler, weil der für die EZB schließlich haftet und mit Abstand die größten Target-Forderungen hat.

Und gestern hat die EZB sehr wahrscheinlich in massivem Umfang italienische Staatsanleihen gekauft: während praktisch Staatsanleihen aller Länder stark unter Druck waren, sprich deren Renditen stiegen und Kurse sanken, fielen die Renditen für italienische Staatsanleihen erheblich, wie etwa der Vergleich zwischen der 10-jährigen italienischen Staatsanleihe (BTP, schwarz) und der deutschen 10-jährigen Bundesanleihe (Bund-Future, orange) zeigt:


(Chart durch anklicken vergrößern)

Da ist also gestern ein ganz dicker Wal in die Badwanne gefallen, sprich die EZB hat gestern heftig zugekauft – anders ist eine solche Bewegung bei der 10-jährigen italienischen Staatsanleihe in dem derzeitigen fast schon Crash-artigen Umfeld für Staatsanleihen gar nicht erklärbar.

Und die Moral von der Geschicht: Europa heißt, dass wir uns alle ganz doll lieb haben – und am Ende die Deutschen haften, wenn es doch völlig überraschenderweise zur Scheidung kommt..


Grande amore con Germania: Mario Draghi
Foto: EZB

26 Kommentare

26 Comments

  1. Avatar

    PK

    2. Februar 2018 13:10 at 13:10

    ja, aber das Hauptthema in der Tagesschau wird trotzdem wieder sein, daß ein paar Affen und Menschen Stickoxide in geringer Dosis eingeatment haben.
    Es ist unfassbar was da passiert und es interessiert keine Sau.

    • Avatar

      leser

      2. Februar 2018 13:26 at 13:26

      Und selbst die Affen-Nachricht ist, zumindest ohne weitreichende zusätzliche Erläuterungen, fake-news und Affentheater, https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/lichtblicke-kolumnen/um-diesel-ging-es-gar-nicht/

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      Michael

      2. Februar 2018 14:22 at 14:22

      @PK, so ganz ignorieren sollte man das aber auch nicht, in Verbindung mit den anderen Schummeleien ist die ganze Abgasgeschichte schon berichtenswert.
      Aber natürlich haben Sie recht, solche Themen sollten der Öffentlichkeit auf allen Kanälen schonungslos präsentiert werden. Ich persönlich finde dahingehend die von der FMW empfohlene 4-teilige Serie „Im Rausch der Macht“ genial. Hier wird klar und deutlich offengelegt, wie die Mechanismen funktionieren. Und alle, die es verdient haben, bekommen auch ihr Fett weg: Draghi, Banken, die Raute, Donnie Dumb, Hillary, Putin, Berlusconi, Sportfunktionäre…
      @alle AfD’ler: Und ja, ich weiß, ich weiß: Schon alleine die Tatsache, dass die Serie vom Spiegel produziert wurde, macht sie natürlich zu linker, sozialistischer Propaganda. Zu linkspopulistischer Lügen- und Lücken-Berichterstattung, zu Fake-News, suggestiv präsentiert von Gutmenschen, blah, blah, blah…

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        sabine

        3. Februar 2018 18:33 at 18:33

        http://www.manager-magazin.de/unternehmen/autoindustrie/ford-abgasskandal-erreicht-zweitgroessten-autobauer-der-usa-a-1187255.html
        Lückenlose Aufklärung und die ganze Härte des Gesetzes. Sagen die Pharisäer.

        „Beim Fracking wird Wasser mit hohem Druck in den Erdboden gepresst. Dort erzeugt es viele kleine Risse, in die die Flüssigkeit eindringt. Zur Stabilisierung dieser Risse wird Sand mit in die Tiefe gepumpt. Außerdem werden dem Wasser-Sand-Gemisch Chemikalien zugesetzt. Sie sollen unter anderem das Bohrgestänge vor Korrosion schützen und das Wachstum von Bakterien verhindern. Das macht die Fracking-Technik allerdings gefährlich für die Umwelt. Einige dieser Substanzen, zum Beispiel Salz- und Ameisensäure, sind giftig oder gelten als krebserregend. Zudem befinden sich im Untergrund auch Quecksilber und andere Schwermetalle, die beim Fracking ausgewaschen werden und mit dem Brauchwasser an die Erdoberfläche kommen. Darüber hinaus strömen über die Bohrlöcher möglicherweise auch Gase wie das krebserregende Benzol nach oben.“ Alles nur linke Propaganda.

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    Donald Duck

    2. Februar 2018 13:26 at 13:26

    – und ganz fest versprochen: wir rücken nicht mehr in Polen ein und verzichten auf weitere Blitzkriege!

    Das braucht man nicht versprechen – siehe Schrotthaufen Bundeswehr

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      leser

      2. Februar 2018 13:28 at 13:28

      War auch mein erster Gedanke.
      Der „Feind“ sitzt ja auch eher in Frankfurt und in Berlin.

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    vier saeulen system

    2. Februar 2018 13:31 at 13:31

    Ich wiederhole es gerne nochmal:
    Das Luftmoney,das sind die heutigen Neuzeitbomben!
    Obwohl wir euch doch so lieb haben,aber im looosen,da sind wir Deutschen unschlagbar…wenns ins Eingemachte geht!

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    Jana

    2. Februar 2018 14:25 at 14:25

    es wird früher oder später sowieso passieren müssen, dass die EU auseinanderfliegt – mir persönlich ist lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende….

    • Avatar

      Columbo

      2. Februar 2018 14:54 at 14:54

      Irgendwann fliegt alles auseinander, auch die Sonne. So bald, wie sich das manche wünschen, fliegt die EU nicht auseinander. Und dann, @Jana, leidest Du derzeit an Schrecken ohne Ende, weil du die EU ertragen mußt? Gehts Dir so schlecht? Lebst Du auf der Straße? Oder bist Du einfach etwas schreckhaft?

      • Avatar

        Jana

        2. Februar 2018 15:18 at 15:18

        Nein, Ihre Meinung scheint mir im Rahmen dieser Thematik sehr kurzsichtig zu sein. Die extreme Verschuldung kann man sich nicht weglügen indem man sagt mir geht es gearde recht gut. Die Gesamtstabilität des Systems ist stark in Frage zu stellen. Schulden werden von neuen Schulden beglichen und das geht immer so weiter – Zinsen kann man kaum erhöhen in dieser Situation. Die Inflation steigt auch kontinuirlich an. Wenn die Reaktion darauf (also Zinserhöhung) im Grunde nicht durchgeführt werden kann, besteht die Gefahr einer immens steigenden Inflation – wenn nicht sogar Hyperinflation. Wir sind davon noch ein ganzes Stück entfernt – nur sollte man nicht nur im hier und jetzt leben, sondern auch mal an die Zukunft denken. Irgendwann muss sich diese Situation auflösen – es ist nunmal so. Man kann sich das Ganze auch mit geschlossenen Augen anschauen – wie Sie das scheinbar bevorzugen. Nur damit können SIe keine Tatsachen verschwinden lassen. Es wird in Zukunft größere Probleme mit diesem Geldsystem geben. Selbst wenn es noch Jahre vor uns liegt (was ich nicht mal glaube). Wer nicht mitbekommt, dass die Probleme der EU immer größer werden anstatt kleiner zu werden, der geht sowieso mit geschlossenen Augen durchs Leben.

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          Columbo

          2. Februar 2018 16:26 at 16:26

          @Jana, man sollte wirklich im Hier und Jetzt leben und sich keine Sorgen um die Zukunft machen, aus psychohygienischen Gründen. Man läuft sonst Gefahr ein Leben in „Schrecken ohne Ende“ zu führen und am Ende kommt es doch ganz anders. Es gibt ja nicht nur Schulden und Hyperinflation, sondern auch Unfälle und Krankheiten. Letztere treffen einen wesentlich häufiger, als Hyperinflation, Krieg oder was weiß ich. Also, take it easy?.

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        Pit M.

        2. Februar 2018 15:30 at 15:30

        Haha ja stimmt innerhalb der EU herrscht Eintracht wie noch nie – und das Vertrauen in den Euro ist auch auf Allzeithoch…..

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    Schmidt

    2. Februar 2018 14:26 at 14:26

    Dasselbe gilt auch für die deutschen Anleihen oder glaubt jemand dass Deutschland jemals seine Schulden zurückzahlen wird ?

    Was die ganze Diskussion um die Targetsalden geht, ohhh großes Risiko für den deutschen Steuerzahler bla bla bla. Wo ist der Unterschied ob die italienische Zentralbank oder die deutsche Zentralbank das Geld aus der Presse/Computer erzeugt und auszahlt, da keine Druckkosten mehr gibt sind es nur ein paar Cent für den Strom. Das Geld wurde von der Zentralbank ohne Gegenleistung erschaffen und liegt nun auf den Privatkonten der Autohersteller oder anderen Exportfirmen.

    Genauso könnte die Bundesbank die ganzen deutschen Schulden aufkaufen und dann alles abschreiben. Und genauso wird es kommen denn eine andere Alternative gibt es nicht. Wird irgend jemand ein Cent dadurch verlieren ?

    • Avatar

      leser

      2. Februar 2018 14:45 at 14:45

      Und gegen welche Position auf der Passiv-Seite der Bilanz wird abgeschrieben?

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        Schmidt

        2. Februar 2018 14:54 at 14:54

        Gegen die Luftposition woher auch das Geld für die Anleihen kam.

        • Avatar

          leser

          2. Februar 2018 15:02 at 15:02

          Wahrscheinlich haben Simbabwe und Venezuela das genau so gehandhabt…

          • Avatar

            Schmidt

            2. Februar 2018 16:00 at 16:00

            Wahrscheinlich, aber das Problem dort ist dass sie das gedruckte Geld dem Volk schenken müssen damit der Mob ruhig ist. Anleihen für Luftgeld kaufen und abschreiben ist was anderes.
            Die Staatsfinanzierung über die Zentralbank ist zum Normalzustand geworden trotz der vielen nationalen und internationalen Gesetze die wir haben aber viele wollen es nicht wahrhaben oder glauben dass es irgendwann wieder vorbei wird. Niemals. Würde Deutschland das kostenlose Geld in die Hand nehmen und in Infrastruktur, Bildung, Gesundheit usw. investieren und sich noch mehr verschulden als die anderen hätte man was davon. Aber wenn der angebliche gesunde Menschenverstand ständig auf der Schuldenseite starrt und entsetzt feststellt dass es immer grösser wird obwohl kein Eigennutzen davon hat dann kann ich nur sagen „Weiter so“ und Gratulation zum diesem tollen gesunden Menschenverstand. Weiter starren und entsetzen.
            Das Spiel gewinnt der der am meisten Aktivas von billigen Schulden gekauft hat wenn die Schulden abgeschrieben werden. Siehe die Schweizer, warum können die das ? Sie kaufen sogar Aktien auf Pump und die Japaner auch Immobilen, Aktien, ETFs alles was sie kriegen können. Und ist jetzt die Schweiz oder Japan, Venezuela oder Simbabwe ?
            Das gilt nicht für Privatpersonen sondern nur für unabhängige souveräne Staaten was Deutschland aber nicht ist. Daher wird sie das Spiel auch nicht gewinnen können.

      • Avatar

        Michael

        2. Februar 2018 14:55 at 14:55

        Gegen den gesunden Menschenverstand natürlich 🙂

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    asisi1

    2. Februar 2018 15:18 at 15:18

    Deutschland zahlt seit 100 jahren irgendwelche imaginären schulden zurück. ich weiß zwar nicht an wen, aber wir werden weiterhin zahlen müssen!!!!

  7. Avatar

    Klaus

    2. Februar 2018 15:24 at 15:24

    „Wird irgend jemand einen Cent dadurch verlieren“ – Nein, jeder behält alle seine Cent, kein Cent geht verloren. Nur sind sie dann halt alle wertlos. Heute bekomme ich sogar noch Gold dafür – irre, nicht wahr?

    • Avatar

      Schmidt

      2. Februar 2018 16:02 at 16:02

      Ja, irgendwann. Und wer seine Cents nicht rechtzeitig wegkriegt bleibt auf diese sitzen in der Hoffnung dass sie doch nicht wertlos werden.

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    asyoulike

    2. Februar 2018 15:35 at 15:35

    Moin, moin,
    interessanter Artikel. Hier kann sich sicher niemand beschweren. Es kommt doch nur was kommen muss, nichts anderes passiert. Es wurde auf der Wahlkarte angekreuzt und nun bringt der Kellner die bestellten Sachen. So einfach.
    Je eher diese Problematik zur Entladung kommt, desto besser. Dann muss Michel sehen, was sein falsches Kreuz angerichtet hat bzw. was die BRD Politik-Eliten mit ihm machen. Wohl bekomms mag man da nur sagen. Auf Lerneffekte darf man bei Michels auch nicht hoffen, sonst wären die Wahlen eh abgeschafft.

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      moin_moin

      2. Februar 2018 18:17 at 18:17

      https://www.gold.de/staatsverschuldung-deutschland/

      Im Moment dreht sich die Schuldenuhr mit 78Euro/s rückwärts.. das sind zwar nur 2.5 Milliarden im Jahr.. aber das läppert sich… um Target2 würde ich mir gar keine Sorgen machen.. jedes Land hat noch reichlich, was man verwerten kann.. selbst griechenland.. ist nur halt politisch nicht gewollt..

      • Avatar

        Lars

        2. Februar 2018 19:03 at 19:03

        Ach, wenn ich mir diese Uhr nur mal für eine Viertelstunde ausleihen könnte, wäre ich ein vollkommen freier Mensch und würde etwa 5 Jahre an enorm gestiegener Lebensqualität verbuchen können 😉

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    Enka Latineg

    3. Februar 2018 00:04 at 00:04

    In einem Vortrag bei einer Privatbank sagte schon vor einigen Jahren der hausinterne Referent, dass Staatsschulden nicht zurück gezahlt werden müssen.

    Darauf setzten schon immer die Machthaber, liessen sich Gold für Eisen geben und schufen ,quodlibet, aus der alten Fiatwährung übernacht eine neue. Damit war dann selbst der kleinste FIAT bereits für die Mittelschicht gefühlt eine sehr lange Zeit unerschwinglich, sogar gebraucht.

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Anleihen

Repo-Markt: Cash Crunch wegen Hedgefunds?

Wie die Fed den Kollaps von großen Hedgefunds verhinderte

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Sind extrem stark gehebelte Hedgefunds die Ursache gewesen für das Chaos (Cash Crunch) am amerikanischen Repo-Markt? Ein Bericht der BIS (Bank for International Settlement; zu deutsch „Bank für Internationalen Zahlungsausgleich“), gewissermaßen die Notenbank der Notenbanken, legt das nahe. Am 16.September waren die Zinsen am US-Geldmarkt massiv nach oben geschossen – erste Erklärungen lauteten damals: US-Banken müssten Steuern bezahlen und gleichzeitig hätten die USA große Volumina an Anleihen auf den Markt gebracht.

Das mögen Faktoren gewesen sein, so die BIS, aber das reiche als Erklärung eben nicht aus („Yet none of these temporary factors can fully explain the exceptional jump in repo rates“). Aber vieles hängt gleichwohl mit der immensen Neuverschuldung der Trump-Administration zusammen, die vor allem kürzer laufende Staatsanleihen emittiert, um eben diese Neuverschuldung zu refinanzieren.

Und es sind vier große US-Banken, die sich mit diesen neu auf den Markt gebrachten Anleihen vollgesogen haben. Warum? Weil die Fed ab Oktober ihre Bilanz reduzierte, was die überschüssigen Cash-Reserven, die die großen Banken bei der Fed angelegt hatten (und die in Relation zur Bilanzsumme der Fed stehen), praktisch überflüssig machte. Die Zinsen für diese Cash-Reserven (IOER, interest rate on excessive reserves) sanken unter die Zinsen, die am Repo-Markt erhältlich waren. Bei Repo-Geschäften hinterlegen Institutionen, die sich Geld leihen, Staatsanleihen oder als extrem sicher geltende Unternehmensanleihen als Sicherheit für einen kurzfristigen Kredit – der Cash-Verleiher gibt dann am nächsten Tag die als Sicherheit einbahaltenen Anleihen zurück und bekommt dafür das ausgeliehene Cash plus Zinsen wieder zurück.

Mit anderen Worten: es wurde für große Banken attraktiver, als Geld-Verleiher am Repo-Markt aufzutreten als die überschüssigen Reserven bei der Fed zu hinterlegen, weil am Repo-Markt mehr Zinsen zu vereinnahmen waren:

„After the Federal Reserve started to run down its balance sheet in October 2017, reserves contracted, quickly but in an orderly way as intended. Alongside, banks‘ holdings of US Treasuries increased, almost trebling between end-2013 and the second quarter of 2019. As repo rates started to increase above the IOER from mid-2018 owing to the large issuance of Treasuries, a remarkable shift took place: the US banking system as a whole, hitherto a net provider of collateral, became a net provider of funds to repo markets. The four largest US banks specifically turned into key players: their net lending position (reverse repo assets minus repo liabilities) increased quickly, reaching about $300 billion at end-June 2019“.

Vor allem die großen vier US-Banken wurden also zentrale Player am Repo-Markt, indem sie dort lukrativ Geld verliehen gegen die Sicherheit von (Staats-)Anleihen:

„Concurrent with the growing role of the largest four banks in the repo market, their liquid asset holdings have become increasingly skewed towards US Treasuries, much more so than for the other, smaller banks. As of the second quarter of 2019, the big four banks alone accounted for more than 50% of the total Treasury securities held by banks in the United States – the largest 30 banks held about 90%“.

Die großen US-Banken bauten also ihr Bestände an US-Staatsanleihen deutlich aus, während gleichzeitig ihre bei der Notenbank liegenden Cash-Reserven abnahmen – damit schrumpfte die frei verfügbare Liquidität jener vier großen Banken, die sie bisher vorwiegend am Repo-Markt verliehen hatten.

Als dann im August 2019 die US-Schuldenobergrenze ausgesetzt wurde, bediente sich das US-Finanzminsterium zwischen Mitte August und Mitte September bei den bei der Notenbank hinterlegten Reserven, um die schwindenden Cash-Bestände wieder aufzufüllen – sie entzog also damit dem Markt in großem Umfang Liquidität.  Während also die Banken immer mehr Staatsanleihen horteten und ihre Cash-Reserven dadurch schmolzen (was ihre Neigung, Cash zu verleihen, verringerte), brauchte der US-Staat schlicht Liquidität, die er damit dem Markt entzog.

Repo-Markt und Hedgefunds

Und nun kommen die Hedgefunds ins Spiel! Diese waren seit dem Jahr 2017 offenkundig extrem aktiv am Repo-Markt als Geld-Leiher unterwegs. Sie hinterlegten also Anleihen, um dafür Cash zu bekommen – und mit diesem geliehenen Cash betrieben sie offenkundig Arbitrage-Geschäfte, indem sie Preisdifferenzen zwischen den am Cash-Markt für Anleihen bezahlten Kursen und Derivaten ausnutzten, um damit eine (geringe) Marge zu erzielen.

Mit den geliehenen Geldern wiederum kauften sie neue Staatsanleihen, die sie wiederum als Sicherheit am Repo-Markt hinterlegten – um damit dann wieder neue Anleihen zu kaufen und so weiter und so weiter. Als Gegenpart bei dieesen Geschäften traten offenkundig amerikanische Geldmarktfonds (MMF, money market funds) auf, die die Anleihen als Sicherheit annahmen und dafür Cash verliehen an diese Hedgefunds:

„Shifts in repo borrowing and lending by non-bank participants may have also played a role in the repo rate spike. Market commentary suggests that, in preceding quarters, leveraged players (eg hedge funds) were increasing their demand for Treasury repos to fund arbitrage trades between cash bonds and derivatives. Since 2017, MMFs have been lending to a broader range of repo counterparties, including hedge funds, potentially obtaining higher returns.“

Diese Geldmarktfonds hatten zuvor starke Zuflüsse erlebt an Geldern, weil viele Investoren glaubten, dass in den SA eine Rezession bevor stünde und daher in vermeintlich sicheren Geldmarktfonds ihre Mittel parken wollten. Als diese Konjunktur-Sorgen dann aber wieder schwanden, erwarteten die Geldmarktfonds offenkundig, dass wieder Mittel abgezogen werden würden von diesen Investoren – weshalb sie offenkundig mit der Verleihung von Cash deutlich zurückhaltender wurden:

„During September, however, quantities dropped and rates rose, suggesting a reluctance, also on the part of MMFs, to lend into these markets . Market intelligence suggests MMFs were concerned by potential large redemptions given strong prior inflows“.

Faktisch musste also die Fed eingreifen, um einen Kollaps am Repo-Markt zu verhindern. Besorgniserregend ist dabei besonders, dass offenkundig hoch gehebelte Hedgefunds mittels Arbitrage-Geschäften mitmischten – und plötzlich vor dem Nichts standen, weil Liquidität und Cash plötzlich extrem teuer wurden. Gleichwohl besteht täglich ein Refinanzierungs-Bedarf für diese Hedgefonds – und hätte die Fed nicht eingegriffen, wären diese Hedgefunds (vor allem wohl Citadel, Millenium und Point 72) aus Mangel an Liquidität vermutlich kollabiert. Das weckt Erinnerungen an den Kollaps des Hedgefunds LTCM in den späten 1990er-Jahren.

Und das wiederum zeigt: die Dinge gehen so lange gut, bis sie eben nicht mehr gut gehen. Wohl dem, der eine Fed als Retter hat!

Die Fed trat am Repo-Markt als Retter auf

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Schulden: Der Auslöser der nächsten Krise

Über einen Brandbeschleuniger, den auch die US-Notenbank Fed nicht beseitigen kann

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Jetzt hat auch der Präsident der Notenbank von Dallas, Robert Kaplan, darauf hingewiesen: Die Entwicklung am US-Anleihemarkt mit einem massiven Anstieg der Schulden der Unternehmen hat eine gefährliche Situation geschaffen, über die man in verantwortlichen Kreisen nicht mehr hinwegsehen kann. Die (schlechte) Qualität und auch Quantität der Unternehmensanleihen hat eine solche Dimension angenommen, dass es selbst ohne eine US-Rezession schon zu einer Krise im Junkbond-Sektor kommen kann, mit weitreichenden Folgen für die Kapitalmärkte.

Markus Fugmann hat gestern in seinem Webinar die Sachlage anhand von vielen Fakten und aktuellen Charts sehr ausführlich erläutert. Wer sich ernsthaft mit der Entwicklung der US-Märkte befasst, wird nicht umhin kommen, die dort sichtbare Blasenbildung genau zu verfolgen. Ein Einbruch im Highyield-Sektor könnte aufgrund der extrmen Höhe der Schulden der Auslöser für die nächste große Korrektur an den Märkten sein. Auch wenn man vorsichtig sein soll mit allerlei Crashpropheterie: nach der Dotcom-Bubble 2000 und der Hypotheken-Bubble 2007 könnte die Junkbonds-Bubble die nächste große Krise auslösen. War es in der Finanzkrise die große Hebelung der Geldverleiher, die die Krise auslösten, so dürfte die nächste Krise durch die massiven, nicht mehr tragfähigen Schulden der Unternehmen ausgelöst werden!

Die abnehmende Qualität der Schulden von US-Unternehmen

Wie gestern im Webinar dargestellt, hat die Entwicklung der Schulden von US-Unternehmen seit der Finanzkrise schon extreme Züge angenommen:

Der massive Ansteig der Unternehemnsschulden wird ein Problem für die Geldpolitik

Dabei geht es nicht so sehr um die Gesamtsumme der Verschuldung in Höhe von 10 Billionen Dollar, es ist mehr die Qualität der Schulden der Unternehmen, die sich nur noch knapp über dem Non-Investmentgrade-Bereich befinden. Diese haben sich seit 2009 schlichtweg verdreifacht.

Wo liegt jetzt hier das große Problem? Anders als bei den Staatsanleihen kann die US-Notenbank im Bereich der Unternehmen nicht so einfach ein weiteres Quantitative Easing-Programm (QE4) auflegen, um die Renditen der Schulden zu drücken. Nach meinem Kenntnisstand fehlt hierfür die gesetzliche Grundlage für eine solche Geldpolitik.

Bei einer Abschwächung der US-Konjunktur und der derzeit zu beobachtenden Verschlechterung der Unternehmensmargen könnten die US-Ratingagenturen gezwungen sein, die Bonität der Unternehmen abzustufen. Das bedeutet vom BBB-Bereich auf Junkbond-Niveau, was in der Dimension gewaltige (negative) Auswirkungen nach sich ziehen muss: Große Kapitalanleger wie Versicherungen und Pensionsfonds dürfen diese Risikobonds dann eben nicht in ihren Portfolios halten – man müsste sie auf den Markt werfen (sprich verkaufen).

Doch welche Investoren würden diese bonitätsschwachen Titel kaufen und das in Milliardenhöhe? Der perfekte Sturm am Anleihemarkt, der sich durch das Anschwellen der US-Staatsverschuldung auf 23 Billionen demnächst sowieso in Daueranspannung befinden dürfte.

Es ist die Kombination von immer tieferen Leitzinsen, einer schuldenfinanzierten Steuererreform und einer Aktienrückkauforgie der Unternehmen (5,3 Billionen Dollar seit 2009, vielfach schuldenfinanziert), die in manchen Teilen der US-Wirtschaft zu einer Zombiefizierung des Unternehmenssektor geführt hat. Wie in vielen Beiträgen bei FMW, insbesondere auch von Hannes Zipfel dargelegt, vertragen die Vereinigten Staaten keine höheren Zinsen mehr. Zinsanstiege würden von mehreren Seiten sofort mehrere Blasen anstechen. Die der hoch verschuldeten Konsumenten und eben die im Webinar dargestellte Blase im BBB-Unternehmenssektor. Deshalb auch der beständige Ruf Donald Trumps an die Fed die Zinsen zu senken – am besten auf null.

Die Verspannungen am Repo-Markt

Die ganze Wirtschaftswelt rätselt über die Ursache, warum die US-Notenbank jetzt schon über Monate hinweg Unsummen von Dollar in den Overnight Market pumpt, um den Interbankensektor am Laufen zu halten. Bereits seit dem 16. September 2019, als die „Overnight Repo Rate“, also der Zinssatz, zu dem sich Banken gegen Sicherheiten Geld leihen, auf 10 Prozent hochgeschossen war, fünfmal höher als die Tage zuvor. Man relativierte das zunächst als einmaligen Engpass, aber nur um in der Folge sogar nicht nur „Übernacht-Sicherheiten“ für die Banken auszugeben, sondern sogar vierzehntägige.

Bereits über 70 Mal hat die Fed mit ihrer Geldpolitik jetzt schon den Markt manipuliert, um die Zinsen tief und damit den Interbankenmarkt am Leben zu erhalten. Man nimmt Treasuries und Mortgage Backed Securities entgegen und gibt dafür die begehrten Dollars aus. Täglich bis zu 200 Milliarden Dollar. Banken trauen sich nicht mehr über den Weg, wie es Analysten bezeichnet haben. Aber was ist der Grund? Warum funktionieren die Märkte nicht mehr?

Wird befürchtet, dass die Bond-Bubble platzt? Oder sind die Mortgage Backed Securities (MBS, Hypotheken-besicherte Wertpapiere) das Problem?

Fazit

Das Problem der schlechten Bonität der Unternehmensanleihen am Ende eines schon über 10 Jahre andauernden Wirtschaftsaufschwungs ist unübersehbar geworden. Wie könnte es gelöst werden? Durch ein Anziehen der Konjunktur mit Wachstumsraten von über drei Prozent, wie es US-Präsident Trump vorschwebt? Aber wie realistisch ist das? Hinzu kommt das ungeklärte Thema Repo-Markt. Die Federal Reserve kennt die Ursache, genauso wie einzelne US-Geschäftsbanken auch. Dummerweise werden die Gegenparteien der Repo-Geschäfte erst mit einer Verzögerung von zwei Jahren veröffentlicht. Für den Kleinanleger dürfte das Wissen dann eindeutig zu spät kommen.

Auf alle Fälle werden US-Regierung und die US-Notenbank versuchen, einen Einbruch an den Kapitalmärkten, besonders im Wahljahr 2020, so lange wie möglich hinauszuschieben. Wie lange wird das möglich sein? Dies steht, wie auch die Frage nach dem Auftreten der Rezession, wie immer in den (Wirtschafts-)Sternen.

Die immensen Schulden sind das große Risiko für die Finanzmärkte

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„Schwarzer Schwan BBB-Risiko“ – das Webinar zum Nach-sehen

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Gestern fand das Webinar „Schwarzer Schwan BBB-Risiko“ statt. Es geht darin um die wahrscheinliche Ursache der nächsten großen Krise: die gigantische Unternehmensverschuldung, wobei mehr als 50% der Unternehmensanleihen nur noch eine Stufe über dem Status „junk bonds“ stehen (mit dem Rating BBB). Schon die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums sowie damit einhergehend schlechtere Unternehemensergebnisse wären die Voraussetzung für einen Tsunami.

Das weiß auch die Fed – zuletzt hat Dallas-Fed-Chef Robert Kaplan eindringlich vor diesem Risiko gewarnt. War die Finanzkrise ausgelöst durch eine zu starke Hebelung der Geld-Verleiher, so wird die nächste große Krise ausgelöst, weil diejenigen, die zu viel Geld geliehen haben (vor allem Unternehmen), in Schieflage geraten! Das ist gewissermaßen ein schwarzer Schwan mit Ansage..

Sie können das Webinar hier noch einmal in voller Länge ansehen:

https://www.facebook.com/capitalcomdeutsch/videos/524019238183294/

 

Die mit BBB gerateten Unternehemnsanleihen sind ein schwarzer Schwan

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