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Anleihen

Grazie, Mario Draghi! Das Risiko wandert von den italienischen Banken zum deutschen Steuerzahler!

Euro – das ist die Geld gewordene Ideologie der großen Liebe der europäischen Völker jenseits der ökonomischen Vernunft. Nun verlagern italienische Banken ihre Risiken vor den anstehenden italienschen Wahlen in die EZB, und wenn es schief läuft, bleibt Deutschland nach einer möglichen Scheidung (Italexit) auf seinen Forderungen sitzen..

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Von Markus Fugmann

Anfang März sind bekanntlich Wahlen in Italien, und es sind vor allem die Euro-kritischen Parteien, die gute Chancen bei dieser Wahl haben. Das heißt nicht, dass Italien aus dem Euro austreten wird – aber ganz ausgeschlossen ist ein Italexit eben auch nicht infolge einer absehbar neuen Regierung von Euro-Kritikern, die schon laut zumindest über eine Parallelwährung nachgedacht haben (wie etwa der ewige Silvio Berlusconi, jener Polit-Figur, die den Italienern das schlechte Gewissen nimmt, wenn sie keine Steuern zahlen oder den Staat mit anderen Mitteln betrügen – der Silvio macht es doch auch, denkt man sich in Bella Italia).

Käme es zum worst case, nämlich zum Austritt Italiens aus dem Euro, dann müßte Italien, so hat es Mario Draghi nun mehrfach kundgetan, negative Target 2-Salden ausgleichen, sprich bezahlen. Und das würde Italien natürlich aus der Portokasse zahlen können, schließlich handelt es sich nur um die klitzekleine Summe von mehr als 400 Milliarden Euro. Ja, das würde der Silvio Berlusconi als potentiell nächster Regierungschef natürlich gerne zahlen – schon aus Liebe zu den Deutschen, deren Target 2-Forderungen inzwischen die 900-Milliarden-Grenze überwunden haben – Tendenz weiter steigend. Sollte Italien das aber aus irgendwelchen, völlig irrationalen Gründen doch nicht machen, bliebe Deutschland, sprich die Bundesbank, auf ihren Forderungen sitzen. Nach Italien verkaufte deutsche Autos wären dann sozusagen ein Geschenk der Deutschen an die Italiener – wäre doch mal eine nette Geste zum Abschied!

Alles natürlich kein Problem – auch für die EZB nicht. Was würde aber die Notenbank machen mit ihren italienischen Staatsanleihen, die sie im Rahmen des QE gekauft hatte, wenn Italien aus dem Club austritt? Mit einem netten Lächeln den Italienern zurück geben mit der Bitte um Abnahme?

Darüber aber möchte man bei der EZB natürlich nicht einmal nachdenken, oder wie es so schön heißt bei elitären Machthabern: „wir haben keinen Plan B“. Und es steht wirklich zu fürchten, dass es diesen Plan B nicht gibt, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Der Euro ist eben nicht nur eine Währung, sondern vor allem der Audruck einer Ideologie. Und die heißt, inspiriert vom deutschen Ex-Kanzler Kohl: nie wieder Krieg in Europa, wir haben uns doch alle lieb, und wenn´s hart auf hart kommt, zahlen die Deutschen eben dafür, dass wir uns alle lieb haben – und ganz fest versprochen: wir rücken nicht mehr in Polen ein und verzichten auf weitere Blitzkriege!

Jedenfalls ist auffällig, dass die EZB weiter sehr fleißig italienischen Staatsanleihen kauft. Und weil sie das nicht am Primärmarkt machen darf, also von Italien selbst, kauft sie über die Banken am Sekundärmarkt. Und welche Banken haben die meisten italienischen Staatsanleihen? Richtig, die italienischen Banken.

Und die entsorgen sich in den letzten Monaten sehr kräftig dieser italienischen Anleihen: sie verkauften im 4.Quartal italienische Anleihen im Volumen von 40 Milliarden Euro – an die EZB, weil die so gut wie der einzige Käufer italienischer Anleihen ist. Mit anderen Worten: sollte es blöd laufen und die Italiener wollen raus aus der Eurozone, dann sitzt die EZB auf noch mehr italienischen Anleihen, das Risiko wandert also immer mehr von den italienischen (Privat-)Banken zum europäischen, dabei besonders dem deutschen Steuerzahler, weil der für die EZB schließlich haftet und mit Abstand die größten Target-Forderungen hat.

Und gestern hat die EZB sehr wahrscheinlich in massivem Umfang italienische Staatsanleihen gekauft: während praktisch Staatsanleihen aller Länder stark unter Druck waren, sprich deren Renditen stiegen und Kurse sanken, fielen die Renditen für italienische Staatsanleihen erheblich, wie etwa der Vergleich zwischen der 10-jährigen italienischen Staatsanleihe (BTP, schwarz) und der deutschen 10-jährigen Bundesanleihe (Bund-Future, orange) zeigt:


(Chart durch anklicken vergrößern)

Da ist also gestern ein ganz dicker Wal in die Badwanne gefallen, sprich die EZB hat gestern heftig zugekauft – anders ist eine solche Bewegung bei der 10-jährigen italienischen Staatsanleihe in dem derzeitigen fast schon Crash-artigen Umfeld für Staatsanleihen gar nicht erklärbar.

Und die Moral von der Geschicht: Europa heißt, dass wir uns alle ganz doll lieb haben – und am Ende die Deutschen haften, wenn es doch völlig überraschenderweise zur Scheidung kommt..


Grande amore con Germania: Mario Draghi
Foto: EZB

26 Kommentare

26 Comments

  1. PK

    2. Februar 2018 13:10 at 13:10

    ja, aber das Hauptthema in der Tagesschau wird trotzdem wieder sein, daß ein paar Affen und Menschen Stickoxide in geringer Dosis eingeatment haben.
    Es ist unfassbar was da passiert und es interessiert keine Sau.

    • leser

      2. Februar 2018 13:26 at 13:26

      Und selbst die Affen-Nachricht ist, zumindest ohne weitreichende zusätzliche Erläuterungen, fake-news und Affentheater, https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/lichtblicke-kolumnen/um-diesel-ging-es-gar-nicht/

    • Michael

      2. Februar 2018 14:22 at 14:22

      @PK, so ganz ignorieren sollte man das aber auch nicht, in Verbindung mit den anderen Schummeleien ist die ganze Abgasgeschichte schon berichtenswert.
      Aber natürlich haben Sie recht, solche Themen sollten der Öffentlichkeit auf allen Kanälen schonungslos präsentiert werden. Ich persönlich finde dahingehend die von der FMW empfohlene 4-teilige Serie „Im Rausch der Macht“ genial. Hier wird klar und deutlich offengelegt, wie die Mechanismen funktionieren. Und alle, die es verdient haben, bekommen auch ihr Fett weg: Draghi, Banken, die Raute, Donnie Dumb, Hillary, Putin, Berlusconi, Sportfunktionäre…
      @alle AfD’ler: Und ja, ich weiß, ich weiß: Schon alleine die Tatsache, dass die Serie vom Spiegel produziert wurde, macht sie natürlich zu linker, sozialistischer Propaganda. Zu linkspopulistischer Lügen- und Lücken-Berichterstattung, zu Fake-News, suggestiv präsentiert von Gutmenschen, blah, blah, blah…

      • sabine

        3. Februar 2018 18:33 at 18:33

        http://www.manager-magazin.de/unternehmen/autoindustrie/ford-abgasskandal-erreicht-zweitgroessten-autobauer-der-usa-a-1187255.html
        Lückenlose Aufklärung und die ganze Härte des Gesetzes. Sagen die Pharisäer.

        „Beim Fracking wird Wasser mit hohem Druck in den Erdboden gepresst. Dort erzeugt es viele kleine Risse, in die die Flüssigkeit eindringt. Zur Stabilisierung dieser Risse wird Sand mit in die Tiefe gepumpt. Außerdem werden dem Wasser-Sand-Gemisch Chemikalien zugesetzt. Sie sollen unter anderem das Bohrgestänge vor Korrosion schützen und das Wachstum von Bakterien verhindern. Das macht die Fracking-Technik allerdings gefährlich für die Umwelt. Einige dieser Substanzen, zum Beispiel Salz- und Ameisensäure, sind giftig oder gelten als krebserregend. Zudem befinden sich im Untergrund auch Quecksilber und andere Schwermetalle, die beim Fracking ausgewaschen werden und mit dem Brauchwasser an die Erdoberfläche kommen. Darüber hinaus strömen über die Bohrlöcher möglicherweise auch Gase wie das krebserregende Benzol nach oben.“ Alles nur linke Propaganda.

  2. Donald Duck

    2. Februar 2018 13:26 at 13:26

    – und ganz fest versprochen: wir rücken nicht mehr in Polen ein und verzichten auf weitere Blitzkriege!

    Das braucht man nicht versprechen – siehe Schrotthaufen Bundeswehr

    • leser

      2. Februar 2018 13:28 at 13:28

      War auch mein erster Gedanke.
      Der „Feind“ sitzt ja auch eher in Frankfurt und in Berlin.

  3. vier saeulen system

    2. Februar 2018 13:31 at 13:31

    Ich wiederhole es gerne nochmal:
    Das Luftmoney,das sind die heutigen Neuzeitbomben!
    Obwohl wir euch doch so lieb haben,aber im looosen,da sind wir Deutschen unschlagbar…wenns ins Eingemachte geht!

  4. Jana

    2. Februar 2018 14:25 at 14:25

    es wird früher oder später sowieso passieren müssen, dass die EU auseinanderfliegt – mir persönlich ist lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende….

    • Columbo

      2. Februar 2018 14:54 at 14:54

      Irgendwann fliegt alles auseinander, auch die Sonne. So bald, wie sich das manche wünschen, fliegt die EU nicht auseinander. Und dann, @Jana, leidest Du derzeit an Schrecken ohne Ende, weil du die EU ertragen mußt? Gehts Dir so schlecht? Lebst Du auf der Straße? Oder bist Du einfach etwas schreckhaft?

      • Jana

        2. Februar 2018 15:18 at 15:18

        Nein, Ihre Meinung scheint mir im Rahmen dieser Thematik sehr kurzsichtig zu sein. Die extreme Verschuldung kann man sich nicht weglügen indem man sagt mir geht es gearde recht gut. Die Gesamtstabilität des Systems ist stark in Frage zu stellen. Schulden werden von neuen Schulden beglichen und das geht immer so weiter – Zinsen kann man kaum erhöhen in dieser Situation. Die Inflation steigt auch kontinuirlich an. Wenn die Reaktion darauf (also Zinserhöhung) im Grunde nicht durchgeführt werden kann, besteht die Gefahr einer immens steigenden Inflation – wenn nicht sogar Hyperinflation. Wir sind davon noch ein ganzes Stück entfernt – nur sollte man nicht nur im hier und jetzt leben, sondern auch mal an die Zukunft denken. Irgendwann muss sich diese Situation auflösen – es ist nunmal so. Man kann sich das Ganze auch mit geschlossenen Augen anschauen – wie Sie das scheinbar bevorzugen. Nur damit können SIe keine Tatsachen verschwinden lassen. Es wird in Zukunft größere Probleme mit diesem Geldsystem geben. Selbst wenn es noch Jahre vor uns liegt (was ich nicht mal glaube). Wer nicht mitbekommt, dass die Probleme der EU immer größer werden anstatt kleiner zu werden, der geht sowieso mit geschlossenen Augen durchs Leben.

        • Columbo

          2. Februar 2018 16:26 at 16:26

          @Jana, man sollte wirklich im Hier und Jetzt leben und sich keine Sorgen um die Zukunft machen, aus psychohygienischen Gründen. Man läuft sonst Gefahr ein Leben in „Schrecken ohne Ende“ zu führen und am Ende kommt es doch ganz anders. Es gibt ja nicht nur Schulden und Hyperinflation, sondern auch Unfälle und Krankheiten. Letztere treffen einen wesentlich häufiger, als Hyperinflation, Krieg oder was weiß ich. Also, take it easy😊.

      • Pit M.

        2. Februar 2018 15:30 at 15:30

        Haha ja stimmt innerhalb der EU herrscht Eintracht wie noch nie – und das Vertrauen in den Euro ist auch auf Allzeithoch…..

  5. Schmidt

    2. Februar 2018 14:26 at 14:26

    Dasselbe gilt auch für die deutschen Anleihen oder glaubt jemand dass Deutschland jemals seine Schulden zurückzahlen wird ?

    Was die ganze Diskussion um die Targetsalden geht, ohhh großes Risiko für den deutschen Steuerzahler bla bla bla. Wo ist der Unterschied ob die italienische Zentralbank oder die deutsche Zentralbank das Geld aus der Presse/Computer erzeugt und auszahlt, da keine Druckkosten mehr gibt sind es nur ein paar Cent für den Strom. Das Geld wurde von der Zentralbank ohne Gegenleistung erschaffen und liegt nun auf den Privatkonten der Autohersteller oder anderen Exportfirmen.

    Genauso könnte die Bundesbank die ganzen deutschen Schulden aufkaufen und dann alles abschreiben. Und genauso wird es kommen denn eine andere Alternative gibt es nicht. Wird irgend jemand ein Cent dadurch verlieren ?

    • leser

      2. Februar 2018 14:45 at 14:45

      Und gegen welche Position auf der Passiv-Seite der Bilanz wird abgeschrieben?

      • Schmidt

        2. Februar 2018 14:54 at 14:54

        Gegen die Luftposition woher auch das Geld für die Anleihen kam.

        • leser

          2. Februar 2018 15:02 at 15:02

          Wahrscheinlich haben Simbabwe und Venezuela das genau so gehandhabt…

          • Schmidt

            2. Februar 2018 16:00 at 16:00

            Wahrscheinlich, aber das Problem dort ist dass sie das gedruckte Geld dem Volk schenken müssen damit der Mob ruhig ist. Anleihen für Luftgeld kaufen und abschreiben ist was anderes.
            Die Staatsfinanzierung über die Zentralbank ist zum Normalzustand geworden trotz der vielen nationalen und internationalen Gesetze die wir haben aber viele wollen es nicht wahrhaben oder glauben dass es irgendwann wieder vorbei wird. Niemals. Würde Deutschland das kostenlose Geld in die Hand nehmen und in Infrastruktur, Bildung, Gesundheit usw. investieren und sich noch mehr verschulden als die anderen hätte man was davon. Aber wenn der angebliche gesunde Menschenverstand ständig auf der Schuldenseite starrt und entsetzt feststellt dass es immer grösser wird obwohl kein Eigennutzen davon hat dann kann ich nur sagen „Weiter so“ und Gratulation zum diesem tollen gesunden Menschenverstand. Weiter starren und entsetzen.
            Das Spiel gewinnt der der am meisten Aktivas von billigen Schulden gekauft hat wenn die Schulden abgeschrieben werden. Siehe die Schweizer, warum können die das ? Sie kaufen sogar Aktien auf Pump und die Japaner auch Immobilen, Aktien, ETFs alles was sie kriegen können. Und ist jetzt die Schweiz oder Japan, Venezuela oder Simbabwe ?
            Das gilt nicht für Privatpersonen sondern nur für unabhängige souveräne Staaten was Deutschland aber nicht ist. Daher wird sie das Spiel auch nicht gewinnen können.

      • Michael

        2. Februar 2018 14:55 at 14:55

        Gegen den gesunden Menschenverstand natürlich 🙂

  6. asisi1

    2. Februar 2018 15:18 at 15:18

    Deutschland zahlt seit 100 jahren irgendwelche imaginären schulden zurück. ich weiß zwar nicht an wen, aber wir werden weiterhin zahlen müssen!!!!

  7. Klaus

    2. Februar 2018 15:24 at 15:24

    „Wird irgend jemand einen Cent dadurch verlieren“ – Nein, jeder behält alle seine Cent, kein Cent geht verloren. Nur sind sie dann halt alle wertlos. Heute bekomme ich sogar noch Gold dafür – irre, nicht wahr?

    • Schmidt

      2. Februar 2018 16:02 at 16:02

      Ja, irgendwann. Und wer seine Cents nicht rechtzeitig wegkriegt bleibt auf diese sitzen in der Hoffnung dass sie doch nicht wertlos werden.

  8. asyoulike

    2. Februar 2018 15:35 at 15:35

    Moin, moin,
    interessanter Artikel. Hier kann sich sicher niemand beschweren. Es kommt doch nur was kommen muss, nichts anderes passiert. Es wurde auf der Wahlkarte angekreuzt und nun bringt der Kellner die bestellten Sachen. So einfach.
    Je eher diese Problematik zur Entladung kommt, desto besser. Dann muss Michel sehen, was sein falsches Kreuz angerichtet hat bzw. was die BRD Politik-Eliten mit ihm machen. Wohl bekomms mag man da nur sagen. Auf Lerneffekte darf man bei Michels auch nicht hoffen, sonst wären die Wahlen eh abgeschafft.

    • moin_moin

      2. Februar 2018 18:17 at 18:17

      https://www.gold.de/staatsverschuldung-deutschland/

      Im Moment dreht sich die Schuldenuhr mit 78Euro/s rückwärts.. das sind zwar nur 2.5 Milliarden im Jahr.. aber das läppert sich… um Target2 würde ich mir gar keine Sorgen machen.. jedes Land hat noch reichlich, was man verwerten kann.. selbst griechenland.. ist nur halt politisch nicht gewollt..

      • Lars

        2. Februar 2018 19:03 at 19:03

        Ach, wenn ich mir diese Uhr nur mal für eine Viertelstunde ausleihen könnte, wäre ich ein vollkommen freier Mensch und würde etwa 5 Jahre an enorm gestiegener Lebensqualität verbuchen können 😉

  9. Enka Latineg

    3. Februar 2018 00:04 at 00:04

    In einem Vortrag bei einer Privatbank sagte schon vor einigen Jahren der hausinterne Referent, dass Staatsschulden nicht zurück gezahlt werden müssen.

    Darauf setzten schon immer die Machthaber, liessen sich Gold für Eisen geben und schufen ,quodlibet, aus der alten Fiatwährung übernacht eine neue. Damit war dann selbst der kleinste FIAT bereits für die Mittelschicht gefühlt eine sehr lange Zeit unerschwinglich, sogar gebraucht.

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Anleihen

Italien gegen EU, Erdogan gegen Zins-Teufel – so eindeutig reagiert der Markt

Es ist ganz einfach. Wenn Sie jemand anders Geld geben sollen, müssen Sie ihm vertrauen. Je weniger Sie ihm vertrauen, desto mehr Zinsen (Risikoprämie) verlangen Sie.

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Es ist ganz einfach. Wenn Sie jemand anders Geld geben sollen, müssen sSe ihm vertrauen. Je weniger Sie ihm vertrauen, desto mehr Zinsen (Risikoprämie) verlangen Sie. Für das erhöhte Risiko einer Nicht-Rückzahlung wollen Sie sich ja heute schon entsprechend bezahlen lassen.

Dieser Mechanismus ist aktuell wunderbar zu besichtigen in Italien und der Türkei. „Das neue Italien“, welches gerade durch die Wahlgewinner der Fünf Sterne-Bewegung + Lega geformt wird, schießt voll gegen die EU, gegen Verträge, gegen die Einhaltung von Schuldenrückzahlung uvm. Das steigert das Vertrauen der Märkte in Italien natürlich ins Unermessliche (Satire). Tendenziell verkaufen daher einige Anleger italienische Anleihen, um sich verlässlichere Alternativen zu suchen. Wenn die Käufer dieser italienischen Papiere nun günstiger einsteigen können, erhöht sich ihre Rendite (Risikoprämie) auf das eingezahlte Kapital.

Das sieht man gut in der wichtigsten Anleihelaufzeit von zehn Jahren. Im folgenden Chart seit Dezember 2017 sieht man, wie die Rendite von Anfang Mai, wo die aktuelle Koalitionskonstellation konkreter wurde, von 1,76% auf heute 2,18% gestiegen ist. Alleine von gestern auf heute legt die Rendite um 3,3% zu. Italien hat ja bekanntermaßen keine eigene Währung mehr. Gäbe es die italienische Lira noch, würde sie gut in den Keller rauschen. Also Glück gehabt in Sachen Währung?

Italien 10 Jahre Rendite

Türkei

In Sachen Türkei reden wir über ganz andere Größenordnungen, die der hohen Inflation geschuldet sind. Präsident Erdogan hält Zinsen für den Teufel. Man müsse sie eigentlich senken. Dass dies genau das Gegenteil von dem ist, was zur Inflationseindämmung nötig wäre, verstärkt die Vorbehalte der Märkte gegenüber der Türkei immer mehr.

Die zehnjährige türkische Staatsanleihe springt in ihrer Rendite (Chart seit Dezember 2017) seit Anfang Mai von 12,25% auf heute 14,49% – ein kräftiger Anstieg. Wer türkische Schulden jetzt neu kauft, will eben eine Risiko-Kompensation dafür, dass das Staatsoberhaupt des Landes so komische Äußerungen von sich gibt. Außerdem gibt es Gerüchte, dass Erdogan nach seiner Wiederwahl in vier Wochen dazu übergehen könnte die Notenbankpolitik in Eigenregie durchzuführen – also Zinssenkungen, um die Inflation in den Griff zu bekommen??? Es kann interessant werden, und weiteren Rendite-Anstiegen steht vermeintlich nichts im Weg.

Die Türkei hat anders als Italien ja ihre eigene Währung, und wir berichten seit Monaten über die stetige dramatische Abwertung der Lira. Mit 5,27 Lira für einen Euro ist man aktuell nur minimal entfernt vom Allzeittief bei 5,32 von vorgestern. Auch hier scheint vermeintlich der Weg für weitere Abwertungsschübe offen zu sein. Beginnt langsam die große Zockerei der Märkte Richtung Wahlen am 24. Juni?

Türkei 10 Jahre Rendite

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Aktien

Italien schockt mit Koalitions-Inhalten, türkische Notenbank unterstützt ihre Währung

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Italien und die Kapitalmärkte zeigen sich aktuell recht schockiert – das betrifft Anleihen wie Aktien. Heute dringen Inhalte des Koalitionspapiers an die Öffentlichkeit, über das die rechtspopulistische Lega derzeit mit der Fünf-Sterne-Bewegung verhandelt. Die Inhalte schocken, und fördern genau das zu Tage, was viele Beobachter lange befürchtet haben.

Italien verunsichert die Märkte

Populistische Parteien könnten nach der Regierungsübernahme versuchen aus dem Euro auszutreten und/oder die Schulden des Landes einfach nicht mehr anzuerkennen. Und genau das steht im heute bekannt gewordenen Entwurf. So enthält das Papier eine Forderung, wonach Italien Staatsschulden in Höhe von 250 Milliarden Euro erlassen bekommen soll, die durch die EZB gehalten werden. Damit würden die schlimmsten Befürchtungen der Euro-Kritiker auch hierzulande Realität (gemeinsame Haftung für Verluste der EZB). Auch vom Euro-Ausstieg Italiens ist konkret die Rede.

Die italienischen Kapitalmärkte zeigen sich dementsprechend „begeistert“ und stürzen ab – auch wenn die beiden Parteien offenbar solch drastische Aussagen im endgültigen Vertrag milder formulieren wollen. Im Chart (Verlauf seit März) haben wir den italienischen Aktienindex und die zehnjährige italienische Staatsanleihe übereinander gelegt. Beide fallen heute deutlich im Kurs. Die Anleihe fällt von gestern 137% auf jetzt 135,50% (Anleihekurse notieren immer in Prozentpunkten). Somit steigt die Rendite und damit auch die Risikoprämie für den Ausfall italienischer Staatsanleihen. Das bedeutet: Italien ist wieder zurück auf der Bühne der richtig unsicheren Kapitalmärkte. Für Spekulanten können sich hier gute Chancen ergeben, mit entsprechend hohen Risiken.

Italien

Italien und EU-Flagge
© European Union , 2017 / Source: EC – Audiovisual Service / Photo: Mauro Bottaro

Türkische Lira

Die türkische Lira hatte in den letzten Wochen und Monaten immer weiter abgewertet gegen Dollar und Euro (wir berichteten schon diverse Male). Bis heute früh war der Euro vs Lira auf wahnsinnige 5,32 angestiegen – ein Rekordtief für die Lira, welches die Abwertung der Lira immer schneller und dramatischer zeigte. Dann kam heute die Aussage der türkischen Zentralbank. Man werde notwendige Schritte unternehmen um ungesunden Preisbewegungen in den Märkten entgegenzuwirken. Im Klartext: die Zentralbank will wohl im eigenen Besitz befindliche Euro und Dollar verkaufen und dafür die eigene türkische Lira kaufen, damit sie wieder steigt.

Der Markt reagierte sofort, und Euro vs Lira fiel zügig von 5,32 auf 5,20. Das ist bei den vorigen Anstiegen nur eine winzige Gegenbewegung, aber im kurzen Bild verhagelt das den aktiven Tradern auf der Long-Seite erstmal die Performance. Mal sehen, ob diese Aussage der Zentralbank die Lira stabilisieren kann. Man kann da seine Zweifel haben. Nun kann es zum Showdown kommen – wer ist stärker und drückt mit mehr Volumen in den Markt, die Trader oder die Zentralbank?

Türkische Lira
Euro vs Türkische Lira seit 8. Mai.

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Anleihen

Hunger der Institutionellen auf deutsche Staatsschulden steigt enorm stark an!

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Der Hunger institutioneller Investoren auf deutsche Staatsanleihen war in den letzten Monaten nicht annähernd so stark wie heute. Die deutsche Staatsanleihe gilt global bei Anlagen in Schuldforderungen als die sicherste Geldanlage. Und die zehn Jahre laufende Bundesanleihe ist die mit Abstand wichtigste Laufzeit.

Den aktuellen Hunger zeigen zwei Fakten ganz eindeutig. Zum einen gab es heute bei nur 2 Milliarden Euro Angebot eine Nachfrage von 4,4 Milliarden Euro. In den Vormonaten (Grafik) hielten sich Angebot und Nachfrage grob gesagt immer im Gleichgewicht. Heute ist es massiv abgewichen, und die Nachfrager wollten mehr als doppelt so viel kaufen, wie angeboten wurde.

Der zweite Faktor für die aktuelle starke Nachfrage ist der Vergleich zur Emission der selben Serie im März. Dort lag die Verkaufsrendite bei 0,60% – heute liegt sie mit 0,62% auf einem vergleichbaren Level. Aber die Nachfrage (3,1 Milliarden Euro) war im März genau so hoch wie das Angebot (3 Milliarden Euro).

Diese Emissionsserie, die im Januar gestartet wurde, ist mit einem 0,50% Zinskupon ausgestattet. Der aktuelle Verkaufskurs von 98,88% (Anleihekurse notieren immer in Prozentpunkten) bringt daher eine aktuelle Rendite von 0,62%.

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