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Griechenland-Wahnsinn: Keine Lösung für das 90 Mrd Euro ELA-Problem

Redaktion

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Von Claudio Kummerfeld

Wir nennen es ganz bewusst „Griechenland-Wahnsinn“. Denn genau das ist es, was hier passiert. Das Land hat zwar 86 Milliarden Euro Kreditzusagen vom ESM erhalten, die sind aber schon fest eingeplant für jede Menge notwendige Ausgaben, Ratenzahlungen an den IWF, Gehälter & Pensionen, den Staatsbetrieb am Laufen halten und und und. Aber was wurde eigentlich aus den 90 Milliarden Euro ELA-Krediten, die die EZB den griechischen Banken in den letzten Monaten gewährt hat? Niemand hat hierfür eine Lösung parat.

Der EZB-Rat muss überlegen was mit den ELAs für Griechenland geschehen soll
Der EZB-Rat um Mario Draghi. Foto: Europäische Zentralbank

Banken-Schieflage in Griechenland

Die Banken in Griechenland sind genau so kaputt wie vor der Verabschiedung des 86 Milliarde-Rettungspakets. Sie wurden sofort nach Verabschiedung des Pakets lediglich mit 10 Milliarden Euro Soforthilfe aus dem ESM-Paket geflutet, so dass sie erst einmal entspannt dastehen, was die Liquidität angeht.

Die 90 Milliarden ELA-Kredite, die sich in den letzten Monaten von der EZB via griechischer Notenbank zu den griechischen Geschäftsbanken aufgestaut haben, sind entstanden, weil die Besitzer von Kontoguthaben entweder Geld in bar abhoben oder ins Ausland transferierten. Diese Lücke auf der Einlagenseite mussten die Banken mit EZB-Geld schließen. Jetzt ist die Frage: Werden diese 90 Milliarden Euro oder Teile davon in den nächsten Monaten oder Jahren auf die griechischen Bankkonten zurückfließen?

Das ist mehr als zweifelhaft. Der überwiegende Teil der Menschen, die diese Gelder abgezogen haben, werden wohl in den nächsten Jahren erst mal in Ruhe abwarten, ob das aktuelle Rettungspaket denn überhaupt in der Realität Wirkung zeigt, und ob Staat und Wirtschaft denn in den kommenden 3 Jahren auf Vordermann gebracht werden können, wie es die EU-Politik es sich vorstellt. Wenn nicht, geht in 3 Jahren das selbe Drama wie zuletzt erneut los. Wieder pleite, wieder Bankenchaos. Viele Griechen haben im Ausland Immobilien gekauft und denken sowieso nicht daran so schnell zurückzukommen.

Was macht die EZB?

Jetzt ist die einfache Frage: Was macht der Gläubiger? Offiziell hat die griechische Notenbank diese Notkredite (ELA) an die griechischen Geschäftsbanken vergeben, aber eben als weisungsgebundene Filiale der EZB und als Teil des „Eurosystems“. Also ist letztlich die EZB der Gläubiger dieses 90 Milliarden Euro-Kredits. Nur was will man jetzt machen? „Kurzfristige“ Notkredite, die de facto mit einem Dispo gleichzusetzen sind, kann/muss man irgendwann mal zurückfordern. Aber natürlich können die griechischen Banken jetzt nicht zaubern und mal eben 90 Milliarden Euro aus dem Nichts aufbringen.

Also bleibt eigentlich nur eins übrig: Die EZB muss so tun, als gäbe es das Problem nicht, und lässt diese Forderung gegenüber den griechischen Banken weiterhin in ihrer Bilanz vor sich hin schlummern.

Das estnische EZB-Ratsmitglied Ardo Hansson sagte letzte Woche, dass die zwischen der Eurozone und Griechenland getroffene Vereinbarung über die 86 Milliarden Euro und die Lockerung der Kapitalkontrollen in Griechenland das Vertrauen der Inhaber von Bankguthaben erhöht habe und dass der Mittelabfluss aus Griechenland heraus sich jüngst in einen kleinen Mittelzufluss verwandelt habe. Das Volumen der ELA-Kredite habe sich leicht unter 90 Milliarden Euro verringert. Die Entwicklung ist „zerbrechlich“, aber nichts desto trotz positiv. Man gehe von weiteren winzigen Rückgängen beim ELA-Volumen aus, wenn die Nachrichten aus Griechenland weiterhin positiv bleiben.

Was bedeutet diese Aussage? Das Prinzip Hoffnung regiert. Glaubt man bei der EZB allen Ernstes, dass alle, die in den letzten Jahren mit ihren Mittelabflüssen dieses 90 Milliarden-Loch gerissen haben, ihr Geld auf griechische Banken zurücküberweisen bzw. einzahlen werden? Durch das Prinzip Hoffnung und das Weggucken erhofft man sich, dass sich das Problem mit der Zeit irgendwie selbst erledigen wird.

Heutige EZB-PK

Was wird die EZB-Führung um Mario Draghi heute ab 14:30 Uhr in der Pressekonferenz wohl zu den ELA´s für Griechenland sagen? Wahrscheinlich gar nichts. Man wird wohl hoffen, dass auch die Presse das Thema komplett auslässt und niemand nachhakt. Denn die Fragen könnten unangenehm werden. Wann reduzieren EZB und Bank of Greece die ELA´s runter auf 0? In den nächsten 12 Monaten? In den nächsten 3 Jahren? In den nächsten 50 Jahren? Ein Kredit, der eigentlich nie zurückgezahlt werden soll oder kann. Niemand hat eine Lösung. Diese Forderung bzw. der Vermögenswert wird wohl für eine sehr lange Zeit (für immer?) in der Bilanz stehen. So lange Griechenland und das griechische Bankensystem nicht offiziell pleite gehen, stellt diese Forderung ja auch einen bilanziellen Vermögenswert dar, den man als solchen ausweisen kann.

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    Tom

    3. September 2015 09:23 at 09:23

    … wie immer nur alles eine Frage der Bewertung … unfassbar …

  2. Avatar

    Jerome

    3. September 2015 13:34 at 13:34

    Der Karren muss eben immer laufen, egal wie. Wenn er stecken bleibt dann gehts so wie beim Winter Feldzug Napoleons in Russland.
    dann fängt das sterben an…..

  3. Avatar

    Demokrat

    3. September 2015 13:50 at 13:50

    ….der Anfang vom Ende…DAS SCHLIMME STEHT NOCH BEVOR…AUGUST war nur eine kleine Eruption vor dem bevorstehenden BING-BANG-EXPLOSION. ZEITPUNKT: kommt 100% aber wann genau kann keiner voraussagen, nur evt. erahnen… tippe auf das Jahr 2017 oder 2023

  4. Avatar

    Demokrat

    3. September 2015 13:51 at 13:51

    ….sollte BIG-BANG heißen… :-)

  5. Avatar

    Steffen

    4. September 2015 11:05 at 11:05

    „Glaubt man bei der EZB allen Ernstes, dass alle, die in den letzten Jahren mit ihren Mittelabflüssen dieses 90 Milliarden-Loch gerissen haben, ihr Geld auf griechische Banken zurücküberweisen bzw. einzahlen werden?“

    Die ELA-Notkredite werden (im kleinem Umfang) abgetragen, so wie Griechenland schrittweise Waren in die EU exportiert. Denn die Bezahlung der Waren durch die EU-Länger an Griechenland ist auch während der bestehenden Kapitalverkehrskontrollen erlaubt.

    Die andere Richtung ist allerdings versperrt: Solange die Kapitalverkehrskontrollen bestehen, kann Griechenland NICHTS importieren, weil es die Rechnungen nicht begleichen könnte, denn es DÜRFEN keine Euros aus Griechenland heraus fließen.

    Dass das aktuelle Fortführen der Kapitalverkehrskontrollen damit für die griechiche Wirtschaft eine Katastrophe bedeutet, dürfte klar sein, denn meines Wissens kann sich Griechenland nicht 100% autonom selbst versorgen ohne Produkte aus der EU.

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Nullzinsphase in der Realität: BaFin entzieht zwei Pensionskassen die Betriebserlaubnis

Claudio Kummerfeld

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Nullzinsphase

Die Nullzinsphase erfreut zwar private Kreditnehmer und Staaten, die sich zum Traumkonditionen verschulden können. Aber wo Kredite für die einen nur Schulden sind, da sind sie auf der anderen Seite für Fondsgesellschaften, Rentenversicherungen und Pensionskassen nichts anderes als eine Geldanlage, die Zinsen abwerfen muss. Tut sie das nicht, geraten die Zusagen gegenüber den Kunden und die gesamten Kalkulationen der Kassen ins Wanken. Neben 20 Lebensversicherungsgesellschaften hat die BaFin derzeit auch 36 Pensionskassen unter sogenannter „verschärfter Beobachtung“.

Zwei Pensionskassen endgültig ohne Betriebserlaubnis

Schon im Jahr 2018 hatte die BaFin den Pensionskassen „Kölner Pensionskasse“ und „Pensionskasse der Caritas“ die Anordnung erteilt, dass sie nicht weiter ihrer Arbeit nachgehen dürfen (wir berichteten damals). Die beiden legten aber Widerspruch ein. Nun hat die BaFin offiziell mitgeteilt, dass die Entziehung der Betriebserlaubnis für die beiden Pensionskassen rechtskräftig ist, rückwirkend zum 31.12.2020 (hier und hier die offiziellen Mitteilungen). Beide Meldungen sind im Wortlaut identisch, daher drucken wir hier nur eine ab. Zitat:

Die BaFin hat gemäß § 304 Absatz 1 Nr. 2 Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) die Erlaubnis zum Betrieb des Versicherungsgeschäfts der Pensionskasse der Caritas VVaG mit Bescheid vom 24. Oktober 2018 widerrufen. Das Unternehmen konnte die Mindestkapitalanforderung nicht erfüllen und hat einen Finanzierungsplan zur Beseitigung dieser Unterdeckung vorgelegt, der aus Sicht der BaFin unzureichend war. Der Bescheid ist mit Ablauf des 31. Dezember 2020 bestandskräftig geworden. Der Betrieb des Versicherungsgeschäfts ohne die erforderliche Erlaubnis stellt eine Straftat dar. Gemäß § 304 Absatz 5 VAG darf die Pensionskasse der Caritas VVaG keine neuen Versicherungsverträge abschließen und bestehende Versicherungsverträge weder verlängern noch erhöhen.

In der Realität bedeutet dies, dass diese beiden Pensionskassen nur noch ihr vorhandenes Bestandsgeschäft abwickeln dürfen. Den insgesamt 55.000 betroffenen Anspruchsinhabern auf Pensionen dürften womöglich nach und nach Kürzungen ihrer Ansprüche und Auszahlungen bevorstehen. Die beiden Pensionskassen sind nun sozusagen in Liquidation. Sie werden noch solange bestehen, bis die letzten der jetzt noch eher jungen Mitglieder irgendwann sterben. Also werden diese Pensionskassen also auf Jahrzehnte hinweg Abwicklungsanstalten mit Restbeständen sein.

Man kann es sich kaum vorstellen, aber es ist, wie es ist. Das Finanzsystem und in diesem Fall das System der Pensionskassen beruht vor allem darauf, dass die eingezahlten Beiträge auch am Kapitalmarkt Zinsen abwerfen, damit die vorhandenen Vermögensbestände sich vermehren. Seit Jahren knabbert nun die Nullzinsphase an den Reserven. Womöglich sind diese beiden Kassen nur der Anfang einer Entwicklung? Denn man sieht es ja, die Zinsen in Euroland werden noch sehr lange auf der Null-Linie verharren.

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Aktuell: Citigroup und Wells Fargo melden Quartalszahlen

Claudio Kummerfeld

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Die Quartalszahlen von Citigroup und Wells Fargo wurden soeben veröffentlicht. Zunächst Citi. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 16,50 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 18,38/erwartet 16,50).

Der Gewinn liegt bei 2,08 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 2,11/erwartet 1,35).

Die Aktie notiert vorbörslich mit -1,7 Prozent.

Die Kreditausfälle sinken von 1,84 vor einem Jahr auf 1,27 Milliarden Dollar im letzten Quartal. Von den Rücklagen für möglicherweise noch ausfallende Kredite wurden 197 Millionen Dollar abgebaut, was also den Gewinn erhöht.

Citigroup-Quartalszahlen

Wells Fargo

Die große Konsumentenbank Wells Fargo hat soeben auch ihre Zahlen veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 17,93 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 19,86/Erwartungen 18,1).

Der Gewinn liegt bei 0,64 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 0,60/Erwartungen 0,59).

Die Aktie notiert vorbörslich mit -5 Prozent.

Risikovorsorge für Kreditausfälle reduziert um 179 Millionen Dollar.

Wells Fargo Quartalszahlen

Wells Fargo Schriftzug
Foto: Gabriel Vanslette CC BY 3.0

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Autonomes Fahren: Jetzt kommt Apple – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Kinder haben jetzt genug gespielt und gestümpert. Nun will es Apple machen, nachdem die Resultate bislang nicht befriedigend sind. Worum geht es?

Sicherlich haben Sie der Berichterstattung der letzten Tage entnommen, dass das US-Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino sich nun dem Autonomen Fahren annimmt. Offenbar plant man gemeinsam mit dem koreanischen Autobauer Hyundai den Bau eines bzw. mehrerer autonom fahrender Roboterautos. Während die konventionellen Autobauer unverändert an ihren semi-autonomen Fahrassistenten basteln, geht Apple nun aufs Ganze.

Am Markt sorgte diese Perspektive für positive Unruhe. Denn man weiß, was Apple macht hat normalerweise Hand und Fuß und wird sehr oft zur großartigen Erfolgsgeschichte. So krachte zuletzt schon einmal die Aktie der Hyundai durch die Decke. Obwohl die Korea-Aktie zuletzt wieder korrigierte, steht hier für die Aktionäre immer noch ein starker Wochengewinn von 30 % zu Buche.

Aber lassen wir Hyundai einmal Hyundai sein und untersuchen, warum dem autonomen Fahren bislang noch nicht der Durchbruch beschieden war. Das Stichwort ist hier LiDAR oder Light Detection and Ranging. Vereinfacht gesprochen misst ein LiDAR-Sensor mit einem gepulsten Laser in seinem Sichtfeld die Entfernung zwischen sich und einem Gegenstand.

Damit steht und fällt die Idee des Autonomen Fahrens mit diesen Sensoren. Die gute Nachricht: Die Technologie ist gut erforscht und funktioniert. Die schlechte Nachricht: Ein halbwegs leistungsfähiger LiDAR-Sensor kann schon einmal rund 20.000 USD pro Stück kosten. Außerdem sind die Geräte sperrig. ZU Deutsch: Mit den derzeit verfügbaren LiDAR-Sensoren wird Autonomes Fahren in diesem Jahrhundert keine Realität mehr. Folglich ist das Marktvolumen dieser…..

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