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Inflation – ein Gespenst, oder bereits im Anmarsch?

Wolfgang Müller

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am

Kommt die Inflation wieder zurück? Betrachtet man sich die Konjunkturzyklen seit dem zweiten Weltkrieg, so fällt auf, dass diese fast immer zu Ende gingen, wenn die Notenbank die Leitzinsen stark angehoben hatte und/oder die Inflation in höhere Regionen gestiegen ist. Was zumeist unmittelbar im Zusammenhang stand, schließlich ist es Auftrag der Geldhüter für eine Stabilität der Währung zu sorgen – und dies geschieht dabei regelmäßig mittels Zinsanhebungen. Von solchen ist im heutigen Verschuldungsumfeld weit und breit nichts zu sehen. Aber wie ist es mit einem Anziehen der Inflation? Ist das wirklich so unwahrscheinlich, wie Ökonomen behaupten?

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Inflation – es gibt sie, die Zeichen der Teuerung

Die letzten Jahre waren (offiziell) geprägt von einem Kampf der Europäischen Zentralbank gegen Deflation, also gegen einen zu starken Rückgang der Teuerungsraten, der die Konsumenten zum Abwarten animiert (mit extrem negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft).

Niedrigste Zinsen sollten die Sparneigung der Deutschen reduzieren und ihre Ausgabenneigung erhöhen. Das geschah aber nur begrenzt, durch das Wegbrechen der Sparzinsen, vor allem für die Altersvorsorge, steigerte der deutsche Bürger seine Sparneigung sogar.  Das hat die absurde Konsequenz, dass mittlerweile 2,4 Billionen Euro auf zinslosen Girokonten lagern, die dem Wertverfall durch die noch moderate Geldentwertung ausgesetzt sind.

Doch jetzt könnte auch in Deutschland die Inflation steigen, vor allem durch staatliche Maßnahmen. Die Forderung nach deutlicher Anhebung der Mindestlöhne und eine CO2-Abgabe für 2021, die schon alleine für einen Inflationsanstieg um 0,7 Prozent sorgen könnte – wie Ökonomen der Bank of America berechnet haben.

Dazu neue Steuern, weiter steigende Mieten, höhere Lohnforderungen durch den Fachkräftemangel: es gäbe schon einiges, zu steigender Inflation führen dürfte.

Inflation und die Lohn-Preis-Spirale

Seit Jahren rätselt man in der Fachwelt – von Notenbankern bis zu Nobelpreisträgern – darüber, warum die Philipps-Kurve derzeit nicht funktioniert. Dieser Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Inflationsrate wurde bereits im Jahre 1958 vom britischen Ökonomen Alban W. Phillips entdeckt. Vereinfacht ausgedrückt: Bei einer sehr niedrigen Arbeitslosenrate springt die Inflation in die Höhe, bei sehr hoher Arbeitslosigkeit fällt sie (Zwänge am Arbeitsmarkt und die Macht der Gewerkschaften) – also die berühmte Lohn-Preis-Spirale.

Die USA haben die niedrigste Arbeitslosenrate seit 50 Jahren (3,5 Prozent und fast Vollbeschäftigung) – und dennoch bleibt die Inflation bei zwei Prozent. Allerdings ist diese im Dezember auf 2,3 Prozent gestiegen, noch kein Problem, die Federal Reserve sorgt durch ihre Anleihekäufe für ein ständig gedrücktes Zinsniveau. Aber bleibt dies so angesichts der Neuverschuldung der Vereinigten Staaten von 4,8 Prozent infolge der trumpschen Steuerreform, die nicht zu dem großen Wirtschaftswachstum und den damit verbundenen steigenden Steuereinnahmen geführt hat? Wird sich die Geldflut tatsächlich nie mehr in steigender Inflation entladen? In einigen Ländern haben die Teuerungsraten bereits zu klettern begonnen.

Noch beginnt die Inflation in der Ferne

Während es in Deutschland trotz der steigenden Kosten im Bereich des Wohungsmarktes und der Energiekosten noch zu keinem substanziellen Anstieg der Inflation gekommen ist, ist diese in einigen Ländern schon im Steigen begriffen. In unserem Nachbarland Polen ist die Rate im Dezember von 2,6 auf 3,5 Prozent geklettert, in Ungarn von 3,4 auf vier Prozent. Aber auch in Spanien oder Frankreich könnte es einen Schub geben. Auf der iberischen Halbinsel wurde der Mindestlohn um fast 25 Prozent angehoben, bei unseren westlichen Nachbarn forderte der Wirtschaftsminister sogar die Unternehmen auf, die Löhne zu erhöhen.

Ja, und in China ist die Inflationsrate binnen eines Jahres von 1,7 Prozent auf 4,5 Prozent gestiegen, ausgelöst insbesondere durch die grassierende Schweinepest. Dieser fielen bereits die Hälfte der 300 Millionen Tiere zum Opfer, mit der Folge einer Verdoppelung der Schweinefleischpreise, für China ein bedeutender Teil der Konsumrate. Und im Land mit der zweitgrößten Bevölkerung, Indien, ist die Inflationsrate durch steigende Lebensmittel- und Energiepreise sogar von zwei auf 7,4 Prozent gesprungen.

Das zeigt: es gibt in vielen  Staaten den Trend, gegen die rezessive Wirtschaftsentwicklung mit staatlichen Strukturmaßnahmen anzukämpfen – mit Folgen für die Teuerungsraten!

Mögliche Folgen

Bereits ein kleines Anziehen der Inflation hätte schon deutliche Folgen für Konsumenten und auch für die Notenbanken. Der deutsche Sparer würde die Folgen der finanziellen Rezession noch mehr zu spüren kommen, sein Geldvermögen würde sich nämlich einfach noch schneller entwerten. Und die Notenbanken müssten ihren Zinssenkungswettlauf unterbrechen, die Droge des billigen Geldes würde an den Aktienmärkten an Wirkung einbüßen.

Aber es gibt auch noch das andere Szenario: Bei einem weiteren Abgleiten der Weltwirtschaft in Richtung Rezession gäbe es kein Inflationsproblem, aber die sinkenden Unternehmensgewinne würden die Aktienmärkte auch nicht zu Freudenstürmen hinreißen. Die Schere zwischen Aktienmarktbewertungen und Unternehmensgewinnen ist schon weit genug geöffnet. Das Wunschszenario für die Finanzmärkte wäre weiterhin eine schwach bis moderat wachsende Wirtschaft, eine gemäßigte Inflation und Notenbanken, deren Geldspritzen weiterhin für die Hoffnung nach zukünftigem Wirtschaftswachstum sorgen. Dazu noch ein paar Regierungen, die schuldenfinanzierte Infrastrukturprogramme in Gang setzten. Kostet ja (noch) kaum etwas..

In vielen Ländern hat die Inflation zuletzt deutlich zugelegt

13 Kommentare

13 Comments

  1. Avatar

    Dreistein

    16. Januar 2020 09:37 at 09:37

    Zitat: Während es in Deutschland trotz der steigenden Kosten im Bereich des Wohnungsmarkt und der Energiekosten noch zu keinem substanziellen Anstieg der Inflation gekommen ist. Zitat ende.
    Ich weiß nicht wo Wolfgang Müller die letzten Jahre verbracht hat, wohl nicht in Deutschland.
    Ab wie viel % Inflation meint Herr Müller ist es substanziell? Wenn man die wahren Lebenshaltungskosten nimmt ist es in Deutschland viel teurer geworden, wie angesprochen die Mieten sind drastisch gestiegen, der Strompreis mit satter Erhöhung, Fleischpreise sind stark gestiegen, die Wurstpreise sind „gleich geblieben“ nur der Inhalt ist gesunken von 100 g. auf 80 g., die Versicherungen haben wieder erhöht und selbst der Schornsteinfeger ist teurer geworden.
    Wenn man natürlich von dem sogenannten „Warenkorb“ ausgeht ist das noch keine große Inflation, da es sich aber um Dinge handelt des täglichen Leben ist die Inflation doch schon wesentlich höher wie angegeben.

    • Avatar

      TM

      16. Januar 2020 10:06 at 10:06

      Nein, das stimmt nicht. Zum einen kaufen Sie doch nicht nur Dinge des täglichen Bedarfas, zum anderen sind auch die nicht stark teurer geowrden.

      Welche Güter würden Sie denn aus dem Warenkrob herausnahmen und wieso? Und wie sähe Ihre Gewichtung aus?

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    Quintus

    16. Januar 2020 09:47 at 09:47

    Habe diesbezüglich auf so einem Bärenportal mal etwas über die wahrscheinlichere Arbeitslosenrate gelesen….😁
    Laut shadowstats dürfte die wirkliche Arbeitslosigkeit in den USA daher nicht bei 4,3%, sondern bei 22% liegen……
    https://finanzmarktwelt.de/reale-us-arbeitslosigkeit-bei-22-ueber-das-statistik-wunder-der-usa-60670/

    • Avatar

      TM

      16. Januar 2020 10:06 at 10:06

      -) genau, laut shadowstat…. und wieso glauben Sie einer kommerziellen, völlig intransparenten Seite?

  3. Avatar

    Ice 9

    16. Januar 2020 09:53 at 09:53

    Die offiziellen Stellen scheinen sich ihre schön gerechneten Zahlen mittlerweile selbst zu glauben. Auf shadowstats.com sieht man ganz andere Zahlen. Z.B. ein Schrumpfen der US-Wirtschaft um jährlich ~2% und eine Arbeitslosenquote von über 20%. Ist ja bei uns auch nicht anders.

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      TM

      16. Januar 2020 10:07 at 10:07

      Und weshalb glauben Sie diese Zahlen dort bei shadowstat?

      • Avatar

        Lausi

        16. Januar 2020 10:38 at 10:38

        Und warum sollte man shadowstat nicht glauben? Halten Sie die Seite bzw. den Herausgeber für unseriös? Und falls ja, warum? Ich weiß nicht viel von shadowstat, habe nur mal davon gehört. Wer ist John Williams? Nur weil er damit Geld verdient muß es ja nicht gleich bedeuten, dass er unseriös ist.

      • Avatar

        Lausi

        16. Januar 2020 10:56 at 10:56

        Naja, vielleicht ist Herr Williams doch etwas von zweifelhafter Natur – jedenfalls laut diesem Artikel auf RationalWiki:

        https://rationalwiki.org/wiki/Shadow_Government_Statistics

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        Ice 9

        16. Januar 2020 11:22 at 11:22

        Und weshalb glauben Sie diese Zahlen der Regierung?

  4. Avatar

    Deflationsleigner

    16. Januar 2020 09:53 at 09:53

    Irgendwann wird auch dieser nichtssagenden Warenkorb die Realität nicht mehr verbergen können.
    Z.B. US Krankenkassenprämien plus 20% dieses Jahr. ( Kürzlicher Artikel auf FMW )
    P.S. Gut der Hinweis ,dass wegen Negativzinsen mehr u.nicht weniger gespart wird.Viele haben das noch nicht kapiert, ( auch auf FMW )

    • Avatar

      TM

      16. Januar 2020 10:08 at 10:08

      Wieviel Leute sind denn in Deutschland privat versichert? Und meine PKV ist sogar billiger geworden in diesem Jahr…. Aber klar, Sie hören was von bis zu 20% mehr und nehmen das als Steigerung für alle…so geht es seriös.

      Und was stört Sie am Warenkorb? Also ganz konkret, welche Güter finden Sie dort falsch im Korb und welche zu wenig enthalten?

  5. Avatar

    Realist

    16. Januar 2020 10:15 at 10:15

    Was Kudlow im Weissen Haus, ist@TM auf FMW, immer Alles Schönreden, sehr nervig ?

  6. Avatar

    Quintus

    16. Januar 2020 12:30 at 12:30

    „…..Wo die USA aber wahrscheinlich tatsächlich ein Problem haben, ist bei der Erwerbsquote bzw. Arbeitsmarktpartizipation. Von den Amerikanerinnen und Amerikanern im besten Arbeitsalter zwischen 25 und 54 galten jüngst nur 81,5% als aktiv auf dem Arbeitsmarkt (das heisst, sie hatten entweder einen Job oder zählten offiziell als arbeitslos). Oder anders ausgedrückt: Jeder fünfte eigentlich in der Blüte des Lebens Stehende ist nicht aktiv auf dem Arbeitsmarkt….“

    https://www.nzz.ch/wirtschaft/us-arbeitsmarkt-zu-beginn-der-aera-trump-wie-viele-amerikaner-sind-wirklich-arbeitslos-ld.143413

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Rüdiger Born

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Nikkei 225: Das Comeback des japanischen Leitindex

Hatte es der Großinvestor Warren Buffett geahnt, oder war er sogar ein kleiner Auslöser dafür: Nämlich die Stärke des japanischen Nikkei 225 – trotz explodierender Schulden

Wolfgang Müller

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Hatte es der Großinvestor Warren Buffett geahnt, oder war er sogar ein kleiner Auslöser dafür: Nämlich die Stärke des japanischen Sammelindex Nikkei 225, inmitten der Corona-Krise und bei explodierenden Staatsschulden. Dieser bemüht sich nach Kräften, endlich das Trauma des Immobilien-Crashs von 1989 zu neutralisieren, der Index kletterte jüngst auf ein fast 30-Jahreshoch.

Der japanische Index – auf dem Weg zu alten Höhen?

Immer wieder wird von Aktienpessimisten Japan als Negativbeispiel angeführt. Der unheimliche Aktien-Boom in den 1980-er-Jahren, verbunden mit der Immobilienblase (Hans-Werner Sinn: Für Tokyo hätte man ganz Kanada kaufen können!) führte zu abstrusen Börsenbewertungen:

 

Die Mutter aller Index-Fahnenstangencharts (bis zur Corona-Krise):

Die Aktienmärkte - hier der Nikkei

Der Höchststand des Nikkei 225 vom 29. Dezember 1989 lag auf Schlusskursbasis bei 38.913 Punkten, dann erfolgte ein Absturz ohnegleichen mit vielen erratischen Schwankungen und einem Tief am Ende der Finanzkrise von 7054 Punkten.

Aber wer hat im Jahr 1989 all sein Geld in den Nikkei 225 investiert und nicht vorher und danach? Im Übrigen hätte ein monatlicher Sparplan auf den Index über viele Jahre eine gewaltige Rendite gebracht, durch den Cost-Average-Effekt, nur muss der Index irgendwann einmal kräftig anziehen, dann schießt der Wert mit all den billig erworbenen Anteilen kräftig in die Höhe. So wie es beim Nikkei 225 schon seit geraumer Zeit aufwärts geht.

Ein Vergleich der Marktperformance:

Seit dem Corona-Tief:

S&P 500: plus 60 Prozent
Dax: plus 52 Prozent
Nikkei: plus 50 Prozent

Seit dem Tief in der Finanzkrise 2009:

S&P 500: plus 436 Prozent
Dax: plus 362 Prozent
Nikkei: plus 364 Prozent
Jetzt ist der Index noch weiter gestiegen und erreichte gestern 26.537 Punkte.

Wobei hier wieder einmal festzustellen ist, dass bei unserem Dax als Performanceindex die ausgeschütteten Dividenden mit eingerechnet wurden, anders als bei den international üblichen Kursindizes. Was im Jahresvergleich nicht viel ausmacht, verzerrt das Bild bei einem 11-Jahreszeitraum durch den Zinseszinseffekt doch sehr deutlich.

Was also fast nach einem Gleichlauf aussieht, wird im 3-Monatsvergleich nach dem Einstieg von Warren Buffett deutlicher, Japan fiel im Oktober nicht mehr so stark und erholte sich stärker.

S&P 500: plus 4 Prozent
Dax: plus 1 Prozent
Nikkei: plus 13 Prozent

Die Entwicklung der Wirtschaft

Dass die Börse in Japan so stark gestiegen ist, liegt zum einen natürlich an der Bank of Japan, die bereits 53 Prozent der japanischen Staatsanleihen in ihren Büchern hält und immer wieder ETFs auf den Aktienmarkt erwirbt.

Der Nikkei 225 mit seinen über 12 Billionen Euro Marktkapitalisierung hat natürlich noch andere Investoren.

Aber vonseiten der Wirtschaft gibt es auch einige Signale der Hoffnung.

Doch zunächst zum Einstieg von Warren Buffett. Seine Gesellschaft Berkshire Hathaway kaufte im Herbst etwas mehr als fünf Prozent der Aktien der fünf großen japanischen Handelshäuser, die jahrzehntelang Japans Außenhandel bestimmt haben. Für uns relativ unbekannte Namen wie Itochu, Marubeni, Mitsubishi, Mitsui und Sumitomo. Und seine Gesellschaft sei bereit, den Einsatz auf bis zu 9,9 Prozent zu erhöhen.

Japan ist verglichen mit den USA erheblich preiswerter. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) des Dow Jones liegt bei 2,9, jenes des Nikkei 225 hingegen nur mit bei 1,1.

Japans Wirtschaft erholt sich derzeit von einer Rezession, die schon im vierten Quartal 2019 begonnen hatte. Japans Konsumenten erhöhten ihre Ausgaben im Sommer um 4,7 Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt stieg im dritten Quartal auf Jahresbasis um 21,4 Prozent, 2,5 Prozent stärker als von Analysten erwartet wurde.

Hinzu kommt, dass die XXVII. Olympischen Sommerspiele in Tokyo doch vom 23. Juli bis zum 8. August 2021 stattfinden sollen, wie IOC-Präsident Dr. Thomas Bach bei seinem letzen Besuch in Japan angekündigt hat.

Ein Schub durch das Freihandelsabkommen RCEP

Das vor knapp zwei Wochen abgeschlossene Freihandelsabkommen RCEP, abgekürzt für Regional Comprehensive Economic Partnership, zwischen 15 Ländern Ostasiens und Ozeaniens, gab der Börse einen weiteren Kick. Japan erhält dadurch erstmals bevorzugten Zugang zu China und Südkorea. Die Annäherung der drei Länder gilt als historischer Vorgang. Das Abkommen wird als Wegbereiter für ein künftiges asiatisches Wirtschaftswachstum gesehen, auch zu einer Zeit, in der sich die Region ohnehin aufgrund der Eindämmung der Pandemie konjunkturell besser als der Rest der Welt entwickelt.

Fazit

Was kann man aus der diesjährigen Entwicklung des Nikkei für Lehren ziehen? Staatsschulden, selbst in astronomischer Höhe (über 250 % zum Bruttoinlandsprodukt), führen nicht zwangsläufig zum Einbruch. Nämlich dann, wenn die Bürger an die Stabilität der eigenen Währung glauben und genügend Sparvermögen bilden und natürlich von der Funktionsfähigkeit der eigenen Notenbank überzeugt sind, die viele der Staatssschulden in ihren Büchern hält. Das Vertrauen in das Geld ist Grundvoraussetzung für die Schuldentragfähigkeit.

Dann sollte die eigene Währung eine gewisse Stabilität aufweisen, damit die Exportwirtschaft nicht unter die Räder gerät, aber auch ausländische Produkte für die Bürger erschwinglich bleiben. Ganz besonders wichtig ist natürlich die Stabilität des Geldes im Hinblick auf die Inflation. In Japan lag die Teuerungsrate über 20 Jahre gerade mal bei 0,5 Prozent per annum. Aber aus dieser Argumentation könnte man auch schlussfolgern, dass es dann krachen wird, wenn auch nur einer der drei Faktor nicht mehr gegeben ist, insbesondere wenn die Inflation zu galoppieren beginnt. Inflation, das Thema der nächsten Jahre nach der epochalen Geldschwemme des Corona-Jahres 2020?

 

Der Nikkei in Japan mit zuletzt starker Entwicklung

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