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"Wenn man die Inflation nicht in den Griff bekommt ist die Hölle los" Inflation: Fed will die Zinsen mindestens bis 4,5% anheben

Die US-Notenbank und ihr "doppelter Auftrag"

Inflation Zinsen Fed

Am Freitag sind die US-Indizes stark unter Druck gekommen nach den robusten US-Arbeitsmarktdaten: die Wall Street fürchtet, dass die US-Notenbank Fed aufgrund des starken Arbeitsmarkts die Zinsen umso stärker anheben wird zur Bekämpfung der Inflation.

Denn die US-Notenbank hat einen „doppelten Auftrag“ („dual mandate„): sie soll einerseits die Preisstabilität gewährleisten (also eine Inflation verhindern) – und anderseits für Vollbeschäftigung am US-Arbeitsmarkt sorgen („maximum sustainable employment“).

Die Fed, die Inflation, der Arbeitsmarkt und die Zinsen

Wenn nun mit dem starken Arbeitsmarkt mit einer historisch niedrigen Arbeitslosenquote von 3,5% also der eine Auftrag von der Fed erfüllt wurde, so hapert es bei der Erfüllung des anderen Auftrags, der Bekämpfung der Inflation. Umso robuster nämlich der Arbeitsmarkt, umso mehr Luft hat die Fed die Anhebung der Zinsen, so die Logik hinter dem freitäglichen Abverkauf an der Wall Street. Denn bekanntlich lieben Aktienmärkte den mit steigenden Zinsen verbundenen Entzug von Liquidität nicht – der monetäre Faktor ist die Triebfeder schlechthin für die Finanzmärkte.

Die US-Notenbank Fed hat sich auf das Ziel geeinigt, ihren Leitzins rasch auf etwa 4,5 % anzuheben und dann auf diesem Niveau zu halten, wobei sie bereit ist, noch höher zu gehen, falls die hohe Inflation keine Anzeichen einer Entspannung zeigt, wie Bloomberg berichtet.

Das Ziel, das unter den 19 Entscheidungsträgern der US-Notenbank weithin geteilt wird, deutet darauf hin, dass die Bank im nächsten Monat eine vierte Zinserhöhung um 75 Basispunkte in Folge vornehmen wird. Die Auswirkungen der OPEC-Ölproduktionskürzungen auf die Energiepreise und ein positiver Arbeitsmarktbericht für September stützen die Argumente, die durch neue Daten zur Inflation in den USA am 13. Oktober noch weiter gestärkt werden könnten.

„Unseren Berichten zufolge gehen wir davon aus, dass wir irgendwann im nächsten Jahr 4,5 % bis 4,75 % erreichen werden“, sagte der Präsident der Chicagoer Federal Reserve Bank, Charles Evans, der traditionell zu den eher zurückhaltenden Mitgliedern der Zentralbank gehört, am 6. Oktober vor Wirtschaftsvertretern. Das derzeitige Zielband der Fed für ihren Leitzins liegt bei 3 % bis 3,25 %.

 

Fed Zinsen Inflation 4,5%

Die Fed reagiert auf Wirtschafts-Daten, aber die Notenbanker haben deutlich gemacht, dass es sehr viel brauchen würde, um sie von ihrem Weg zu dem Ziel von der Anhebung der Zinsen auf 4,5 % abzubringen: Ein Fed-Mitglied nach dem anderen wies in dieser Woche die Wetten der Anleger zurück, dass Rezessionsrisiken oder sogar die Volatilität der Finanzmärkte sie davon abhalten könnten.

„Solange wir keine Anzeichen für eine Abschwächung der Inflation sehen, weiß ich nicht, wie wir innehalten können“, sagte Fed-Gouverneur Christopher Waller am 6. Oktober an der Universität von Kentucky.

Während es Optimismus gibt, dass sich die Argumente für eine geringere Inflation allmählich herauskristallisieren, gibt es auch das Gefühl, dass dies ein Krieg ist, den die Fed nicht verlieren kann – selbst auf die Gefahr hin, dass es zu einem Abschwung in der Wirtschaft kommt.

In den September-Prognosen (dot plots) der Fed-Mitglieder erwarten sechs von ihnen, dass die Zinsen im nächsten Jahr zwischen 4,75 % und 5 % liegen werden – eine Ansicht, die wahrscheinlich an Boden gewinnen wird, wenn der Preisdruck nicht wie erhofft nachlässt.

Eine wachsende Sorge ist der anhaltende Inflationsdruck, der von Gouverneurin Lisa Cook, Waller und Evans sowie dem Präsidenten der New Yorker Fed, John Williams, erwähnt wurde.

„Die Berichte der letzten Monate haben gezeigt, dass die hohe Inflation hartnäckig anhält“, sagte Cook in ihrer ersten Rede als Gouverneurin. „Ich habe meine Einschätzung der Hartnäckigkeit der hohen Inflation nach oben korrigiert“, sagte sie und fügte hinzu, dass dies ihr Votum für eine Frontloading-Politik stütze.

 

Inflation Zinsen Fed

US-Beschäftigung übertrifft im sechsten Monat die Prognose; Arbeitslosenquote sinkt

„Wenn man die Inflation nicht in den Griff bekommt ist die Hölle los“

Die Preise stiegen bis Ende August um 6,2 % und lagen damit den 18. Monat in Folge über dem Inflationsziel von 2 %, während die Arbeitgeber in den USA im September 263.000 neue Arbeitsplätze schufen, was auf eine weiterhin robuste Nachfrage hindeutet.

„Wenn man die Inflation nicht in den Griff bekommt, fangen die Menschen an, diese Inflationszahlen in ihr tägliches Leben einzubauen“, sagte Waller auf eine Frage nach seiner Rede in Kentucky, und „dann ist die Hölle los“.

Es gibt vereinzelte Anzeichen, die auf die Möglichkeit eines rezessionsfreien Sieges über die Inflation hindeuten. Die Preise für Nicht-Energie-Rohstoffe sind gesunken, ebenso wie die Zahl der offenen Stellen, während sich das Produktionstempo in den Fabriken des Landes verlangsamt. Die Einzelhändler haben ihre Lagerbestände aufgestockt und werden sie abbauen müssen, möglicherweise mit Preissenkungen in den kommenden Monaten.

Dennoch zögern die Fed-Mitglieder, sich auf eine Prognose zu verlassen. Mehrere sagten, sie müssten erst einmal sehen, dass sich die Inflation in den nächsten Monaten auf 2 % zubewegt, bevor sie über eine Lockerung der Politik nachdenken.

„Ich würde mehr politische Anpassungen für erforderlich halten, um die Wirtschaft ausreichend zu bremsen“, sagte Mary Daly, Präsidentin der Fed von San Francisco, in einem Interview mit Bloomberg News am 5. Oktober. „Ich sehe, dass wir die Zinsen auf ein Niveau anheben, von dem wir glauben, dass es restriktiv genug ist, um die Inflation zu senken, und sie dann so lange beibehalten, bis wir die Inflation wirklich nahe bei 2% haben.“

FMW/Bloomberg

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4 Kommentare

  1. Ja zu einem Zusammenspiel zwischen ExxonMobil, Rosneft und Saudi Aramco. Ein Thema für den 45. US-Präsidenten Donald John Trump.

  2. Das eigentliche Problem ist, dass sich die FED jetzt keine Schwäche erlauben darf/kann, weil sie sonst die Glaubwürdigkeit in den Dollar und die Vormachtstellung der USA gefährden würde. Um gegen Mitspieler wie China, Russland, OPEC, Indien dauerhaft zu bestehen muss die FED jetzt über Leichen gehen (Arbeitsmarkt, Firmenpleiten, Privatinsolvenzen, Bankenpleiten). Der langfristige Schaden hinsichtlich Dominanz des Dollers/der USA wäre viel größer.

  3. Warum hat man eigentlich definiert dass Inflation über zwei Prozent ein Problem ist? Warum nicht zehn oder zwanzig Prozent? Solange die meisten Menschen genug haben für etwelchen Konsum und die Unternehmen nach wie vor ungefähr normal produzieren und, man glaubt es nicht, sogar noch Personal einstellen, ist es sie wirklich, ein Problem?
    Man sieht hingegen dass Vermögensverluste durch sinkende Aktien- und Anleihekurse ein Riesenproblem auslösen, v.a. auch für Institutionelle, siehe England, weitere werden evt. folgen.
    Vielleicht sollte man in der Politik mal über eine Investitionspflicht an den Kapitalmärkten nachdenken, wenn man mehr als einen bestimmten Prozentsatz seines Einkommens oder einen absoluten Cash-Betrag zur freien Verfügung hat und nicht nachweisen kann, dass man den in den nächsten Monaten oder Jahren für etwas Bestimmtes benötigt. Das wäre doch mal eine sinnvolle „rot-grüne Regulierung“, anstatt immer nur Einschränkungen und Sparmassnahmen und Preisaufschläge zu verkünden.
    Grade in Zeiten der Inflation dürfte doch nicht in grossem Stil verkauft werden, um einen Hedge gegen die Inflation zu haben. Begreifen denn immer weniger Leute selbst die simpelsten Dinge nicht mehr?
    Die FED benimmt sich als Super-Nanny und im Grunde als riesiges Bürokratiemonster, das den Menschen kein eigenes Denken und Handeln mehr zutraut, sondern allen das ihrige aufzwängt, genauso wie etliche Regierungen. Und alle tanzen schön nach ihrer Pfeife in den Untergang.

    1. „Warum hat man eigentlich definiert dass Inflation über zwei Prozent ein Problem ist?“

      Vielleicht weil mit der Inflation auch die Inflationserwartungen ansteigen.

      Vor allem Unternehmen und Staaten verschulden sich ja gerne über die Ausgabe von Anleihen bzw. „Schuldscheinen“.

      Mit den Inflationserwartungen steigen wiederum die Renditeerwartungen von Investoren (Schuldscheinkäufer).

      Wenn ein Investor mehr Rendite bzw. Zinsen für die Schuldscheine verlangt um die erwartete Inflation auszugleichen, dann sinken im Gegenzug die Anleihenkurse bzw. der Wert der Schuldscheine.

      Wenn „vorhandene“ Schuldscheine als Sicherheiten für die vom Investor aufgenommenen Kredite dienen, dann könnte ein zu großer Wertverfall der Schuldscheine ein Problem für ihn werden.

      (Die Frage ist, ab wann der Wertverfall der Schuldscheine zu groß ist und bis zu welchen Wertverfall keine Probleme zu erwarten sind in einer überschuldeten Volkswirtschaft)

      Die kreditgebende Bank könnte mehr Sicherheiten verlangen und der Investor müsste Sicherheiten „nachschießen“ um den Kredit halten zu können. Sonst wird der Kredit zwangsliquidiert (dann ruft Margin an ;-)

      Ähnliches könnte auch bei zu hoch gehebelten Krediten (zu wenig mit Eigenkapital etc. besicherte Kredite) am Immobilienmarkt passieren.

      Sinken die Preise zu stark, werden Banken die Beleihungswerte überprüfen und im Zweifelsfall die Kredite per Zwangsversteigerung der Immobilien liquidieren.

      Wohl dem, der in diesem Fall eine nette Hausbank hat.

      https://www.wiwo.de/my/finanzen/immobilien/steigende-zinsen-sinkende-immobilienpreise-baukredite-ohne-zusatz-sicherheiten-droht-der-zwangsverkauf/28744836.html

      Wo die Grenze ist, ab wann die Wertverluste zu einem volkswirtschaftlichen Problem werden, weiß man erst im nachhinein.

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