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Inflationsschock! Ukrainekrieg als monetärer Gamechanger

Der Inflationsschock durch den Ukrainekrieg wird Notenbanken mit voller Wucht treffen!

 

Inflationsschock, Ukrainekrieg, die Fed und die EZB

Der Ukrainekrieg ist gerade dabei, in Deutschland einen Inflationsschock auszulösen. Dieser Inflationsschock ist ein Energie-Schock und wird durch die aktuellen Heizölpreis besonders plastisch detektiert: Noch Januar 2021 lag der Heizölpreis bei durchschnittlich knapp unter 0,50 Euro, im Oktober 2021 kletterte er auf ca. 0,85 Euro, im Februar 2022 stieg er unaufhörlich weiter auf 0,95 Euro, um seit dem 24. Februar (dem Tag, an dem der Ukrainekrieg ausbrach) steil nach oben zu schnellen, auf aktuell ca. 1,60 Euro.

Das entspricht einem Anstieg um 320%. Zum Vergleich: Während des Ölschocks 1973 kletterte der Liter Normalbenzin innerhalb eines Jahres von ca. 0,60 DM auf 0,84 DM. Das entsprach einem Anstieg von 38%. Bis 1985 kletterte der Preis für den Liter Normalbenzin auf 1,35 DM, ehe er im Jahr darauf 1986 auf 1,01 DM fiel. In den 12 Jahren von 1973 bis 1985 stieg der Benzinpreis also um ca. 222%. Der durch den Ukrainekrieg ausgelöste Inflationsschock schafft 100% mehr in 12 Monaten!

Wodurch wurde der Inflationsschocks ausgelöst?

Dass der Ukrainekrieg einen Inflationsschock auslösen kann, ist nicht zwangsläufig. Aber so ist das mit der Inflation. EZB und Fed haben in den letzten Jahren die Märkte regelrecht mit billigem Geld geflutet – die Bilanz der EZB stieg seit dem Jahr 2005 von einer Billion Euro auf nun ca. 8,5 Billionen Euro, die Bilanz der Fed wuchs hingegen von einer Billion Dollar im Jahr 2008 auf nun knapp neun Billionen Dollar.

Über Jahre und Jahrzehnte akkumulierten die Geldberge in unserem Finanzsystem. Hinzu kam der Anlagenotstand durch die Nullzinspolitik der Zentralbanken, welche die Hausse an den Aktien- und Immobilienmärkten kräftig anfeuerte. Das viele Geld in allen Märkten bildet gleichsam als Stroh eine riesige Brandlast. Ob das Stroh in Flammen aufgehen wird, ist nicht zwangsläufig, doch reicht bekanntlich ein einzelner Funke.

Inflationsschock – die Ursachen sind systemisch

Der Ukrainekrieg ist der Funke, der unvermutet und jäh den von EZB und Fed leichtfertig aufgebaute Brandlast in Flammen aufgehen lässt. Hans-Werner Sinn erklärte in einem Interview dieser Tage, Inflation verlaufe in Wellen. Indes, von einer Schockwelle war nicht die Rede! Die durch den Ukrainekrieg ausgelöste Inflationsschockwelle wird die Mittelschicht in Deutschland treffen, wie zuletzt in der Ölschock-Krise.

Und wie damals beim Jom-Kippur-Krieg wird die Politik zu Recht an die Solidarität der Bevölkerung mit dem Volk der Ukraine appellieren – und wird damit durchkommen. Doch dies ist nur die halbe Wahrheit. Denn die Schockwelle trifft die deutsche Mittelschicht nur deshalb mit der vollen Wucht, weil die EZB mit ihrer Geldpolitik eben nicht maßvoll und umsichtig agierte. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen und in dieser Angelegenheit ganz klar zu sein: Der Ukrainekrieg ist nur der Auslöser des Inflationsschocks. Die eigentliche Ursache ist systemischer Natur.

Inflationsprävention statt Inflationsschock

Umsichtige Politik beinhaltet, mit 360-Grad-Umschau mögliche Gefahren im Blick zu haben. Umsichtige Politik bedeutet, nicht als Schönwetterkapitän die Rettungswesten im Hafen liegen zu lassen, die man bei Sturm so dringend benötigt. Anstatt vorausschauend zu steuern und klug zu navigieren, fuhren Christine Lagarde und Isabel Schnabel auf Sicht.

Die EZB konnte den Ukrainekrieg unmöglich vorhersehen, wohl wahr, das stimmt. Das hat keiner im Westen. Aber sie musste wissen, was die vielen Geldberge anrichten im Falle eines unvorhergesehenen jähen Ereignisses wie dem Ukrainekrieg. Die bisher hier vorgetragene Argumentation lässt sich daher wie folgt verdichten: Der Ukrainekrieg war unvorhersehbar. Aber vorhersehbar war, was das viele Geld im Falle eines Kriegs wie dem Ukrainekrieg anrichtet. Anders gewendet: Ruina certa, hora incerta!

Der Inflationsschock, besser: die durch den Ukrainekrieg ausgelöste Schockwelle, wird jetzt: in diesen Minuten (Stand 7. März) die Akteure der EZB mit voller Wucht treffen. Was tun, wenn man sorglos Geldpolitik betrieben hat, als seien Inflation und Krieg Gespenster aus uralten Zeiten, die es im vermeintlich aufgeklärten 21. Jahrhundert nicht mehr gibt. Der Ukrainekrieg belehrt uns eines Besseren.



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3 Kommentare

  1. Raubrittertum, gestern und morgen.
    Viele haben in den letzten 10 Jahren am Aktienmarkt, Dank auch den Zentralbanken, richtig viel, na, Kohle gemacht.
    Inklusive Zentralbankangestellten, naheliegenden Politikern, und uns.
    Geldgeil, Habgier, Rechthaberei, ich bin der Geilste, ich muss Mithalten auf dem Niveau der Jachtenhaltern, werden zu Ruhe kommen.
    Wir sind in Sicherheit, der Fallschirm ist Xfach aufgespannt.
    Wenn jetzt erst entschieden ist, willkommen in den 70er Jahren,ist’s egal.

  2. Also Heizöl ist ja Diesel, warum ist Diesel nicht im gleichen Ausmass gestiegen ? Das können ja kaum alles Rohstoffkisten sein, hier dürfte noch irgendwelche abgaben reinspielen

  3. Pingback: Meldungen vom 7. März 2022 – Teil 2 | das-bewegt-die-welt.de

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