Aktien

Jenseits des Offensichtlichen – Beyond The Obvious

Von Kilian Kimmel

Der Abwertungswettlauf lenkt Handelsströme nur um, die nächste Stufe, der protektionistische Wettlauf mit Importbeschränkungen und Zollerhöhungen, vernichtet Handelsströme. Sich gegenseitig die Exportmärkte kaputtmachen, das sog. „Beggar The Neighbor“ (siehe dazu den Beitrag „Beggar The Neighbor“), führt global zu verringerten Handelsvolumen und am Ende zu einem Zusammenbruch der Weltwirtschaft, der bekanntlich nur Verlierer kennt.

Aber Protektionismus ist nicht zu erwarten, dagegen spricht aktuell die globale makroökonomische Großwetterlage in der Eurozone, den USA und Japan. Die OECD rechnet hier bestenfalls mit einer schleppende Konjunkturerholung, die Kapazitäten der Industrie sind unterausgelastet (Output-Lücke). Die Inflationsraten werden unterhalb der gesetzten Zielmarken verharren. In dieser nicht-überhitzten Situation führt eine ultralockere Geldpolitik lediglich zu Kursfeuerwerken in den Aktien-, Bond- und manchen Rohstoffmärkten, hat aber kaum reale Wachstumseffekte.

Die Finanzmärkte sind durch die Zentralbankinterventionen völlig verzerrt, die Risiken werden nicht mehr richtig abgebildet. Die Finanzmärkte müssen sich korrigieren, das ist zu erwarten. Die hohe Bewertung der Finanzmärkte ist ein Spiegel für die weltweit aufgetürmten Schuldenberge. Diese Schuldenberge sind nichts anderes als vorweggenommenes Wirtschaftswachstum, was die Finanzmärkte heute schon einpreisen. Ziel des Abwertungsrennens ist es, dieses vorausgeeilte Wirtschaftswachstum schnellstmöglich einzuholen. Bis dahin produzieren die Finanzmärkte nur Seifenblasen und die Doom-Sayers haben Hochsaison.
Mit der Schwächung der eigenen Währung kann man sich auch notwendige Strukturreformen im Inland ersparen. Das erkennt man an den real-effektiven Wechselkursen, die summarische Veränderung gegenüber den Währungen der Handelspartner tendieren nach unten.

Verlierer des Währungskrieges wird voraussichtlich Europa sein. Merkel will Europa zu Tode sparen, weil „der Euro so stark sein soll wie die D-Mark“. „Merkel hat nichts verstanden“, wetterten Sachverständige und forderten einen Marshallplan und nachfrageorientierte Politik. Auf der politischen Bühne zeigt sich die Uneinigkeit in Europa in einem erbitterten Machtkampf zwischen dem Europäischen Parlament und dem Europäischen Rat. Großbritannien will das Parlament entmachten und droht mit Austritt. Zeitgleich wird der für das Amt des EU-Kommissionspräsidenten vorgesehene Luxemburger Juncker, als aggressiv pöbelnder Alkoholiker durch die englischen Gazetten gejagt. Die EZB sieht Gefahr für ihr Mandat und warnt vor einem politischen Stillstand oder Richtungswechsel, der für den Euro und Europa Schlimmstes befürchten lässt.



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