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Kreditversicherer Euler Hermes: „Die fetten Jahre sind vorbei“ – Insolvenzen werden 2019 weltweit, aber vor allem in China stark steigen

Die Zombie-Unternehmen sind die ersten Pleite-Kandidaten!

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Der Kreditversicherer Euler Hermes (eine Allianz-Tochter) ist eines jener global agierenden Unternehmen, die gewissermaßen an der Quelle sitzen – nämlich an der Kreditquelle. Daher kann Euler Hermes wie kaum ein anderes Unternehmen einschätzen, wie es um die Kreditwürdigkeit von Unternehmen bestellt ist bzw. wie groß der Anteil voon Unternehmen sein dürfte, die in die Pleite rutschen werden.

Nun hat – wie stets auch Dr. Markus Krall betont – die ultralaxe Geldpolitik etwa der EZB Zombie-Unternehmen geschaffen, also Unternehmen, die bei „normalen“ Zinssätzen nicht am Markt überleben würden, weil sie nicht das liefern, was der Markt will oder braucht.

Aber diese Zombie-Unternehmen sind nun die ersten Pleite-Kandidaten! Das gilt vor allem für China, wo die Insolvenzen in 2019 um 20% zunehmen dürften – aber auch für UK aufgrund der Brexit-Unsicherheiten. In zwei Drittel aller Länder werden die Insolvenzen zunehmen – global ist damit der dritte jährliche Anstieg der Insolvenzen zu erwarten. Daher sagt Euler Hermes: „Die fetten Jahre sind vorbei!“

 

In zwei von drei Ländern weltweit steigen 2019 die Pleiten Quellenangabe: „obs/Euler Hermes Deutschland“

 

 

Hier die eindrücklichen Aussagen von Euler Hermes im Wortlaut:

– Weltweite Insolvenzen steigen 2019 um weitere 6%, erneut
Pleitewelle in China erwartet
– Schwächelnde Konjunktur und weltweit schwierigere
Finanzierungsbedingungen als Treiber
– In zwei von drei Ländern weltweit nehmen Insolvenzen zu, USA,
Deutschland (0%) und Brasilien (-6%) große Ausnahmen
– Westeuropa +3%: Großbritannien Haupttreiber im Zuge der
Brexit-Unsicherheiten

Exportrisiken sind 2019 deutlich auf dem Vormarsch: In zwei von drei Ländern weltweit steigen die Insolvenzen. Global erwartet der weltweit führende Kreditversicherer Euler Hermes 2019 rund 6% mehr Insolvenzen als im vergangenen Jahr. Zu diesem Schluss kommt die Allianz-Tochter in ihrer aktuellen Insolvenzstudie.

Die rote Laterne geht dabei erneut an China: Dort erwarten die Volkswirte für 2019 eine weitere Pleitewelle und einen Anstieg der Fälle um 20% (nach bereits einem massiven Anstieg um rund 60% im vergangenen Jahr). Aber auch in Westeuropa steigen die Insolvenzen 2019 um voraussichtlich 3% an. Haupttreiber bleibt im Zuge der Brexit-Unsicherheiten Großbritannien. Frankreich, Spanien und Italien verzeichnen 2019 jedoch ebenfalls steigende Pleiten.

„Weltweit steigen die Insolvenzen 2019 bereits zum dritten Mal in Folge“, sagt Ludovic Subran, Chefvolkswirt von Euler Hermes und stellvertretender Chefvolkswirt der Allianz. „Dieses Jahr sogar in zwei von drei Ländern. Das zeigt: Die fetten Jahre sind vorbei, die weltweite Konjunktur schwächelt. Viele Länder wachsen langsamer als es notwendig wäre, um die Insolvenzen stabil zu halten. In Westeuropa hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass diese Schwelle beispielsweise bei einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von rund 1,7% liegt.“

Ende der fetten Jahre und des leichten Geldes

Wachstum und Nachfrage reichen also in zahlreichen Ländern und bei zahlreichen Unternehmen nicht mehr aus, um Produktions-, (Re-)Finanzierungskosten oder Investitionen im Zuge eines Strukturwandels zu decken.

„Weitere Gründe sind das Ende des leichten Geldes, eine historisch hohe Verschuldung von Unternehmen, neue Insolvenzregeln oder, wie in China, die wesentlich größere Bereitschaft, Insolvenzverfahren auch anzuwenden“, sagt Subran. „Zudem gibt es eine ‚Extraportion‘ Insolvenzen in den Ländern, in denen in den letzten Jahren Neugründungen stark angestiegen sind. Viele dieser jungen Firmen schaffen es nicht.“

Die Klassenbesten: von Deutschland und den Niederlanden bis zu den USA und Brasilien

Deutschland ist mit einer Stagnation der Fallzahlen 2019 weiterhin gegen den Trend, zusammen mit den USA und den Niederlanden, die beide 2019 voraussichtlich ebenfalls gleichbleibende Fallzahlen verzeichnen. Zu den „Klassenbesten“ gehören zudem Brasilien (-6%), Griechenland (-6%), die Tschechische Republik (-10%) und Ungarn (-11%). Auch Kolumbien (-10%), Portugal, Irland und Litauen (alle jeweils -5%) verzeichnen sinkende Fallzahlen. Allerdings sind die Pleitezahlen dort weiterhin auf einem historisch jeweils sehr hohen Niveau.

„Deutschland und die Niederlande stehen in Europa zwar gut da, aber auch hier zeigt sich die Trendwende langsam“, sagt Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Nach Jahren der rückläufigen Fallzahlen stagnieren die Pleiten erstmals. Die durchschnittlichen Schäden durch Insolvenzen haben sich in den letzten Jahren allerdings bereits verdoppelt. Zudem sind deutsche Unternehmen aufgrund ihrer starken Exportorientierung von den weltweit steigenden Pleitezahlen besonders betroffen. Bei erneuten Spannungen und Handelskonflikten gehören sie ebenfalls zu den größten Verlierern, insbesondere in der Automobilindustrie.“

Ein großer Teil der deutschen Ausfuhren geht in andere europäische Länder – doch auch bei den vermeintlich „sicheren“ Nachbarn steigen Kreditrisiken an, allen voran in Großbritannien.

Brexit-Drama: Pleiten steigen um 9%, bei „No Deal“ sogar um 15% „Das Brexit-Drama schlägt sich zunehmend auf die britischen Unternehmen durch“, sagt Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Schon 2018 sind die Pleiten auf der Insel mit +12% überdurchschnittlich stark gestiegen. 2019 kommen weitere +9% hinzu. Auch ein ‚No Deal‘-Brexit ist noch nicht vom Tisch. In diesem Fall wäre der Anstieg der Pleiten mit +20% noch größer. Das führt durch Dominoeffekte zunehmend auch in den Lieferketten zu Problemen.“

In Frankreich, Italien und Spanien steigen Insolvenzen 2019 um voraussichtlich jeweils 2% an. In Frankreich hat sich dies in einigen Branchen bereits 2018 angekündigt mit sinkenden Gewinnmargen und zunehmenden Zahlungsverzögerungen. In Italien ist es die schwache Konjunktur, die Anlass zur Sorge gibt. Mit steigenden Insolvenzen nimmt der Druck auf Kredite und Banken im Laufe des Jahres nach Einschätzung der Studie zu.

In Skandinavien sind Insolvenzen ebenfalls auf dem Vormarsch und in Zentral- und Osteuropa kommen weitere Risiken hinzu: Durchschnittlich 4% mehr Insolvenzen erwarten die Volkswirte in der Region für 2019. Allen voran die Slowakei (+16%), Russland (+6%), Polen und die Türkei (je +5%), Rumänien und Bulgarien (je +3%).

3 Kommentare

3 Comments

  1. Paul

    23. Januar 2019 10:40 at 10:40

    Habe es ja gestern Abend schon in Kurzform erlaeutert….
    Danke Mr.Fugmann,fuer den nachgereichten „ausfuehrlichen“ Bericht!
    …aber Firmenpleiten gepaart mit einer Immo-Krise(event.Zusammenbruch),das waere das Sahnehaeubchen oben drauf….

  2. Pingback: Aktuelle Meldungen und Nachrichten vom 23. Januar 2019 | das-bewegt-die-welt.de

  3. tm

    23. Januar 2019 13:52 at 13:52

    Erstaunlich finde ich die Grafik auf S. 5 des (englischens) Berichts. Mit Deutschland, Japan und den USA liegen drei große Volkswirtschaften ganz links im Bereich „very low level“ und die USA und Deutschland zudem noch im unteren Bereich („stable or slightly improving“). Umgekehrt liegt von den großen Volkswirtschaften nur China im Feld ganz oben rechts bei „very high level“ und „stringly deteriorating“ – die Welt insgesamt aber auch.

    Sehr spannend wird es, wenn Eulerhermes mit den Prognosen in Tabelle 4 Recht hat. Stabile Situation in den USA, Deutschland, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Irland, Portugal, Österreich, selbst Griechenland… also in Summe Stabilität in den USA und der Eurozone, aber massiver Anstieg in China und deutlicher Anstieg in einigen europäischen Nicht-Euro-Staaten.

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Rüdiger Born: Chance in US-Indizes?

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Hongkong – Proteste eine Gefahr für Zukunft des Finanzzentrums?

Nicht nur wegen der Proteste in Hongkong scheint China Pläne für eine Ablösung der Stadt als dominantes Finanzzentrum zu haben

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Hongkong gehört seit dem Abzug der Briten 1997 wieder zu China und hat eigentlich noch bis 2047 als so genannte Sonderverwaltungszone garantierte Sonderrechte. Diese sind durch die schon lange währenden Demonstrationen in Gefahr. China braucht Hongkong wirtschaftlich und umgekehrt. Aber jetzt bahnt sich eine neue Entwicklung an.

 

Hongkong – Bedeutung für Chinas Wirtschaft

Hongkong ist auf China angewiesen und vice versa. Wie amtliche Statistiken ausweisen, steht das Reich der Mitte allein schon durch seine geografische Nähe für die Hälfte von Hongkongs Handel. Zugleich stammen gut ein Viertel aller Auslandsinvestitionen in Hongkong aus China plus das Kapital aus diversen Steueroasen. Auch logistisch ist Hongkong vom Festland abhängig, denn ein Viertel des elektrischen Stroms bezieht man von dort sowie den größten Teil des benötigten Trinkwassers. Etwa 20 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet Hongkong mit Tourismus und Einzelhandel. Dabei kommen 80 Prozent der Touristen aus China, die in Hongkong Luxusgüter einkaufen.

Für chinesische Unternehmen hat Hongkong auch eine enorme Bedeutung. Die riesige Metropole ist ein Brückenkopf zu den globalen Finanzmärkten und Drehscheibe für viele Auslandsinvestitionen, die über die ehemalige britische Kronkolonie getätigt werden. Unbestritten auch die Dominanz der dort ansässigen Börse. Globale Investoren haben über die Börse in Hongkong 2,6 Billionen US-Dollar in chinesische Unternehmensaktien investiert. Chinesische Unternehmen nutzen die Stadt, um ausländisches Kapital einzusammeln. Dies ist aber nicht in Stein gemeißelt, wie wir gleich sehen werden.

 

Hongkong kämpft gegen die Rezession

 

Tourismus und Finanzindustrie sind wichtige Größen für das Bruttoinlandsprodukt Hongkongs. Die andauernden Proteste hinterlassen aber mehr und mehr Spuren in der Konjunktur. Allein die Schließung des Hongkonger Flughafens dürfte zu einem Ausfall von fast 14 Tausend Tonnen Fracht im Wert von rund 1,2 Milliarden US-Dollar geführt haben, wie ortsansässige Fondsmanager verlautbarten. Damit verbunden auch zurückgehende Besucherzahlen, schwächere Einzelhandelsumsätze und geringere Hotelbuchungen.

Hongkongs Regierung hat deshalb ein Konjunkturpaket im Wert von rund 19 Milliarden Hongkong-Dollar (circa 2,3 Milliarden Euro) angekündigt, was aber nicht besonders groß erscheint, wenn man Hongkongs BIP in Höhe von 330 Milliarden Euro in Relation dazu stellt.

Dessen Wirtschaft schwächelt bereits seit Monaten. Im zweiten Quartal des Jahres musste schon ein Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,4 Prozent vermeldet werden. Im laufenden Quartal dürfte es nicht besser laufen, sodass eine technische Rezession zu erwarten ist. 2018 war das Bruttoinlandsprodukt noch um drei Prozent gewachsen.

 

Chinas Zukunftspläne – Shenzen, die neue Finanzmetropole?

Auch wenn sich die Regierung in Peking dem Druck der Demonstrationen in Hongkong nicht beugen wird, so scheint man bereits Pläne für eine Ablösung der Stadt als dominantes Finanzzentrum zu haben.

Hongkongs Rolle als Finanzplatz könnte an Bedeutung verlieren.

Darauf deutet ein am Sonntag veröffentlichter Plan Pekings hin, in dem eine weitere Öffnung der Wirtschaft von Shenzhen bekanntgegeben wurde – eine riesige Stadt unweit zur Grenze von Hongkong. Die Stadt solle bis 2025 „eine der führenden Städte der Welt im Hinblick auf wirtschaftliche Stärke und die Qualität der Entwicklung“ werden und bis zur Mitte des Jahrhunderts eine der Top-Metropolen der Welt.

Chinesische Medien sprachen davon, dass Shenzhen besser werden solle als Hongkong und es die einzige Chance für das abtrünnige Hongkong sei, sich vollständig in China zu integrieren. Auch wenn dieses als Drohkulisse zu verstehen ist, als Warnung an die einstige britische Kolonie, den erworbenen Wohlstand nicht zu riskieren, scheint sich hier eine weitere Entwicklung in Gang zu setzen.

 

Fazit

Es wird aus vielen Aktionen deutlich. China möchte sich als Weltmacht etablieren, praktisch in einer neuen bipolaren Welt in Konkurrenz zum Westen auf technologischen und militärischen Gebieten. Gewissermaßen der „Nukleus“ für den laufenden und noch lange währenden Handelsstreit zwischen den USA und China. Seien es die Entwicklungen um Huawei und Co oder jetzt in Hongkong, man scheint auf eine Art Ost-West-Aufteilung neuer Prägung zuzusteuern. Mittendrin Deutschland, welches als Exportnation große Wirtschaftsbeziehungen sowohl mit den USA als auch mit China unterhält. Ob dies in Zukunft ohne Friktionen weiter möglich sein wird?

 

Hongkong war bislang der Hub für China zu den globalen Finanzmärkten

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Crack-Up-Boom und die Zentralbanken

Das Geldschöpfungsprivileg erlaubt den Zentralbanken die Inflation nach Belieben zu erhöhen – und das dürfte noch einmal einen Crack-Up-Boom auslösen

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Das Geldschöpfungsprivileg erlaubt den Zentralbanken die Inflation nach Belieben zu erhöhen – und das dürfte noch einmal einen Crack-Up-Boom auslösen!

 

Eine Frage des politischen Willens, nicht nur der Zentralbanken

In jüngster Zeit wird kontrovers über die Möglichkeiten der Zentralbanken diskutiert, die globale Wirtschaft in Gang zu halten und eine deflationäre Abwärtsspirale á la Japan in Folge der hohen Schulden auf globaler Ebene zu verhindern. Für mich persönlich ist die Potenz der Zentralbanken klar: sie können, wenn sie wollen.
Es ist nur eine politische Frage, wann und in welchem Umfang ein sogenannter Crack-up-Boom in der Wirtschaft von den Zentralbanken erzeugt und die Inflation angeheizt wird. Das Timing in dieser Frage ist direkt gekoppelt an den Eintritt einer das System destabilisierenden Weltrezession.

Diese Situation war in Japan seit dem Platzen der dortigen Immobilienblase Ende der Achtzigerjahre nie gegeben. Japan ist nach den USA und China die drittgrößte Volkswirtschaft mit starkem Fokus auf den Export. Die Staatsverschuldung liegt zwar bei 238 Prozent des BIP, davon sind aber nur 50 Prozent gemessen am BIP Auslandsschulden. Die nationale Bruttoersparnis liegt bei 25 Prozent und mit mehr als 1,3 Billionen US$ verfügt das Land über die zweitgrößten Devisenreserven der Welt (nach China und vor der Schweiz).

 

Trotz inverser Alterspyramide und Fachkräftemangel hat Japan stets vom Wachstum der Weltwirtschaft profitiert. Jetzt jedoch haben wir es mit einer Schuldenkrise historischen Ausmaßes auf globaler Ebene zu tun. Die letzte Wachstumslokomotive USA ist gerade dabei, ihre letzten schuldenfinanzierten Kohlen zu verbrennen. Eine Situation, die die Zentralbanken zwingt, auch ihr ultimatives Waffenarsenal einzusetzen.

Die Ultimative Bazooka der Zentralbanken: der Crack-up-Boom

Die ultimative Bazooka ist dabei der sinnbildliche Abwurf von Gratisgeld mit den Helikoptern der Zentralbanken. Eine weitere Option ist das sogenannte Schwundgeld, das das Sparen verunmöglicht und die Geldumlaufgeschwindigkeit massiv erhöht (siehe dazu meinen Artikel von gestern: „Negativzinsen – Schwundgeld für Überschuldete“). Unter der Prämisse, dass reale Zinssteigerungen wegen der globalen Überschuldung nicht mehr möglich sind, ist die Kombination dieser beiden genannten Maßnahmen die nukleare Option der Zentralbanken zur Überwindung des Japansyndroms.

 

Der Crack-Up-Boom

Wie nahe wir uns an einem solchen Szenario befinden, bei dem die Weltwirtschaft einen künstlichen Mega-Push erhält, zeigen die jüngsten Aussagen von Mario Draghi: Am 20. August zitierte die Financial Times aktuelle Überlegungen des amtierenden EZB-Präsidenten, den Wirtschaftssubjekten ohne Umweg über die Banken direkt frischgedrucktes (digitales) Geld in die sprichwörtliche Hand zu geben – für Konsum und Investitionen.
Das bisherige Zögern solche Maßnahmen in die Tat umzusetzen, ist dabei kein Ausdruck mangelnder Potenz der Zentralbanken, sondern deren Wissen um die Nebenwirkungen.

Übersetzt bedeutet Crack-Up-Boom nämlich sinngemäß Katastrophen-Aufschwung. Dieser rein künstliche Zyklus entfaltet in seinem Verlauf neben einer wirtschaftlichen Scheinblüte mit hohen nominellen Wachstumsraten und explodierenden Vermögenspreisen eben auch eine enorme zerstörerische Wirkung auf die Geldwertstabilität. Der Crack-Up-Boom stellt unweigerlich die Endphase eines übergeordneten Wirtschaftszyklus in einem Fiatgeld-System dar.

Wenn der politische Druck groß genug wird, schrecken die verantwortlichen „Währungshüter“ auch vor dieser nuklearen Option nicht zurück.

 

Empirische Belege für den Crack-up-Boom gibt es genug

Empirische Belege für diese politische Kausalität gibt es in der Geschichte des Geldes reichlich: von Weimar über Simbabwe, Venezuela und Argentinien bis hin zur jüngst erfolgten Entmündigung der Zentralbank in der Türkei. Ausnahmslos wurde dabei von Zentralbanken auf politischen Druck hin, gewollt oder ungewollt, der Geldwert massiv herabgesetzt.

Nochmals: dass es bislang zum Beispiel in Japan und Europa disinflationäre Tendenzen mit wirtschaftlicher Stagnation gibt, liegt nur an der Zurückhaltung der Zentralbanken in Bezug auf ihr atomares Waffenarsenal. Man könnte sagen, dass bis jetzt noch auf ein sensibles Gleichgewicht zwischen Aufrechterhaltung der Schuldentragfähigkeit von Banken, Unternehmen, Staaten und Verbrauchern auf der einen Seite sowie der Inflation auf der anderen Seite Rücksicht genommen wurde.

Die Hauptüberlegung für diese Rücksicht war dabei immer, das Vertrauen in das ungedeckte Geldsystem und die Reputation der „Währungshüter“ nicht unnötig zu zerstören. Doch wie sagte der Dichter Wilhelm Busch so schön: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert. Mario Draghi und seine Nachfolgerin Christine Lagarde (eine Befürworterin des Schwundgeldes) scheinen genau an diesem Punkt angekommen zu sein.

 

Fazit: Die Zentralbanken und der absehbare Crack-Up-Boom

Noch haben die Zentralbanken gar nicht angefangen, ihre schärfsten Waffen einzusetzen – aus Angst vor den Folgen. Bislang wurden nur Löcher bei de facto bankrotten Banken und Regierungen gestopft und die Weltwirtschaft halbwegs stabilisiert. Von einem Crack-Up-Boom ist in der Realwirtschaft noch nichts zu spüren (mit Ausnahme der Vermögenspreise). Die Betonung liegt auf „noch“ und der Druck im Kessel steigt.

 

Die Zentralbanken sind auf dem Weg, einen Crack-up-Boom zu erzeugen

Foto: Avarice (2012), by Jesus Solana / Wikipedia (CC BY 2.0) – Ausschnitt aus Originalfoto

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