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Ein moderner Bank Run Krypto-Crash: Was die Pleite der Krypto-Börse FTX bedeutet

Krypto-Crash FTX Alameda

Derzeit passiert ein bemerkenswerter Krypto-Crash nach der de facto-Pleite von FTX und Alameda, der drittgrößte Krypto-Börse weltweit. Sowohl Bitcoin als auch andere Kryptowährungen waren stark unter Druck. Was ist da passiert?

Krypto-Crash: Anatomie eines Bank Runs

Der Twitter-Account @wassielawyer hat die Logik aufgearbeitet: die Krypto-Börse FTX hat unter ihrem CEO Sam Bankman-Fried Kredite vergeben an Alameda Research – eine Art Krypto-Hedgefond. Alameda wiederum scheint nicht gerade erfolgreich gewesen zu sein mit seinen Spekulationen – weswegen FTX der Firma offenkundig Kredite geben mußte. Diese Kredite wiederum bestanden aus Kundeneinlagen der Krypto-Börse FTX. Es wurden also faktisch Kundengelder als Kredite für eine Zockerfirma vergeben, deren CEO eine junge, vermutlich nicht gerade mit viel Business-Erfahrung ausgestatte Mathematikerin ist.

Die Konkurrenten der Krypto-Börse FTX, Coinbase und Binance, scheinen um diese fragile Struktur bei FTX und Alameda gewußt zu haben – und schossen verbal gegen FTX und ihren CEO Bankman-Fried.

Also begann ein bank run: Kunden versuchten ihre Einlagen von FTX abzuziehen. Das wiederum brachte FTX in Schwierigkeiten (wie jede Bank bei bank runs Probleme bekommt!). Also forderte FTX die Rückzahlung der an den Krypto-Hedgefond Alameda gegebenen Kredite, um die Auszahlungswünsche seiner Kunden bedienen zu können. Alameda war dadurch gezwungen, Assets (ergo Kryptos) zu verkaufen, um die erforderliche Liquidität zu generieren und den Kredit zurück zahlen zu können. Folge der Liquidierungen von Alameda war ein weiterer Krypto-Crash (der auch gestern Abend die Aktienmärkte zwischnzeitlich unter Druck brachte).

Dennoch war die von Alameda generierte Liquidität offenkundig zu gering, um den Liquiditätsbedarf von FTX angesichts der Auszahlungswünsche seiner verunsicherten Kunden zu gewährleisten. Damit war FTX faktisch insolvent. Der Konkurrent Binance konnte das Chaos zunächst stoppen durch die Zusage, die angeschlagene Krypto-Börse (wohl für einen Dollar) zu übernehmen (im Oktober 2021 war bei einer Finanzierungsrunde FTX noch mit 32 Milliarden Dollar bewertet). Aber ob das wirklich klappt, ist alles andere als sicher.

Lehman-Krise 2.0?

War das, was wir gestern erlebt haben, das Vorspiel für einen ganz großen Krypto-Crash? Gibt es Parallelen zu den Ereignissen in der Finanzkrise, als es der US-Immobiliensektor mit seiner Überbewertung und seinen Verbriefungen war, der eine Kette von Ereignissen auslöste, mit dem Crash von Lehman als Auslöser? Damals mußte zunächst die US-Investmentbank Bear Stearns durch JP Morgan auf Anordnung des US-Finanzministeriums gekauft werden, um den Kollaps der Investment Bank zu verhindern.

Nun also die angekündigte Übernahme von FTX durch Binance. Da war aus dem Nichts ein Billionen-Markt entstanden, viele große Player im Finanzsektor witterten das große Geschäft. Was aber, wenn diese Billionen wieder verschwinden, weil all das eine Blase ist?

Folgendes Video bringt die aktuelle Lage sehr gut auf den Punkt:



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3 Kommentare

  1. Der große Stress (Ausbruch VIX) an den Finanzmärkten beginnt im Bärenmarkt erst dann wenn die FED in Panik gerät und die Zinsen senkt, weil durch die steigenden Zinsen etwas systemisch relevantes, das sich unter der lockeren Geldpolitik wärend des Bullenmarktes aufgebaut hat, zerbricht)

    Die Vergangenheit zeigt… im Bärenmarkt ist alles lockeres Vorspiel bis runter auf minus 20-25% und wenn dann die FED in Panik gerät wärend die Anleihenmärkte schon wissen was passiert (inverse Zinsssruktur) und die Aktienmärkte schon wieder gierig neue ATH erwarten dann beginnt die schmerzhafte Phase im Bärenmarkt bei Aktien (zumindest in der Vergangenheit aber dieses Mal ist bestimmt alles ganz anders oder?)

    Kurz nach der ersten Zinssenkung bzw. Start QE gibt es einen kräftigen Ausbruch VIX.

    Dieses Mal wirklich alles anders?

    https://fred.stlouisfed.org/graph/fredgraph.png?g=UYra

    LG Depotrockerin

  2. Was auf dem „Krypto-Markt“ passiert ist sowas von unspannend. So ist das nun mal mit Tulpenzwiebeln. Man hypt sie rauf, bis sie wieder in der Versenkung verschwinden. Aber das Geld ist, wie bei jeder Spekulation, ja nicht weg, es hat nur jemand anderes.

  3. Sehr aufschlussreiches Video, alles gut analysiert und erklärt – nur kein einziger Gedanke daran, dass das tiefere Problem darin liegt, dass diese ganzen „Assets“ einfach nur arbiträre Files sind ohne Wert und Nutzen, und deshalb alles kollabiert und weiter kollabieren wird. Die Tulpenzwiebeln konnte man noch einpflanzen.

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