Krypto-Währungen

Sind Vorbehalte und Skepsis noch gerechtfertigt? Kryptowährungen sind weitaus mehr als eine Betrugsmasche oder Ponzi-System

Bitcoin

In den letzten Jahren verursachten eine Menge Skandale rund um so genannte Kryptowährungen etliche Schlagzeilen. Das führte in der breiten Bevölkerung irgendwann zu der Ansicht, dass es sich dabei meistens um ein Betrugsschema handeln könnte. Sei es als einfaches Ponzi- oder Schneeballsystem oder auch als Vorbereitung und Durchführung von Hackerangriffen, die am Ende zum Stehlen von Daten und Werten führen sollen. Zunächst mal ein Überblick über ein paar der größten Aufreger der letzten Jahre.

Erster größerer Hack bei Mt. Gox – Tauschbörse für Sammelkarten des Spiels „Magic – The Gathering“

Die japanische Börse für Kryptowährungen wurde zwischen 2011 und 2014 mehrfach Opfer von Hackerangriffen und auch zwischendurch gab es dort einige Ungereimtheiten. Während bei der ersten Hacker-Attacke lediglich 25.000 Bitcoin gestohlen wurden, konnten die Hacker in 2014 ungefähr in Summe ca. 850.000 Bitcoin erbeuten, was nach heutigem Wert (mit Kursen jenseits von 40.000$/BTC) über 30 Milliarden US$ darstellen würde. Davon gehörten ca. 750.000 BTC den Kunden und rund 100.000 dem Unternehmen. Bis heute blieb das der bislang größte Bitcoin-Raub aller Zeiten und vermutlich auch der größte Raub jemals – zumindest wenn man die Wertsteigerungen seither mit berücksichtigt.

Erstes große Schneeball-System durch Onecoin – Kryptowährungen massiv in Verruf

Der OneCoin-Skandal war der erste größere bekannt gewordene Betrug. Der Plan wurde von Ruja Ignatova inszeniert, die von den Medien schnell den Namen „Cryptoqueen“ verliehen bekam. OneCoin wurde von ihr als revolutionäre neue Kryptowährung vermarktet, welche die Finanzwelt revolutionieren würde, aber in Wirklichkeit war es ein Schneeball-System, das Millionen von Menschen um Milliarden von Dollar betrog. OneCoin wurde 2014 eingeführt und entwickelte sich schnell zu einer der beliebtesten Kryptowährungen der Welt.  Das Unternehmen behauptete, über eine revolutionäre Blockchain-Technologie zu verfügen, die schnellere und sicherere Transaktionen als herkömmliche Kryptowährungen ermöglichen würde. Allerdings gab es viele Warnsignale, die Misstrauen gegenüber OneCoin hätten wecken sollen. Beispielsweise weigerte sich das Unternehmen, sein Whitepaper zu veröffentlichen, bei dem es sich um ein wichtiges Dokument handelt, das die technischen Details einer Kryptowährung darlegt.  Das wäre in etwa vergleichbar mit dem Börsengang eines Unternehmens, was sich aber weigert, vorher einen Emissionsprospekt zu veröffentlichen und dadurch Investoren wesentliche Informationen und Kennzahlen einfach vorenthält.

Es gab weitere Anzeichen eines möglichen Betrugs

Darüber hinaus waren die Marketingmaterialien von OneCoin voller übertriebener Behauptungen und irreführender Informationen. Das Unternehmen bot ein Multilevel-Marketing-Programm (MLM) an, bei dem neue Investoren dazu ermutigt wurden, weitere Investoren anzuwerben. Da immer mehr Menschen in OneCoin investierten, stieg der Wert der Kryptowährung, was die ersten Anleger glauben ließ, dass sie eine kluge Investition getätigt hatten, so funktionierten Kettenbriefe und Schneeball-Systeme schon immer.  Der „Wert“ von OneCoin basierte aber lediglich auf dem Hype und dem Geld neuer Investoren. Das Unternehmen hatte nie ein echtes Produkt oder eine echte Dienstleistung anzubieten und seine Blockchain-Technologie war eine völlige Täuschung. Als immer mehr Menschen erkannten, dass OneCoin ein Betrug war, sank der Wert der Kryptowährung und Tausende von Anlegern verloren einen Großteil ihres Geldes. Im Jahr 2017 wurde OneCoin eingestellt, Ruja Ignatova verschwand und wird nun vom FBI wegen Betrugs und Geldwäsche gesucht (übrigens zahlt das FBI 250.000$ für sachdienliche Hinweise, die zur Ergreifung führen, während das BKA lediglich 5.000€ anbietet).  Ignatova hat natürlich in Summe dem Sektor einen Bärendienst erwiesen und zusätzliches Öl ins Feuer der Kritiker gegossen.

Nach QuadrigaCX und Bitconnect: Höhepunkt war die Pleite von FTX

Bitconnect war ein weiteres Schneeballsystem, das als Kryptowährungs-Handelsplattform vermarktet wurde. Der Skandal führte zu einem Schaden von über 2 Milliarden Dollar. QuadrigaCX war eine kanadische Kryptobörse, die von Gerald Cotten gegründet wurde. Im Jahr 2019 starb Cotten aber hinterließ keinerlei Zugangsdaten zu den Börsenkonten. Der Skandal führte zu einem Schaden von über 190 Millionen Dollar. FTX war eine der größten Kryptobörsen der Welt. Im August 2022 wurde bekannt, dass FTX über acht Milliarden Dollar an Schulden hat. Dadurch kam es zu einem weiteren Vertrauensverlust und damit verbundenen Kursverfall von Kryptowährungen. Im November 2022 brach das Bankman-Fried-Finanzimperium zusammen. FTX war gezwungen, Ein- und Auszahlungen auszusetzen, und Alameda Research erhielt einen Liquidationsbefehl. Bankman-Fried ist als CEO von FTX und Alameda Research zurückgetreten und wurde nach einer kleinen Flucht-Odyssee auf den Bahamas festgenommen und schließlich vor Gericht gestellt, und zunächst in allen Anklagepunkten für schuldig erklärt, ihm drohen nun mehr als 100 Jahre Gefängnis. Das Strafmaß soll bis Ende März 2024 verkündet werden, der entstandene Schaden beträgt ca. 8,7 Milliarden US$.

Unterschiedliche Studien besagen: 5-20% aller Kryptowährungen sind unseriös

Nun ist es aber bei Studien oftmals so, dass diese oftmals nur erstellt werden, um am Ende ein gewisses Ergebnis vorab liefern zu können. In Deutschland zum Beispiel ist das Wort nicht einmal ein geschützter Begriff. Somit könnte im Prinzip jeder Studien erstellen und diese als solche auch publizieren. Dennoch lassen sich die Gefahren natürlich nicht herunter spielen und sollten auch nicht relativiert werden, denn selbst wenn man nur eine Scam-Quote von 5% annimmt, wären das noch 5% zu viel. Da die Krypto-Branche selbst und auch die dortigen Anleger nach den ganzen Skandalen der letzten Jahre stärker sensibilisiert worden sind, darf man annehmen, dass der Anteil an Betrugsmaschen im Sektor in den kommenden Jahren weiter abnehmen dürfte, weil schon aus Gründen des Selbstschutzes von der Branche immer mehr Sicherheits-Mechanismen dagegen implementiert werden, kein Wunder auch, basiert das Geschäftsmodell vieler Coins und Tokens genau darauf, digitale Prozesse schneller und vor allem auch sicherer zu machen.

Überwiegende Mehrheit der Kryptos besitzt valides Geschäftsmodell und ist nicht auf Betrug ausgelegt

Denn selbst wenn man nur (siehe oben) 80-95% an seriösen Kryptowährungen annimmt, ist das die überwiegende Masse und somit ausreichend genug für einen echten „Aufstand der Anständigen“ gegen die dunklen Machenschaften im Sektor. Ich persönlich vergleiche die Geschichte der Kryptowährungen (Altcoins) ganz gerne mit der des Neuen Marktes rund um die Jahrtausendwende und die Chart-Historien und Kursverläufe sehen diesbezüglich ja auch recht ähnlich aus. Einem rapiden und scheinbar niemals enden wollenden Anstieg folgte die große Ernüchterung in Form nie da gewesener Crash-Bewegungen und Insolvenzen. Am Ende setzte sich auch dort nur die Qualität langfristig durch und die Vielzahl an zuvor gehypten Schrott-Aktien ging den Weg allen Irdischen und existiert inzwischen nicht mehr oder dümpelt als Pennystock notierend in der Bedeutungslosigkeit des Börsengeschehens. Der Neue Markt als solcher wurde zwar 2003 – also vor über 20 Jahren – zu Grabe getragen, dennoch haben sich etliche Aktien von damals bis heute wacker geschlagen und mit Qiagen ist eine davon sogar seit geraumer Zeit im Deutschen Aktienindex vertreten.

Altcoins befinden sich in selbem Aggregatzustand wie damals die übrig gebliebene Werte aus dem „Neuen Markt“

Nach dem Zusammenbruch des Neuen Marktes lichteten sich die Rauchschwaden und wurden die zahlreichen Trümmer beiseite geräumt. Es dauerte dann noch eine gewisse Zeit und gab auch weitere Ereignisse, wie die Lehman Brothers-Pleite, die zu zusätzlichen Marktbereinigungen führten, doch am Ende griff auch hier das alte Darwin-Motto vom survival of the fittest (dem Überleben der Stärksten). Zu Beginn dieses Prozesses befindet sich derzeit der Altcoin-Sektor mit all seinen zig tausend relativ neuen Kryptowährungen. Sicherlich wird es immer mal wieder Projekte geben, die scheitern werden und andere, die sich schwer tun, doch dem gegenüber steht eine ungleich höhere Zahl an aussichtsreichen Krypto-Projekten, die es wert sein sollten als Anlage-Instrument berücksichtigt zu werden. Ähnlich wie beim Kauf von Aktien gilt es auch hier, sich auf die Suche nach Qualität zu machen und Blue Chips im Zweifel den Small/MidCaps vorzuziehen.

Die Analogien zwischen Krypto- und Aktienmarkt sind nicht nur unübersehbar, sondern mit dieser Methodik lassen sich auch ganz gut Vorbehalte abbauen und Vorurteile widerlegen. Ende des Jahres 2022 belief sich der Gesamtwert des Aktienmarktes auf knapp über 100 Billionen US-Dollar und dürfte aktuell mit den frisch erreichten neuen Allzeithochs in den Indizes noch etwas höher liegen. Die aktuelle Summe aller Kryptowährungen beläuft sich im Vergleich aber immerhin auch schon auf aktuell rund 1,59 Billionen US-Dollar (siehe TradingView Chart mit Entwicklung seit 2017), wovon allerdings grob die Hälfte alleine auf die Marktkapitalisierung von Bitcoin entfällt. Als die Kryptowährungen im Spätherbst 2021 im Zuge des Bitcoin-Hypes ihren bislang höchsten Bewertungsstand erreicht hatten, hätte man dafür ungefähr alle 40-Daxwerte erwerben können. Ein Nischenmarkt sind Altcoins also bei weitem nicht mehr, sondern -metaphorisch gesehen- eher eine Art aufstrebendes Schwellenland, dem man durchaus mal eine Chance geben sollte.

Grafik zeigt Entwicklung der gesamten Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen seit dem Jahr 2017



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