Neue Bundesschatzanweisungen: Deutschland macht mit 4 Milliarden Euro neuen Schulden 59 Millionen Euro Gewinn

FMW-Redaktion

Es ist irgendwie nachvollziehbar, aber dennoch bleibt es grotesk! Die institutionellen Anleger rennen dem deutschen Staat (der Finanzagentur Deutschland GmbH) weiterhin die Bude ein, damit sie Geld dafür zahlen dürfen, dass sie dem deutschen Staat Geld leihen. Am Schlimmsten ist dies stets zu sehen bei den Kurzläufern von zwei Jahren. Heute hat man dem Markt Bundesschatzanweisungen mit einem Volumen von 5 Milliarden Euro angeboten.

Die Nachfrage lag bei einem Volumen von 6,1 Milliarden Euro, bei einem Zinskupon von 0,00% (wie immer dieser Tage). Ein Nachfragevolumen von 3,2 Milliarden Euro war unlimitiert – also hätten die Investoren hier jeden Kurs akzeptiert. Verkauft wurde letztlich zu einem Kurs von 101,49% (Anleihekurse notieren immer in Prozentpunkten).

Tatsächlich verkauft wurden nicht 5, sondern 4,01 Milliarden Euro Volumen. 990 Millionen Euro flossen in die Marktpflegequote. Falls nämlich alle Investoren diese Bundesschätze bis zum Laufzeitende in zwei Jahren im Depot belassen, gäbe es am freien Markt keine Handelbarkeit für diese Anleihe – dafür sorgt dann der Emittent „Finanzagentur Deutschland GmbH“ mit diesen 990 Millionen Euro Volumen.

Bei 0,00% Zinsen und einen Kurs von 101,49% entsteht für die Anleger eine Negativrendite von -0,71%. Sie lag noch am 17. Oktober bei der vorigen Emission bei -0,75%. Also verharrt man auf diesem extrem niedrigen Niveau, wo die Anleger kräftig draufzahlen müssen dafür, dass sie Deutschland für zwei Jahre Geld leihen dürfen.

Gewinn für den Steuerhaushalt

Der deutsche Staat verdient hier und heute erneut gutes Geld. Die Differenz von 100,00% zu 101,49% kassiert man als Gewinn, weil abgesehen davon ja keine jährliche Verzinsung anfällt. 1,49% bezogen auf den verkauften Nominalwert von 4,01 Milliarden Euro sind 59,75 Millionen Euro. Somit kassiert der deutsche Staat heute tatsächlich 4.069.749.000 Euro, und muss in zwei Jahren nur 4,01 Milliarden Euro (den Nennwert von 100,00%) zurückzahlen. Mal wieder ein Super-Geschäft für den Steuerhaushalt!

Wenn institutionelle Investoren große Geldsummen bei Banken auf Konten parken, zahlen sie oft 0,4% Zinsen, weil die Banken den EZB-Leitzins in vielen Fällen eben an große Institutionen 1:1 weiterleiten, wenn diese nicht bereit sind ihre Cash-Bestände in andere Anlageformen umzuwandeln. Von daher ist es verwunderlich, dass sich immer noch jede Menge Investoren finden, die bei Anleihe-Emissionen eine höhere Negativrendite in Kauf nehmen, als sie bei Bankeinlagen zahlen müssten. Und die Differenz von -0,40% zu -0,71% ist doch beträchtlich.


Bundesschatzanweisungen im Future-Kurs seit 2015. Die Kurse stiegen, die Renditen fielen. Anfang 2017 war eine Trendwende in Sicht, aber nein – sie blieb aus. Die Zinswende kommt erstmal nicht.


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