Meinung

Nie wieder schlechte Nachrichten!

Gestern ereilte mich eine Mail, die mich bis ins Mark erschüttert hat. So schrieb mir gestern Manfred E. (Nachname von mir aus Fremdschäm-Gründen gekürzt) unter dem Titel „Schwarzmalerei fast täglich von Herr Fugmann“ folgendes:

„Einen wunderschönen sonnigen Märztag Ihnen. Jeden Tag eine negative Kolumne, einmal der schwarze Schwan, dann die Insiderverkäufe. Gibt es eigentlich von Ihnen mal was positives? Ich lese Kolumnen eigentlich recht gerne, aber bei Ihnen Herr Fugmann habe ich das Gefühl: Ihr Leben muß ziemlich negativ gewesen sein oder ist es das immer noch? Hoffnung besteht bei mir, auch mal was wirklich positives ihren schreibenden Fingern zu entlocken. Vielleicht erlebe ich es noch mit meinen 61 Jahren auf diesem Planeten“.

Ja Manfred, Sie haben natürlich völlig Recht, mein Leben ist mehr als negativ! Das begann schon in der Schulzeit auf einem bayerischen Gymnasium, dessen Drill jeden nordkoreanischen Lagerkommandanten vor Neid erblassen lassen würde. Als dann in Bayern die ethnischen Konflikte eskalierten und zum Bürgerkrieg zwischen der CSU-Oberbayern gegen die CSU-Franken führten, flüchtete ich nach Norddeutschland. Im fünften Anlauf bestand ich dort den erforderlichen Sprachtest und bin seitdem dort eingebürgerter Bürger 2.Klasse – und nur gelegentlichen Diskriminierungen wegen meines Akzentes ausgesetzt. Gleichwohl scheint hier in Hamburg niemals die Sonne (schon gar nicht im März), was neben meiner traurigen Biografie meine Vorliebe für schlechte Nachrichten erklärt.

Aber Ihre Mail, Manfred, hat mich endlich vom Saulus zum Paulus bekehrt. Um Ihnen meine Wandlung zum Positiv-Schreiber zu verdeutlichen, fasse ich – nur für Sie – das aktuelle Marktgeschehen folgendermaßen zusammen:

Aufgrund des spontanen Happenings auf dem Maidan in Kiew ist es in den letzten Tagen zu verstärkter Kontaktaufnahme zwischen der USA und Russland gekommen. Neben dem freundlichen Umgangston erwägen beide Länder nun auch Fakten zu schaffen durch gegenseitige Sanktionen, um die Wirtschaft noch stärker zu stimulieren. Man ist sich einig, dass etwa die gestrige Besetzung des Parlaments in Donezk durch russische Freiwillige Ausdruck einer neuen, direkten Demokratie sind – ebenso wie die Ereignisse auf der Krim. Gelingt nun die vollständige Demokratisierung Osteuropas, dürften sich die Aktienmärkte weltweit mindestens verdoppeln.

Da stören auch die schlechten US-Konjunkturdaten nicht (verzeihen Sie das Wort „schlecht“, Manfred), denn die gestrigen ADP-Arbeitsmarktdaten aus den USA enthalten eine immens positive Botschaft: dadurch, dass so wenige Amerikaner einen neuen Job gefunden haben, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit dramatisch, dass schon in naher Zukunft viele Amerikaner wieder in Lohn und Brot kommen, wenn das Wetter wieder besser wird. Denn die Schneestürme im Nordosten der USA haben vor allem den schwitzenden Landsleuten in Kalifornien und Texas – wo die Daten noch schlechter waren als im vom Winter befallenen Nordosten – psychologisch arg zugesetzt und fast zur Einstellung jeglicher Wirtschaftstätigkeit geführt. Der nächste Sommer kommt bestimmt, politisch und ökonomisch sowieso.

Manfred, Sie haben mich gerettet. In Zukunft werden Sie von mir nur noch positive Nachrichten lesen. Das ist so sicher wir der nächste Krimkrieg..



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7 Kommentare

  1. https://www.youtube.com/watch?v=niACZ7yIUMA

    Man bedenke von wem dieses Lied stammt und zu welcher Zeit.

  2. Hallo, Hr. Fugmann u. Team
    Kurz zu dem Kommentar von einem gewissen Herrn Manfred:
    Warum liest o. hört dieser Depp (Entschuldigung f. dieses Wort,aber anders kann man das nicht bezeichnen) dann ihre Ausführungen noch? Das hätte ich ihm ganz kurz mitgeteilt. Schließlich sind Sie ja keinem Rechenschaft schuldig. Ich persönlich finde ihre Kommentare jedenfalls super und korrekt und der Realität entsprechend. Machen Sie und Ihr Team weiter so u. vielen Dank für diese Informationen!!! Schaue mir diese schon 2 Jahre an u. bin sehr zufrieden!
    L.G.
    Sybille

  3. Hallo, Hr. Fugmann,
    sicher kann man es ned allen recht machen aber ich versteh den typen nicht,
    wenn es ihm ned gefällt kann er sich wo anders umhören.
    ich würde doch auch nicht in ein geschäft gehen wo ich nicht zufrieden bin.also nicht beirren lassen.
    ihren blog finde ich sehr schön, neutral und auf den punkt gebracht.
    ich habe lang danach suchen müssen.
    tolle arbeit und ein grosses lob an sie und ihre mitarbeiter.
    vielen dank und freundliche grüsse
    dirk

  4. Ja was die Schreibweise betrifft, da halte ich mich raus. Allerdings da Sie im positiven Bericht 2x schlecht schrieben, würde es mich freuen, wenn Sie noch üben. Auch „schlecht“ kann man positiver ausdrücker, wie wäre es mit „verbesserungsfähig“? Immer eine gute Übung, sowas, die auch die eigenen Fähigkeiten erweitert.

  5. Ja Herr Fugmann, solche Leserreaktionen sind echt schlimm, hmmm…aber Sie sollten deswegen nicht aus den Fugen geraten, denn schlussendlich sind genau solche Trader unser täglich Brot :-)

    Nice thread

  6. Hallo Herr Fugmann
    Machen Sie weiter so. Ich freue mich jedem Abend auf das Marktgeflüster.
    Gehöre auch nicht zu den Tagträumern die alles durch eine rosa Brille sehen.
    Und das finde ich in Ihren Ausführungen immer intressant. Was sich Jeder für ein Bild daraus macht ist ja Jedem seine Sache. Nach der Party kommt der Kopfschmerz. Gut solange die Musik spielt kann man ja tanzen.

  7. Hallo Herr Fugmann,
    ich möchte dann mal in eine andere Kerbe schlagen.

    Ich persönlich mag Ihre Art der Kommentierung sehr und bin dankbar für die vielen unterschiedlichen Informationen zur Finanzwelt. Dänemark hatte ich beispielsweise nicht auf dem Radar.

    Die Art und Weise Ihrer Kommentierungen hat jedoch häufiger einen teilweise sarkastischen Unterton. Obwohl der fachlich sachliche Inhalt Ihrer Kommentierungen wohl korrekt ist, kommen diese Kommentare selten ohne Seitenhiebe aus. Beispiel Wetter in USA.

    Ich finde es gut, dass sie klar Stellung beziehen zu den Übermenschen aus Amiland oder den Mega-Bankern wie Heli-Ben, Super-Mario oder Ahnungslos-Yellen.

    Trotzdem gebe ich dem Email-Schreiber ein wenig Recht.
    Wie soll denn in Deutschland die Wirtschaft noch besser laufen, dass Sie mal die positiven Nachrichten auch entsprechen würdigen. Soooooo schlecht steht die Euro-Zone nicht dar. Klar sind Arbeitslosenzahlen von >20% in den Südländern nicht berauschend, und das billige Geld verhindert notwendige Reformen. Doch werden diese Reformen aufgrund der Leidensgemeinschaft in der Euro-Zone zumindest angegangen. Strukturwandel ist ein langlaufender Prozess. Und damit sind es m.E. auch gute Nachrichten, wenn die Griechen mal wieder in Richtung Wachstum wandern und die Arbeitslosigkeit in Spanien minimal sinkt.
    Nicht Friede-Freude-Eierkuchen (dies können die Amis besser) aber zumindest erste Anzeichen einer Stabilisierung.

    Wenn Sie derartige Sichtweisen in Ihren Kolumnen auch mal verbreiten können, dann geht es bestimmt Ihrem Email-Schreiber auch besser (:-).

    Ich finde es übrigens völlig daneben so in der Öffentlichkeit (verlinkt bei Ariva??) auf Meinung und Kritik zu reagieren. Da ist dann auch Fremdschämen angesagt.

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