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Markt erwartet die Verknappung Ölpreis mit kräftigem Anstieg – OPEC-Kürzung und weitere Faktoren

Der Ölpreis kann diese Woche 10 Dollar zulegen. Hauptsächlich sorgt die OPEC durch ihre Angebotskürzung für den Push. Aber da ist noch mehr.

Öl-Barrels

Wer hätte das gedacht, dass der Ölpreis auch heute noch so deutlich weiter steigen würde? Der Ölmarkt hatte eine Kürzung der Öl-Fördermenge durch die OPEC (und der Gesamtgruppe OPEC+) seit Montag bereits durch steigende Kurse eingepreist. Begonnen hatte man die Woche auf Niveaus um die 81,60 Dollar im WTI-Ölpreis. Dann am Mittwoch Nachmittag verkündete die OPEC die Fördermengenkürzung von 2,0 Millionen Barrels Öl pro Tag im für November (hier die Originalmitteilung). Diese Aktion des Kartells wird also das globale Ölangebot verknappen. Seit der Verkündung Mittwoch Mittag steigt der Ölpreis weiter an auf aktuell 91,46 Dollar (im Chart sehen wir den Kursverlauf seit Juli). Wir sehen also, dass die Kürzung der OPEC insgesamt gut 10 Dollar Anstieg im Ölpreis gebracht hat in dieser Woche! Dies ist auch der stärkste Wochenanstieg seit Anfang März.

Kursverlauf im WTI-Ölpreis seit Juli

Ölpreis steigt kräftig an – OPEC-Kürzung wirkt

Wo man denkt, dass gestern schon mit dem weiter steigenden Ölpreis die Verkündung der OPEC vom Mittwoch verarbeitet war, da zeigt der Ölpreis heute weiter kräftig Stärke! Bloomberg schreibt dazu aktuell: Die strafferen Aussichten (am Ölmarkt) haben den Rückgang im Ölpreis gestoppt, der durch die Besorgnis über eine weltweite Konjunkturabkühlung und aggressive Zinserhöhungen der Zentralbanken belastet wurde. Auch Russland bekräftigte in dieser Woche, dass es kein Öl an Länder verkaufen wird, die eine von den USA geführte Preisobergrenze einführen, was die Angebotsunsicherheit noch verstärkt.

Selbst als die Rohölpreise im letzten Quartal fielen, gingen die Faktoren, die den Ölpreis nach unten drückten, zu Ende“, da die Nachhaltigkeit des russischen Angebots und die fortgesetzte Freigabe von US-Ölreserven ungewiss wurden, so Peter McNally, Global Sector Lead für Industrie, Materialien und Energie bei Third Bridge. Die Kürzungen der OPEC+ lassen den Markt vor den europäischen Sanktionen gegen russische Ölimporte und der wahrscheinlichen Rückkehr der chinesischen Nachfrage zum Jahresende verwundbar erscheinen.

Grafik zeigt die wöchentlichen Veränderungen im WTI-Ölpreis

Neben der Erholung im Ölpreis (Rohöl) war Diesel in dieser Woche eine weitere Stütze des Ölmarktes, da sich die Händler auf ein knappes Angebot im kommenden Winter einstellen. Die Preise in Europa und den USA liegen derzeit bei über 160 Dollar pro Barrel.

Unterdessen meldete das US-Arbeitsministerium, dass die Arbeitslosenquote im September den niedrigsten Stand seit fünf Jahrzehnten erreicht hat. Der Bericht ließ die Aktienkurse abstürzen und den Dollar steigen, da die Befürchtungen zunahmen, dass die US-Notenbank die Zinsen weiter anheben könnte, um die Inflation zu bekämpfen. Im Gegensatz dazu konnte der Rohölpreis seine Rallye fortsetzen, wobei die Angebotsängste im Vordergrund standen.

„Angebotsängste scheinen in dieser Woche die treibende Kraft hinter dem Marktgeschehen zu sein, und haben die Nachfrageängste bei den Erdölpreisen in den Hintergrund gedrängt, auch wenn sie an den Aktienmärkten nach wie vor im Vordergrund stehen“, schrieben die Analysten des Kraftstoffgroßhändlers TACenergy in einer Mitteilung an ihre Kunden.

Bloomberg erwähnt aktuell nochmal das wichtige Detail der OPEC-Verkündung vom Mittwoch: Der saudi-arabische Ölminister sagte nämlich, dass die tatsächliche Kürzung wahrscheinlich nicht bei 2,0, sondern bei 1 bis 1,1 Millionen liegen wird, da einige Mitglieder schon seit geraumer Zeit weit unter ihren Quoten pumpen. FMW-Anmerkung: 1 Mio Barrel pro Tag Kürzung ist dennoch eine spürbare Größenordnung, die derzeit den Ölpreis kräftig nach oben pusht.

Expertenkommentar – Öl wird wieder knapper

Die Ökonomen der Commerzbank (CoBa) haben sich heute auch zur Fördermengenkürzung der OPEC+ geäußert. Mit einer formalen Kürzung der täglichen Produktionsquote um 2 Mio Barrel stemmt sich die OPEC+ ihrer Aussage nach mit Macht gegen einen Verfall im Ölpreis. Effektiv dürfte die tägliche Förderung zwar eher um 1 Mio Barrel gekürzt werden, weil viele Länder bereits jetzt deutlich unter der Quote produzieren. Aber auch dies würde ausreichen, um den bislang für das Jahresschlussquartal in Aussicht gestellten Überschuss zu verhindern. In den nächste Woche zur Veröffentlichung anstehenden Monatsberichten werden die Energieagenturen vermutlich vor einem zu knappen Angebot warnen, so die CoBa.

Zwar haben sich die Konjunkturperspektiven in den letzten Wochen weiter eingetrübt, aber aufgrund des weiterhin anhaltenden Brennstoffwechsels von Gas zu Öl dürfte die Ölnachfrage laut der CoBa nur leicht abnehmen. Zudem rücken das EU-Ölembargo und die mögliche Implementierung eines Preisdeckels auf russisches Öl näher. Beides könnte Russland zu einer weiteren Förderkürzung veranlassen.

Eine stärkere Angebotsausweitung außerhalb der OPEC ist laut den CoBa-Experten auch nicht in Sicht. Die US-Energiebehörde bleibt für die US-Produktion skeptisch und hat zuletzt ihre Erwartungen verglichen mit Juni sogar zurückgestuft. Vor diesem Hintergrund dürfte es schon einer ganzen Reihe schlechter Konjunkturnachrichten bedürfen, um den Ölpreis wieder stärker unter Druck zu setzen. Die für nächste Woche anstehenden Rohölimport-Daten aus China könnten aber das Gegenteil sein – denn die Aussicht auf eine Anhebung der Exportquoten für Ölprodukte könnte schon im September zu einer Erholung der zuletzt eher schwächeren Rohölimporten geführt haben. Schließlich dürften die Raffinerien ihre Produktion wieder hochfahren, so die Aussagen der CoBa.

FMW/Bloomberg/Commerzbank



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4 Kommentare

  1. Der anstehende G20-Gipfel in Indonesien ist aufgerufen, sich analog zur energiepolitischen Agenda der Öl-Allianz OPEC+ für einen Energiemix(,) bestehend aus fossilem Erdöl, fossilem Erdgas, Wasserstoff/eignet sich auch zur Veredelung von Rohöl, Wasserkraft, Sonnenenergie und Windenergie auszusprechen.

    1. Da kann man sich so sehr aussprechen für wie man will, wenn kein Wind weht oder Dürre herrscht, dann bringt einem dies herzlichst wenig.
      Die chinesen haben seit über einem Jahrzehnt den plan eines paneuropäisch-asiatischen Stromnetzes, welches der einzig sinnvolle weg wäre. Wir europäer sind aber meister darin diese Zusammenarbeit zu boykottieren und gleichzeitig durch den zappelstrom unsere Wirtschaft, deren moderne Maschinen mit den spannungsschwankungen wie sie derzeit schon seit Jahren immer häufiger auftreten nicht zurecht kommen, zu zerstören. Industrie und Handwerk ade

      1. Antwort von Shong09 am 07.10.22 um 20.28 Uhr und mögliche weitere ähnliche hierzu als demokratisch zur Kenntnis genommen.

  2. Also mal wieder viele Wahrscheinlichkeiten, wie so oft bei Experten. Wie ich schon mal erwähnte, ist der OPEC+ Entscheid ist rein politisch motiviert, und nicht faktenbasiert. Denn wenn Öl zu teuer wird, wird ja noch mehr eingespart was wiederum die Konjunktur abwürgt und somit auch die Ölverkäufe einbrechen lässt.

    Soweit haben die „OPEC Spezialisten“ mal wieder nicht gedacht.

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