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Ölmarkt vor Angebotsschwemme Ölpreis-Absturz: Weiterer Rutsch möglich – Macron über Iran-Abkommen

Der diese Woche schon stark gefallene Ölpreis könnte weiter abrutschen. Frankreichs Premier Macron sprach heute über das Iran-Atomabkommen.

Öl-Bohrplattform

Der Ölpreis war in dieser Woche bereits kräftig gefallen. Schauen wir auf das amerikanische WTI-Öl. Der Kurs fällt seit Dienstag von 97,50 Dollar in der Spitze auf aktuell 87,76 Dollar. Wir berichteten gestern über die verstärkten Rezessionsrisiken, die eine Nachfrageschwäche bedeuten würden. Diese Angst am Markt wird durch einen fallenden Ölpreis sofort eingepreist. Jetzt droht dem Ölmarkt sozusagen eine Überflutungswelle mit zusätzlichem Öl aus dem Iran.

Ölpreis vor weiteren Absturz? Macron erwartet baldigen Abschluss beim Iran-Atomabkommen

Der französische Präsident Emmanuel Macron sagte heute Mittag laut Bloomberg er hoffe, dass das Atomabkommen mit dem Iran aus dem Jahr 2015 in den kommenden Tagen wiederbelebt werde. „Ich hoffe, dass das JCPOA in den nächsten Tagen abgeschlossen wird“, sagte Macron am Donnerstag während seiner jährlichen Rede vor Botschaftern im Pariser Präsidentenpalast, und bezog sich dabei auf den Joint Comprehensive Plan of Action, den offiziellen Namen des Atomabkommens. FMW-Anmerkung: Käme es so, würde womöglich eine große Menge an Öl aus dem Iran für den Weltmarkt freigegeben werden, weil dann nämlich auch die Öl-Sanktionen gegen den Iran aufgehoben werden könnten. Deutlich mehr Angebotsmenge auf dem Weltmarkt – dies könnte dem Ölpreis einen weiteren Absturz bescheren.

Bloomberg sagt weiter: Eine Einigung über die Wiederbelebung des bahnbrechenden Abkommens sei „nicht außer Reichweite“, wenn der Text stärkere Schutzmaßnahmen für den Iran enthalte, sagte der Außenminister des Landes, Hossein Amirabdollahian, am Mittwoch. Er sagte, es müssten stärkere Garantien in das Abkommen aufgenommen werden, falls sich eine künftige US-Regierung wieder zurückziehen sollte.

Macron hatte zuvor gesagt, dass der Iran am Zug sei, und warnte, dass ein neues Atomabkommen das Problem der iranischen ballistischen Raketen nicht lösen würde. Französische Diplomaten haben sich insgeheim Sorgen gemacht, dass eine Wiederbelebung des Abkommens angesichts der bevorstehenden US-Zwischenwahlen und der zunehmenden Sensibilität des Themas unwahrscheinlich ist.

Weitere Faktoren drücken gegen Öl

Neben dem womöglich in den nächsten Tagen anstehenden Abschluss des Atomabkommens mit dem Iran gibt es noch weitere Gründe, warum der Ölpreis derzeit Schwäche zeigt. Die Anleger konzentrieren sich laut Bloomberg auf eine straffere Geldpolitik auf der ganzen Welt, die das Wirtschaftswachstum bremsen und schließlich die Ölnachfrage beeinträchtigen könnte. Die Abriegelung der chinesischen Millionenstadt Chengdu zur Eindämmung eines Covid-19-Ausbruchs trug zur negativen Stimmung bei.

„Der Treibstoff für den Rückgang ist sicherlich das, was alle Anlageklassen in dieser Woche nach unten treibt, und das ist die aggressive Rhetorik der Federal Reserve“, sagte Ole Hansen, Leiter der Rohstoffstrategie der Saxo Bank. „Darüber hinaus sehen die Nachfrageaussichten für China düster aus – das Land pendelt sich auf einen Verbrauch von 9-10 Millionen Barrel pro Tag ein, verglichen mit 10-12 in den letzten Jahren.“

Ölpreis-Verlauf in den letzten 12 Monaten

Der Ölpreis ist in den drei Monaten bis August um mehr als 20 % eingebrochen und hat damit alle Gewinne seit Russlands Einmarsch in der Ukraine Ende Februar wieder zunichte gemacht. Dies hatte Saudi-Arabien dazu veranlasst zu signalisieren, dass die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) und ihre Verbündeten das Angebot drosseln könnten. Die Gruppe wird am Montag zusammenkommen, um über die Förderpolitik zu beraten.

„Das könnte dazu führen, dass die OPEC ihre Produktion erneut drosselt, wenn die Preise zu niedrig werden. Daher glaube ich, dass das Abwärtsrisiko vor dem Treffen am Montag begrenzt ist“, so Hansen laut Bloomberg.

Zu den Themen, die die OPEC+-Minister möglicherweise erörtern werden, gehört ein von den USA geführter Plan, den Preis für russisches Rohöl zu deckeln, um Moskau angesichts des Krieges in der Ukraine die Mittel zu entziehen. Der Vorschlag wird von der britischen Regierung unterstützt, die ihre Zustimmung signalisiert hat. Die Finanzminister der Gruppe der Sieben, darunter auch Finanzministerin Janet Yellen, werden den Vorschlag am Freitag erörtern.

Die Stärke des US-Dollar hat den Gegenwind für auf Dollar lautende Rohstoffe verstärkt, da die teurere Währung sie für Käufer im Ausland verteuert. Der Bloomberg-Dollar-Index stieg nach drei monatlichen Zuwächsen auf den höchsten Stand seiner Geschichte.

FMW/Bloomberg



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1 Kommentar

  1. Die Islamische Republik Iran muß als OPEC+-Mitgliedsland wieder Erdöl verkaufen können, und nicht weiterhin nur an Ölfördermengen-Beschlüssen und OPEC+-Monatsberichten mitwirken können, und selbst keinen Tropfen Öl exportieren können. Damit der dafür notwendige JCPOA-Deal auf den Weg gebracht werden kann, müssen sämtliche iranische Atomanlagen offengelegt sein/werden. Das iranische Raketenprogramm ist unstrittig. Die im Libanon ansässige Hisbollah kritisiert zu recht Zionismus, muss aber den Terror beenden. Die im Gazastreifen ansässige Hamas ist antisemitisch. Der Islamische Dschihad ist eine Terrororganisation. Die Iranische Revolutionsgarde kritisiert zu recht die Besetzung der Ölfelder im Arabische Republik Syrien-Nordosten/Deir Al-Zor. Knesset-Oppositionsführer Benjamin Netanyahu forderte auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2018 als Premierminister die genannte erforderliche Offenlegung der Atomanlagen. Mittlerweile jedoch lehnt er den erforderlichen JCPOA-Deal generell ab. Letzteres erfüllt somit den Tatbestand einer israelischen Aggression.

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