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Mehr als 5 Dollar Anstieg seit Dienstag Ölpreis im Auftrieb – vor allem China-Optimismus hilft

Der Ölpreis ist seit Dienstag um mehr als 5 Dollar angestiegen. Vor allem neuer China-Optimismus hilft Öl auf die Sprünge.

Öl-Tanker

Erstaunlich! Nicht nur die API-Daten von Dienstag Abend, auch die offiziellen Daten von Mittwoch Nachmittag zeigten einen gigantischen Aufbau der Lagerbestände für Rohöl in den USA im Wochenvergleich mit +19 Millionen Barrels! Da hätte der Ölpreis eigentlich fallen müssen? Nichts da. Zwar vollzieht sich der Anstieg in Wellenbewegungen, aber seit Dienstag früh steigt das amerikanische WTI-Öl von 74 Dollar auf aktuell 79,34 Dollar. Schauen wir auf die Gründe.

Ölpreis steigt – Optimismus für China

Zwar gab es einen monatelangen Abwärtstrend im Ölpreis, und den Anstieg in dieser Woche könnte man im größeren Bild betrachtet getrost als relativ kleinen technischen Anstieg abhaken. Aber da steckt noch mehr dahinter. Springt die Konjunktur in China wieder an, bedeutet das einen kräftigen Anstieg der Nachfrage nach Öl, und damit als Szenario einen steigenden Ölpreis. Und danach sieht es derzeit auch aus.

Es wird erwartet, dass der chinesische Ölverbrauch in diesem Jahr einen Rekord erreichen wird, da der weltgrößte Importeur die „Zwangsjacke von Covid Zero“ hinter sich lässt, was die Aussichten für die globale Nachfrage stärkt und die Preise stützt, so Bloomberg. Die tägliche Nachfrage, die im vergangenen Jahr rückläufig war, wird bis 2023 um 800.000 Barrel pro Tag steigen, so die mittlere Schätzung von 11 auf China spezialisierten Beratern, die von Bloomberg News befragt wurden. Damit würde der Verbrauch ein Allzeithoch von etwa 16 Millionen Barrel pro Tag erreichen, wie die Umfrage ergab.

Das Schicksal des Rohöls im kommenden Jahr hängt in hohem Maße von China ab, aber auch von den Entscheidungen der OPEC+, den Auswirkungen der Sanktionen auf die russischen Ölströme und der Entwicklung der Geldpolitik. Die Ölbullen, von denen es viele gibt, haben einen großen Teil ihrer Aussichten auf das Wachstum der chinesischen Nachfrage gestützt, wobei Jeffrey Currie von Goldman Sachs Group Inc. sagte, dass Rohöl das „beste Wiedereröffnungsspiel“ sei.

„Es wird erwartet, dass sich die Nachfrageerholung ab dem zweiten Quartal beschleunigen wird, da sich der Verkehr erholt und die Zahl der Flüge, insbesondere der internationalen Flüge, allmählich wieder zunimmt“, sagte Yitian Lin, Research Associate of Oils and Raffineries bei Wood Mackenzie Ltd. und schätzt, dass die tägliche Nachfrage um 970.000 Barrel steigen wird.

Heutige Daten zeigen, dass Chinas Rohölimporte im Dezember einen Rekord erreicht haben, da die Lieferungen im letzten Quartal des vergangenen Jahres um fast ein Fünftel höher waren als in den drei vorangegangenen Monaten. Gleichzeitig haben chinesische Käufer die Märkte in Nordamerika, Westafrika, der Nordsee und im Mittelmeerraum angezapft, um Öl für die Ankunft im März und April zu kaufen.

Entwicklung der Ölnachfrage in China seit dem Jahr 2000

Der erwartete Aufschwung in China wird wahrscheinlich ab dem nächsten Quartal spürbar werden, wenn die ersten Wellen von Covid-19 abklingen und die größere Mobilität den aufgestauten Verbrauch von Verkehrskraftstoffen – insbesondere von Benzin und Düsentreibstoff – anhebt, während sich auch die Nachfrage der Petrochemie erholt.

USA

Auch die USA spielen eine gewisse Rolle beim derzeitigen Anstieg im Ölpreis. Dort wurde gestern die Dezember-Inflation mit „nur noch“ 6,5 % nach vormals 7,1 % verkündet. Das macht Hoffnung auf ein Ender der Zinsanhebungen in den USA, was wiederum positiv für die Konjunktur wäre. Laut Bloomberg sorgten die gestrigen Daten an den Finanzmärkten für eine gewisse Aufwärtsstimmung. Bessere Konjunkturlaune bedeutet dann wohl auch mehr Optimismus in Sachen Ölnachfrage.

Analystenkommentare

Bloomberg hat heute zum Thema Öl unter anderem diese Analystenkommentare veröffentlicht: „Der Ausverkauf in der zweiten Jahreshälfte 2022 war auf eine geringere Nachfrage aus China aufgrund von Schließungen und Befürchtungen einer globalen Rezession aufgrund höherer Zinsen zurückzuführen – beides hat sich nun umgekehrt“, so Bjarne Schieldrop, leitender Rohstoffanalyst bei SEB AB. „Wenn China wieder Anschluss an Asien und die Welt findet, wird die Nachfrage deutlich ansteigen.“

Rohöl der Sorte Brent – die weltweite Benchmark – wurde am Freitag bei 85 $ pro Barrel gehandelt und steuerte auf einen Wochengewinn zu. Das ist jedoch deutlich weniger als der Höchststand von fast 140 $ nach dem Einmarsch Russlands in der Ukraine. Currie von Goldman erwartet, dass die Preise bis zum dritten Quartal 110 $ erreichen werden. Die ING Group NV und die UBS Group AG sind ebenfalls positiv gestimmt.

FMW/Bloomberg



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2 Kommentare

  1. Wenn der Ölpreis stark steigt, wäre es auch wieder inflationstreibend. Anderseits könnte die China Öffnung auch wieder zum Bumerang werden wenn der böse Covid stark zuschlägt.
    Interessantes Video vom geachtetenChris Zwermann.
    Googeln: Zwermann Analyse – Der grosse Ausblick auf 2023.

  2. Potenzial für mögliche Ölpreiswetten/Hedgefonds.

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