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Wende am Ölmarkt Ölpreis steigt dank OPEC – große Banken blicken weiter aufwärts

Nach dem OPEC-Entscheid zur deutlichen Fördermengenkürzung sehen viele große Banken einen weiteren Auftrieb für den Brent-Ölpreis.

Symbolbild für Öl aus Russland und den USA

Der europäische Brent-Ölpreis notierte gestern Mittag noch bei 91,50 Dollar. Seit Wochenanfang war er bereits gut gestiegen von Niveaus knapp über 87 Dollar. Dieser Anstieg um 4,50 Dollar von Montag bis Mittwoch Mittag lag an der Erwartungshaltung der Börsianer, dass die OPEC ihre Fördermenge für November um ca 1,5 Millionen Barrels pro Tag senken wird. Und gestern dann einigte sich die OPEC mit ihren externen Partnern im Rahmen der Gesamtgruppe OPEC+ darauf, die November-Fördermenge um 2,0 Millionen Barrels pro Tag zu senken (hier die Mitteilung).

Ölpreis reagiert positiv auf große Fördermengen-Kürzung

Obwohl dieses Event bereits vorab mit steigenden Kursen eingepreist wurde, konnte der Brent-Ölpreis von gestern Mittag bei 91,50 Dollar bis jetzt weiter ansteigen auf 93,74 Dollar. Damit signalisiert der Markt offenbar: Die OPEC wird den Markt spürbar verknappen – der Ölpreis kann ansteigen! Offenkundig tut die OPEC dies, weil global Rezessions-Szenarien auf die Nachfrageerwartungen für Öl drücken. Erwähnt werden muss aber auch: Die offiziellen 2,0 Mio Barrels pro Tag-Senkung ist in der Realität wohl eher Senkung um 0,8 – 1,0 Mio – denn viele OPEC-Mitglieder fördern seit geraumer Zeit eh schon viel weniger Öl als offiziell vereinbart. Diese Differenz wurde gestern von mehreren Experten angesprochen.

Im Chart sehen wir den Brent-Ölpreis auf CFD-Basis seit Anfang 2021. Man sieht gut den großen Anstieg, und dann seit Juni 2022 den Rückgang von über 120 Dollar auf jetzt um die 93 Dollar. Ist es jetzt genau die richtige Maßnahme der OPEC, mit wieder sinkenden Fördermengen den Ölpreis zu stützen, beziehungsweise den Preisrückgang der letzten Monate zu stoppen?

Brent-Ölpreis auf CFD-Basis seit Anfang 2021

Neben OPEC-Kürzung auch Russlands Warnung beachten

Nicht nur, dass die OPEC eine Kürzung der Fördermenge um 2,0 Mio Barrels pro Tag für November ankündigte. Bloomberg weist heute auch nochmal auf die gestrige Aussage von Russlands Energieminister Novak hin, dass man kein Öl mehr an Länder verkaufen werde, die eine Preisobergrenze für russisches Öl einführen. Auch dies habe den Auftrieb im Ölpreis unterstützt. Weiter erwähnt Bloomberg folgende wichtige Details der OPEC-Verkündung: Der saudi-arabische Energieminister erklärte, dass sich die Kürzungen in der Praxis wahrscheinlich auf 1 bis 1,1 Millionen Barrel pro Tag ab November auswirken werden, da einige Mitglieder der Allianz bereits Öl deutlich unter ihren Quoten pumpen. Das entspricht immer noch der größten Kürzung seit Beginn der Pandemie.

Der russische Energieminister Alexander Novak sagte nach der Ankündigung der OPEC+, dass die Bestrebungen, den Ölpreis seines Landes zu deckeln, nach hinten losgehen und zu einer vorübergehenden Verringerung der Fördermenge führen könnten. Die Europäische Union hat am Mittwoch ein neues Paket von Sanktionen gegen Moskau verabschiedet, das auch die von den USA angeführte Maßnahme zur Begrenzung des russischen Ölpreises umfasst.

Kommentare großer Banken

Bloomberg zeigt aktuell die Kommentare großer Banken zur gestrigen Entscheidung von OPEC und OPEC+. Morgan Stanley schreibt, dass der Brent-Ölpreis nach dem Schritt der OPEC+ den Weg zu 100 Dollar pro Barrel schneller finden wird als man bisher angenommen habe. Die Kürzung berge das Risiko, dass sich die Märkte erheblich verengen, obwohl vieles davon abhängt, wie sich die russische Ölproduktion entwickelt, sobald das Embargo der Europäischen Union in Kraft tritt. Die Bank erhöhte ihre Brent-Prognose für die ersten drei Monate des Jahres 2023 um 5 $ auf 100 $, während sie ihren Ausblick für die nächsten drei Quartale unverändert ließ.

Goldman Sachs sagt zur OPEC-Entscheidung: „Alle Entwicklungen, die wir auf der Angebotsseite gesehen haben, schaffen die Voraussetzungen für höhere Preise bis zum Ende dieses Jahres“, sagte Damien Courvalin, Leiter der Energieforschung, gegenüber Bloomberg TV. Die Bank erhöhte ihre Schätzung für das vierte Quartal für den Brent-Ölpreis um 10 Dollar auf 110 Dollar pro Barrel.

Die UBS schreibt. Es wird erwartet, dass sich der Ölmarkt weiter verengt und der Brent-Ölpreis in den kommenden Quartalen über 100 $ steigen wird, so Analysten wie Giovanni Staunovo in einer Notiz. Die Kürzungen der OPEC+ werden in Verbindung mit dem europäischen Verbot russischer Rohölimporte, dem wahrscheinlichen Ende der Freigabe strategischer Ölreserven durch die OECD und einer höheren Nachfrage durch die Umstellung von Gas auf Öl in diesem Winter den Markt unter Druck setzen.

Die ING schreibt: Dieser Schritt reicht aus um das Gleichgewicht für das nächste Jahr dramatisch zu verändern und den Markt für das gesamte Jahr 2023 in ein Defizit zu drängen, sagte Warren Patterson, Leiter der Rohstoffstrategie der ING Groep NV in Singapur, in einem Interview. Die Brent-Prognose der Bank von 97 $ pro Barrel für das nächste Jahr sei eindeutig nach oben gerichtet. Weitere Freisetzungen aus den strategischen US-Reserven werden jedoch für möglich gehalten, auch wenn sie wahrscheinlich nur begrenzte Auswirkungen haben würden.

Die Citigroup sagt zur Entscheidung der OPEC+: Während die Kürzung auf dem Papier groß ist, wird die tatsächliche Kürzung viel geringer ausfallen, da die Gruppe bereits jetzt ihre Quoten nicht erreicht, so Analysten wie Francesco Martoccia und Ed Morse in einer Notiz. Der Schritt könnte auf die OPEC+ zurückschlagen, wenn er die Wirtschaftstätigkeit und die Ölnachfrage weiter beeinträchtigt, fügten sie hinzu.

RBC Capital Markets sagt: Die tatsächliche Kürzung wird sich wahrscheinlich auf etwa 1 Million Barrel pro Tag belaufen, wovon mehr als die Hälfte auf Saudi-Arabien entfällt, so Analysten wie Helima Croft in einem Vermerk. Obwohl das Weiße Haus signalisiert habe, dass es weitere Freisetzungen aus der strategischen Erdölreserve geben könnte, sei es unwahrscheinlich, dass es in naher Zukunft zu einer weiteren Blockbuster-Freigabe kommen werde, so die Analysten.

FMW/Bloomberg/Chart von TradingView



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3 Kommentare

  1. Die Rohstoff Analysten waren bisher mit ihren Prognosen in 95% der Fälle immer danebengelegen. Berichten zufolge wollen die USA jetzt Sanktionen gegen Venezuela aufheben, was Konzernen wie Chevron dort ermöglichen würde Öl zu fördern.

    Meiner Ansicht nach, ist diese Förderpolitik politisch getrieben und zwar von demjenigen der als einziger ein Interesse daran hat dem Westen zu schaden.

  2. Vor einer oder zwei Wochen wollten die USA aber ihre Sanktionen gegen Venezuele doch wieder hoch fahren. Anscheinend wissen die auch nicht wie sie richtig weiter machen sollen.

  3. In obigem Zusammenhang sind Banken, wie beispielsweise die Deutsche Bank AG aufgerufen, weiterhin das Finanzprodukt Rohstoffsicherungsgeschäft/Hedgefonds anzubieten. Möglicherweise gibt es aktuell auch Ölpreiswetten.

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