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Ölpreis steigt weiter deutlich – Experten nennen Gründe auf der Angebotsseite

Öl-Pumpe

Der seit Tagen aufwertende US-Dollar kann als negativer Preisfaktor den Ölpreis derzeit nicht runterziehen. Dies ist ein gutes Zeichen, dass der Anstieg im Ölpreis eine eigenständige Stärke am Ölmarkt zeigt. Vor genauer einer Woche noch bei 70,50 Dollar, notiert WTI-Öl aktuell bei 74,92 Dollar – gegenüber Freitag Abend springt der Markt damit heute nochmal um gut 1 Dollar nach oben.

Öl-Lagerbestände als guter Indikator für den Ölpreis

Derzeit sind die ständig fallenden Öl-Lagerbestände in den USA ein guter Indikator für den steigenden Ölpreis. Denn aus stetig sinkenden Lagerbeständen erkennt man zu wenig Angebot, steigende Nachfrage, oder beides gleichzeitig. Im Chart sehen wir pro Balken die wöchentliche Veränderung der Lagertanks für Rohöl in den USA. Erst letzte Woche Mittwoch wurde ein Rückgang um 3,5 Millionen Barrels gemeldet.


source: tradingeconomics.com

Hurrikan Ida weiterhin ein Grund für den Mangel auf der Angebotsseite

Nicht nur, dass es auf der Nachfrageseite weiter bergauf zu gehen scheint – OPEC und IEA hatten ja in den letzten Tagen in ihren Prognosen die Nachfrageaussichten angehoben. Der steigende Ölpreis scheint derzeit vor allem vom verknappten Angebot an Öl stimuliert zu werden. Sturm Ida im Golf von Mexiko ist inzwischen 4 Wochen her, aber er sorgt immer noch für eine Einschränkung der Ölproduktion. Laut staatlichen Angaben aus den USA sind immer noch 16,18 Prozent der Ölproduktion am Golf von Mexiko in den USA deswegen ausgesetzt. Laut den Experten der Commerzbank sind seit dem Landgang von Hurrikan Ida Ende August insgesamt 27,4 Millionen Barrel weniger Rohöl produziert worden.

OPEC-Angebot sehr wichtiger Faktor

Das lange Zeit gedrosselte und nun schrittweise begrenzt ausgeweitete Öl-Angebot der OPEC ist ein sehr wichtiger Faktor beim Anstieg im Ölpreis. Aktuell sieht man, dass Sondergründe dafür sorgen, dass die OPEC derzeit weniger Öl auf den Weltmarkt wirft als gedacht. Die Internationale Energie-Agentur (IEA) sieht die Öl-Fördermenge der OPEC+ (OPEC und einige Partnerländer) im August 860.000 Barrel pro Tag unter dem erlaubten Niveau. 560.000 Barrel pro Tag entfielen dabei laut den Experten der Commerzbank auf die Förderländer Angola und Nigeria, gut 200.000 Barrel pro Tag auf Kasachstan.

Zumindest was Kasachstan angeht, gebe es mittlerweile Entwarnung. Denn nach dem Abschluss von Wartungsarbeiten im Tengiz-Ölfeld sei die kasachische Ölproduktion Ende letzter Woche wieder auf 1,75 Millionen Barrel pro Tag gestiegen. Unter Ausklammerung der Kondensate, die beim Kürzungsabkommen nicht berücksichtigt werden, habe die Produktion mit 1,5 Millionen Barrel pro Tag nur knapp unter dem von der OPEC+ vereinbarten Niveau gelegen. Die Fertigstellung zweier Projekte zur Aufrechterhaltung beziehungsweise Erhöhung der Produktion im Tengiz-Ölfeld wurde laut der Betreiberfirma wegen der Corona-Pandemie auf Anfang 2023 beziehungsweise Ende 2023 verschoben. Im Augenblick, so scheint es, ist der Ölpreis nach wie vor in einem Aufwärts-Momentum. Am Freitag erwähnte ich bereits die im WTI-Öl wichtige Marke von 77 Dollar. Wird sie überlaufen, sieht WTI die höchsten Preisniveaus seit dem Jahr 2014. Jetzt rückte diese Marke immer näher.

Chart zeigt Kursverlauf im Ölpreis seit Ende August
TradingView Chart zeigt den WTI-Ölpreis im Kursverlauf seit dem 30. August.



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1 Kommentar

  1. Ich vertrete nach wie vor die Meinung, das es sich hierbei um temporäre Faktoren handelt, zusätzlich kommt eine spekulative Welle. Zudem ist die Zahl der Rig Counts nach aktuellen Zahlen auf den höchsten Stand seit April 2020 gestiegen, was bedeutet, je höher der Ölpreis desto mehr Angebot kommt aus den USA auf den Markt.

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