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Ölpreis unter Druck OPEC senkt Öl-Nachfrageprognose, weitere Förderkürzungen möglich

Statt eines Angebotsdefizits prognostiziert die OPEC für das erste Quartal 2023 nun einen ausgeglichenen Öl-Markt. Der Druck auf die Rohölpreise könnte damit weiter zunehmen.

OPEC senkt Nachfrageschätzungen für Öl und warnt seine Mitglieder

Erst Anfang Oktober beschlossen die 13 Staaten der Organisation erdölexportierender Länder und Russland (OPEC+), ihre gemeinsamen Förderquoten ab November um 2 Millionen Barrel pro Tag zu senken. Ein Barrel bzw. ein Fass entsprechen 159 Liter Rohöl. Dies war die drastischste Förderkürzung seit der Corona-Pandemie 2020. Damals reduzierte die OPEC+ auf einer Sondersitzung per Videokonferenz am 12. April ihre Fördermenge um 9,7 Millionen Fass pro Tag.

OPEC Plus und USA Fördermenge 2022 Öl

Öl-Fördermenge OPEC Plus und USA 2022

Damit wollte das Öl-Kartell laut der der Nachrichtenagentur Bloomberg auf die deutlich rückläufige Nachfrage reagieren. Doch der starke US-Dollar, die sich abkühlende Weltwirtschaftsdynamik, das Wiederaufflammen der Corona-Krise in China und die in diesem Jahr stark steigenden Zinsen ließen sowohl die Nachfrage als auch den Preis für Öl nach einer fulminanten Rallye zum Auftakt des Ukraine-Krieges wieder deutlich sinken.

Selbst die seit 1. Dezember in Kraft getretenen Liefersanktionen der G7 gegen Importe russischen Rohöls via Schiff und die Drohung des russischen Präsidenten Wladimir Putin, als Gegensanktion die Förderung einseitig zu kürzen, halfen dem Ölpreis bislang zum Ärgernis der OPEC nicht wieder auf die Beine. Der Preis für das schwarze Gold rutschte von in der Spitze ca. 140 US-Dollar pro Barrel Anfang März dieses Jahres auf aktuell knapp über 80 US-Dollar pro Fass um mehr als 40 Prozent ab.

Preis pro Barrel Rohöl Brent

Der Preis pro Barrel Rohöl Brent

Die Organisation erdölexportierender Länder, so Bloomberg, sieht nun für das erste Quartal 2023 einen „fein ausbalancierten Markt“ statt des noch vor einem Monat prognostizierten Angebotsdefizits. Die jüngsten Annahmen der OPEC fußen auf Bedenken hinsichtlich eines schwächeren Kraftstoffverbrauchs weltweit.

Außerdem wachsen laut Bloomberg Zweifel an der Fähigkeit Chinas, die Anti-Covid-Maßnahmen aufzugeben, und es gibt Anzeichen dafür, dass die Geldpolitik in den USA weiter gestrafft wird.

Die OPEC prognostiziert, dass die weltweite Nachfrage nach ihrem Rohöl im Zeitraum des 1. Quartals 2023 um 380.000 Barrel pro Tag geringer sein wird als noch bei der letzten Schätzung erwartet.

Die in Wien ansässige Forschungsabteilung der OPEC sagt in ihrem Monatsbericht für Dezember:

„Während sich das Jahr 2022 dem Ende zuneigt, wird die jüngste Verlangsamung des globalen Wirtschaftswachstums mit all ihren weitreichenden Auswirkungen deutlich. Das Jahr 2023 wird voraussichtlich von vielen Unsicherheiten bestimmt bleiben, die Wachsamkeit und Vorsicht erfordern.“

Trotz der drastischen Preisrückgänge beim Rohölpreis ist der Generalsekretär der OPEC, Haitham Al-Ghais, davon überzeugt, dass der OPEC+-Pakt funktioniere, der den Weltmarkt für Öl im Gleichgewicht halten soll. Die jüngste Reduzierung der Nachfrageprognose bietet eine weitere Rechtfertigung für eine Produktionsreduzierung. Die OPEC+ und vor allem das sechstgrößte OPEC-Mitglied Nigeria wollen den Ölpreis bei um die 90 US-Dollar pro Barrel halten.

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Weitere Förderkürzungen absehbar

Die Allianz aus 23 ölexportierenden Staaten, bestehend aus der OPEC und zehn weiteren Kooperationspartnern, die gemeinsam von Saudi-Arabien und Russland geführt wird, beschloss laut Bloomberg Anfang dieses Monats, die Liefermengen zu Beginn des Jahres 2023 noch unverändert zu belassen, um der Gruppe mehr Zeit zu geben, um die Auswirkungen ihrer Förderkürzungen abzuschätzen.

Der saudische Energieminister Prinz Abdulaziz bin Salman betonte, dass die Koalition bereit sei, bei Bedarf einzugreifen, und dass ein einflussreicher Ministerausschuss im Februar erneut zusammentreten wird, mit der Befugnis, außerordentliche OPEC+-Sitzungen einzuberufen.

Die OPEC schätzt, dass ihre 13 Mitglieder im ersten Quartal 2023 durchschnittlich 28,93 Millionen Barrel pro Tag bereitstellen müssen, also nur wenig mehr als die 28,83 Millionen pro Tag, die sie laut dem Bericht im November gepumpt hatten.

Die OPEC erwartet, dass die weltweite Öl-Nachfrage im nächsten Jahr um 2,2 Millionen Barrel pro Tag auf durchschnittlich 101,77 Millionen Barrel pro Tag steigen wird. Die Lieferungen der OPEC-Konkurrenten sollen um 1,5 Millionen Barrel pro Tag steigen, von denen etwa 75 Prozent aus den USA stammen, dem größten Ölproduzenten der Welt.

Bloomberg / FMW



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1 Kommentar

  1. Im Zusammenhang mit dem Gleichgewicht im Ölgeschäft, welches mittels US/Texas-Öl und OPEC+-Öl besteht, bleibt die konkrete künftige weitere Ölfördermenge von seiten der Öl-Allianz OPEC+ abzuwarten.

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