Märkte

Rohöl: Putin droht wegen Preisdeckel mit Förderkürzungen

Der Westen hat die Preisobergrenze eingeführt. Nun droht Wladimir Putin damit weniger Rohöl zu fördern. Hier dazu die Hintergründe.

Am vergangenen Sonntag erwähnte die OPEC+ in ihrer turnusmäßigen PK das Thema Förderkürzungen für Rohöl nicht. Nun prescht Russlands Präsident Putin mit einer Warnung an den Westen vor.

Entscheidung über Förderkürzung bei Rohöl bereits in den nächsten Tagen

Am Montag trat die von den G7, also der Gruppe der sieben größten Volkswirtschaften Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und den USA beschlossene Preisobergrenze für russisches Rohöl, das per Schiff transportiert wird, in Kraft. Die Intention des Westens ist es, durch den Preisdeckel bei 60 US-Dollar pro Fass Moskaus Fähigkeit zur Finanzierung seines Krieges in der Ukraine einzuschränken. Der Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow hatte daraufhin bereits erklärt, dass sich die aus den Preissanktionen gegen russisches Rohöl resultierenden Mindereinnahmen nur minimal auf den Staatshaushalt auswirken werden. Aktuell befindet sich der Rohölpreis zu dicht an dem Preisdeckel und liegt noch komfortabel über den russischen Förderkosten von je nach Sorte 30-44 US-Dollar pro Barrel (jew. 159 Liter).

Dennoch ist Russland in der sich zu einem Abnutzungskrieg entwickelnden militärischen Konfrontation mit der Ukraine auf jeden Rubel angewiesen, um für Nachschub von Personal und Material zu sorgen. Zumal im Zuge des Preisdeckels auch andere Abnehmerländer außerhalb der G7, wie zum Beispiel Indien, bei Neuverträgen nun auf noch höhere Rabatte Pochen, was Moskau sehr verärgert. Daher droht Präsident Putin als Reaktion mit Gegensanktionen.

Laut Bloomberg könnte Russland seine Produktion von Rohöl als Antwort auf die Preisobergrenze kürzen, sagte Präsident Wladimir Putin heute in einem Fernsehinterview. Durch die neuen Sanktionen stehen laut OPEC+ (das Plus steht für Russland) dem Weltmarkt schon jetzt ca. 600.000 Barrel weniger Rohöl pro Tag zur Verfügung. Eine Entscheidung über Moskaus Reaktion werde in den nächsten Tagen in einem Präsidialdekret bekannt gegeben, sagte Putin Reportern des staatlichen Fernsehens Rossiya 24, ohne weitere Einzelheiten zu nennen. Putin wörtlich: „Ich sage jetzt nicht, dass dies eine Entscheidung ist, aber wenn nötig, werden wir über mögliche Produktionskürzungen nachdenken. Ich habe bereits gesagt, dass wir Rohöl einfach nicht an die Länder verkaufen werden, die sich an einer Preisobergrenze beteiligen.“

Harter Schlag gegen Moskau

Russland war bis zum Beginn des Ukraine-Kriegs nach den USA und noch vor Saudi-Arabien der zweitgrößte Ölproduzent der Welt und hat seine Wirtschaft, ähnlich wie die Golfstaaten, hauptsächlich auf die Gewinnung fossiler Energieträger ausgerichtet. Daher trifft jede Sanktion gegen Rohöl, mehr noch als bei Erdgas, die russische Wirtschaft ins Mark.

Produktionsmengen bei Rohöl nach Land

Nach Monaten der Planung und Verhandlungen trat am Montag mit dem Preisdeckel auf Rohöl somit die bislang härteste internationale Sanktion gegen russisches Öl in Kraft. Die Europäische Union hat fast alle Seeimporte des Rohöls des Landes verboten, und die G7 waren sich einig, dass jeder, der Dienstleistungen für den russischen Ölsektor erbringt – insbesondere Versicherungen – den Preisdeckel akzeptieren muss.

Kann der Preisdeckel Russlands Kriegsanstrengungen aushungern?

Laut Bloomberg gibt es noch viele unbeantwortete Fragen, bezüglich der Auswirkungen der Maßnahmen auf den globalen Ölmarkt, v. a. bezogen auf die außereuropäischen Versicherungsmärkte, den Appetit und die Kreativität einiger Tankerbesitzer am Handel mit Russland teilzunehmen und die konsequente Durchsetzung der Obergrenze z. B. durch die Türkei, die den Zugang zum Mittelmeer kontrolliert.

Russland ist bemüht, dass Problem der Versicherungen selbst zu lösen und hat zudem eine Schattenflotte von über 100 größtenteils in die Jahre gekommenen Öltankern z. B. aus venezolanischen Beständen aufgebaut.

Damit steigt das Risiko von Umweltkatastrophen, zumal davon auszugehen ist, dass auf Geheiß des Kremls die staatlichen russischen Tankerversicherer die Zustände der Schiffe nicht allzu akribisch prüfen werden. Die Türkei erkennt russische Versicherungen für Tanker, die Rohöl transportieren jedoch an und lässt diese Schiffe nach Vorlage der Versicherungspapiere den Bosporus passieren, auch wenn das transportierte Rohöl über dem Preisdeckel verkauft wurde.

Schiffe mit westlichen Versicherungspapieren werden seit Montag von den türkischen Behörden an der Weiterfahrt gehindert, sofern der Kaufpreis über 60 US-Dollar pro Fass liegt.

Der russische Präsident Putin sagt: „Die Preisobergrenze wird keine negativen Auswirkungen auf Russlands Einnahmen haben, da die von den westlichen Ländern eingeführte Schwelle von 60 US-Dollar pro Barrel den Preisen entspricht, zu denen wir heute verkaufen. Wir verkaufen bereits zu ungefähr diesen Preisen, also machen Sie sich keine Sorgen um das Budget.“

Russlands Flaggschiff Ural-Rohöl, das aus dem baltischen Hafen Primorsk exportiert wird, wurde am Donnerstag mit 41,59 Dollar pro Barrel bewertet, so die Daten von Argus Media, deren Zahlen die russische Regierung zur Berechnung der Exportzölle verwendet hat.

Der Preis der russischen ESPO-Rohölmischung in Asien hält sich jedoch deutlich über der westlichen Obergrenze und wird am Donnerstag bei 67,11 US-Dollar pro Barrel gehandelt, wie Argus-Daten zeigen. Dabei ist zu beachten, dass die Öllieferungen von Russland in nach Japan von den Sanktionen ausdrücklich ausgenommen wurden.

Ölproduktion auf Achtmonatshoch

Ben Harris, stellvertretender Sekretär für Wirtschaftspolitik im US-Finanzministerium, sagte laut Bloomberg Anfang dieser Woche: „Was auch immer Russland tut, es gibt keine guten Optionen. Jede Versorgungsunterbrechung schadet nicht ihren Partnern, sondern auch wirklich ihrem Geldbeutel.“
Russland hat erklärt, dass die Auswirkungen der Preisobergrenze auf die Ölförderung begrenzt sein werden. Jegliche Volatilität in der Produktion des Landes „wird nicht höher sein als die Schwankungen im Frühjahr“, sagte der erste stellvertretende Energieminister Pavel Sorokin Anfang dieser Woche.

Im April, zwei Monate nach dem Einmarsch in die Ukraine, pumpte Russland laut Branchendaten von Bloomberg durchschnittlich rund 10,05 Millionen Barrel Rohöl pro Tag, gegenüber 11,08 Millionen pro Tag im Monat Februar. Danach begann sich die Produktion zu erholen und erreichte im November sogar ein Achtmonatshoch. Konkrete Aussagen zu Förderkürzungen aus dem Kreml werden vom Ölmarkt in Kürze per Präsidialdekret erwartet.

FMW/Bloomberg

Wladimir Putin
Vladimir Putin Photographer: Andrey Rudakov/Bloomberg


Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage