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Rentenversicherung: Mit Plan, aber völlig planlos ins Desaster

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Ein älteres Paar - Rentenversicherung mit Plan planlos ins Chaos?

Mit Plan, aber völlig planlos? Ja, das geht. Aber lesen Sie dazu bitte diesen Artikel komplett! Die deutsche Rentenversicherung hat ein Problem. Sie ist aber relativ hilflos, denn aktuell wird ihr zum Beispiel das Thema Grundrente aufs Auge gedrückt durch Bundesarbeitsminister Heil. Mal eben 1,4 Milliarden Euro soll sie zusätzlich kosten. Woher das Geld kommen soll?

Die Grundrente als Chaos mit Ansage für die Rentenversicherung

Die Grundrente mit mehr als 1,4 Milliarden Euro Zusatzkosten für die Rentenversicherung soll nicht über Beiträge, sondern über noch zukünftig zu erzielende Einnahmen aus einer Aktiensteuer refinanziert werden. Die soll nämlich bei jedem Kauf und Verkauf von Aktien erhoben werden. Die Farce dabei ist: Der Staat wünscht sich ja, dass der “mündige Bürger” möglichst auch privat vorsorgen soll. Da die “Riester-Rente” derzeit mehr denn je ein Debakel ist, drängt derzeit so ziemlich jeder “Experte” und “Ökonom” den deutschen Michel dazu es doch auch endlich mal mit der Geldanlage in Aktien zu versuchen. Und genau dort will die Bundesregierung den Anleger nun zusätzlich besteuern, und zwar bei jeder Transaktion.

Also entzieht man dem heutigen Rentensparer (über seine Aktienkäufe) Geld, was man den aktuellen Rentnern als Grundrente zuschanzen möchte. By the way… Menschen, die lebenslang gearbeitet haben, die aber aufgrund viel zu geringer Verdienste in die Altersarmut rutschen würden, ein paar Euro mehr geben zu wollen, ist grundsätzlich lobenswert. Nur hat das mit dem Prinzip der Rentenversicherung (entsprechend der eigenen Einzahlungen einen bestimmten Anspruch erwerben) nichts mehr zu tun. Wir hatten jüngst schon von einer planwirtschaftlichen Gulaschkanone gesprochen.

Mit Plan, dennoch völlig planlos ins Desaster? Beim Thema Rentenversicherung kann man das exemplarisch am Thema Grundrente nur zu gut sehen. Hatten wir übrigens schon erwähnt, dass alleine letztes Jahr 68,5 Milliarden Euro aus dem Steuerhaushalt in die Rentenkasse umgebucht wurden, da ihre Einnahmen viel zu gering sind um die laufenden Rentenzahlungen garantieren zu können? Dieser Steuerzuschuss steigt tendenziell immer weiter an, Jahr für Jahr. Und mit der Grundrente kommt noch ein weiterer Baustein hinzu, der den Steuerzuschuss zur Rentenversicherung nur noch weiter in die Höhe treibt. Jüngst sprach die Rentenversicherung von positiven Rekordzahlen (Rücklagen, Einnahmen etc). Was für ein Witz.

Aber zurück zum Thema Grundrente. Die Rentenversicherung selbst kritisiert Minister Heil aktuell extrem deutlich. Der Termin zu Anfang 2021 sei nicht mal ansatzweise zu schaffen. Bei den Berechnungen gäbe es substanzielle Probleme (mal vereinfacht ausgedrückt). So schnell sei für die Abwicklung dieses Themas gar kein neues Personal rekrutierbar. Die Bürokratiekosten von mehreren hundert Millionen Euro seien extrem hoch, und es gäbe ernsthafte zeitliche Probleme beim Aufbau eines Datenabgleichs mit anderen Behörden, was für die Berechnung der Grundrente wichtig ist. Und ja, die Gegenfinanzierung durch eine Aktiensteuer ist auch noch nicht geklärt. Was für ein planmäßiges Desaster!

“Beschleunigter Kollaps” für die Rentenversicherung?

By the way… wie mies die Auszahlungsquote der Rentenversicherung in Relation zu den Gehältern der Arbeitnehmer jetzt schon aussieht, zeigt ein Vergleich, den sogar jüngst die “ARD Börse” präsentiert hat. Deutschland liege laut OECD bei 51,9% Rentenquote, Italien bei 91,8% und Frankreich bei 73,6%. Und hierzulande wird die Quote weiter deutlich sinken, wenn die Beiträge der Arbeitnehmer nicht durch die Decke schießen sollen! Eine miese Quote hierzulande, und das obwohl jetzt schon so gigantische Steuersummen als Quersubventionierung zur Rentenversicherung rübergeschoben werden, Jahr für Jahr! Macht es da überhaupt noch Sinn dieses System am Leben zu halten? Sollte man bei der Organisation der staatlichen Rente in Deutschland nicht besser den Reset-Knopf drücken, und sich eine ganz neue Organisationsstruktur einfallen lassen? Aber nein, die Politik drückt nur hier und da ein Pflaster drauf, obwohl der Patient mit ein paar Pflastern nicht geheilt werden kann.

Wie dramatisch die Lage rund um die Rentenversicherung längst ist, zeigen aktuell die folgenden Worte des “Bundesverbands mittelständische Wirtschaft Unternehmerverband Deutschlands e.V.”. Hier äußert man sich wegen der Grundrente auch gleich grundsätzlich zur desaströsen Lage in der Rentenkasse, und betitelt seinen Kommentar mit “Grundrente beschleunigt drohenden Kollaps der Rentenversicherung”. Hier der Kommentar im Wortlaut:

“Die Grundrente ist nur durch einen Griff in die Rentenkasse zu finanzieren und verschärft so die Finanzierungsprobleme der Rentenversicherung, ohne das Problem der Altersarmut zu lösen. Der jährliche Bundeszuschuss zur Rente überschreitet bereits in diesem Jahr die Schwelle von 100 Milliarden Euro und steigt bis 2023 auf fast 114 Milliarden Euro an. Damit finanziert der Steuerzahler rund ein Drittel der Einnahmen der Rentenversicherung. Um Altersarmut entgegenzuwirken und einen Kollaps der Rentenversicherung zu verhindern, bedarf es einer grundlegenden Reform des Rentensystems. Der Staat sollte zum einen die private Vorsorge durch steuerliche Anreize weit über die Riesterrente hinaus fördern. Zum anderen muss die betriebliche Altersvorsorge als dritte Säule der Absicherung ausgebaut werden. Dazu sollte das mittelstandsfeindliche Betriebsrentenstärkungsgesetz schleunigst reformiert werden.”

12 Kommentare

12 Comments

  1. Pingback: Grundrente: „Beschleunigter Kollaps“ für die Rentenversicherung? - einfachst.de

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    foxxly

    22. Januar 2020 10:10 at 10:10

    Bitte berichtigen: der staat gibt runde 100 Mrd€ in die RV und holt über die versicherungsfremde leistungen rund 140Mrd € wieder raus! ergo: der staat betrügt die rentner!

  3. Pingback: Meldungen vom 22. Jnauar 2020 | das-bewegt-die-welt.de

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    Wütbürger

    22. Januar 2020 10:15 at 10:15

    Diese Finanztransaktionssteuer, wie das Vehikel korrekt heißt, wurde doch erfunden mit der Begründung “Die Verursacher der Finanzkrise müssen zur Kasse gebeten werden”.
    Was hat der deutsche Aktiensparer damit zu tun? Natürlich nichts. Gesetze müssen für den Bürger nachvollziehbar sein, sonst sind sie unwirksam. Und dieses verlogene Gesetz ist nicht nachvollziehbar und damit unwirksam. Basta!

    Ich schlage vor, dieser Bürgerplündererminister erfindet, wenn er schon dabei ist, gleich noch ein Gesetz zur Besteuerung von Katzen mit der Begründung, diese würden den ganzen Tag bellen!

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    jan

    22. Januar 2020 11:27 at 11:27

    Aus alle gesammelte etwas bärisch orientierte Berichte in FMW leite ich ab:
    1. Das Desaster steht bevor. Es kommt vielleicht nur nicht perse mit Börsen crash.
    Weil FMW das nicht alleine bedenken kann, (siehe einige Bücher und Beiträge über Crash und Krise usw.) kann man bedenken, dass anderen das auch bereits vorhersehen: die Sammlung der Reichen in Davos z.B.
    Lösung aus der Weltweiten Schuldenklemme: Entweder landet ein Raumschiff mit Reichtum für alle aus dem All oder es gibt inflation bis die Schulden nur noch mit einer geringer Wert getilgt werden können. Dem zufolge werden die Aktien meiner Vermutung noch stark steigen.
    Dabei gibt es eins zu bedenken: diesen Richtungsweisenden mit viel Vermögen, ist das Wohl oder Unwohl der Otto oder Michel Normalverbraucher total egal, die Mauer um deren Grundstücke ist hoch genug. Den geht es nur darum, weiterhin reich aus dem Umschwung zu kommen.
    2. Ein Teil der Reichtum schlummert bei den Bürgern in Form ungenütztes Spargeld. Wie holen wir das? Ganz einfach: Negativzinsen (Michel wird wach und sieht, das bringt nichts oder pennt weiter und es kommt von alleine), verlockende Aktienmärkte (Michel überlegt sich da ein zu steigen) und dann Absahnemechanismen um das Kapital ein zu fangen. Alle mögliche Steuertricks die wenn umgesetzt, das Einsteigen für Michel in den Aktienmärkte eher unrentabel machen (aber das sagen wir ihm nicht). Hätte er die Tage hier bei FMW lesen können.
    3. Nachdem der Michel dann eingestiegen ist, der Riseninflation, Michel träumt sich reich weil die Aktien auch noch mal Faktor 100 drauflegen, allerdings kann er davon nur noch ein halbes Brot kaufen.
    4. Gulasch-Kanone, Unruhen und Elend, die Reichen bleiben hinter ihren Mauern, es beruhigt sich wieder (weil Essen und Trinken irgendwann so viel Energie kosten, dass nichts mehr überig bleibt für’s Steine werfen und dann bauen wir wieder auf.

    Fazit: Fürs vorhandene Bargeld Wertsachen kaufen, Keller vol, sich eine Umgebung aufbauen mit “ich helfe dir, du hilfst mir” vielleicht Bitcoins oder Ähnlich als Zahlmittel am Steuervorbei, vorhandene Aktien verkaufen und besser Kleidung, Photovotaik, Wasserfilter und ähnliches einrichten, damit man beim Zusammenbrechen der Systeme einigermaßen über Wasser bleibt. Auto verkaufen, nachdem das letzte mal der Tank leer ging eh nutzlos. Besser ein stabiles Fahrad mit Anhänger, der tuts immer.
    Das Rentensystem und das Lamentieren darüber interessiert doch kaum jemanden. Der Bürger schaut nur aufs jetzt bis was heute Abend im Fernsehen läuft und die Politikern oben brauchen es deswegen nicht als Wiederwahlargument und die Kassen versuchen Löcher zu stopfen oder verursachen Schulden, wer kummert sich drum? Die Lösung ist bereits erwähnt, Gulaschkanone. Wer bei drauf geht, bleibt liegen.
    Zur Ablenkung tun wir als ob uns die Umwelt interessiert, so lange das nicht das Luxusleben beeinflüsst und bedenken noch ein paar zusatzliche Steuertricks um auch damit Geld vom Bürgern zu holen.
    Solange unsere Regierungen vom Geld und den Mächtigen dieser Welt dirigiert werden und nicht vom Interesse für den Menschen zu sorgen, (und ich finde kein Beispiel was in die richtige Richtung zeigt) und wir als Bürger das uns gefallen lassen (letzte Fettgedruckt), kann es nur so ausgehen. (Diese Wuttbürger usw. die passende Schlussfolgerungen ziehen und schreiben was getan werden müsste, helfen auch nicht weiter. Es steht schon in Konjuktiv, also, bleibt so stehen und es passiert nichts.)
    Wir sehen uns bei der Gulaschkanone, und wenn ich den letzten Teller kriege, passen Sie auf meine linken Ellenbogen auf.

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    Kinski

    22. Januar 2020 12:35 at 12:35

    Ich sehe keine Inflation kommen dann sollte man locker gegen Sachwert-Preissteigerungen ansparen können ist aber nicht möglich. Die zz. riesigen Gewinne wandern dafür einfach in die falschen Taschen. Immobilien durchschnittliche Darlehenssumme +13,7% zum letzten Jahr bei 85% Fremdfinanzierung. Schaue ich links > Blase schaue ich rechts Blase überall nur Blasen…

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    Realist

    22. Januar 2020 14:35 at 14:35

    In nur 10 Jahren wuchs der globale Schuldenberg von 150.000 Mrd USD auf 250.000 Mrd USD. Bei einem Welt-Bip von um 100.000 Mrd USD also 250% Verschuldung, und das bei einem Durchschnitts-Zinssatz von derzeit 2,5%. Woher sollen die 6,25% Zins auf das Bip kommen angesichts fast Stagnation? Vielleicht aus den angekündigten grünen “von der Leyen Projekten”. Das sind bestimmt politisch korrekte, dafür ohne jegliche Wertschöpfung. Wird bestimmt eine tolle Zeit, die vor uns. Eine Zeit der Frauenherrschaft, bei der 3 sich die kommenden großen Erfolge der grünen Planwirtschaft an die Brust heften wollen.
    Zieht Euch bloss warm an! Immer! Egal was das Thermometer sagt!

    • Avatar

      Michael

      22. Januar 2020 17:17 at 17:17

      Und warum genau sollten grüne Projekte ohne jegliche Wertschöpfung sein?

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        Irina Trappe-Hanel

        23. Januar 2020 07:06 at 07:06

        Wertschöpfung und Wertschöpfung sind eben auch zwei paar Schuhe. Die einen laufen scheinbar lieber nur in ihren alten Tretern herum oder kaufen sich immer wieder gleiche Modelle, der ewig gleichen Werte wegen. Nur monetäre Werte und rein materieller Wohlstand, sind eben nicht für Menschen gemacht, Maschinen kann man da schon eher dauerhaft zufriedenstellen, außer Ersatzteile, Stom und sonstige Zuwendung aus dieser Richtung brauchen sie nicht.
        Gestern im Supermarkt, ich war ein Weilchen dort, hab lange auf eine Maschine als Kunden gewartet, es kam und kam keine. (zwinker)
        Damit wären wir dann auch wieder bei der Wertschöpfung und bei den Rentnern und wir müssen verdammt aufpassen das uns nicht wieder Zeiten a la 1930 bis 1945 ins Haus flattern was den Umgang mit Menschen betrifft!!! Unnütze Esser, das hatten wir schon Mal! Wenn Geld das Elexier des Lebens ist und wir Menschen diesem Diktat unterworfen sind, nur um unser Leben zu erhalten, muss es auch für jeden in ausreichender Menge vorhanden sein, da es zu den lebenserhaltenden Maßnahmen in unserer Zeit gehört! Wertschöpfung der Zukunft sollte bitte auch grün und humanistisch werden, denn das sind wichtige Werte um nicht n u r die Industrie, sondern vorallem die Menschen zu erhalten! Ich glaube nicht, dass dieses System mit schrumpfenden Menschenmassen überhaupt funktioniert! Genau deshalb sollte dieses System eigentlich auf seine Leute achten und sie entsprechend behandeln und nicht wie Abfall am Ende ihres Lebens oder bei geringer Leistungsfähigkeit. Wir sind keine Autos aus denen man mehr und mehr PS herausholen kann. Genau so wie der Mensch g-Kräfte nur bis zu einem bestimmten Grad aushalten kann, sind das Tatsachen, deren weitere Leugnung und Nichtbeachtung fatale Folgen auch auf die Wirtschaft haben wird! Wir Normalbürger werden es tatsächlich schon bald an steigenden Krankenkassen- und Rentenbeiträgen merken. Denn auch kaputtgespielte Menschen haben ein Recht auf Leben. Wenn es im westlichen Teil dieses Landes noch nicht so aussieht, dann ist dies ein Gruß aus dem Osten. Früher machten wir hier mehr aus weniger Material und Energie (Devise in der DDR wegen ständiger Resourcenknappheit) und heute wird eben aus dem einzelnen Menschen mehr und mehr herausgeholt.

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    Irina Trappe-Hanel

    22. Januar 2020 15:22 at 15:22

    Wer da immer noch glaubt die DDR ging wegen Faulheit oder maroder Betriebe in die Knie, denkt auch das ein Zitronenfalter, Zitronen faltet. Falsche Entscheidungen und Haudraufmentalität von oben waren wohl eher das Zünglein an der Waage! Manchmal denke ich, ich habe eine Zeitreise gemacht, zurück in die Vergangenheit! Was sich im Moment anbahnt und abzuzeichnen scheint kommt mir so seltsam bekannt vor! Märchen, nichts als Märchen jeden Tag! Hab schon Zangen, Klammersäcke hingelegt, alle meine Taschen zugenäht, vorsorglich!
    Zu den neuesten Vorkommnissen! Ein hoch auf die Viren, die scheinen schneller zu kapieren! Wir die ewig gestrigen Menschen können da nicht mithalten! Resetknopf bitte! Es betrifft ja nicht nur die Rentenversicherung, sondern das ganze System fliegt uns um die Ohren, wenn die Menschen kein Geld mehr haben um den ganzen Krempel zu kaufen, da werden auch keine Aktien was richten.

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    caesar

    22. Januar 2020 18:52 at 18:52

    Machen Sie sich keine Sorgen.Es ist alles sauber geplant.Allerdings ist die Planung und das geplante Ergebnis nicht bürgerfreundlich.Aber wen interessiert der Bürger schon?

  10. Avatar

    Michael

    22. Januar 2020 20:36 at 20:36

    @Claudio Kummerfeld, im Gegensatz zu Ihren Kollegen bei FMW schreiben Sie ständig von “Wir” anstelle von “Ich”. Sind Sie sicher, dass alle FMW-Journalisten Ihre provokativ-wackeligen Meinungen teilen, die für manchen Leser doch schon sehr paranoid-verschwörungstechnisch-spekulativ-populistisch wirken könnten?

    Mit Plan, aber völlig planlos? Ja, das geht. Gut, über Worte und Formulierungen lässt sich ja streiten. Egal. Aber zur Sache (sinnbildlich gesprochen) kommen wir zu Ihrer ganz eigenen Sprache (Wahnsinn) seit einiger Zeit. By the way…

    Wir Kleingläubigen schweifen ab, aber was wissen wir schon? Kommen wir zur Aktualität. Also, da kann kommen was will? Aber wie oft hat man das schon gehört in den letzten Jahren?

    Hatten wir übrigens schon erwähnt, dass sich über Worte und Formulierungen trefflich streiten lässt?

    Aber zurück zum Thema eigene Sprache und völlig planlos mit Plan. By the way… was wissen schon wir Kleingläubigen?

    Sind das rhetorische Fragen, suggestive Fragen oder einfach schlechter Journalismus, der uns treibt?

    Entscheiden Sie selbst!

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Warum in Euroland erst einmal keine Inflation droht

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Die EZB sprach jüngst in Szenarien eher von drohender Deflation statt Inflation (mehr dazu hier). Zahlreiche kritische Zeitgeister wie Markus Krall und Dirk Müller (hier zu den dramatischen Corona-Folgen) sprechen von einer bevorstehenden kräftigen Inflation, oder sogar Hyperinflation. Warum sie “erst einmal” nicht ansteht, dazu liefert, so meine ich, das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) aktuell eine sehr interessante und einfach zu verstehende Denkschrift. Dabei geht es auch viel um das einfache, nachvollziehbare Verhalten der Bürger (Konsumenten) in und nach der Krise.

Erstmal Deflation statt Inflation

Zahlreiche Südländer in Europa sind schon in der Deflation (14 Euro-Länder im Monat Mai). Das ist nachvollziehbar. Denn wenn der Großteil der Touristen den Stränden fern bleibt, passiert was? Richtig, die Anbieter senken die Preise drastisch um die Touristen anzulocken. Hotels, Getränke, Ausflüge. Alles wird verbilligt angeboten, um zum Konsumenten zu animieren. Dazu sagt das IW, Zitat:

Besonders betroffen von der zurückhaltenden Nachfrage sind unter anderem das Gastgewerbe und der Tourismus. Viele Reisen konnten und können nicht stattfinden, darunter leiden besonders Länder, die sich auf den Tourismus spezialisiert haben. Das hat Folgen für die Inflation: Sinkt die Nachfrage, sinken gewöhnlich auch die Preise. Die fehlenden Touristen waren unter anderem ein Grund, warum die Preise in Griechenland im Juni um 1,7 Prozent und in Zypern um 2,5 Prozent einbrachen. Deflation zeigt sich aber auch in Estland und Lettland. In Italien sanken die Preise um 0,4 Prozent und in Spanien um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

Aber auch zuhause ist es eine klare einfache Sache. Man braucht nur online zu surfen oder in die Innenstädte zu gehen. Nichts mit Inflation. Rabatte überall, und dazu nun auch noch die Mehrwertsteuersenkung, die zahlreiche Einzelhändler auch tatsächlich weitergeben. Dies senkt die Preise gleich doppelt (hier offizielle Berechnungen), was die Angst vor der Inflation erst recht in weite Ferne rücken lässt. Und wollen die Konsumenten einfach nicht konsumieren, müssen die Preise eben noch weiter runter gehen, bis man der Verlockung nicht mehr widerstehen kann? Dazu das IW, Zitat:

Die Corona-Pandemie hat dazu geführt, dass die Deutschen weniger Geld ausgeben. Umsätze sind ausgefallen, durch Kurzarbeit schrumpft das Einkommen – entsprechend überlegen sich viele ganz genau, was sie kaufen und welche Ausgaben sie vielleicht lieber verschieben. Zudem besuchen die Bundesbürger weniger Geschäfte, Cafés oder Restaurants, um sich nicht anzustecken. Auch das Homeoffice senkt die monatlichen Ausgaben, beispielsweise, weil sich das Mittagessen vergleichsweise günstig zuhause kochen lässt. Insgesamt sinken die Ausgaben dadurch stärker als die Einkommen. Dieser allgemeine Trend zeigt sich bereits in der Sparquote der Haushalte: Während in Deutschland im vierten Quartal 2019 noch fast 18 Prozent des verfügbaren Einkommens gespart wurden, so waren es im ersten Quartal 2020 fast 24 Prozent.

Kommt die Inflation doch noch?

Tja, wird die Inflation doch noch “über uns kommen”? Denn wo die Bürger jetzt möglichst viel auf die hohe Kante legen aus Angst vor der Ungewissheit, da wird es zukünftig womöglich einen Nachholeffekt beim Konsum geben, was die Preise antreiben wird? Dazu IW, Zitat:

Fallende Preise sind nur auf den ersten Blick vorteilhaft für Konsumenten. Wer davon ausgeht, dass die Preise weiter fallen, schiebt alle Käufe auf, die nicht dringend notwendig sind. Das wiederum sorgt dafür, dass die Umsätze der Unternehmen weiter schrumpfen und sich eine Wirtschaftskrise verfestigen kann. In der aktuellen Situation wäre das sehr problematisch, weshalb die Europäische Zentralbank versucht, mit einer sehr expansiven Geldpolitik eine Deflation zu vermeiden.

Vermutlich wird die Geldpolitik in der aktuellen Situation erfolgreicher sein als bei der Bekämpfung der Deflation im Jahr 2015. Denn anders als damals sparen die Haushalte nicht, um Schulden abzubauen, sondern weil viele das Geld durch die Vermeidung einer Ansteckung mit dem Corona-Virus nicht ausgeben können. Dieses Geld werden sie aber wieder ausgeben – zumindest sobald etwas mehr Zuversicht besteht und absehbar ist, dass die Pandemie langfristig unter Kontrolle ist. Dann werden sich auch die Inflationsraten wieder normalisieren.

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Kreditausfälle und die Deutsche Bank – bilanziell ist das gar kein Problem!

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Drohen Kreditausfälle? In den USA beginnt die Berichtssaison mit den Großbanken. Da lohnt es sich doch auch Mal ein Blick auf die Deutsche Bank zu werfen. Wie heute Morgen gemeldet, aber bereits von vielen vermutet, steigen die Zahlen an möglichen Kreditausfällen drastisch. Die Deutsche Bank berichtet, dass circa 70.000 Stundungsanträge von Privatkunden bei der Deutschen Bank und der Postbank bereits eingegangen sind.

Viele Kunden können aufgrund der Corona-Krise ihre Kredite nicht bedienen. Zwar steigt die Zahl nicht mehr so rapide wie noch im Frühjahr, aber ein langsamer Anstieg ist immer noch zu verzeichnen. Wie wir bereits vor drei Wochen berichtet haben, hat das aber erstmal keinen negativen Effekt auf die Bilanz. Grund dafür ist, dass die Stundung von Krediten während der Corona-Krise gesetzlich ermöglicht wurde.

Die Bankenaufsicht verlängert den „legalen Bilanzbetrug“

Im März tätigte die Bankenaufsicht die ausschlaggebende Aussage, die bei der Deutschen Bank, aber auch bei allen anderen Banken, sicherlich einen Freudensprung ausgelöst hat. Die Bafin meldete, dass ein Schuldner „nicht zwingend als ausgefallen einzustufen ist, wenn bei einem Kredit Kapitaldienst und Zinsen in Folge des Corona-Virus gestundet werden”. Anders gesagt, Banken brauchen die Kredite nicht mehr abschreiben, dadurch sehen die Bilanzen weiterhin hübsch aus. Die Kreditausfälle werden in den Bilanzen einfach nicht als Solche gewertet.

Die Banken können also wertlose Kredite als werthaltige Vermögenswerte in den Büchern verbuchen. Diese Regelung wurde von der EBA um 3 Monate verlängert und gilt noch bis Ende September. Was danach passiert, steht noch nicht fest. Aber eine Verlängerung bis zum Ende des Jahres würde Sinn machen. Damit könnte man nämlich in der Jahresbilanz wunderbare gesunde Kredite präsentieren.

Großbanken in den USA droht eine Welle an Kreditausfällen

Wegen der Corona-Krise können auch immer mehr Amerikaner ihre Kredite nicht zurückzahlen, zudem gehen etliche Firmen Pleite. Das spüren insbesondere die Banken. In dieser Woche starten die Großbanken mit der Berichtssaison, dann werden wir die genauen Auswirkungen feststellen können. Man geht davon aus, dass die Institute durchschnittlich 70 Prozent Gewinneinbruch zu verzeichnen haben, das prognostiziert der Chef-Anlagestratege der Deutschen Bank. Der Hauptgrund dafür sind die drastisch steigenden Kreditausfälle von Unternehmen und Privatkunden. Analysten gehen davon aus, dass bei den sechs größten US-Banken die Rückstellungen für faule Kredite daher auf fast 32 Milliarden Dollar ansteigen. Die Summe muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Damit hätte sich der Wert im Vergleich zum Vorjahr versechsfacht.

Nicht nur die wachsenden Kreditausfälle, sondern auch die sinkenden Zinsen setzen den US-Banken zu. Wie Kostolany schon vor etlichen Jahren gesagt hat, die tatsächliche Stärke der Wirtschaft und Börsen erkennt man an dem Zustand der Banken. Zwar sind die Börsen seit dem März-Tief enorm gestiegen und haben eine V-Erholung hingelegt, aber schaut man sich nur den Bankensektor an, dann hinkt dieser ein großes Stück hinterher. Man kann mit Spannung die Offenlegung der Bilanzen verfolgen. Diese Woche wird uns gewiss einen Einblick über den Zustand der Banken gewähren.

Die Deutsche Bank leidet wie viele Banken an Kreditausfällen

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Interview mit Ben Bilski, CEO der NAGA Group

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Aktuell sehen wir eine extreme Volatilität der Finanzmärkte. Wie schätzen Sie die Situation ein und ist Ihrer Meinung nach eine Stabilisierung der Marktes abzusehen?

Ich denke der Corona-Virus wird uns noch lange “in Atem” halten. Der Einschnitt in die Wirtschaft und das täglich leben kam zu schnell und zu unerwartet. Es gibt zunächst immer die Ad-Hoc Verlustmeldungen die wir alle erlebt haben, jedoch wird noch viel mehr auf uns zukommen. Das was über Jahre aufgebaut wurde, wurde direkt wieder ausgelöscht. Man muss es einfach so radikal sagen. Jedoch denke Ich, dass Tech-Titel die allergrößten Gewinner werden. Die Digitalisierung hat einen unglaublichen Schub bekommen und Online-Business wird mehr gebraucht als jemals zuvor und war sogar in manchen Lockdowns überlebenswichtig.

Viele Experten sehen aktuell in der Kursentwicklung des Bitcoin ähnliche Indizien wie vor dem Bullrun 2017. Wie bewerten Sie diese Entwicklung?

Es gibt extrem viele Prognosen beim Bitcoin. Ich sehe diese alles etwas rationaler. Der Bitcoin ist Stand heute die bekannteste aber auch bestens vermarktete Währung der Welt. Es gab bis dato noch keine Währung die mit solch einer Euphorie bekannt geworden ist. In Zeiten von Unruhen, Krisen und Deflation aller FIAT-Währungen, wird Bitcoin immer mehr Fahrt aufnehmen. Leider gibt es noch viele kleinere Gruppen die den Bitcoin stark beeinflussen. Von daher kann man nicht von massiven nachhaltigen Kurs-Explosionen ausgehen. Jedoch wird es immer wieder gesunde Schübe nach oben geben, da passen nun einfach die Anzahl der Bitcoin-Investoren, der Bekanntheitsgrad und der Status als anerkannte alternative Asset-Klasse zu gut zusammen!

Hat die Corona-Krise das Anlageverhalten der Menschen verändert und wenn ja, wie?

Absolut. Auch hier muss man sagen: Die Menschen haben nun viel mehr die Verbindung von Real-Wirtschaft und Finanzmärkten verstanden. Daher strömen auch viel mehr neue Investoren an den Markt. Vor allem die Digital-Natives. Daher schlägt die Stunde der Online-Broker gerade. Investoren sind vorsichtig und haben sich stärker diversifiziert als jemals zuvor. Oft gab es Indizes und Forex-Positionen. Jetzt wird mehr gestreut. Vorallem auch Öl, Gold und Bitcoin sind extrem populäre Assets und die großen Tech-Titel wie Amazon, Apple, Tesla und co.

Worauf wird es in der zweiten Jahreshälfte 2020 ankommen, wenn Anleger die Finanzmärkte erfolgreich für sich nutzen wollen?

Ich empfehle starken Pragmatismus beim Analysieren der Märkte. Wie bereits erwähnt werden die Tech-Titel die großen Gewinner sein und gehören meiner Meinung nach in jedes Portfolio. Man kann relativ stark am eigenen Verhalten ablesen, dass Digitale Geschäftsmodelle einfach mehr genutzt und gebraucht werden und über die Krise hinweg extrem viel Momentum aufbauen und dies auch mitnehmen werden. Zudem muss auch die Corona Situation stark beobachtet werden. Dies diktiert den Markt und wird auch weiter so sein bis ein funktionierender Impfstoff gefunden wird. Zudem ist weiterhin Cluster-Risiko zu vermeiden. Man sollte nicht zu sehr auf die “V-Erholung” hoffen und daher alles auf eine Karte setzen. Ein gesunder Mix aus Tech, Rohstoffe, Metall und Index-Positionen ist meiner Meinung nach ein logischer Mix wenn man sich die doch sehr volatile Marktphase anschaut. Und: Vergessen wir alle nicht die US-Wahlen. Sollte Trump es nicht schaffen an der Spitze zu bleiben, so wird es nochmal extrem spannend für US-Währungspaare, den DAX sowie den DOW.


Benjamin Bilski ist Gründer und CEO der Social Trading und Investing Plattform NAGA.

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