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Rentenversicherung mit Rekorddaten – Achtung, hier die ganze Wahrheit

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Beispielbild für Rentner - Rentenversicherung solide aufgestellt?

„Die Rente ist sicher“, so sagte es einst Norbert Blüm. Oder ist es vielmehr die große Rentenlüge, wie wir es schon mal betitelt haben? Bilden Sie sich gerne Ihre eigene Meinung bei dem, was Sie jetzt lesen werden! Die Deutsche Rentenversicherung wie auch die deutsche Presselandschaft vermelden aktuell Jubelmeldungen. Das System ist also total solide? Falsch! Aber lesen Sie selbst.

Jubelmeldungen zur gesetzlichen Rentenversicherung – System total solide?

So meldet die Rentenversicherung aktuell, dass man Zitat „finanziell gut aufgestellt“ sei. Lesen Sie bitte den folgenden Wortlaut der staatlichen Institution, die ihre Altersvorsorge garantieren soll. Haben Sie diese Worte gelesen, wird es Ihnen sicher gleich besser gehen. Aber lesen Sie danach bitte unsere Anmerkungen! Hier die Rentenversicherung im Zitat in kursiver Schrift:

Im vergangenen Jahr sind die Beitragseinnahmen erneut deutlich gestiegen. Die Einnahmen aus Pflichtbeiträgen aus Erwerbstätigkeit belaufen sich nach vorläufigen Ergebnissen im Jahr 2019 auf rund 222 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Anstieg um 4,5 Prozent. „Die positive Entwicklung bei den Beitragseinnahmen ist darauf zurückzuführen, dass die Löhne deutlich gestiegen sind und gleichzeitig die Beschäftigung zugenommen hat“, so Gundula Roßbach, Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund. Betrachtet man nur das letzte Quartal, dann liegt der Zuwachs der Pflichtbeiträge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mit 3,8 Prozent auf dem Niveau der Vorjahre. In absoluten Zahlen gerechnet, ist die Nachhaltigkeitsrücklage der gesetzlichen Rentenversicherung zum Ende des vergangenen Jahres auf einen neuen Höchststand gestiegen. Lag sie Ende 2018 noch bei 38,2 Milliarden Euro, so waren es Ende 2019 nach den vorläufigen Daten 40,5 Milliarden Euro. Dies entspricht wie im Vorjahr 1,79 Monatsausgaben. Die Nachhaltigkeitsrücklage der Rentenversicherung wird in den kommenden Jahren allerdings planmäßig abgebaut. Nach Schätzungen kann dadurch der Beitragssatz bis zum Jahr 2024 stabil bei 18,6 Prozent gehalten werden.

Soweit die Rentenversicherung mit ihrer Aussage. Die deutschen „Leitmedien“ übernehmen diese Meldung unkommentiert, so zum Beispiel der Spiegel. Dort wird daraus die Headline Rentenversicherung hortet so viel Geld wie nie. Auch im gesamten Text beim Spiegel gibt es keine kritische Anmerkung. Genau so sieht es aus bei der Meldung von n-tv, wo die Headline lautet Deutsche Rentenversicherung mit Rekordreserve.

Wo ist das Problem?

Also, was sind denn die wichtigsten Aussagen der Veröffentlichung? Die Beitragseinnahmen der Rentenversicherung sind im letzten Jahr auf 222 Milliarden Euro angewachsen, ein Plus von 4,5% gegenüber 2018. Wow, super, löblich, phantastisch. Und die „Nachhaltigkeitsrücklage der Rentenversicherung sei auf einen Höchststand geklettert, auf nunmehr 40,5 Milliarden Euro nach 38,2 Milliarden Euro Ende 2018. Mit dieser Reserve könnte die Rentenkasse 1,79 Monatsausgaben finanzieren. Das Problem mit dieser Reserve lautet: Wäre sie verfeuert, gäbe es auch keine sonstige Reserve. Denn alles was die Rentenversicherung jeden Monat neu als Beitragseinnahmen reinholt, wird sofort wieder an die aktuellen Rentner ausgeschüttet. Und das eigentliche Problem, beziehungsweise der Skandal an dieser Meldung ist: Die Rentenversicherung erwähnt zwar die toll gestiegenen Einnahmen auf jetzt 222 Milliarden Euro. Sie verschweigt aber die Ausgabenseite völlig. Und anhand der Erfahrungswerte der letzten Jahre und den zukünftig immer weiter zunehmenden Ausgaben der Rentenkasse weiß man, dass die Ausgaben für 2019 wohl um oder über 300 Milliarden Euro liegen werden.

Alleine in 2018 hat die Deutsche Rentenversicherung nur deswegen die Ansprüche der aktuellen Rentner zahlen können, weil der Bundeshaushalt aus Steuergeldern 68,5 Milliarden Euro in die Rentenkasse überwiesen hat, zur Deckung des gigantischen Lochs. Die Rentenversicherung ist also extremst defizitär, oder auch pleite, wenn man es einfach und klar formulieren will. Aber die Rentenkasse betrachtet diese Subvention aus Steuermitteln inzwischen offenbar schon als normale Einnahme. Jüngst sprach man sogar offiziell davon, dass man 2019 wohl 2,1 Milliarden Euro Gewinn in der Rentenkasse erreichen werde. Das zeigt, dass man die Steuerzuschüsse längst als normale Einnahme betrachtet. Ein Skandal!

Und an der aktuellen Meldung der Rentenkasse ist mehr als zu kritisieren (sogar skandalös?), dass man zwar die tollen Einnahmezuwächse auf 222 Milliarden Euro erwähnt – dass man aber die Ausgabenseite einfach gar nicht anspricht. Dann hätte man nämlich erwähnen müssen, dass wie gesagt diese Summe wohl irgendwo um oder über 300 Milliarden Euro liegen wird, und dass man die Differenz aus Zuschüssen des Steuerhaushalts erhalten wird. Sonst könnte man den derzeitigen Rentnern ihre Ansprüche gar nicht bezahlen. Aber wie gesagt, dazu kein Wort von der Rentenversicherung. Wer nur die offizielle Meldung liest, denkt dass alles bestens ist! Die Rente ist sicher? Von wegen. Das System ist längst pleite, und wird nur durch gigantische Subventionen am Leben gehalten. Auch wenn man alle Fremdleistungen herausrechnet, die die Rentenkasse mit bezahlen muss, bleibt sie defizitär.

Lesen Sie beim Klick an dieser Stelle auch gerne unseren vorigen Artikel zum Theme Rente mit dem Titel „Rentenversicherung: Auf dem Weg zur planwirtschaftlichen Gulaschkanone“.

6 Kommentare

6 Comments

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    Columbo

    15. Januar 2020 10:00 at 10:00

    Wenn ganze Staaten in Europa pleite sind, warum nicht die Rentenkassen? Das ist laut MMT überhaupt kein Problem mehr,
    „pleite“ gibts nicht mehr. Die Rente ist sicher, nominal halt, wie in Japan seit n-Jahren. Solange die Inflation nicht aufwacht, kein Problem. Aber wenn sie aufwacht…dann Gute Nacht Rentner.

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    Zimmermann

    15. Januar 2020 10:24 at 10:24

    Der deutsche Michel laesst sich all zu gerne hinter die Fichte fuehren. Aber auch kein Wunder. Das Bildungsniveau eruiert auch staendig. Wobei in Finanzfragen die Deutschen schon immer unterbelichtet waren. Aber auch kein Wunder, wenn man einen Finanzminister hat, der sein Geld auf dem Girokonto liegen laesst. Was kann man da noch erwarten?

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    foxxly

    15. Januar 2020 10:38 at 10:38

    laut Auskunft eines Sozialverbandes, auf nachfrage, – bekommt die Rentenversicherung etwa 100Mrd €; – aber, aber, der Staat holt 140 Mrd € wieder raus, als versicherungsfremde Leistungen; – eine Unterdeckung zu Lasten der Beitragszahler. Der Staat ist hierzu absolut kein Wohltäter, sondern Täter!

  4. Pingback: das-bewegt-die-welt.de

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    Manfred Weking

    15. Januar 2020 21:41 at 21:41

    Staat bereichert sich und lügt wie gewohnt.
    1. Ein Vergleich zeigt, daß meine private Altersvorsorge pro 1000€ eingezahlter Beträge eine um ca. 40% höhere Zahlung leistet. Vergleich schwierig, weil auf der einen Seite Witwenrente, auf der anderen Seite Auszahlung des Restwertes an die Erben, also etwas geschätzt. Deshalb leichter ist

    2. Berufsständige Versorgungswerke für Personengruppen wie Ärzte, Apotheker, Ingenieure, Anwälte usw.
    Die haben die gleichen Beiträge und Leistungen wie RV-Bund, können aber auch pro 1000€ eingezahlter Beiträge eine wesentlich höhere Rente zahlen. Und das ohne Staatszuschüsse. Wie ist das möglich?

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Immobilien: Nach der Coronakrise wird es einen Gewinner geben!

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Mieter von gewerblichen Immobilien sind wohl die Gewinner nach der Krise

Alle Bereiche des Lebens und der Wirtschaft sind derzeit von der Coronakrise betroffen, so auch die Immobilien. So hört man die letzten Tage, dass zahlreiche gewerbliche Großmieter wie Adidas, Deichmann und Co einfach Mietzahlungen für ihre Ladengeschäfte aussetzen. Aber wie wird die Lage bei Immobilien nach der Coronakrise aussehen? Wird alles weitergehen wie bisher? Ich möchte hier ein Szenario besprechen, dass nicht mit hundertprozentiger Garantie so eintreten muss. Aber die im folgenden Text beschriebene Auswirkung der Coronakrise auf die Branche scheint mir logisch.

Die Lage am Markt für Immobilien wird sich nach der Krise ändern

Bislang war es so: Die Eigentümer von Immobilien waren die Gewinner. Egal ob gewerblich oder privat, wer besitzt und vermietet, konnte jahrelang immer höhere Mieten kassieren. Und die jahrelange Flutung der Märkte mit Notenbankgeld und die abgeschafften Zinsen trieben Assets wie Aktien und Immobilien immer weiter nach oben. Die Käufer von Wohnungen und Projektentwickler von Gewerbeimmobilien mussten immer höhere Grundstückspreise und Erstellungskosten zahlen – und waren somit gezwungen die Mietpreise immer weiter hochzuschrauben, wenn sie denn noch eine nennenswerte Rendite auf ihren Kapitaleinsatz erzielen wollten. Aber jetzt wird sich einiges ändern. Womöglich nicht für private Mieter.

Aber die Mieter von Gewerbeimmobilien im Bereich Einzelhandel und in der Gastronomie, die werden nach der Coronakrise die großen Gewinner sein. Natürlich meine ich diejenigen Mieter, die diese aktuelle Durststrecke finanziell überleben werden, und auch danach ihre Cafes, Restaurants und Bekleidungsgeschäfte weiter betreiben. Bisher war es so: Der Immobilien-Eigentümer konnte bei Auslauf des Mietvertrags für den nachfolgenden Zeitraum stets kräftige Mietpreissteigerungen verlangen. Aber was passiert jetzt? Selbst nach gigantischen Rettungspaketen und KfW-Kreditprogrammen werden zahlreiche Gastronomen und Bekleidungsgeschäfte nicht überleben. By the way… viele kleine Unternehmer werden diese Kredite wohl gar nicht erhalten (mehr dazu hier). Entweder gehen zahlreiche Unternehmer in den nächsten Monaten pleite, oder dank der KfW-Kredite werden sie vielleicht erst in einem Jahr überschuldet aufgeben und ihren Laden dicht machen.

Angebot und Nachfrage

Dadurch, dass zahlreiche dieser Mieter aus dem Markt ausscheiden, verschiebt sich das Machtgefüge zwischen Mietern und Vermietern bei Immobilien im gewerblichen Bereich. Es wird viel Leerstand geben. Die Entwicklung hatte ja schon vor der Coronakrise in Innenstädten und Einkaufszentren eingesetzt. Zu viel Fläche, zu hohe Ladenmieten und immer mehr Online-Konkurrenz machen den Mietern schon seit Jahren zunehmend das Leben schwer. Nach und nach gaben einige auf und machten ihre Läden dicht. Dieser Trend wird nun durch die Coronakrise massiv beschleunigt werden. Der Leerstand wird deutlich zunehmen. Und die Eigentümer der Flächen werden auf einmal den bestehenden Mietern entgegenkommen. Ja, diese Prognose wage ich, auch wenn ich selbst kein Experte für Immobilien bin. Es geht um das Grundprinzip von Angebot und Nachfrage.

Mieter werden nach Auslauf der Verträge womöglich günstigere Anschlussverträge aushandeln können, weil die Vermieter sehen, wie links und rechts schon Flächen leer stehen. Da hat man Angst seinen noch vorhandenen Bestandsmieter zu verlieren, denn der hat nun die freie Auswahl. Und ganz schnell werden wohl auch die Neuvermietungspreise für Flächen im gewerblichen Bereich purzeln. Wer also die Coronakrise finanziell überlebt, und/oder wer nach der Krise ganz neu mit einer Geschäftsidee im Einzelhandel oder in der Gastronomie startet, der wird womöglich spürbar geringere Mietkosten erwarten dürfen, oder aushandeln können! Vielleicht noch nicht Ende April oder im Mai. Aber wohl in sechs Monaten, wenn nach und nach andere Gewerbemieter pleite gehen und ihre Läden dicht machen. Die letzten Tage haben Restaurantketten wie Maredo und Vapiano bereits Insolvenz angemeldet. Ob und wie viele dieser Läden fortbestehen werden nach einer möglichen Restrukturierung? Unklar, aber die Pleitewelle wird wohl kommen. Was man jetzt in Einzelfällen sieht, ist erst der Anfang.

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Schwellenländer drohen durch die Pandemie im Chaos zu versinken

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Christus-Statue in Rio - Schwellenländer hart getroffen durch Pandemie

Aufgrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung schauen die Märkte zur Zeit vor allem auf die dramatischen Entwicklungen in den USA und Europa. Doch für die Schwellenländer, die bereits vor der Pandemie angeschlagenen waren, droht nun der ökonomische Super-GAU.

Schwellenländer leiden bereits unter dem Abzug von Kapital

Wie wir schon vor der Pandemie berichteten, bewegten sich wichtige Schwellenländer bereits vor der Pandemie in schwerem Fahrwasser. Einige Länder, wie Argentinien, Brasilien, die Türkei, Venezuela, Südafrika oder Chile haben bereits Schlagseite. Die sich jetzt bereits in Ansätzen abzeichnenden globalen Verwerfungen drohen diese Staaten ökonomisch zum Kentern zu bringen. Die Schwellenländer sind besonders abhängig von Mittelzuflüssen aus den Industriestaaten und reagieren in einer Krise wie jetzt sehr sensibel auf eine Umkehr der Kapitalströme. Doch genau das passiert bereits, wie das Institute of International Finance (IIF) berichtet: Seit Ende Januar 2020 sind 95 Mrd. USD aus Aktien und -Anleihen der Emerging-Markets von ausländischen Investoren abgezogen worden.

Damit sind in dieser relativ kurzen Zeitspanne deutlich mehr Gelder rapatriiert worden als in der Finanzkrise ab September 2008. Die Kapitalflucht der Investoren aus Nordamerika und Europa aus den Schwellenländer-Märkten ist in weltweit unruhigen Zeiten ein bekanntes Phänomen. Gerade dann stellen stark überschuldete und politisch instabile Länder ein besonderes Verlustrisiko dar, das es zu meiden gilt. Kommt es zeitgleich zu Turbulenzen an den großen Finanzmärkten in New York, Tokio und London, wird die Liquidität dringend zu Hause benötigt, um Vermögenslöcher zu stopfen oder Margin-Calls zu bedienen.

Für eine Pandemie schlecht gewappnet

Im speziellen Fall der COVID-19-Pandemie befürchten die Investoren wahrscheinlich zu Recht, dass die Gesundheits- und Sozialsysteme einiger Schwellenländer mit der Seuche überfordert sein könnten. Eine Befürchtung, die in Indien bereits Realität ist. Dort sind soziale Sicherungssysteme kaum vorhanden, das Gesundheitssysteme ist extrem fragil und die Bevölkerungsdichte sehr hoch. Die jetzt eingeleiteten Maßnahmen zum Schutz der Menschen verursachen Chaos im indischen Verkehrssystem und bringen die Menschen ohne jeden Schutz noch dichter zusammen. In Brasilien, wo das Virus mittlerweile ebenfalls angekommen ist, folgte die Regierung um Präsident Jair Bolsonaro zunächst der Strategie Londons und Washingtons und verharmloste das Virus. Jetzt rudert die Staatsführung in Brasília zurück, wahrscheinlich wie in den USA und England viel zu spät.

Die bereits getätigten und sich aktuell verstärkenden Kapitalabflüsse werden die fiskalpolitischen Möglichkeiten in den Schwellenländern stark beeinträchtigen. Zum einen wird weniger Geld für die Seuchenbekämpfung und zur Abmilderung der ökonomischen und sozialen Folgen mobilisiert werden können. Zum anderen steigen die Kosten für die Kreditaufnahme ausgerechnet jetzt deutlich an. Gleichzeitig schwinden auch die Devisenreserven, die nicht nur für die hohen Zinslasten der zum Teil hoffnungslos in US-Dollar überschuldeten Länder benötigt werden, sondern auch für den Ankauf von Schutzkleidung, Test-Kits und teuren medizinischen Geräten. Staaten wie Venezuela, Brasilien, Südafrika oder Argentinien sind zudem wichtige Rohstofflieferanten. Die Preise für natürliche Ressourcen waren in den letzten Wochen stark rückläufig, was die Ökonomien dieser Staaten zusätzlich belastet. Außerdem müssen viele Förderstätten zum Schutz der Arbeiter vorübergehend stillgelegt werden. In Südafrika für mindestens drei Wochen. Es ist daher zu befürchten, dass die Schwellenländer die Pandemie noch schwerer werden bewältigen können als die Industriestaaten.

Schwellenländer bekommen den Stress im Finanzsystem zu spüren

Seit Mitte März bekommen die Schwellenländer die Krise bereits an den Finanzmärkten zu spüren. Die Zinsaufschläge, die Entwicklungsländer aktuell gegenüber zehnjährigen US-Staatsanleihen zahlen müssen, sind seitdem stark angestiegen. Besonders hart trifft es die Ukraine. Der osteuropäische Pleitestaat muss nun statt 400 Basispunkten Zinsaufschlag über 1.200 Basispunkte mehr bezahlen. Der Risikoaufschlag türkischer Staatsanleihen hat sich von 352 Anfang März auf aktuell über 700 erhöht. Russland steht trotz des Ölpreisverfalls mit 350 Basispunkten aufgrund der niedrigen Staatsverschuldung von lediglich 12,5 Prozent des BIP noch vergleichsweise gut da. Deutlich dramatischer stellt sich die Lage für den afrikanischen Ölproduzenten Nigeria dar, der nach einer Verdreifachung der Zinsaufschläge nun ebenfalls bei über 1.200 Basispunkten Zinsaufschlag gegenüber US-Anleihen angekommen ist. Auch Südafrika ist mit in den Aufwärtssog bei den Renditen geraten und muss aktuell 1.120 Basispunkte Zinsaufschlag bezahlen. Argentinien, dass seinen Schuldendienst bereits ausgesetzt hat, ist sogar gezwungen, für seine stark ausfallgefährdeten Anleihen (S&P-Rating: CCC-) Mehrkosten in Höhe von 2.640 Basispunkten am Kapitalmarkt zu akzeptieren. Das Land ist bereits de facto bankrott.

Die Kapitalflucht und die steigenden Risikoprämien werden auch in den Währungsentwicklungen der Schwellenländer sichtbar. Seit der verstärkten Ausbreitung des SARS-CoV-2-Virus Anfang Februar über die Landesgrenzen Chinas hinaus, kam es auch an den Devisenmärkten zu heftigen Bewegungen. Der mexikanische Peso verlor seitdem 23 Prozent, der russische Rubel über 20 Prozent (was übertrieben scheint), der argentinische Peso von niedrigem Niveau aus nochmals 5 Prozent und der südafrikanische Rand 16 Prozent.

Fazit und Möglichkeiten der Stabilisierung

Die bereits sichtbaren Folgen für die Schwellenländer sind wahrscheinlich nur der Beginn schwerer ökonomischer, sozialer und politischer Verwerfungen. In den kommenden Wochen und Monaten könnten sich die Turbulenzen infolge der Rezession in den USA und Europa, der zunehmenden Anzahl von COVID-19-Fällen auch in den Schwellenländern, einer fortschreitenden Unterbrechung der Lieferketten und einer sinkenden Nachfrage nach Rohstoffen, Waren und Dienstleistungen noch vergrößern. Der für viele Entwicklungsländer als Devisenquelle enorm wichtige Tourismus ist bereits weitgehend kollabiert.

Ein Großteil der Schwellenländer hat keine ausreichenden Rückstellungen oder fiskalischen Spielräume, um die heimische Wirtschaft mit großen Konjunkturpaketen á la USA oder Deutschland zu unterstützen. Würde die Zentralbank Argentiniens vergleichbar der US-Notenbank Fed eine staatliche Schuldensause von 10 Prozent des BIP durch Gelddrucken finanzieren, würde sich der Restwert des argentinischen Peso in Luft auflösen. Der makroökonomische Handlungsspielraum der Schwellenländer ist generell im Vergleich zu fortgeschrittenen Volkswirtschaften aufgrund der begrenzten Glaubwürdigkeit ihrer Währungen stark limitiert. Selbst Staaten mit niedriger Verschuldung, wie Russland, bekommen dies bereits durch die massive Abwertung ihrer Währung zu spüren. Daher sind die Schwellenländer auf externe Hilfe mittels harter Devisen angewiesen.

Die Fed hat diesem Bedürfnis bereits Rechnung getragen und ihre Dollar-Swap-Linien geografisch stark ausgeweitet und bietet nun auch Entwicklungsländern über diesen Weg einen Zugang zu US-Dollar-Liquidität. Bereits 80 Länder haben zudem den Internationalen Währungsfonds (IWF), gemäß dessen Direktorin Kristalina Georgiewa, um finanzielle Hilfe gebeten. Der supranationalen Institution stehen zur Zeit dafür 1 Billion US-Dollar zur Verfügung. Dieser Betrag muss dringend in Anbetracht der Vielzahl der Hilfegesuche aufgestockt werden.

Auf Ebene der G20-Staaten wurde beim jüngsten virtuellen Sondergipfel ebenfalls über Hilfen für Entwicklungsländer diskutiert – allerdings sehr abstrakt. So sollen Handelsbeschränkungen abgebaut und die Entwicklungshilfe ggf. aufgestockt werden. Dem Rest der Welt sollten die Schwellenländer nicht egal sein. Wenn diese im Zuge der jetzt bevorstehenden Weltrezession noch tiefer in finanziellem Chaos versinken, würde dies für die gesamte Weltwirtschaft einen zusätzlichen Schock bedeuten. Eine schnelle wirtschaftliche Erholung exportorientierte Länder wie Deutschland nach dem Abebben der Pandemie wäre dann unwahrscheinlich.

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Dirk Müller über die dramatischen Folgen der Corona-Krise

„Unser Finanzsystem hat fertig“

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Die Corona-Krise nimmt immer dramatischere Foolgen für die Wirtschaft an – der Einbruch ist heftiger als in der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929, sagt Dirk Müller. Eigentlich sollte „Mr. Dax“ bei einer Finanzmesse auftreten – aber da das aufgrund der Corona-Krise nicht möglich ist, hielt Dirk Müller seinen Vortrag von zuhause aus per Video.

Corona-Krise schlimmer als Weltwirtschaftskrise 1929

Der Crash der Aktienmärkte passierte sogar schneller als in der Weltwirtschaftskrise der Jahre 1929 (und folgende). Und das wird bedeuten, dass da viele Finanz-Player erwischt wurden – daher sind viele Pleiten im Finanzsektor wahrscheinlich, von denen wir in den nächsten Wochen und Monaten erfahren werden. Das gilt auch und vor allem für Banken – Dirk Müller erwartet daher Banken-Pleiten. Wenn aber Banken pleite gehen, werden auch die Gelder auf deren Konten in Gefahr sein, sagt Dirk Müller – denn faktisch ist ein Kontoguthaben bei einer Bank eine Art Kredit, den man der Bank gibt.

Dirk Müller über den Crash des Kreditsystems

„Unser Finanzsystem hat fertig“, so Dirk Müller – wir erleben jetzt einen reset des Systems. Das Coronavirus sei nur der Auslöser für diesen reset – und die Ausrede zugleich, warum eben dieser „reset“ nun vermeintlich nötig sei. Bisher haben die Notenbanken es nicht geschafft, die Märkte zu beruhigen, was aber eigentlich durch das „plunge protection team“ der Amerikaner möglich gewesen, aber eben nicht erfolgt sei, meint Dirk Müller.

Das eigentliche Problem könnten die Notenbanken so oder so nicht lösen, so „Mr. Dax“: den „Credit Crunch„. Alle brauchen nun Liquidität, um Kredite und Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen. Cash ist King im deflationären Schock.

Dirk Müller über die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Gesellschaft

Was fast noch schlimmer ist: die Menschen haben Angst um ihre Jobs und damit um ihre Zukunft. Dazu kommt noch die Angst um die Gesundheit der eigenen Familie – Müller spricht daher von einer so noch nie dagewesenen „Angstkombination“, die massive und bisher unkalkulierbare Auswirkungen auf die psychische Verfassung der Gesellschaft haben dürfte. Es könne daher zu sehr häßlichen Szenen kommen, die wir bisher nicht für möglich halten. Diese „Angstkombination“ in der Gesellschaft verstärke dann die Neigung der Menschen, Sündenböcke zu suchen – vielleicht die Flüchtlinge, die mit der einheimische Bevölkerung etwa um Arztbesuche konkurrieren?

Sehen Sie hier das Szenario von Dirk Müller über die Auswirkungen der Corona-Krise:

Dirk Müller über die Folgen der Corona-Krise

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