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Rezession – Deutschland besser gerüstet als 2008?

Die technische Rezession in Deutschland ist nahezu sicher, aber ist ein Einbruch wie im Jahr 2009 wahrscheinlich?

Wolfgang Müller

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Deutschland schlittert in die Rezession – aus Sicht der deutschen Industrie ist vorerst noch keine Trendwende erkennbar, der Einkaufsmanagerindex war erst am Montag auf ein neues Tief von 41,4 Punkten gefallen. Die technische Rezession in Deutschland ist dadurch nahezu sicher, aber ist ein Einbruch wie im Jahr 2009 wahrscheinlich?

Rezession in Deutschland – eine Übersicht des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes

Noch sind Frühindikatoren wie der Ifo-Index – gerade aktuell bei 94,6 Punkten – noch weit entfernt von den Werten aus dem Jahr der Finanzkrise. Damals lag dieser im Jahresdurchschnitt 2008 bei 92,4 Punkten und 2009 sogar nur bei 85,2 Punkten. Dazu gibt es eine Auswertung des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, der einige Hunderttausend Fimenbilanzen ausgewertet hat, die immerhin in etwa die Hälfte der Umsätze der Unternehmen in Deutschland widerspiegeln. Diese Geldinstitute unterhalten zu 75 Prozent der mittelständischen Unternehmen Geschäftsbeziehungen, der Stütze der deutschen Wirtschaft und können die bisherige Entwicklung recht gut beurteilen. Wer sonst kann über eine solche Datenmenge Auskunft geben?

Aus diesen Berechnungen ergibt sich, dass die deutschen Unternehmen besser gerüstet sind für eine kommende beziehungsweise schon laufende Rezession als vor 10 Jahren.

10 Jahre Umsatz- und Gewinnsteigerung

Seit dem Ende der Finanzkrise 2009 konnten die deutschen Unternehmen, von Produktion, über Dienstleistung, Konsum und Bau, ihren Umsatz um 50 Prozent, die Gewinne aber um 110 Prozent steigern. Durch die Möglichkeit höhere Preise durchzusetzen, stieg auch die Gewinnmarge auf 6,1 Prozent – zum Vergleich 2008, im Jahr vor der großen Krise lag diese bei 4,6 Prozent. Auch wenn man ständig von der Zombiefizierung der Unternehmen liest, die es zweifelsohne gibt, haben viele Firmen die Eigenkapitalquote auf 39 Prozent erhöht, deutlich höher als 2008, wie DSGV-Präsident Helmut Schleweis betont – das bedeutet für ihn, „eine hohe Finanzkraft mit rekordhohen Eigenkapitalquoten und eine starke Ertragsentwicklung in den vergangenen Jahren. Die Bilanzen zeigen, dass die von uns untersuchten Unternehmen in ihrer Gesamtheit besser auf einen möglichen Abschwung vorbereitet sind als 2008.“

Besonders betroffen ist wie damals in der Rezesison auch dieses Mal der Maschinenbau und die Fahrzeugindustrie. Da diese zwei Drittel ihrer Umsätze im Ausland erzielen, sinken die Neuaufträge auch schon seit eineinhalb Jahren. Das ist natürlich dem Umstand geschuldet, dass circa 20 % der Exporte in die USA und nach China gehen, den Zentren des Handelsstreits. Auch wenn man aus der Wirtschaftspresse einen anderen Eindruck gewinnen könnte, die Unternehmen blicken laut der Auswertung recht zuversichtlich in die Zukunft.

Ein Zeichen dafür sei der unverändert hohe Finanzbedarf. „Die starke Kreditvergabe der Sparkassen im Firmenkundengeschäft im ersten Halbjahr 2019 zeigt, dass die Unternehmen entsprechendes Potenzial in ihrem Geschäft sehen, auch aktuell“, urteilt DSGV-Präsident Schleweis.

Der Haken – die gestiegenen Lohnkosten in einer Rezession

So vergaben die 379 deutschen Sparkassen den Unternehmen und Selbstständigen im ersten Halbjahr 2019 gut 44 Milliarden Euro an neuen Krediten zu, davon 31 Milliarden Euro für Investitionen, ein Zuwachs von etwa zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Aber es gibt einen Haken.

Durch kräftige Lohnabschlüsse, dem Fachkräftemangel und auch den guten Auftragszahlen, sind die Löhne und damit der Personalaufwand (Löhne und Sozialabgaben) bis zuletzt auf ein Viertel des Umsatzes gestiegen und damit auf 2 Prozent höher als 2009.

Dieser Anteil dürfte bei einer Rezession noch deutlich nach oben gehen.

Die stärkeren Löhne und Gehälter haben aber auch einen positiven Effekt, denn sie führen zu mehr Konsum und einem stärkeren Binnenmarkt. Auch wenn die Arbeitslosigkeit deutlich ansteigt, aber das ist auch 2009 geschehen. Ein kleiner Gegenpol zur Exportkrise.

 

Fazit

Aus vielen dieser Zahlen über den deutschen Mittelstand wird deutlich, dass in Deutschland nicht der Weltuntergang bevorsteht, auch wenn es zu einer Rezession kommt. Sie wird sicherlich viele Einschnitte verursachen, mit vielen schmerzhaften Anpassungen für die Betroffenen,

Selbst wenn die Verschuldung Deutschland um eine gigantische Billion Euro stiege, dies entspreche dem Gesamtwert der Target2-Salden, würde es die Staatsverschuldung auf circa 85/90 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt anheben, in etwa dem Durchschnitt der Eurozone und weit geringer als auf die aktuelle der USA von mindestens 106 Prozent.

Ein absolutes Negativszenario, aber liegen nicht schon 2,3 Billionen Euro des Geldvermögens der Deutschen von 6,2 Billionen Euro auf nichtverzinslichen Konten? Ein Pleitestaat sieht anders aus.

 

Steht Deztschland nun besser da zu Beginn der Rezession als im Jahr 2009?

Von Dontworry – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3549689

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Helmut Josef Weber

    25. September 2019 09:32 at 09:32

    Wenn nur 5% der Sparer ihr Geld haben wollen, gibt es nicht genug Bargeld, denn europaweit gibt es nur etwa 1,2 Billionen Euro in Scheinen.
    Außerdem sind die Billionen der Sparer zu einem erheblichen Teil an Südeuropäische Staate verliehen, die diese Billionen nie zurückzahlen können/werden.
    Aber wenn nur schon 1% der Sparer der Sparer ihr Geld in Scheinen abholen, wird Merkelchen wieder das Märchen von den sicheren Sparguthaben (zu besten Sendezeit) erzählen.
    Ob es dieses Mal auch wieder geglaubt wird?

    Viele Grüße
    H. J. Weber

  2. Avatar

    Chris

    25. September 2019 10:52 at 10:52

    Bitte mal die implizite Verschuldung hinzurechnen, dann stehen wir hinter vielen westlichen Ländern und haben einen hohen Bevölkerungsanteil, der finanziell keine sechs Monate durchhalten kann.

    Warum sind die linken Parteien Linke, SPD, Grüne, Teile der CDU so erfolgreich mit ihrer Enteignungsfantasien? Ich sehe Parallelen mit dem Erstarken der Linken, dem Kampf der drei großen linken Gruppen um die Zustimmung der verarmende Bevölkerung, wobei der radikalste Sozialist, nämlich Hitler gewann, mit starker Unterstützung aus dem Ausland.

    Die Juden, insbesondere die damaligen deutschen Juden, können wir auch dieses Mal identifizieren, diesmal müssen wir nur die richtigen Begriffe
    einsetzen Nazischweine, Nazischlampen, Miethaie, … öffentlich geäußert von Politikern und Medienbeschäftigten.

    Zerschlagene Fensterscheiben, mit Parolen besprühte Hauswände, Entlassungen, weil man zusammen mit einem „Juden“ gesehen wurde, zusammenschlagen, weil man nicht in einer linken Partei ist, noch hält der linke Block zusammen.

    Zu dem Eigenkapital in den Firmen, dies ist häufig die Alterssicherung der Inhaber. Bei einem Verkauf wird es vollständig herausgezogen und durch einen hohen Anteil Fremdkapital ersetzt. Bei einer Abwicklung direkt vom Betriebs in das Privatvermögen überführt.
    20 % der Firmeninhaber gehen in den nächsten Jahren, auch konjunkturabhängig, in den Ruhestand. Bei einem Abschwung wird dieser vorgezogen.

  3. Avatar

    Hesterberg

    25. September 2019 12:28 at 12:28

    Tja, wenn es nur die 1 Billion EUR aus Target 2 wären, die wir nie wiedersehen und mit denen die Deutschen belastet werden, könnten wir uns noch einigermaßen entspannt zurücklehnen. Wenn aber der EUR auseinander fliegt – und das wird er früher oder später – werden die Deutschen mit weiteren ca. 2 Billionen EUR (Rettungspakete, Staatsanleihen aus den Südländern usw.) belastet werden. Das können wir auch noch stemmen, wird aber mit gigantischen Verlusten für den deutschen Sparer einhergehen, mit Zwangshypotheken auf Immobilien und drastischen Kürzungen der Renten und Sozialleistungen. Wie entspannt die Deutschen dann noch bleiben, wäre abzuwarten.

    • Avatar

      Wolfgang M.

      25. September 2019 13:28 at 13:28

      @Hesterberg. Da haben Sie in einigen Punkten wohl recht. Aber das wird nicht auf einmal kommen. Die Zwangsanleihen nach dem Krieg hatten zum Beispiel eine so lange Laufzeit, dass die Inflation den Aufwand minimierte. Man sieht es auch jetzt an der Mineralölsteuererhöhung. 10 Cent auf mehrere Jahre verteilt und dabei ist das gerade eine Tagesschwankung. Die Grausamkeiten, wie die Enteignung des Sparers, geschehen oft auf Jahre verteilt, damit man es nicht so bemerkt. Man wird es strecken, wie es auch in den Bankrottstaaten geschieht.
      Gruß

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – das Problem mit den aktuellen Zockereien

Redaktion

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Er bespricht die Zockereien der letzten Tage, und warum dies im großen Bild gesehen ein Problem für die Börse ist.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

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Aktien

GameStop: Symptom für Entgleisung der Märkte – wie war das möglich?

Wie war ein Phänomen wie bei der Aktie von GameStop möglich? Eine Spurensuche nach den Ursachen eines erstaunlichen Exzesses!

Wolfgang Müller

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Die Anlegerwelt blickt bestürzt und fasziniert in die USA, auf die Kapriolen von Aktie wie GameStop – dazu auf Small Caps, auf exorbitante Call-Spekulation, auf Schieflagen von Leerverkäufern und Brokern. Ausgelöst nicht durch Big Money, sondern durch viele junge Anleger, die eine unregulierte Seite der Aktienmärkte ausnutzen. Eine Spurensuche nach den Ursachen, was Entwicklungen wie bei der Aktie von GameStop möglich gemacht hat..

Wie war GameStop möglich?

Die Notenbanken

Klar ist die Entwicklung an den Aktienmärkten zunächst einmal den Notenbanken geschuldet. Mit der Eliminierung der Anlageklasse Anleihen, der Verlängerung der Aktienhausse, weil mit sinkenden Zinsen Aktienbewertungen immer mehr relativiert wurden. Vor allem aber durch die besondere Situation einer Pandemie, in der alle Notenbanken an einem Strang ziehen, um eine wirtschaftliche Katastrophe zu verhindern.

Dabei ist doch Fed-Chef Jerome Powell noch einer der Vernünftigeren. Hatte er nicht 2018 viermal die Zinsen angehoben, um Exzesse zu unterbinden – und wie ist er für seinen Kommunikationsgau gemaßregelt worden, als er für 2019 von weiteren Zinsanhebungen und Bilanzreduzierung gesprochen hatte? Wurde er nicht von Donald Trump monatelang in der Öffentlichkeit vorgeführt, als „Dummkopf“ beschimpft, weil er partout nicht die Zinsen stärker senken wollte. Der Ex-Präsident hatte stets ins Felde geführt, dass Deutschland sich verschulden könne und dabei noch Geld verdienen würde. Kurzum: Die Marktteilnehmer haben die Ausnahmesituation an den Kapitalmärkten erkannt und den Aktienboom immer weiter befördert. Es gibt einen „Ocean of Liquidity“. Das ist die erste Voraussetzung für das Phänomen GameStop!

Die kostenlosen Neobroker

Eine sehr wesentliche Ursache für den verstärkten Boom an den Aktienmärkten, speziell durch neue Anlegergruppen, war der Preiskampf der Broker um die Kunden, der schließlich zur Abschaffung der Gebühren geführt hat. Es war die Meldung im Oktober 2019, die die Gebührenschmelze brachte: Charles Schwab hatte als Branchenführer angekündigt, in Zukunft auf Kommissionen für das Geschäft mit US-Aktien, börsengehandelten Fonds (ETFs) und Optionsscheinen zu verzichten. Es folgten weitere Broker wie TD Ameritrade und E-Trade und selbst Fidelity zog für seine 22 Millionen Konten nach. Eine Reaktion auf den Aufstieg von RobinHood, der Boden für das grenzenlose Zocken war bereitet. Wenn ich für kleine Trades keine Gebühren bezahlen muss, kann ich das x-mal am Tag wiederholen.

Einen weiteren Schub gab es für die Retail Investors durch die Möglichkeit, Bruchstücke von Aktien zu kaufen – also die Möglichkeit durch den Broker, Teile einer Amazon-Aktie zu handeln, weil ich keine 3000 Dollar für eine einzelne Aktie aufbringen kann. Dazu noch das Angebot der Depotbeleihung, um auf Kredit zu spekulieren. Ein brutaler Preiskrieg um jeden Kunden hat die Situation eskalieren lassen – die Entwicklung um GameStop ist die Folge solcher Entwicklungen!

Die Pandemie und der Teillockdown

Ich habe bereits am 7. Juli 2020 in einem Artikel geschrieben: Der Lockdown und die damit verbundene häusliche Quarantäne hat eine zweifelhafte Entwicklung losgetreten: Die pandemiebedingte Unterbrechung des US-Profisports und der Ausfall an Sportwetten hat viele Sportzocker zur Börse gebracht. Dazu jene, die früher mit Kryptowährungen gehandelt haben. Man spricht daher von einer „Gamification“ der Geldanlage. Die Börse wurde als Ersatz für Fußball-Wetten oder das Glücksspiel in den geschlossenen Casino ansehen. Das beste Beispiel dafür ist der aus der Sportwettenbranche kommende David Portnoy, der „Anführer“ der RobinHooder. Nun ruft auch er zum „Sturm auf das Kapital“ auf – GameStop sei nur der Auftakt gewesen, so Portnoy.

Ein Teil dieser Entwicklung war auch der staatlichen Unterstützung in der Pandemie geschuldet. Die vielen Schecks, die eigentlich für die Versorgung während der Arbeitslosigkeit gedacht war, wurden von nicht wenigen teilweise zum Zocken genutzt. Unterstützungen von Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden, aber der Gesamtbetrag konnte bis über 4000 Dollar pro Monat ausmachen und damit höher, als es mancher mit seiner reellen Arbeit bringen konnte. Zuletzt waren es die 600 Dollar Schecks, die im Februar noch auf 2000 Dollar aufgestockt werden sollen. Es ist dieses Helikoptergeld, das in Aktien oder Optionen von GameStop fließt.

Die Plattform der sozialen Medien

Wer hätte das gedacht? Dass soziale Medien einmal genutzt werden, um die Großen an der Wall Street zu attackieren.

Wallstreetbets ist so ein Subreddit, auf dem sich Marktteilnehmer austauschen und sich auch zu gemeinsamen Wetten am Kapitalmarkt organisieren. Es laufen auch viele Fehlinformationen, wie eine mehr oder weniger koordinierte Aktion von Trollen auf der Social-Media-Plattform Reddit, die durch ihre Spekulation den direkten Angriff auf die Hedgefonds der Wall Street zum Ziel haben. GameStop war vermutlich erst der Anfang!

Das ist auch ein großer Unterschied zur Dotcom-Blase im Jahr 1999/2000: Die Verfügbarkeit von Informationen und die Vernetzung auf Millionen Geräten, wo sich blitzschnell ein Finanzmob organisieren lässt. Das Smartphone mit all seinen Möglichkeiten war damals noch nicht auf dem Markt. Wenn die Geschichte mit GameStop erledigt ist, kommen dann weitere Angriffe auf Aktien, die sehr „leerverkauft“ sind? Diese Frage hat sich nach den letzten Short Squeezes schon erübrigt. Auch wenn mit einer Firma richtig etwas faul ist und man den Kurs trotzdem nach oben treiben kann. Hatten wir denn in Deutschland nicht eine Firma, die im Visier der Leerverkäufer war und zunächst von der BaFin noch geschützt wurde (Wirecard)?

Die De-Regulierung

Ganz im Gegensatz zur Obama-Regierung, der nach der Finanzkrise eine Reform zur Regulierung der Finanzmärkte veranlasst hatte, wurden die Regularien in der Trump-Ära schrittweise wieder gelockert. Trump sprach ständig von vier Prozent Wachstum, dafür wurden die Steuern radikal gesenkt, Auslandskapital repatriiert, Aktienrückkäufe in großem Maße toleriert und alles gefördert, faktisch und verbal, was die Aktienmärkte befeuerte. So wurde der Boden bereitet für eine Aktienrally, an deren Ende immer Gier einzieht, jeder versucht an der wundersamen Geldvermehrung zu partizipieren, eine Phase für die es viele Namen gibt: Hausfrauenrally, Milchmädchenhausse und weitere.

Ein Thema an den Märkten ist beim Short Selling auch der nackte Leerverkauf, der dazu führen kann, dass die Short Quote auch über 100 Prozent der frei verfügbaren Aktien hinausgehen kann – so wie bei GameStop. Man hatte diese gefährliche Variante der Kurssicherung/Spekulation im Zuge der Finanzkrise zwar verboten, aber nie richtig überwacht, wie es sich in den jetzigen Fällen als Falle erweist.

Fazit

Es ist zweifelsohne ein ganzes Bündel von Ursachen, die zu dieser Spekulationsorgie geführt haben. Auch wenn die Notenbanken mit ihrer Marginalisierung der Zinslandschaft erst die Grundlage für eine lange Börsenphase steigender Notierungen gesorgt haben, wurde die Situation erst dadurch möglich, dass Broker und Marktteilnehmer das Laissez-Faire der Behörden ausgenutzt haben, um Geld zu scheffeln.

Wie kann es sein, dass sich Tausende von Kleinanlegern in Foren verabreden können, um Attacken an den Märkten durch Zocks mit Aktien wie GameStop zu organisieren? Man stelle sich vor JP Morgan, Bank of America und Goldman Sachs würden sich zu konzertierten Aktionen und zu einem bestimmten Zeitpunkt verabreden. Mit ihrer Finanzkraft könnte die Giganten reihenweise Aktien mit niedrigen Nominalwerten zu Pennystocks machen, was extreme Folgen zeitigen würde: Auschluss bei Kapitalsammelstellen, die nicht in Pennystocks investieren dürfen, Abstufungen im Kredit-Rating, kein Zugang zum Kapitalmarkt, Entlassungen, Pleite. Verbotene Marktmanipulationen stehen stark unter Strafe.

Ist es bei Privaten „uncharted territory“? Nicht mehr lange, denn das dürfte Schule machen, sich die Volumen erhöhen und auch im Ausland probiert werden. Auch wenn sich zunächst einige darüber freuen, wenn es der Hedgefonds-Branche etwas ans Leder geht, sie mit gleichen Waffen geschlagen werden. Aber es ist organisiertes Frontrunning, Pump&Dump – und damit Marktmanipulation. Ein Fall für die Regulierungsbehörden, für die SEC. Diese hat mit Gary Gensler einen neuen Chef, anscheinend ein „harter Hund“. It’s your job, Mister Gensler!

Wie war ein Phänomen wie bei der Aktie von GameStop möglich?

By BentleyMall – Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=25399096

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Aktien

Aktienmärkte: Alle Gewinne futsch – heute neuer Short-Squeeze? Videoausblick

Markus Fugmann

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Die Gewinne der amerikanischen Aktienmärkte (S&P 500, Dow Jones) seit Jahresbeginn sind durch den gestrigen Abverkauf futsch! Auslöser des Abverkaufs der amerikanischen Indizes wiederum war ein durch die Bubble-Boomer ausgelöster Short-Squeeze, der Hedgefunds zum Verkauf bestehender Long-Positionen zwang. Es ist schon paradox: durch einen Short-Squeeze kommen Long-Positionen und damit die Aktienmärtke insgesamt unter Druck – und für heute haben die Buuble-Boomer die nächste Attacke auf die Hedgefunds angekündigt! Kommt heute eine Erholung, weil die Zahlen vor allem von Apple doch eigentlich gut waren? Kurzfristig sind die Märkte überverkauft – aber es dürfte ziemlich volatil zugehen. Der Fokus wieder auf Aktien wie Gamestop, Nokia und anderen „Kursraketen“..

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