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Deutsche Bank stößt Zockergeschäfte ab – und wirbt gleichzeitig mit Protzprojekt

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Die Deutsche Bank leitet den „großen“ Kulturwandel“ im Haus ein (unsere Formulierung), der jahrelang schon überfällig war. Im Juli fiel der Startschuss für das Großreinemachen. Das Investmentbanking, wo angeblich die Goldesel sitzen, die High Performer und High Potentials, hat den Laden jahrelang nach unten gezogen. Top-Gehälter für desaströse Leistungen. Damit soll grundsätzlich Schluss sein. Und wie beseitigt man solche Probleme strukturell am Besten? In dem man komplette Geschäftsbereiche entweder ganz dicht macht oder verkauft.

Deutsche Bank verkauft Zockergeschäfte an Franzosen

Die Deutsche Bank hat sich für letztere Variante entschieden. Erst am Montag gab man bekannt Geschäfte mit Hedgefonds und den elektronischen Aktienhandel an die BNP Paribas zu verkaufen. Auch die Mitarbeiter dieser Sparten wechseln zu den Franzosen. Hier die Deutsche Bank im Wortlaut:

BNP Paribas und die Deutsche Bank haben eine Vereinbarung unterzeichnet, um die Kunden im Geschäft mit Hedgefonds (Global Prime Finance) und im elektronischen Aktienhandel (Electronic Equities) der Deutschen Bank weiterhin zu bedienen. Dies entspricht der bereits im Juli mitgeteilten gemeinsamen Absicht der Banken. Gemäß der Vereinbarung wird die Deutsche Bank das Geschäft weiter betreiben, bis die Kunden an BNP Paribas übertragen werden können. Die beiden Banken werden eng zusammenarbeiten, um für die Kunden einen nahtlosen Übergang sicherzustellen. Dabei wird die Deutsche Bank Technologie und Mitarbeiter an BNP Paribas übertragen. Die Vereinbarung ist verbindlich, die zuständigen Aufsichtsbehörden müssen ihr jedoch noch zustimmen. „Ich freue mich sehr über diese Einigung, die durch die enge Zusammenarbeit zwischen BNP Paribas und Deutscher Bank zustande kam“, sagte Yann Gérardin, Stellvertretender COO und Leiter des Geschäfts mit Firmenkunden und institutionellen Kunden bei BNP Paribas. „Wir freuen uns nun darauf, die Mitarbeiter zu begrüßen und unsere neuen Kunden zu bedienen. Diese Einigung zeigt, wie viel Wert BNP Paribas auf das Geschäft mit institutionellen Investoren weltweit legt.“

Werbung für Protzprojekt – da war doch mal was in Las Vegas

Während die Deutsche Bank also Teile des Kapitalmarktgeschäfts an die Franzosen abgestoßen hat, ist man im Markt für Großkredite für Gigantomanie-Projekte weiter aktiv. Sie haben sicher in den letzten Monaten vom Projekt Hudson Yards in New York gehört? Ein großes Bauareal in Manhattan, auf dem 15 Wolkenkratzer, Luxusgeschäfte etc hochgezogen wurden, und immer noch werden. Ein Projekt im Gesamtvolumen von 25 Milliarden Dollar. In New York selbst ist das ein hochumstrittenes Projekt, weil es die Preise am Wohnungsmarkt noch weiter nach oben ziehen dürfte, wie ein Sog – so darf man es zumindest aus Kritikersicht betrachten. Der normale New Yorker mit einem „normalen“ Gehalt braucht so ein Protzprojekt in Zeiten explodierender Mieten wohl überhaupt nicht. Und ob wirklich so ein Riesenbedarf an neuen Büroflächen und Millionärs-Wohnungen vorhanden ist? Schließlich steigt der Leerstand aufgrund zahlreicher Neubauten in New York gerade stark an. Und die Kritik an den Hudson Yards ist auch massiv, weil die öffentlichen Hilfen für das Projekt unter anderem durch Steuernachlässe für die Bauherren sich auf 6 Milliarden Dollar belaufen sollen.

Aber gut. Man muss auch sehen, dass die Hudson Yards als Gesamtprojekt schon im Jahr 2012 gestartet wurde, und erst in 2024 abgeschlossen sein soll. Aber ein großer Teil davon ist schon fertig. Und was hat die Deutsche Bank damit zu tun? Auf einer eigens dafür erstellten Promotion-Webseite wirbt die DB stolz damit, dass man von den 25 Milliarden Dollar einen Anteil von 4,5 Milliarden Dollar in Form von Krediten beigesteuert hat. Als Partner dieses Projekts schaltet man sogar im Internet Werbeanzeigen, welche auf diese Promotion-Webseite verweisen. Ob Herr Sewing hier und heute den Einstieg in so ein Projekt genehmigt hätte, welches ja schon vor Jahren begonnen wurde? Was wird aus diesem Mega-Projekt in der nächsten großen Krise? Das kann man vor allem als Außenstehender natürlich nicht beurteilen. Aber ist es so besonders clever, dieses Projekt so exponiert in der Öffentlichkeit zu promoten als Kreditgeber? Stolz hebt die DB hervor, dass man zu den wenigen Banken zähle, die bei Gewerbeimmobilien nahezu jede Art von Finanzierung biete. Tja, hat es vielleicht einen Grund, dass viele andere Banken keine Milliarden-Summen in solche Projekte stecken?

Beobachter des US-Immobilienmarkts erinnern sich da nämlich noch gut an ein Mega-Fiasko der Deutschen Bank in Las Vegas, das im Jahr 2014 sein Ende fand. Man hatte in den Boomjahren (da sind wir ja jetzt auch wieder) in einen riesigen Casino-Komplex als Kreditgeber investiert. Bei 3,9 Milliarden Dollar Kosten konnte man 2014 noch 1,26 Milliarden Euro erlösen, weil man das „Cosmopolitan“ an einen Immobilienfonds verkaufte. Ursprünglich nur Kreditgeber, wurde die die DB zum Eigentümer des Projekts, weil der Bauherr in Schwierigkeiten geriet. Damals hieß es, dass die Bank nicht zum Kerngeschäft gehörende Positionen abbaue, was den Aktionären zugute komme. Aber gut, das ist die Vergangenheit. Nun ist die DB in den Hudson Yards groß engagiert, als Kreditgeber. Dann hoffen wir mal auf eine hohe Belegungsquote in diesen 15 Wolkenkratzern, auf eine weiter boomende Immobilienbranche und Gesamtkonjunktur in New York, und alles wird gut?

Hudson Yards in New York - die Deutsche Bank ist mit an Bord
Hudson Yards in New York. Foto: Tdorante10 CC BY-SA 4.0

Ein Kommentar

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  1. Avatar

    frank

    25. September 2019 11:31 at 11:31

    was ist verkehrt daran? Kreditvergabe, das ureigene Geschäft einer jeden Bank. Dazu noch in Manhattan, das ist ein sehr sicheres Pflaster.

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Künstliche Intelligenz: Das müssen Sie über den Megatrend wissen

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Lieber Börsianer,

wir sind schon heute praktisch täglich von Anwendungen der Künstlichen Intelligenz (KI) umgeben. Besonders verbreitet sind diese Anwendungen im Internet. So entscheidet intelligente oder smarte Software, welche Werbung wir im Internet sehen. Auch die Sprachassistenten Alexa (Amazon) und Siri (Apple) sind bereits künstlich intelligent und können menschliches Verhalten nachahmen. Mittlerweile können diese Geräte sogar begrenzt menschliche Gefühlsäußerungen wie Sympathie oder Enttäuschung nachahmen.

Das ist die Definition: KI befähigt unterschiedlichste Software, menschliches Denken und Verhalten nachzuahmen. Außerdem erkennt eine smarte Software stets wiederkehrende Muster und lernt daraus (Machine Learning). Von ganz besonderer Bedeutung wird KI natürlich für die Autobranche. Denn der Selbstfahrer bzw. das Roboter-Auto ersetzt den menschlichen Autofahrer durch eine eigene Steuerung. Die Anforderungen hier sind extrem. Vor allem dann, wenn die Steuerung in einer Grenzsituation in Bruchteilen von Sekunden entscheiden soll. Der Markt für KI-Anwendungen ist also sehr komplex und gegenwärtig noch recht unübersichtlich. Folglich tummeln sich in diesem Marktsegment nahezu alle Größen der Internet- und Software-Branche, als da wären…..

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Deutsche Wohnen mit Neunmonatszahlen und Aussage zum Berliner Mietendeckel

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Die Deutsche Wohnen hat ihre Zahlen für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres veröffentlicht. Hier die wichtigsten Eckdaten.

Die Vertragsmieten liegen bei 622,5 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum 585). Der operative Gewinn liegt bei 416,3 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum 369,2). Der Ausblick für das Gesamtjahr 2019 wird bestätigt.

Die durchschnittliche Miete pro Quadratmeter liegt bei 6,82 Euro nach 6,55 Euro im Vorjahr. In Berlin liegt der Schnitt bei 6,83 Euro. Aber laut Deutsche Wohnen laufe der Gesetzentwurf in Berlin auf einen Maximalwert von 6,20 Euro hinaus. Man erwarte durch den Berliner Mietendeckel hohe Einbußen. Die Detaildaten zeigen auch: Die Deutsche Wohnen nennt 166.573 Wohnungen ihr Eigen. Davon befinden sich 115.791 Wohnungen im Großraum Berlin. Da also die überwiegende Zahl davon auch direkt innerhalb der Berliner Stadtgrenzen liegen dürfte, bleibt Berlin der Hauptmarkt für das Unternehmen. Hier das Statement des Unternehmens zu dem wohl entscheidenden Themenkomplex:

Die Bestrebungen die Mieten in Berlin gesetzlich zu deckeln beziehungsweise zu reduzieren, haben sich zunehmend konkretisiert. Das Inkrafttreten eines Gesetzes wird für das erste Quartal 2020 erwartet. Das Gesetz soll dann rückwirkend zum 18. Juni 2019 gelten. In Übereinstimmung mit vielen Rechtsgutachten und Stellungnahmen (u.a. Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages sowie des Berliner Abgeordnetenhauses) gehen wir davon aus, dass das geplante Gesetz zum Mietendeckel verfassungswidrig ist. Die sich daraus ergebende Rechtsunsicherheit wird die Deutsche Wohnen entsprechend in ihrer Mietvertragsgestaltung berücksichtigen. Auch werden in Berlin geplante, bislang noch nicht bei den Mietern beziehungsweise Bezirken angekündigte Sanierungsmaßnahmen sowie Neubauinvestitionen in Höhe von knapp EUR 1 Mrd. vor dem Hintergrund des Mietendeckels einer Prüfung unterzogen.

Der folgende Chart zeigt die Kursentwicklung der Aktie in den letzten 12 Monaten. Nach dem Kursabsturz im Sommer hält sich die Aktie auf einem konstanten Niveau. Wird der Berliner Mietendeckel in Karlsruhe überhaupt Bestand haben? Das wäre die Möglichkeit für eine heiße Wette auf Aktien der Vermietungskonzerne?

Deutsche Wohnen Aktie Kursverlauf

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Continental: 2 Milliarden Euro Verlust in drei Monaten – schwacher Ausblick für Weltmarkt

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Der Autozulieferer Continental hat heute seine Quartalszahlen vorgestellt. Hätte man nicht mehrmals in den letzten Monaten und zuletzt am 22. Oktober per ad hoc-Mitteilung auf diese Zahlen vorbereitet, wäre die Reaktion an der Börse heute wohl negativer ausgefallen.

Der Umsatz liegt bei 11,1 Milliarden Euro (Vorjahresquartal 10,79). Der Verlust (!) liegt bei 1,99 Milliarden Euro (Vorjahresquartal +626 Millionen Euro). Die Aktie verliert heute nur 1,7%. Schaut man auf den zwölf Monate zurückreichenden Chart, so hat sich die Conti-Aktie unterm Strich noch gut gehalten. Denn im Verlauf des Jahres gab es bereits mehrere Umsatz- und Gewinnwarnungen. Conti zu den aktuellen Zahlen:

„Dank unserer weltweit nachgefragten Systeme und Lösungen konnten wir unseren Umsatz im dritten Quartal stabil halten, trotz des weiterhin rückläufigen Marktumfeldes. Die aktuelle Situation verlangt von uns, unsere Wettbewerbsfähigkeit dauerhaft zu erhöhen. Mit unserem weltweiten Strukturprogramm ‚Transformation 2019 – 2029‘ ergreifen wir dafür konsequent die erforderlichen Maßnahmen. Dies ist ein herausfordernder, aber notwendiger Prozess zur Sicherung unserer Zukunftsfähigkeit. Wir gehen die sich abzeichnende Krise in der Autoindustrie damit offensiv an und werden wie vor zehn Jahren aus ihr ein weiteres Mal gestärkt hervorgehen“, sagte Dr. Elmar Degenhart, Vorstandsvorsitzender von Continental. Für das laufende Geschäftsjahr bestätigte Degenhart die im Juli 2019 angepassten Jahresziele. „Wir halten an unserer Prognose für das laufende Geschäftsjahr fest. So rechnen wir zum Jahresende mit einem Umsatz von rund 44 bis 45 Milliarden Euro sowie einer bereinigten EBIT-Marge von rund 7 bis 7,5 Prozent.“+

Den Ausblick für die weltweite Autokonjunktur in den nächsten Jahren sieht man bei Continental recht ernüchtert. Viel Potenzial scheint nicht vorhanden zu sein. Zitat:

Die Automobilindustrie sieht sich derzeit weltweit einem, stark rückläufigen Marktumfeld ausgesetzt: „Die Produktionsvolumina haben sich deutlich verringert. Dieses Jahr werden weltweit voraussichtlich unter 90 Millionen Fahrzeuge produziert werden. Im Vergleich zu den Marktannahmen von vor zwei Jahren sind das mehr als 10 Millionen Fahrzeuge weniger“, erläuterte Schäfer. „In den kommenden fünf Jahren rechnen wir ähnlich wie andere Marktteilnehmer nicht damit, dass sich die weltweite Produktion wesentlich beleben wird“, fügte er hinzu. Mit Blick auf das nächste Jahr sagte Schäfer: „Im besten Fall sehen wir in 2020 weltweit eine Seitwärtsbewegung der Automobilproduktion.“ Es sei aber ebenso gut möglich, dass es auch im kommenden Jahr und damit im dritten Jahr in Folge zu einem Rückgang der weltweiten Produktion von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen kommen könne. Der Rückgang der Produktion von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen im dritten Quartal lag in China bei über 5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal, während sich Europa und Nordamerika annähernd stabil im Vergleich zum Vorjahresniveau entwickelten.

Continental mit Quartalszahlen

Continental Aktie in den letzten 12 Monaten

Continental
Foto: © Continental AG

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