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Robinhood geht an die Börse – Vorsicht ist geboten!

Trader zocken sehr aktiv über ihre Smartphones bei Robinhood

Der US-Broker Robinhood geht an die Börse. Gestern hat man dazu Details veröffentlicht. Aber bevor wir darauf näher eingehen, erstmal ein paar Schritte zurück. Der Anbieter gilt quasi als Vorreiter für gebührenfreie Broker in Deutschland wie Trade Republic. Im Zuge der Coronakrise, wo Millionen Amerikaner zuhause saßen, stürmten sie die Börse. Und da Broker wie Robinhood wie gesagt auf Gebühren für Trades verzichten, war das gerade für Privatanleger mit ganz kleinem Geldbeutel attraktiv, da bislang Tradinggebühren die Taschen der Trader geleert haben bei ständigem Hin und her. Und so zog Robinhood in Windeseile Millionen neuer Privatkunden an.

Fragwürdige Geschäftspraktiken bei Robinhood

Dann kam Anfang diesen Jahres der Mega-Hype um Gamestop und AMC, und Robinhood war damit überfordert. Zeitweise musste der Handel mit einigen Highflyer-Aktien ausgesetzt werden, und unzählige Trader verloren Geld. Aber da ließ sich nichts machen, denn jeder Broker und jede Bank sichert sich in seinen AGB ab gegen Probleme „höherer Gewalt“ und sonstige unvorhergesehenen Probleme. Auch gilt als anrüchig, dass Robinhood seine Trades an Hedgefonds wie Citadel weiterleitet und dafür Geld bekommt („Payment for Order Flow“). Im letzten Dezember musste Robinhood 65 Millionen Dollar Strafe zahlen, weil man zwischen 2015 und 2018 sein Geschäftsmodell nicht hinreichend klar erläutert hatte, und weil Kundenaufträge auch zu schlechten Konditionen ausgeführt worden, obwohl den Kunden das Gegenteil versprochen wurde.

Jetzt hat die US-Aufsichtsorganisation Finra gegen Robinhood mit insgesamt 70 Millionen Dollar die höchste jemals verhängte Strafe verhängt. Es geht um Systemausfälle bei dem Anbieter, währenddessen unzählige Kunden nicht hätten handeln können und viel Geld verloren. Robinhood habe seine Sorgfaltspflichten vernachlässigt und Millionen Kunden in die Irre geführt und geschädigt. Auch laufen derzeit Sammelklagen von Kunden gegen Robinhood. Wegen technischer Pannen im Trading sahen sich Kunden behindert, und werfen dem Broker Fehler bei der Orderausführung vor. Andere Klagen gegen Robinhood laufen bezüglich angeblicher Verletzungen treuhänderischer Vertragspflichten zum Nachteil von Kunden. Es bestehen also Risiken, dass weitere Strafzahlungen auf Robinhood zukommen.

Robinhood geht an die Börse

Robinhood geht laut eigener Mitteilung bald selbst an die Börse mit dem Tickersymbol „HOOD“. Wird das der Mega-Hype? Immerhin ist der Anbieter der angesagteste Broker in den USA seit gut zwei Jahren. Aber halt. Man denke ein paar Wochen zurück an den Börsengang von Coinbase, der größten Kryptoplattform in den USA. Seit dem ersten Handelstag am 14. April, als die Erstnotierung bei 381 Dollar lag, ist die Aktie bis jetzt auf 241 Dollar gefallen. Die Aktie hat sich ziemlich müde entwickelt. Von Euphorie ist schon ab dem ersten Handelstag nichts mehr zu sehen.

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Wird es Robinhood ähnlich ergehen? Wie auch bei Coinbase ist das Umsatzwachstum richtig gut. Der Broker hat gestern Zahlen veröffentlicht, um den potenziellen Anlegern einen genaueren Einblick in das Geschäftswachstum geben zu können. Der Firmenumsatz stieg von 2019 auf 2020 von 277 auf 958 Millionen Dollar. Der Verlust von 106 Millionen Dollar in 2019 verwandelte sich 2020 in einen Gewinn von 7 Millionen Dollar. Interessant: Im ersten Quartal 2021 machte Robinhood einen Umsatz von 522 Millionen Dollar und einen Verlust (!) von 1,4 Milliarden Dollar! Der angepeilte Börsenwert von Robinhood liegt bei 40 Milliarden Dollar. Laut Wall Street Journal will Robinhood mit einem Anteil von 35 Prozent besonders viele der ausgegebenen Aktien an Privatanleger verteilen.

Laut Zerohedge würden Insider planen die Aktie von Robinhood schon am ersten Tag runterzudrücken. Aber bei genauem Hinsehen geht es wohl nicht um einen Plan, sondern um eine Möglichkeit. Mitarbeiter und Führungskräfte von Robinhood im Besitz von Aktien hätten die Möglichkeit gleich ab dem ersten Tag der Notierung einige Anteile zu verkaufen, was eine Abkehr von sonst üblichen Haltefristen von 6 Monaten sei. Damit verhindert man üblicherweise, dass zu viele Altaktionäre gleich nach dem Börsengang viele ihrer Aktien auf den Markt werfen, was den Kurs belasten würde. Ist genau dieser Umstand diesmal ein Problem für die Robinhood-Aktie?

Ähnlich wie bei Coinbase ist das Wachstum bei Robinhood in der Tat beeindruckend, was natürlich für die Aktie spricht. Alleine im ersten Quartal diesen Jahres wuchs die Kundenzahl von 12,5 auf 18 Millionen. Das Volumen an Kundeneinlagen kletterte zuletzt im Jahresvergleich von 19,2 auf 81 Milliarden Dollar. Aber nochmal: Das Beispiel Coinbase sollte Mahnung genug sein. Dazu die unzähligen Rechtsstreitigkeiten und der möglicherweise schon ab dem ersten Handelstag startende Verkauf von Aktien durch Insider – solche Aspekte hängen wie ein Damoklesschwert über der Aktie.



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1 Kommentar

  1. Yeah !!
    To the moooooon ! :-)

    Die big boys woll’n so’n Quatsch nicht haben, die kaufen lieber „den Service“ von dem der gerade am Markt ist.

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