Märkte

Rohstoffe: Warum steigt Kupfer nicht stärker? Doch kein Boom?

Ist der Preis für Rohstoffe wie Kupfer ein Hinweis darauf, dass die Märkte doch nicht mit so einem opulenten Wachstum in diesem Jahr rechnen?

Rohstoffe: Dr. Copper als Signal

Die Rohstoffe sind derzeit schwer im Gespräch an den Börsen, Ausdruck eines kommenden Wirtschaftsaufschwungs, aber auch ein Warnsignal für eine Phase der Inflation. Auf Jahressicht schießen Bauholz (Lumber), aber auch Öl und Gas in die Höhe. Auch das rote Metall, welches in vielen Bereichen unersetzlich ist, Kupfer, dessen Bedeutung in Zukunft noch erheblich zunehmen könnte.

Rohstoffe: Infrastructure and Clean Energy

Hinter diesen englischen Begriffen verbirgt sich das neueste Konjunkturprogramm der USA „Build Back Better“, deren neuer Präsident einen wahren Paradigmenwechsel zu seinem Vorgänger eingeläutet hat. Zurück ins Pariser Klimaabkommen, weg von fossilen Brennstoffen und hin zu erneuerbaren Energien. Dabei muss Kupfer eine große Rolle spielen, angesichts der vielen Anwendungsbereiche des konjunkturellen Frühindikators, Dr. Copper genannt. Einige Analysten bezeichnen das Metall bereits „investmenttechnisch“ als das neue Öl.

Das Programm des neuen Präsidenten umfasst Investitionen von Hunderten Milliarden Dollar zur Modernisierung von Straßen, Brücken, Flughäfen, Stromnetzen, Schulen, Elektromobilität und eben auch in erneuerbare Energien.

Deshalb auch Milliarden Dollars an Investitionen in Windparks, um Zehntausende Haushalte mit Strom zu versorgen, also jede Menge an Leitungen im riesigen Flächenstaat USA.

Die Preisanstiege bei Rohstoffen auf Jahressicht

In einem aktuellen Tweet von Charlie Bilello wird die Renaissance der Rohstoffe seit einem Jahr überdeutlich:

Natürlich beschränkt sich das Thema erneuerbare Energien und Elektromobilität nicht nur auf die USA, man denke nur an die politischen Zeichen in Deutschland, wo es ab Oktober noch einmal einen Schub in Richtung Decarbonisierung geben könnte.

Apropos Elektromobilität: Allein schon der Aufbau unzähliger Ladestationen und die Produktion von Millionen Elektroautos in der nahen Zukunft müssten dem Kupferpreis ständig Auftrieb verleihen. Experten zufolge liegt der Gewichtsanteil von Kupfer in einem Verbrenner bei 23 Kilogramm, bei Elektromobilen über 80 Kilogramm.

Demzufolge ist der Preisanstieg von Kupfer auf 9400 Dollar pro Tonne nicht einmal besonders spektakulär, der Rekord von 10.000 Dollar stammt aus dem Februar 2010.

Und wie stark soll die Weltwirtschaft 2021 wachsen? Epochale sechs Prozent, die Wirtschaftsnation Nummer eins gar 6,5 Prozent und die Nummer zwei gleich um 8,5 Prozent.

Analysten der Bank of Amerika sprechen von einem Nachfrageschub für Kupfer um 4,7 % im Jahre 2021. Ist das nicht ein bisschen wenig angesichts der großen Wirtschaftsaussichten für Dr. Copper, dem zuverlässigsten Frühindikator für die Industrie?

Backwardation bei Kupfer an den Terminmärkten

Kupfer wird wie andere Rohstoffe natürlich an den Terminmärkten gehandelt, mittels Terminkontrakt mit fester Laufzeit, der nach dem Auslaufen in einen anderen gewechselt werden muss. Dabei entstehen Rollverluste, da die länger laufenden Verträge zumeist teurer gepreist werden, als die näher am aktuellen Spotpreis liegenden (Contango genannt). Derzeit ist die Situation aber eine andere. Die kürzer laufenden Kontrakte sind teurer als die länger laufenden (Backwardation), was angesichts des erwarteten Aufschwungs, begleitet von allerlei Konjunkturprogrammen, seltsam erscheint.

Fazit

Die Verdoppelung des Preises beim Industriemetall Kupfer seit dem tiefen Tal der Tränen im Jahr 2020 zeigt, dass die Weltwirtschaft sich auf Erholungskurs befindet. Aber besonders spektakulär ist ein Preis von 9400 Dollar aber nicht, angesichts des Beginns eines elektrischen Zeitalters und einer Wachstumsperiode, die es in dieser Dynamik seit 40 Jahren nicht mehr gegeben hat – den großen Prognosen zufolge. Im Jahr des letzten Kupferhochs 2010 betrug das Weltsozialprodukt 66 Billionen Dollar, in diesem Jahr soll es auf 91 Billionen Dollar steigen. Aus dieser Sichtweise ist der Preis für Dr. Copper auch nicht besonders hoch. Sollte dies ein Hinweis sein, dass die Märkte doch nicht mit so einem opulenten Wachstum in diesem Jahr rechnen, wenn mit Kupfer einer der wichtigsten Rohstoffe nicht stärker haussiert?

Und könnte die Inflation tatsächlich nur vorübergehend in die Höhe schießen – „transitory“, wie es die Notenbanken diesseits und jenseits des Atlantik stets betonen?



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1 Kommentar

  1. Schon gewaltig diese Preissteigerungen. Wenn man denkt,dass fast jedes Produkt einen Bezug zum Erdöl hat, entweder als Grundmaterial in der Herstellung oder im Transport als Energiespender so kann man sagen, DIE KETCHUP- FLASCHE ist kurz vor dem Erguss.Entweder müssen die Kosten auf die Produkte schlagen oder die Margen sinken oder beides.Jetzt gibt es Oekognomen die Inflation als temporär sehen und es gibt Oekognomen die Gewinnzuwachs der Firmen sehen.Da beides nicht möglich ist sollten sie vielleicht aus ihrem Titel den Oekonom weglassen und da bleibt halt nur noch DER GNOM.Ganz witzige Firmen werden die Löhne senkenden gibt es wenigstens keine Teuerung! !

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