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Rundfunkbeitrag Erhöhung auf 18,36 Euro – für Journalistenverband viel zu wenig!

Redaktion

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Läuft nichts? Sie gucken nichts? Rundfunkbeitrag zahlen müssen Sie trotzdem

Hat der Journalistenverband „DJV“ jemals die Werbekunden dazu aufgefordert, den privatwirtschaftlich organisierten Medien mehr Geld für Werbebanner auf Webseiten zu überweisen, damit die Onlinemedien ihren Redakteuren höhere Gehälter zahlen können? Davon haben wir bisher nichts gehört. Aber für die Redakteure der Öffentlich Rechtlichen Rundfunkanstalten (ARD, Dritte Programme, ZDF, Deutschlandfunk) reißt sich der DJV offenbar Arme und Beine aus. Aber worum geht es? Seit Kurzem ist bekannt, dass das Aufsichtsgremium KEF, welches den Bundesländern Empfehlungen gibt wo der Rundfunkbeitrag festgesetzt werden sollte, demnächst eine Empfehlung für eine Gebühr von monatlich 18,36 Euro geben wird (bisher 17,50 Euro). Also wäre das eine Erhöhung um 86 Cents pro Monat.

Für den Journalistenverband, der sich hier offenkundig für die kleinen Angestellten bei ARD, ZDF und Co einsetzt (das ist aller Ehren wert), ist das viel zu wenig. Kein Witz… der Verband spricht sogar davon, dass dies für die Bürger zwar eine Erhöhung im Rundfunkbeitrag darstellt, aber für die Sender wäre diese Erhöhung sogar ein Rückschritt. Ja, kein Witz. Warum kann eine Erhöhung von 86 Cent pro Monat ein Rückschritt sein? Da lassen wir der Verband mal lieber mit seinen eigenen Worten sprechen. Zitat:

Der Deutsche Journalisten-Verband fordert eine angemessene Erhöhung des Rundfunkbeitrags für die öffentlich-rechtlichen Sender. Die Steigerung müsse deutlich über der von der KEF offenbar geplanten Erhöhung um 86 Cent pro Monat liegen, fordert DJV-Bundesvorsitzender Frank Überall. „86 Cent sind nur für den Verbraucher mehr, nicht jedoch für die Sender. Die angebliche Steigerung ist nichts anderes als die Festschreibung des Status quo, was unter dem Strich wegen der Kostensteigerungen ein Minus ist.“ Die Sender finanzierten sich derzeit aus dem monatlichen Beitrag in Höhe von 17,50 Euro und weiteren 85 Cent aus Rücklagen, die nach der Umstellung auf den Rundfunkbeitrag entstanden seien. „Unter dem Strich bedeutet die KEF-Empfehlung einen Cent mehr pro Monat – das ist ein Witz.“ Von der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der öffentlich-rechtlichen Sender sei zu erwarten, dass sie unabwendbare Kostensteigerungen berücksichtige, die die Erfüllung des Rundfunkauftrags mit sich bringe. „Die Redaktionen wie die Sender insgesamt arbeiten bereits am Limit, zum Beispiel über prekäre Beschäftigungsverhältnisse“, so der DJV-Vorsitzende. „Ein Einfrieren des Finanzaufkommens auf weitere Jahre würde sich negativ auf die Programme auswirken.“

Man sieht es in den Worten des DJV, die fast klingen wie die Worte der ARD-Offiziellen. Gibt es nicht genug Geld, muss wohl die Programmqualität eingeschränkt werden. Unser Kommentar zu den prekären Beschäftigungsverhältnissen in den Redaktionen: Wenn ARD und ZDF es mit mehr als 8 Milliarden Euro Einnahmen aus dem Rundfunkbeitrag pro Jahr nicht schaffen anständige Gehälter zu zahlen, werden sie dies auch nicht hinbekommen, wenn der Rundfunkbeitrag auf 19 oder 20 Euro steigt. Wir meinen: Diese Drohkulissen und vor allem Jammerei (Ausspruch ARD-Chef „Wir drehen schon jeden Cent um“) sollen nur bewirken, dass immer mehr Geld fließt. Mehr, mehr, mehr. Ach übrigens: Die Tagesschau hat sich gerade erst für 15,7 Millionen Euro ein eigenes Gebäude hinstellen lassen. Man gönnt sich ja sonst nichts.

16 Kommentare

16 Comments

  1. Avatar

    Torsten

    22. November 2019 16:59 at 16:59

    Ja, ich mag den öffentlichen Rundfunk und Fernsehen.

    Aber ich mag nicht das sich der öffentliche Rundfunk und Fernsehen ständig erweitert. Wir brauchen weniger aber qualitativ gutes Programm und am besten komplett ohne Werbung. ARD und ZDF haben sich nicht an den privaten zu orientieren sondern an den Bildubgsauftrag. Die täglichen Quizsendungen sind kein Bildungsauftrag.

    Ein Beitrag von 15€ reicht völlig aus!

    Folgende Programmstruktur 7 Sender wäre mein Vorschlag:
    ARD 1
    ARD 2 ( Programmgestaltung durch Landesmedien )
    ZDF
    3SAT
    ARTE
    KIKA
    DOKU ( PHOENIX, Tagesschau24 u.ä.)

    Starke Reduzierung der Landesmedienanstalten der ARD auf kleine Büros.

    Und das ein Chef von MDR, WDR, NDR mehr verdient als die Bundeskanzlerin ist doch ein Witz und völlig abgehoben!

    Wenn es keine echte Reform gibt werden irgendwann die Kräfte gewinnen die den Öffentlichen TV/Rundfunk komplett abschaffen wollen.

    • Avatar

      Shong09

      22. November 2019 18:51 at 18:51

      15€, sind Sie verrückt?
      Wo wollen Sie denn das ganze Geld verbrennen oder vergraben, wenn Sie die Senderanzahl auf 7, das Programm auf Qualität und die Gehälter auf Normalniveau stutzen wollen?

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    Macwoiferl

    22. November 2019 17:02 at 17:02

    DJV eben.
    Der ist ohnehin ein willfähriger Steigbügelhalter des Systems.
    Merkels Wauzitruppe ist hier organisiert: Schönschreiberlinge, Berliner Zeilendirnen und Silbenknechte.
    Vor vielen Jahren schon ausgetreten aus diesem „Club“
    Ich bereue seither nicht eine Minute!

    • Avatar

      Torsten

      22. November 2019 17:30 at 17:30

      Ja ja das „System“ bla bla bla – andere Ländern würden sich freuen soetwas zu haben

  3. Avatar

    Michael

    22. November 2019 22:45 at 22:45

    Jeder glotzt fleißig die Öffentlichen und regt sich gleichzeitig und regelmäßig über 17,50 pro Monat und die zusätzlichen 86 Cent auf. Man fordert Rundfunkdeckel und Rundfunk-Preisbremse.

    86 EUR Erhöhung pro Monat, also das 100fache, an Mieterhöhung sind gleichzeitig ok und wünschenswert. Bei Neuvermietung gerne das 400fache. Monster-SUV als Erstwagen, normaler SUV als Zweitwagen, Audi A6 Sportback für den Sprössling, der erfolgreich das Abitur mit 3 Minus bestanden hat. Drei Urlaube pro Jahr per Flugzeug oder Wohnmobil, da muss man schon mal an den richtigen Stellen sparen und auf Revoluzzer machen.

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      Petkov

      23. November 2019 13:22 at 13:22

      Wie kommst du denn darauf, dass jeder die ÖRs guckt? Das ist wieder mal so typisch für dich: auf einer „stabilen“ Schleierwolkenbasis eine Argumentationskette aufbauen, die nur darauf abzielt, deine durch Trägheit geprägte Lebensphilosophie hervorzuheben und alles andere zu diffamieren.

      Wenn du deine diffuse, schädelfüllende Substanz mal ausnahmsweise unter Strom setzen würdest, könntest du vielleicht erkennen, dass es den Leuten nicht um die 0,85€ geht, sondern um die Verwendung: nämlich für höchst politisch manipulierten, suggestiven Journalismus nach Sowjet-Vorbild, allerdings viel laienhafter und extrem viel teurer umgesetzt.

      Übrigens: ich kann dir garantieren, dass ich mein Monster-Suv ausschließlich als Zweitwagen für genussvolle Langstrecken nutze… Und dass Heuchler wie du im Winter die ersten sind, die mich kleinlaut um Hilfe beim Rausziehen ihrer eingeschneiten Karren bitten 😁

    • Avatar

      Michael

      24. November 2019 19:24 at 19:24

      Ach Pestkov, nach den vielen Jahren, die ich nun schon die FMW verfolge, lässt sich vor allem eines konstatieren: Sie zeichnen sich in erster Linie dadurch aus, dass Sie auf Basis rudimentärer und lückenhafter Informationen und viel Spekulation irgendwelche laienhaften psychologischen Pseudo-Profile erstellen, die am Ende nichts anderes sind, als diffamierende Feindbilder, garniert mit blumiger Sprache und reichlich Beleidigungen.

      Argumente und Fakten sind dagegen nicht so Ihre Domäne. Genuss, Gemütlichkeit und Lawinenrettung sind zumindest mal ein Versuch. Hmmm, was haben die Leute eigentlich damals gemacht, als es noch Schnee gab, aber keine SUV? Nicht, dass ich da eine Korrelation unterstellen möchte… ;)

      Dem aufmerksamen Leser dürfte schon wiederholt aufgefallen sein, dass viele der GEZ-Gegner gerne auf Quellen von YouTube verweisen, die zum Online-Angebot der ÖR gehören. Nächstes Mal speichere ich ein paar dieser Links ab, falls ich gerade an diese Banalitäten denke.

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    T-ShirtVerkäufer

    23. November 2019 13:46 at 13:46

    Bonzen der Maulkorb- und Erziehungs-TV werden nie satt.
    Bild dir deine Meinung a la GEZ, Entschuldigung-Qualitätsjournalismus!
    Verehrte Genossen, es lebe unsere DDR!
    Schönes Wochenende und grüße aus der Karl-Marx-Anstalt!

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    Kästner

    23. November 2019 16:10 at 16:10

    Ich bin für die Abschaffung des Rundfunkbeitrag , die finanzieren sich auf Kosten der Bürger ihre Häuser und Gehälter und die Bürger haben für den Beitrag den sie zahlen müssen nur ein so dürftiges Programm das es sich nicht lohnt da reinzuschauen . Ich finde diese Erhöhung eine Frechheit .

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    Torsten

    24. November 2019 14:29 at 14:29

    Rundfunkbeitrag ist wie Semesterticket ( für die studiert haben ) , man zahlt auch für die günstige Nutzung mit Bus und Bahn auch wenn man als Student mit SUV anreist. Das nennt sich Solidarprinzip.

    Jeder der schonmal schwer erkrankt ist oder noch erkrankt wird froh sein das er nicht 50000€ oder mehr bezahlen muss. Die Beiträge reichen dazu nicht, die Beiträge der „noch“ gesunden Beitragszahler gleichen das aus.

    Heute Abend mal in den Weltspiegel gucken 19:20 ARD oder Terra X 19:30 ZDF ; Tatort aus Österreich 20:15 ARD – da kann man doch nicht meckern
    und besonders zu empfehlen – We want Sex SWR 22:50 ( ist kein Schmuddelfilm sondern politisch )
    Alternativ- die Insel der besonderen Kinder Pro 7 20:15

    eine Kinokarte 10€ für 2,5 Std mit 35 min Werbung und nervigen Eisverkäufern :))

    • Avatar

      Chris

      24. November 2019 19:43 at 19:43

      @Torsten
      Wenn man 180 Jahre alt ist, mag es OK zu sein.
      Und ja, der Kinobesuch kann schon einen fertig machen, schrecklich.
      Mal ernst-Weltspiegel, Terra X, Tatort aus Österreich, We want Sex( ist kein Schmuddelfilm sondern politisch ),
      Alternativ- die Insel der besonderen Kinder Pro 7, wer unter 40 Jährigen guckt denn sowas?😂😂😂 Ich kenne niemanden!!!
      YouTube umsonst.
      AMAZON Prime, NETFLIX, APPLE-TV, MAXDOME, SKY…..alles ist günstiger als GEZ-TV und alles ohne lästigen Belehrungen und völlig frei vom linientreuen SED-Journalismus und darum geht es im Endeffekt.

      • Avatar

        Michael

        24. November 2019 22:38 at 22:38

        @Chris, Sky ist günstiger als die Rundfunkgebühren und werbefrei? Nun habe ich zufällig ein Sky-Abo seit 15 Jahren, als es noch PREMIERE hieß, Sie auch? Kostet das Drei- bis Vierfache, je nach abonnierten Paketen. Und Werbung gibt es massenweise, Tendenz weiter seigend. Dazu gibt es u.a. zwei Sender vom SPIEGEL, das ist doch für kritisch-durchblickende Menschen wie Sie der linksversiffte linientreue SED-Journalismus schlechthin, oder täusche ich mich da?

      • Avatar

        Lars

        25. November 2019 10:45 at 10:45

        @Christ, was meinen Sie mit YouTube umsonst? Ein internetfähiger PC zählt als Rundfunkgerät, somit werden auch Gebühren fällig, wenn jemand kein TV-Gerät besitzt.

        Jugendliche unter 18 Jahren sind von der Gebührenpflicht befreit. Der Anteil der Altersgruppen zwischen 18 und 40 Jahren an den Gebührenpflichtigen beträgt etwa 30%. Verbleiben potenzielle 70%, die Weltspiegel, Terra X oder den Tatort gucken. Eine überwältigende Mehrheit.

      • Avatar

        Torsten

        25. November 2019 14:39 at 14:39

        Wen die öffentlich rechtlichen Sender intellektuell überfordern, soll sich von Hollywood berieseln lassen‘
        Unter 40 jährige können KIKA gucken :)

        Kein Witz! Unter 40 jährige sind in ein paar Jahren ü40 und was dann?

        Sky werbefrei? Ha ha – man merkt keine Ahnung

    • Avatar

      Stina

      25. November 2019 22:26 at 22:26

      Stille Nacht! und wieder herrscht das große Schweigen im Walde. Einsam wacht und rätselt ein traumatisierter rat- und umsatzloser T-Shirt-Verkäufer im Winter. Einer, der nach 30 Jahren noch immer nicht verstanden hat, dass DDR und SED nur noch in Büchern oder Alten- und Pflegeheimen existieren. Wie die westdeutsche Korruptions-Birne mit Vorliebe für Saumagen zum Segen aller nur mehr ein uninteressanter Schatten seiner selbst ist.

  7. Avatar

    Kreisl

    19. Februar 2020 19:43 at 19:43

    Aber was immer verkannt wird ist das jede Erhöhung des Rundfunkbeitrag die Leute sich nicht mehr leisten können denn die Gebühren steigen und die Löhne nicht.

    Es wird keine Gedanken gemacht woher das Geld noch kommen soll.

    Es muss jetzt mal Schluss sein mit Erhöhungen.

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Ernst Wolff über das globale Finanzsystem – Geld und Demokratie

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Spätestens die Wirtschaftskrise 2007/2008 ließ an der Seriosität des globalen Finanzsystems zweifeln. Wer seine Zweifel allerdings durch Sachkenntnis untermauern möchte, bekommt schnell ein Problem: Er trifft auf ein Dickicht aus komplizierten und oft widersprüchlichen Informationen, die noch dazu in einer für Laien unverständlichen Fachsprache gehalten sind. Kein Wunder also, dass der Versuch, das Finanzsystem zu verstehen, häufig schon in der Anfangsphase scheitert. Genau hier setzt Ernst Wolff an. Im Folgenden ein Ausschnitt auf der Einleitung meines neuen Buches (hier zu kaufen).

Die zwei großen Fehleinschätzungen unserer Zeit

Es gibt in unserer Gesellschaft zwei Ansichten, die von der überwiegenden Mehrheit der Menschen geteilt und von fast niemandem angezweifelt werden. Sie betreffen zum einen die politischen Strukturen, unter denen wir leben, und zum anderen die Wahrnehmung der wirtschaftlichen Realität, auf der diese politischen Strukturen basieren. Zusammen bilden beide so etwas wie eine von der breiten Allgemeinheit stillschweigend akzeptierte Übereinkunft. Ansicht Nr. 1 lautet: Bei uns regiert das Volk. Ansicht Nr. 2 lautet: Das Finanzsystem ist nur ein Teilbereich unserer Gesellschaft, den man nicht unbedingt verstehen muss.

Geht man diesen Ansichten auf den Grund, dann stellt man allerdings fest, dass sie nicht etwa auf intellektueller Einsicht oder auf Erfahrungswerten basieren, sondern den Menschen zunächst von Elternhaus, Schulen, Ausbildungsbetrieben und Universitäten mit auf den Weg gegeben und später ein Leben lang von Medien, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft eingetrichtert werden – mit dem Ergebnis, dass ihr Wahrheitsgehalt kaum jemals in Frage gestellt wird.

Schaut man genauer hin, stellt man fest, dass sich hinter diesen Ansichten ganz handfeste Interessen verbergen, deren Durchsetzung nur einem kleinen Teil der Bevölkerung nützt. Im Grunde handelt es sich also um zwei vorsätzlich herbeigeführte Fehleinschätzungen, die weitreichende Konsequenzen haben. Sie tragen nämlich entscheidend dazu bei, die bestehende Ordnung und ihre Machtstrukturen zu festigen und verhindern so, dass die Menschen diese Strukturen durchschauen – mit der Folge, dass sie dadurch unfähig werden, an den bestehenden Verhältnissen etwas zu ändern.

Sehen wir uns beide Fehleinschätzungen deshalb etwas genauer an:

Fehleinschätzung Nr. 1: „Bei uns regiert das Volk“. In einem Obergeschoss des Berliner Hauptbahnhofs hängt ein Schild mit der Aufschrift „400 Meter von hier regiert das Volk“. Der Hinweis gilt dem südlich vom Bahnhof gelegenen Reichstagsgebäude, Sitz des deutschen Parlaments, und soll dem Betrachter ganz offensichtlich eine uns allen bekannte Botschaft vermitteln:

Wir leben in einem Gesellschaftssystem, in dem wir als Volk das Sagen haben. Und da das Volk zu groß ist, um als Ganzes regieren zu können, übergeben wir diese Aufgabe an sogenannte Volksvertreter. Die bestimmen wir, indem wir sie alle vier Jahre wählen. Sollten sie nicht so handeln, wie wir das von ihnen erwarten, dann können wir sie nach dem Ablauf ihrer Amtszeit wieder abwählen und durch andere ersetzen.

Diese Grundsätze der parlamentarischen Demokratie werden uns von Kindesbeinen an mit auf den Weg gegeben und im Verlaufe unseres Lebens durch eine Reihe weiterer Informationen ergänzt und untermauert. So erfahren wir unter anderem: Unsere Wahlen sind frei, gleich, geheim, allgemein und unmittelbar und werden auf der Grundlage einer Verfassung abgehalten, die unsere Würde für unantastbar erklärt und uns körperliche Unversehrtheit garantiert. Wir sind vor dem Gesetz alle gleich und haben das Recht, unsere
Meinung zu äußern und uns mit anderen zum Zwecke gemeinsamer Meinungsäußerung zu versammeln.

Die Formulierungen erwecken in uns den Eindruck, dass es sich bei der parlamentarischen Demokratie um ein zu unser aller Gunsten entwickeltes System handelt, das den Einzelnen schützt, dem Gemeinwohl dient und dessen oberstes Ziel darin besteht, den Willen
der Mehrheit der Bevölkerung in die Tat umzusetzen. Doch ist das tatsächlich so? Wollen wir alle, dass immer weniger Menschen immer größere Vermögen anhäufen, während der Lebensstandard der Masse bestenfalls stagniert, in vielen Fällen sogar sinkt? Dass der Niedriglohnsektor explodiert, dass Arbeits- und Obdachlosigkeit um sich greifen? Dass von Jahr zu Jahr mehr Geld für Rüstung und den Ausbau von Sicherheitsapparaten ausgegeben wird, während am Bildungs- und Gesundheitswesen immer drastischer gespart wird? Sind wir dafür, dass die Umwelt zunehmend zerstört wird? Dass in unserem Namen Kriegseinsätze unterstützt werden? Dass Persönlichkeitsrechte abgebaut und wir alle immer stärker überwacht werden?

Wendet man sich direkt an die Menschen und fragt sie, was sie von dieser Entwicklung halten, dann fällt die Antwort eindeutig aus: Die meisten sind damit nicht einverstanden, viele lehnen sie sogar rundheraus ab. Wie aber kann das sein? Wie kommt es, dass zwischen dem, was die Menschen wollen, und dem, was in ihrem Namen und auf Grund ihrer offensichtlich frei getroffenen Wahlentscheidung umgesetzt wird, ein solch krasses Missverhältnis besteht – in einer Gesellschaft, deren Verfassung doch besagt, dass alle Macht vom Volk ausgeht?

Wir lassen uns täuschen

Die Antwort auf diese Frage lautet: Wir lassen uns täuschen. Wir akzeptieren die wohlklingenden Formulierungen unserer Verfassung, die auf dem Gleichheitsgrundsatz basieren, und schließen daraus, dass wir alle nicht nur gleiche Rechte genießen und gleich behandelt werden, sondern dass wir alle gleich sind. Das aber stimmt nicht. In einer vom Geld beherrschten Gesellschaft wie der unseren können die Menschen auf Grund ihrer Vermögensverhältnisse gar nicht gleich sein. Wer über viel Geld und großen Besitz verfügt, ist nämlich nicht nur wohlhabender, sondern kann sich auf Grund seiner wirtschaftlichen Überlegenheit über diejenigen, die weniger besitzen, erheben, sie von sich abhängig machen und sie im Extremfall sogar vollends beherrschen. Die Vermögensverhältnisse entscheiden also nicht nur darüber, wer reich und wer arm ist, sondern vor allem darüber, wer in welchem Ausmaß Macht ausüben kann und welche gesellschaftlichen Hierarchien sich im Lauf der Zeit bilden.

Diese Aufspaltung der Gesellschaft hat schon lange vor der Einführung des Parlamentarismus und sogar schon lange vor der Einführung des Geldes begonnen. Ihre Anfänge gehen auf die Tauschwirtschaft zurück. Sie ist die Grundlage, auf der sich ein Zustand entwickeln konnte, der die gesamte bisherige Geschichte der Menschheit prägt: die soziale Ungleichheit. Sie hat es den Menschen, die mehr Besitz angehäuft und damit mehr Macht erlangt haben als andere, ermöglicht, Strukturen zu schaffen, die ihren privilegierten Status festigen, die sie einmal erworbene Privilegien auf Dauer beibehalten und diese sogar auf nachfolgende Generationen übertragen lassen.

Im ausgehenden Mittelalter sind die Besitzer großer Vermögen noch einen Schritt weiter gegangen und haben sich das Geldsystem und damit den Blutkreislauf der Gesellschaft unterworfen, indem sie Banken gegründet und sich so das Recht der Geldschöpfung angeeignet haben. Später, nach der Gründung der Nationalstaaten, haben die von ihnen beherrschten Banken sich dieses Recht auf der Grundlage nationaler Währungen mit den Zentralbanken geteilt und damit als „Finanzwesen“ einen ganz eigenen Wirtschaftszweig geschaffen, der mit der Zeit immer einflussreicher wurde. Da dem Rest der Bevölkerung nicht entging, dass auf diese Weise einige Wenige zusehends reicher und mächtiger wurden, hat sich immer stärkerer Widerstand gegen diese Entwicklung gebildet. Als mit der Industrialisierung dann Schulen eingeführt, der Analphabetismus nach und nach überwunden und das allgemeine Bildungsniveau immer weiter angehoben wurde, nahm dieser Widerstand für die Privilegierten zunehmend bedrohlichere Formen an, sodass sie sich gezwungen sahen, Zugeständnisse zu machen.

Ein historisches Zugeständnis

Das historisch wichtigste Zugeständnis – und die zugleich geschickteste Täuschung der Öffentlichkeit – war die Einführung des Parlamentarismus. Indem die Gleichheit der Menschen in einer von Ungleichheit geprägten Welt zum Verfassungsgrundsatz erhoben wurde, entstand mit der parlamentarischen Demokratie eine Fassade, hinter der sich die tatsächlichen Machtstrukturen nicht nur hervorragend verbergen, sondern ungehindert weiter ausbauen ließen. Das Prinzip dieser Täuschung ist im Grunde recht einfach: Man unterschlägt einen fundamental bedeutsamen Mechanismus, der die gesellschaftliche Realität seit Jahrhunderten prägt, und übertüncht ihn mit hochtrabenden Worten. So gibt es bis heute weltweit keine einzige parlamentarische Demokratie, in deren Verfassung die Bedeutung des Geldes für die Entstehung von Machtstrukturen erwähnt oder in der das Prinzip der Geldschöpfung auch nur angesprochen wird. Dafür aber wird in den meisten Verfassungen, verbrämt mit blumigen Formulierungen über die soziale Verpflichtung von Eigentum, der Schutz desselben garantiert – und zwar ohne jede Begrenzung nach oben.

Auf diese Weise ist eine Herrschaftsform entstanden, die sich vordergründig auf den Willen der Mehrheit des Volkes stützt, die aber tatsächlich einer Minderheit nützt und die es darüber hinaus geschafft hat, die soziale Ungleichheit in krassem Widerspruch zum offiziell beteuerten Gleichheitsgrundsatz zu einem akzeptierten und gesetzlich geschützten Dauerzustand werden zu lassen.

Ernst Wolff über das Finanzsystem und die Politik
Der Buchautor Ernst Wolff

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Das sind die Informationsquellen der Profis – Werbung

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Lieber Börsianer,

gelegentlich werde ich als Börsenanalyst oder Vermögensberater gefragt, woher ich meine Informationen beziehe? Oder anders gefragt: Wie recherchiert ein Profi eine Aktie? Zunächst möchte ich mein Berufsbild etwas entmystifizieren. Auch Profis kochen nur mit Wasser und stützen ihre Entscheidungen wesentlich auf öffentlich zugängliche Informationen. Am Anfang steht also immer die Lektüre des Geschäftsberichts und die harte Analyse der Geschäftszahlen.

Dann beginnt die Arbeit des Analysten erst richtig. Aktienanalyse ist People´s Business. Zu Deutsch: Wir müssen mit den handelnden und verantwortlichen Personen des Unternehmens in Kontakt kommen. Als Vermögensverwalter lässt man durchblicken, dass man umfassende Investitionen im Unternehmen beabsichtigt. Damit haben Sie schon einmal das Ohr Ihres Gesprächspartners.

Zunächst werden Sie abgespeist mit professionellem Werbeversprechen. Etwa so: Wir setzen voll auf die Elektro-Mobilität und expandieren derzeit proaktiv im chinesischen Wachstumsmarkt.

Das ist eine absolute Null-Information. Als Analyst haken Sie jetzt konkret nach. Zum Beispiel: Mit welchen Produkten geht das Unternehmen nach China? Wer sind die Konkurrenten? Was ist der Wettbewerbsvorteil des Unternehmens? Warum soll der Kunde ausgerechnet ihre Zylinderdichtung (beispielhaft) kaufen? Wie funktioniert der Vertrieb?

Es gibt nun zwei Möglichkeiten: Ihr Gesprächspartner bleibt hartnäckig im Ungefähren. Dann sind die Expansionspläne wohl noch nicht weit gediehen. Die Aktie ist also eher kein Kauf. Oder aber: Ihr Gegenüber packt…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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US-Wahl egal für die US-Märkte? Experte Andre Stagge mit ausführlicher Erklärung

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Ande Stagge über die aktuelle Lage im S&P 500 und zur US-Wahl

Ist der Ausgang der US-Wahl letztlich egal für die US-Aktienmärkte? Das denken manche Beobachter. Der Börsenexperte Andre Stagge (hier mehr zu seiner Person) bespricht dieses Thema im folgenden aktuellen Video im Detail. Ausführlich geht er auf die einzelnen Standpunkte von Joe Biden und Donald Trump ein. Zum Beispiel seien die Steuerideen von Joe Biden eindeutig schlecht für die Wirtschaft. Natürlich muss man fair sein und erwähnen, dass die US-Unternehmen durch die große Steuersenkung von Donald Trump im Jahr 2017 massiv profitiert hatten. Andre Stagge glaubt an einen Wahlsieg von Joe Biden, und dass dies letztlich nicht gut für die Märkte wäre – auch wegen der Idee von Joe Biden den Mindestlohn in den USA drastisch anzuheben. Wichtig werde auch die Phase direkt nach der Wahl, und ob Donald Trump bei einer möglichen knappen Wahlniederlage Probleme machen wird.



Ist die US Wahl egal by Andre_Stagge on TradingView.com

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