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Rundfunkbeitrag in DĂ€nemark abgeschafft: Eine Mogelpackung ausschließlich zu Lasten der kleinen Leute

Auf den aller ersten und auch auf den zweiten Blick ist dies eine gute Nachricht fĂŒr alle Menschen auch in Deutschland, die den Rundfunkbeitrag gerne abschaffen möchten. Zwar haben die Schweizer gerade erst mit deutlicher Mehrheit dafĂŒr votiert ihren Rundfunkbeitrag zu behalten. Aber DĂ€nemark hat nun…

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Rundfunkbeitrag in DĂ€nemark

FMW-Redaktion

Auf den aller ersten und auch auf den zweiten Blick ist dies eine gute Nachricht fĂŒr alle Menschen auch in Deutschland, die den Rundfunkbeitrag gerne abschaffen möchten. Zwar haben die Schweizer gerade erst mit deutlicher Mehrheit dafĂŒr votiert ihren Rundfunkbeitrag zu behalten. Aber DĂ€nemark hat nun beschlossen den Rundfunkbeitrag ganz abzuschaffen.

Rundfunkbeitrag weg, was nun?

Das ist der erste Blick, der super wirkt auf alle Gegner eines zwangsfinanzierten öffentlichen Rundfunks. Die DĂ€nen schaffen ihren Rundfunkbeitrag ab. So weit, so gut. Und jetzt? Der Rundfunk und seine Finanzierung durch die BĂŒrger bleibt aber bestehen. Die Regierung in Kopenhagen hat nĂ€mlich beschlossen, dass das Geld zukĂŒnftig nicht mehr von den Beitragszahlern als separate GebĂŒhr erhoben wird, sondern dass die BĂŒrger den Öffentlichen Rundfunk ĂŒber den allgemeinen Steuerhaushalt bezahlen.

Und man verkĂŒndete ebenfalls, dass das Budget des Öffentlichen Rundfunks in DĂ€nemark um 20% gesenkt wird. Das ist doch sicherlich im Sinne des SteuerbĂŒrgers? Und noch wichtiger ist, dass keine Steuer erhöht werden soll um den Rundfunk zu finanzieren. Das ist der zweite Blick – keine RundfunkgebĂŒhr mehr, und keine höheren Steuern – super, tolle Sache, der BĂŒrger spart effektiv Geld – richtig? Falsch.

Die kleinen Leute zahlen

Die Zeche zahlen in diesem Fall ausschließlich die kleinen Leute mit einem sehr geringen Einkommen. Denn bislang haben ja alle DĂ€nen (so wie alle Deutschen auch) den Rundfunkbeitrag entrichtet, egal ob Fabrikdirektor oder kleiner Fließbandarbeiter (vereinfach ausgedrĂŒckt). Wie aber will der dĂ€nische Staat denn die Bezahlung des Öffentlichen Rundfunks gegenfinanzieren, ohne Steuererhöhung? Man senkt den Steuerfreibetrag!

Das bedeutet: Jemand, der bisher sehr wenig Geld verdient hat, und deswegen auf sein sehr kleines Einkommen bislang keine Steuern zahlen musste, wird nun steuerpflichtig. Er/sie bezahlt somit den dĂ€nischen Rundfunkbeitrag zukĂŒnftig. Besserverdiener, die bislang eh schon steuerpflichtig waren, zahlen genau so viel Steuern wie vorher auch. Die Reichen haben aber bislang den Rundfunkbeitrag auch gezahlt, und bezahlen ihn zukĂŒnftig nicht mehr ĂŒber ihre Steuern, denn die SteuersĂ€tze Ă€ndern sich offensichtlich nicht.

Lesen Sie hier: Rundfunkbeitrag: Staatliche Melderegister ĂŒbergeben am 6. Mai alle Meldedaten an die nicht staatlichen Sender ARD & ZDF

Nur die kleinen Leute, die bisher eh schon extrem wenig verdienen, werden nun zur Besteuerung mit herangezogen, und zahlen nun alleine den Öffentlichen Rundfunk. Ungerechter geht es wohl kaum! Insgesamt gesehen sparen die dĂ€nischen BĂŒrger, weil das Budget des Rundfunks um 20% sinkt – aber die Last wird nun alleine durch die Kleinstverdiener getragen – Ungerechtigkeit in Reinkultur!

StaatsnÀhe steigt

Dadurch steigt natĂŒrlich die StaatsnĂ€he der Sender, wenn sie direkt vom dĂ€nischen Steuerhaushalt abhĂ€ngen. Was wĂŒrde das fĂŒr Deutschland bedeuten, wenn die Rundfunkanstalten hierzulande ihren Rundfunkbeitrag nicht mehr selbst eintreiben, sondern wenn sie vom Bundesfinanzministerium direkt aus dem Steueraufkommen bezahlt wĂŒrden?

Ja, es gruselt da vielen Leuten. Man wĂ€re direkt von der Regierung abhĂ€ngig, und womöglich weisungsgebunden? Kritiker könnten dann direkt vom „Staatsfernsehen“ sprechen. Aber wie ist denn die Lage heute in Deutschland? Die Höhe des Rundfunkbeitrags wird derzeit von den BundeslĂ€ndern in gemeinsamer Abstimmung beschlossen, also auch von der Regierung. Nur eben nicht von der Bundesregierung, sondern von den Regierungen der BundeslĂ€nder.

Also ist man so oder so von der Regierung abhĂ€ngig. Es wirkt derzeit nur so „staatsfern“, weil das Geld eben von den Anstalten direkt bei den BĂŒrgern in Rechnung gestellt wird. Also alles halb so schlimm. So lange der Staat per Gesetz die BĂŒrger zwingt den Öffentlichen Rundfunk zwangsweise zu finanzieren, und solange der Staat die Höhe der GebĂŒhren festlegt, ist es doch egal, ob die BundeslĂ€nder zustĂ€ndig sind, oder die Bundesregierung in Berlin.

6 Kommentare

6 Comments

  1. Peter

    19. MĂ€rz 2018 17:59 at 17:59

    Also, ich glaube, der Autor unterliegt hier einem MissverstĂ€ndnis: Der Grundfreibetrag gilt fĂŒr alle, zumindest in Deutschland. Im Jahr 2018 betrĂ€gt dieser in Deutschland exakt 9.000 EUR. Auch ein EinkommensmillionĂ€r bekommt also die ersten 9.000 EUR seiner Million komplett steuerfrei. Die ersten Euros darĂŒber (also ab 9.001 EUR) werden bei jedem (auch bei den EinkommensmillionĂ€ren) mit dem Eingangssteuersatz besteuert, und erst die Euros, die ĂŒber der Grenze von ca. 54.000 EUR liegen, werden mit dem Spitzensteuersatz besteuert (und die Euros ĂŒber 250.000 mit zusĂ€tzlichen 4% „Reichensteuer“). Wenn man den Grundfreibetrag also senkt, dann zahlen alle, auch die Spitzenverdiener, etwas mehr Steuern, weil der Eingangssteuersatz dann frĂŒher greift. Und von einer Erhöhung des Grundfreibetrags profitieren somit immer auch die Spitzenverdiener mit.
    Also, so ist nach deutschem Steuerrecht, und ich vermute, dass es in DĂ€nemark genauso ist. Wenn man die RundfunkgebĂŒhr ĂŒber eine Sekung des Grundfreibetrags eintreibt, zahlen letztlich alle Steuerzahler gleich viel (außer denen, deren Einkommen noch darunter liegt). Doppelverdiener zahlen dann ĂŒbrigens doppelt (wĂ€hrend unsere GebĂŒhr ja eine GebĂŒhr pro Haushalt ist, egal wieviele Personen im Haushalt sind).

    • Peter

      19. MĂ€rz 2018 18:02 at 18:02

      Sorry, die Reichensteuer ist 3%, nicht 4%.

  2. rote_pille

    19. MĂ€rz 2018 21:59 at 21:59

    Die Griechen konnten ihren Staatssender trotz Drucks von außen nicht loswerden. Die Kommunisten in der Regierung haben ihre Freunde in den Medien zurĂŒckgeholt, damit sie den Leuten erzĂ€hlen können, wie sehr sie den Staat brauchen, wegen Bildung, Gesundheit, Gerechtigkeit und so ’nem Scheiß, so als ob die Menschen nicht alles aus eigener Tasche zahlen könnten wenn diese Parasiten sich endlich ehrliche Arbeit suchen mĂŒssten.

  3. Pingback: Kurznachrichten | Waschbaer's Notizbuch

  4. Haubentaucher

    21. MĂ€rz 2018 01:32 at 01:32

    Wo ist Rundfunk-Jana? Kein neues Kapitel im Revoluzzerbuch?

    Also, so ist nach deutschem Steuerrecht, und ich vermute, dass es in DĂ€nemark genauso ist. Wenn man die RundfunkgebĂŒhr ĂŒber eine Sekung des Grundfreibetrags eintreibt, zahlen letztlich alle Steuerzahler gleich viel
    Ich glaube nicht, dass DĂ€nemark auch die kalte Steuerprogression betreibt. UnabhĂ€ngig davon ist es meines Erachtens nach ein gewaltiger Unterschied, ob jemand mit 1.000 € Einkommen z. B. 10 € (=1 Hundertstel) mehr bezahlt oder jemand mit 1.000.000 € auch die 10 € (=1 Hunderttausendstel). So zahlen nĂ€mlich nicht alle Steuerzahler gleich viel, sondern manche nur ein Tausendstel im Vergleich zum verfĂŒgbaren Einkommen anderer.

    Um Gleichheit, Gleichberechtigung und Fairness zu gewĂ€hrleisten, mĂŒssten sĂ€mtliche GebĂŒhren und Abgaben, BeitrĂ€ge direkt prozentual am Einkommen bemessen werden. Bei 1‰ mĂŒsste unsere hypothetische Jana z. B. nur 1 € blechen, der fĂŒr nichts verantwortliche und rechtlich immune Politiker oder Konzernboss, das ĂŒberflĂŒssige Vorstandsmitglied, der vollkommen sinnlose SportfunktionĂ€r, der verantwortungsfreie Banker oder Investor, der Fußball-, Tennis-, Formel1- oder Golfstar 1.000 €. Verblieben letzterem noch 999.000 €, Jana zumindest noch 999 €. Das tĂ€te keinem von beiden weh, beide könnten damit ĂŒberleben.

    • Peter

      22. MĂ€rz 2018 14:59 at 14:59

      Naja, man kann, aber man muss nicht alle GebĂŒhren fĂŒr Leistungen, die man bekommt, ans Einkommen koppeln. WĂŒrden Sie ne Zeitung abonnieren, bei der Sie nach Ihrem Einkommen gefragt werden und dann nen Prozentsatz Ihres Einkommens abdrĂŒcken mĂŒssen statt einer fixen AbogebĂŒhr, die fĂŒr alle gleich ist? Strom, Gas, Wasser und die Monatskarte fĂŒr die Öffis kosten auch fĂŒr alle gleich. Klar, bekommen ja auch alle die gleiche Leistung. Die große Ausnahme davon sind hierzulande eigentlich nur die Kranken- und die Pflegeversicherung. Bei der Renten- und Arbeitslosenversicherung bekommen Besserverdienende, die mehr einzahlen, auch eine entsprechend höhere Rente bzw. ein höheres ALG.

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„Ähnlich wie 1937“

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Sind wir kurz vor einer Weltwirtschaftskrise? Einer der wichtigsten Hedgefondsmanager ist Ray Dalio. Sein Fonds Bridgewater verwaltet 150 Milliarden Dollar, und man hört ihm zu. So sagt er aktuell, dass man derzeit in einer Phase sei, die dem Jahr 1937 sehr Ă€hnlich sei. Die Zinsen seien niedrig, die Bewertungen hoch – und die Notenbanken wĂŒrden aktuell ihre Geldpolitik zu Ă€ndern (Zinsen rauf und Gelddrucken zurĂŒckfahren).

Daher sehe er Parallelen zu den Zeiten der Großen Rezession gegen Ende der 30er-Jahre, so sagte er es zu „Business Insider“. In zwei Jahren beginne die Zeit, ĂŒber die er sich jetzt Sorgen mache. Die Fed werde dann erneut die Geldmenge erhöhen und mehr Geld drucken um das Defizit der USA zu finanzieren. Die Nachfrage nach US-Staatsanleihen werde sehr gering sein. Der US-Dollar werde ziemlich schwach sein und gut 30% abwerten.

Also gibt Dalio den USA noch gut zwei Jahr Zeit. Die neue Krise werde noch schwerwiegender sein als die Finanzkrise im Jahr 2008. Es werde eher eine Dollar-Krise als eine Schulden-Krise sein, so Dalio. Und es werde eine Politik- und Sozial-Krise geben, die zu grĂ¶ĂŸeren innenpolitischen Verwerfungen in den USA fĂŒhren werde als im Jahr 2008.

Dazu unser kleiner Kommentar: Naja… eher eine Dollar-Krise als Schulden-Krise? Die Amerikaner sind jetzt höher verschuldet als im Jahr 2008. Von daher werden auch die Schulden ein massives Problem werden! Aber so viel zu unserer Meinung. Die Finanzkrise des Jahres 2008 habe laut Dalio bereits die Weltwirtschaftskrise zwischen den Jahren 1929-1932 widergespiegelt. Und jetzt befinden wir uns also im Jahr 1937, und warten auf 1939?

Ray Dalio
Ray Dalio. Foto: Grameen America – https://vimeo.com/247028348 (CC BY 3.0) – Ausschnitt aus Originalfoto

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TĂŒrkei: Kein Bankenrettungsfonds, dafĂŒr schwĂ€chere Wachstumsaussichten und sparsames Haushalten

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Ist Berat Albayrak, PrĂ€sident Erdogans Schwiegersohn und jĂŒngst von ihm neu eingesetzter Finanzminister, fĂŒr die TĂŒrkei ein kleiner Lichtblick in Sachen Vernunft und SeriositĂ€t? Das könnte man doch glatt annehmen, wenn man seine heutigen Aussagen hört. Da war nĂ€mlich nichts zu hören vom Vertrauen auf Allah, von großen PlĂ€nen oder von Verschwörungen des Auslands gegen die TĂŒrkei.

Aber zunĂ€chst einmal die schlechte Nachricht. Anders als in den letzten Tagen vermutet hat Albayrak heute keine staatlich inszenierte Bankenrettung verkĂŒndet. Konkrete GerĂŒchte lauteten so, dass der tĂŒrkische Staat vorhabe ĂŒber ein Sondervehikel (Bad Bank?) den einheimischen Banken faule Kredite abzunehmen, um so den Finanzsektor des Landes zu stabilisieren. Dazu hieß es heute nur, dass die tĂŒrkischen Banken nun einem Stresstest unterzogen werden sollen (“Health Assessment Studies”), um die QualitĂ€t ihrer Vermögenswerte (der ausgegebenen Kredite) zu „identifizieren“. Nach diesem Test könne man als Staat weitere Schritte einleiten, falls notwendig, so die Worte von Albayrak. Also kann die Bad Bank durch den tĂŒrkischen Staat immer noch kommen – aber kurzfristig wohl erst mal nicht.

Offenbar will Albayrak eine Strategie der Transparenz fahren und keine hochtrabenden unrealistischen Ziele hinaus posaunen. Nach einem Wirtschaftswachstum von 7,4% in der TĂŒrkei im letzten Jahr soll es laut seiner heutigen Aussage fĂŒr 2018 nur ein Plus von 3,8% werden – das ist sehr wenig fĂŒr die TĂŒrkei. 2019 soll es bei 2,3% liegen. Dann wĂ€re man auf dem geringsten Wachstumswert seit 2010 angekommen. Viel nĂŒtzen tut das Wachstum den meisten Menschen nicht, weil die Inflation von knapp 20% alles weg frisst, was an EinkommenszuwĂ€chsen dank BIP-Anstieg entsteht. Mit seiner aktuellen 3,8%-Prognose geht es drastisch nach unten nach vorigen Prognosen von 5,5% fĂŒr 2018. Dass es ganz aktuell in der TĂŒrkei drastische Verwerfungen gibt, zeigen auch die AutoverkĂ€ufe. Die Neuzulassungen im August sind um 53% geringer ausgefallen als im August 2017.

Auch hat Albayrak heute die staatliche Ausgabensituation angesprochen. Man plane keine weiteren AusgabenschĂŒbe, sondern wolle die staatlichen Ausgaben beschrĂ€nken. Damit will man wohl auch die ökonomischen WĂŒnsche auslĂ€ndischer Beobachter befriedigen, wo man ausufernde Staatsschulden natĂŒrlich nicht gerne sieht. So will Albayrak noch nicht begonnene Leuchtturmprojekte nicht mehr realisieren. Sie galten in den letzten Jahren als große Wachstumstreiber der tĂŒrkischen Binnenwirtschaft, wie der gigantische neue Großflughafen in Istanbul.

Das Inflationsziel der TĂŒrkei fĂŒr das Gesamtjahr 2018 sei nun bei 20,8% (aktuell knapp unter 20%), und fĂŒr 2019 sehe man sie bei 15,9%. Das klingt doch alles schon mal realistischer und seriöser als beim großen Vater Erdogan. Die TĂŒrkische Lira (im Chart Euro vs Lira seit 10. September) zeigt sich seit Tagen uneinheitlich. Der kleine positive Impuls fĂŒr die Lira durch die Zinsanhebung vom 13. September war bereits verpufft. Jetzt ist wichtig, dass Erdogan mal eine lange Zeit gar nichts sagt, damit Ruhe einkehren kann.

Euro vs Lira

Berat Albayrak - TĂŒrkei Finanzminister
Berat Albayrak. Foto: President.az / Wikipedia (CC BY 4.0) – Ausschnitt aus Originalfoto

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Sojabohnen-Importe der EU aus den USA explodieren – genialer PR-Gag von Juncker?

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Ist Jean-Claude Juncker ein genialer PR-Stratege? Aber von Anfang an. Wie die EU-Kommission heute vermeldet, sind die Sojabohnen-Importe der EU aus den USA regelrecht explodiert. Diese Meldung dĂŒrfte Donald Trump brĂŒhwarm gegenĂŒber seiner lĂ€ndlichen WĂ€hler-Klientel promoten. Sie verliert dank des Handelskriegs großvolumig AbsatzmĂ€rkte in China, und ist somit heilfroh, dass ihr PrĂ€sident als Ausgleich die EU als zunehmenden Absatzmarkt herbeigezaubert hat.

So hatten es Jean-Claude Juncker und Donald Trump am 25. Juli diesen Jahres medienwirksam groß angekĂŒndigt. Die EU werde die Sojabohnen-Importe aus den USA massiv ausweiten, um den USA in Sachen Ungleichgewicht im Außenhandel entgegenzukommen. FĂŒr Trump war das gegenĂŒber den US-Landwirten wie ein Sechser im Lotto. Und jetzt kann er in der Tat liefern. Vergleicht man die Sojabohnen-Importe der EU von Juli-September 2018 mit Juli-September 2017, dann haben sie um 133% zugenommen. Ein Wahnsinn, was der Donald da fĂŒr seine WĂ€hler erreicht hat, nicht wahr?

Falsch! Diese Info ist nĂ€mlich nur eine optische TĂ€uschung. Auch wenn die Zahlen selbst stimmen mögen – der Anstieg der Importe begann ja schon lange vor dem Treffen zwischen Juncker und Trump. Juncker wird sich die Importzahlen der EU aus den USA vor dem Treffen angesehen haben. Dort wird er die eh schon vorhandene gigantische Steigerung gesehen haben. So konnte er Trump enorme ZuwĂ€chse versprechen, die aber schon lĂ€ngst von der Privatwirtschaft in Europa selbst herbeigefĂŒhrt worden waren!

Der Vergleichswert der heutigen Jubelmeldung der Kommission liegt im Jahr 2017, also lange vor dem Juncker-Trump-Treffen. Es ist also statistisch völlig sinnfrei, wenn man diese aktuelle tolle Steigerung als Erfolg des Treffens der beiden verkauften will. Aber die Meldung der Kommission macht doch stark den Eindruck, als wolle man Trump damit schmeicheln nach dem Motto „schau her Donald, wir haben Wort gehalten“.

Und in der Tat, die Meldung könnte die gewĂŒnschte Wirkung erzielen. Trump könnte in seiner einfachen Art die +133% als große Zahl in die Kameras verkĂŒnden, und als seinen Erfolg verkaufen – obwohl die Steigerung bereits vor dem Treffen der beiden erzielt wurde. Sollte Juncker im vollen Wissen dieser schon vorhandenen enormen Steigerung das Versprechen an Trump gemacht haben am 25. Juli, dann wĂ€re er aus jetziger Sicht ein verdammt guter PR-Mann!

Übrigens: Der US-Anteil an Sojabohnen-Importen in den EU ist gegenĂŒber 2017 von 25% auf 52% gestiegen. Den Preis bezahlen vor allem zwei Exporteure, nĂ€mlich Brasilien und Paraguay. Sie haben massiv Marktanteile in der EU verloren. Aber keine Angst – jetzt kommt der Lacher an der Geschichte. Die Chinesen springen als Ersatz-KĂ€ufer in SĂŒdamerika ein – denn die Regierung in Peking hat ja US-Sojabohnen mit Strafzöllen unrentabel gemacht, womit die sĂŒdamerikanischen Sojabohnen erst interessant wurden fĂŒr die Chinesen. So haben sich lediglich die globalen Liefer-Ströme verschoben. Hier mehr Detailinfos von der EU-Kommission im Wortlaut:

Landwirtschaftskommissar Phil Hogan erklĂ€rte dazu: „Ich begrĂŒĂŸe die jĂŒngsten Handelszahlen, die zeigen, dass den Versprechen der PrĂ€sidenten Juncker und Trump, den Handel zu intensivieren, Taten folgen, insbesondere in Bezug auf Sojabohnen. Dieses Ergebnis wurde möglich durch unsere langjĂ€hrigen Handelsbeziehungen und zeigt, dass durch eine diese Beziehungen ausbauende Zusammenarbeit sehr viel erreicht werden kann.“

Die aktuellen Zahlen zeigen, dass die Einfuhren von Sojabohnen aus den USA in die EU in den vergangenen Wochen kontinuierlich zugenommen haben:

Im Vergleich zu den ersten 12 Wochen des Wirtschaftsjahres 2017 (Juli bis Mitte September) stiegen die EU-Einfuhren von Sojabohnen aus den Vereinigten Staaten um 133 % auf 1 473 749 Tonnen.Zum Zeitpunkt der ersten Meldung am 1. August 2018, die sich auf die ersten fĂŒnf Wochen des laufenden Wirtschaftsjahres erstreckte, beliefen sich die Einfuhren auf 360 000 Tonnen, was einer Steigerung gegenĂŒber dem Vorjahr um 280 % entspricht.

Der Anteil der USA an den Gesamteinfuhren von Sojabohnen in die EU betrĂ€gt heute 52 %, gegenĂŒber 25 % im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Damit liegen die USA an erster Stelle vor Brasilien (40 %), dem zweiten Hauptlieferanten der EU, Kanada (2,3 %), Paraguay (2,3 %) und Uruguay (1,7 %).
Hintergrund

Die EU fĂŒhrt derzeit jĂ€hrlich rund 14 Millionen Tonnen Sojabohnen als Proteinquelle fĂŒr Tiere (HĂŒhner, Schweine und Rinder) sowie fĂŒr die Sojamilcherzeugung ein. Sojabohnen aus den USA sind dank ihrer konkurrenzfĂ€higen Preise fĂŒr europĂ€ische Importeure und Verwender sehr attraktiv fĂŒr den Einsatz als Tierfutter.

Die Daten des heute veröffentlichten Berichts zu Sojabohnen stammen von der Beobachtungsstelle fĂŒr Ackerkulturen, die die EuropĂ€ische Kommission im Juli 2017 ins Leben gerufen hat, um im Interesse der Transparenz Marktdaten und kurzfristige Analysen zu verbreiten.

Sojabohnen-Importe der EU

Die folgende Grafik zeigt, dass der Anstieg der US-Ausfuhren von Sojabohnen Richtung EU stetig gesteigert wurde von 2017 bis 2018, und nicht sprunghaft ab dem 25. Juli 2018.

Sojabohnen

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