Gas

Veränderungen am globalen Gasmarkt Russland bringt sich beim LNG für Europa in Stellung

Russland fährt seine Kapazitäten für verflüssigtes Gas deutlich hoch. Man will weltweit flexibel sein bei der Lieferung von viel mehr LNG.

LNG-Tanker bei der Einfahrt in einem Hafen

Mangels Pipeline-Kapazitäten will Russland sich auf den Export von verflüssigtem Gas (LNG) per Schiff konzentrieren. Im letzten Jahr legten die Schiffslieferungen aus Russland nach Europa zu und rangierten nach den USA und Katar auf dem 3. Platz. Großbritannien hat angesichts dieser Entwicklung die Reißleine gezogen und ab Jahresbeginn den LNG-Import aus Russland gestoppt. Russische Analysten und Gasproduzenten ziehen ihre Schlüsse aus der Entwicklung im letzten Jahr.

Europa importierte fast die Hälfte mittels LNG

„Nach den Ergebnissen des Jahres ist Russland unter die drei größten LNG-Lieferanten in Richtung Europa aufgestiegen, indem es mehr als 16 Millionen Tonnen (umgerechnet gut 22 Milliarden Kubikmeter Gas) in die Region geliefert hat“, sagte russischen Medien zufolge Iwan Timonin, Analyst vom Beratungsunternehmen Vygon Consulting, jüngst im Januar zur Jahresbilanz. Zugleich stellte er klar, dass das Exportvolumen trotz Europas Wunsch, Energieressourcen aus Russland aufzugeben, um 3 Millionen Tonnen gegenüber 2021 gewachsen sei.

Das meiste LNG haben die USA mit mehr als 53 Millionen Tonnen nach Europa geliefert, womit sich der Umfang fast verdoppelt habe, erläuterte Timonin. An zweiter Stelle folge Katar mit einem LNG-Export von 19 Millionen Tonnen. Algerien, Nigeria und Ägypten gehörten ebenfalls zu bedeutenden Akteuren auf dem europäischen Markt für verflüssigtest Gas. Im letzten Jahr habe die Europäische Union erfolgreich russische Gasmengen ersetzt, sprich etwa 80 Milliarden Kubikmeter Gas, erläuterte Sergej Kapitonow vom Skoltech Energy Transition und ESG Project Center am 9. Januar. Bis Ende des Jahres hätten Europas LNG-Importe das historische Rekordniveau von etwa 125 Millionen Tonnen erzielt. Umgerechnet sind das über 170 Milliarden Kubikmeter Gas. Damit erhöhte Europa den LNG-Anteil am Gasimport auf die Hälfte. 2021 lag der Anteil laut BP Statistical Review of World Energy bei knapp einem Drittel.

Russland will LNG ausbauen

In einem Fernsehinterview erklärte Alexander Nowak, stellvertretender Ministerpräsident, im Dezember: „Wir diversifizieren aktiv die Versorgung mit verflüssigtem Gas. Wenn wir früher nur 11 Millionen Tonnen LNG in Russland produziert haben, sind heute bereits vier Anlagen mit einer Gesamtkapazität von 36 Millionen Tonnen LNG in Betrieb“, zog Nowak Bilanz. Das sei fast eine Steigerung um das Dreifache. Wir haben uns noch ehrgeizigere Ziele gesetzt, um in den nächsten 3-4 Jahren das Niveau von 60 Millionen Tonnen zu erreichen, dann bis zu 100 Millionen Tonnen.“

Besonders der zweitgrößte Gasförderer Novatek treibt den Ausbau im großen Stil voran und betreibt das größte LNG-Werk auf der Halbinsel Jamal. Das Werk Yamal LNG verfügt über vier Produktionslinien, die im Jahr insgesamt 17,4 Millionen Tonnen verflüssigtes Gas fertigen können. Die vierte Produktionslinie des Typs Arktitscheskij Kaskad mit einer Kapazität von knapp 1 Millionen Tonnen LNG im Jahr stammt aus heimischer Produktion und gilt als Vorlage für Projekte ähnlicher Größenordnung. Auf der Nachbarhalbinsel Gydan soll bis Jahresende die erste Produktionsline vom großen LNG Arctic 2 hinzukommen. Auch an diesem Werk ist das französische Energieunternehmen TotalEnergies neben chinesischen und japanischen Unternehmen beteiligt. Geplant ist, eine Produktionskapazität von 20 Millionen Tonnen im Jahr aufzubauen.

Mit eigener Technik und Alternativen Sanktionen begegnen

Trotz Rückzugs westlicher Auftragnehmer und der Nichtlieferung von Ausrüstung für die drei geplanten Verflüssigungslinien von Arctic LNG 2 soll Novatek chinesische Werften angewiesen haben, mit dem Bau der ausstehenden Module für die Linien 2 und 3 des Projekts fortzufahren. Dabei habe Novatek die Werften instruiert, Komponenten von westlichen Herstellern in den Modulen durch verfügbare Alternativen zu ersetzen, die nicht unter internationale Sanktionen fallen, berichtete Upstream jüngst im Januar. Führungskräfte von Novatek, darunter Vorstandsvorsitzender Leonid Mikhelson, hätten wiederholt erklärt, dass Sanktionen das Tempo von Arctic LNG 2 nicht verzögern werde, da die erste Linie von Murmansk zu ihrem Standort nahe der Küste der Halbinsel Gydan noch in diesem Jahr transportiert werden soll.

Auch Linde habe die Lieferung von technischer Ausrüstung für Baltic LNG wegen des russischen Krieges in der Ukraine eingestellt. Das Projekt in der Nähe des Ostseehafens Ust-Luga umfasst den Bau einer großen Erdgasverflüssigungs- und einer Gasverarbeitungsanlage. Diesen Komplex will der russische Gaskonzern Gazprom zu einem wichtigen Exportpunkt machen. Ein Gerichtsurteil vom 30. Dezember ordnete das Einfrieren der Vermögenswerte von Linde in ganz Russland an. Gazprom selbst sieht in der Zukunft beim LNG-Ausbau indes keine technischen Hindernisse. „Es sei darauf hingewiesen, dass es noch eine weitere Richtung von uns gibt – LNG, die Produktion mittelgroßer Tonnage und unsere eigenen Technologien. Wir sind bereits Lizenznehmer sowohl für LNG für mittelgroße Tonnage als auch für große Tonnage“, sagte Gazprom-Chef Alexej Miller in seiner Ansprache zum Jahresende.

LNG gewinnt die Oberhand

Dass sich LNG weltweit überall hin transportieren lässt, stellte Nowak heraus in seinem Interview. Russland werde von der Nutzung von Pipelines für den Gasexport auf die Lieferung von verflüssigtem Gas durch Tanker umsteigen, machte Ilja Kalenkow, CEO vom Unternehmen Evropeiskaya Elektrotekhnika deutlich. Bis der Export nach China richtig Fahrt aufnimmt, dauere es fünf Jahre. Dazu seien Transport und Versorgung mit Tankschiffen viel mobiler. „Deshalb ist die Hauptentwicklung des Gasexportmarktes natürlich verflüssigtes Erdgas – LNG, so Kalenkow. In dieser Richtung werde viel getan.

In welchen Häfen russische Tanker in diesem Jahr ihre Fracht löschen, wird sich zeigen. Deutschland wird nach dem Verlust der Transportbrücke in der Ostsee und mit dem Ausbau von schwimmenden Importterminals für Russland wieder eine nicht unwesentliche Rolle spielen, wenn das nicht ein Importbann für russisches LNG, wie ihn Großbritannien seit Anfang des Jahres verhängt hat, vereitelt.



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9 Kommentare

  1. Ja, war doch klar.
    Mit dem Gas, was durch N1 und N2 hätte laufen können, können über etwa 1400 LNG Tanker gefüllt werden. Es ist eben nur sehr, sehr viel teurer als das Pipelinegas gewesen ist/wäre.
    Etwa 4 LNG Tanker am Tag wird Russland in der Welt spielend an den Mann bringen. Da wird der Rubel rollen.
    Die Amis können dann ja Deutschland weiter das sehr umwelfeindliche und noch teurere Frackinggas liefern. Passt ja auch eigentlich besser zu den dreckigen Kohle- und Braunkohlekraftwerken.
    Wenn denn wirklich noch 30 bis 60 Gaskraftwerke in Deutschland gebaut werden sollten, dann aber mit Frackinggas aus den USA befeuern.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

    1. Das ist die nächste Stufe der höheren wirtschaftlichen Intelligenz. Sanktionen gegen Russland kein Gas. Öl und Kohle mehr zu liefern, Gas in Pipelines und dann dafür Gas als LNG von Russland kaufen – natürlich zum höheren Preis- Aber man hat Russland bestraft und kein Pipelinegas mehr gewollt/genommen.

  2. Donald Trump wollte uns schon immer LNG verkaufen, er wollte den NATO Beitrag Deutschlands auf 2 % erhöhen.
    Er hat es am Ende hinbekommen. Wehe dem der nicht gleich gehorsam ist.

    1. Die anderen EU Länder müssen auch mehr für die Nato bezahlen.
      Damit wollen die USA ihren Militärhaushalt entlasten auf Kosten der Vasallen. Unserer wird bald höher sein wie der von Russland. Die US Weltdominanz muss mit von seinen Vasallen getragen werden.

      1. Ja, nur bringen wir mit dem Höheren Militärhaushalt nichts zustande.

  3. Das Hauptproblem ist die Umweltverschmutzung, da ein Gasschiff 3000 Tonnen (>3000.000l) schmutziges „bunker oil“ oder das Equivalent an Erdgas verbraucht (hin und zurück USA). Wenn Europa russisches Gas boykottiert (s. UK), fahren die Schiffe mit russischem Gas noch weiter. Der Klimawandel ist gut für Russland, da die Nordostpassage eisfrei wird.

  4. Umweltpolitik wird sich stets wirtschaftlichen Interessen der Großmächte beugen müssen. Die deutsch russische Freundschaft ist erst einmal begraben. Die USA ist Profi darin, andere Nationen zu manipulieren, was den Weltfrieden in Gefahr bringt.

  5. Während der Rubel rollt, müssen in Deutschland die ersten Raffinerien ihre Produktion drosseln und fahren ihre Lieferungen zurück.
    Ja, die Sanktionen wirken tatsächlich, nur leider in Deutschland ganz besonders effektiv.

    Nachrichten.es – Die neuesten Nachrichten aus Spanien

    Der Fall von Spanien ist nicht so auffällig, da es sie im oben genannten Zeitraum um 51% mit einem Wert von 4.700 Millionen Euro erhöht hat. Wesentlich relevanter sind die Anstiege in Slowenien (346 %), Luxemburg (262 %) oder Österreich (139 %), die diese Einstufung anführen.

    https://nachrichten.es/

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

    1. Soll ich lachen ?
      Kasachstan liefert Öl nach Deutschland. Erste Lieferung 20.000 to. Soll gesteigert werden bis auf 6 Mill./Jahr. Und warum ? Russland hat mündlich sein Einverständnis für Lieferung gegeben, saagte der Energieminister. Die Pipeline „Druschba“, seit 1.1. stillgelegt, kann für den Transport benutzt werden, so der russ. Energieminister.
      Ist uns Russland etwa wohlgesonnen ? Wir sind also immer noch abhängig von Russland, auch wenn das Öl aus Kaasachstan kommt. (Immerhin geht das Öl ja durch deutsche !! Stahlröhren, die Russen haben es nur bezahlt !!!)

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