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Anleihen

Selten so gelacht: EZB behauptet, Anleihekäufe würden Einkommens-Unterschiede verringern!

Die EZB ist derart dreist mit ihren absruden Behauptungen, dass einem das Lachen im Halse stecken bleibt!

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Humor ist die Fähigkeit zu lachen, auch wenn es eigentlich wirklich traurig ist! Und die EZB bietet heute wieder einmal einen Anlaß, laut aufzulachen, auch wenn es eigentlich doch eher traurig ist!

So in einem heute von der Notenbank vorgelegten “Analyse” über die Segnungen der Anleiheläufe durch die EZB, die zu einer erstaunlichen Schlußfolgerung kommt:

“To summarise, the paper finds that low short rates do hurt “savers”, i.e. households owning non-negligible amounts of liquid assets, via a direct effect — that is, via the reduction in their income from those assets. Low short rates, however, also benefit savers, like all other households, via an indirect effect — that is, the reduction in their unemployment rate and the increase in their labour income. The indirect effect dominates from a quantitative perspective. The paper also finds that the APP reduced income inequality, mainly through a reduction of the unemployment rate of poorer households. On the whole we find that monetary policy in recent years benefited most households and did not contribute to an increase in wealth, income or consumption inequality.”

Das muß man sich auf der Zunge vergehen lassen! Zunächst wird hier eingestanden, dass natürlich niedrige Zinsen (ergo: Null-Zinsen bzw. die Abschaffung des Zinses) natürlich nicht so gut sei für Sparer, weil sich eben keine Zinseinnahmen mehr generieren lassen. Jenseits der Tatsache, dass mit der Abschaffung des Zinses durch Null-Zinsen faktisch der Markt-Mechanismus zur realistischen Bepreisung von Risiken komplett ausser Kraft gesetzt ist, haben alleine deutsche “Sparer” über einen längeren Zeitraum dreistellige Milliardenbeträge verloren: die DZ hat diesen Betrag für die Jahre 2010 bis 2017 auf 436 Milliarden Euro taxiert. Klar, sind ja nur peanuts…die dann in  der Altervorsorge fehlen.

Nun kann man natürlich argumentieren: die Nullzinspolitik der EZB bringt auch Vorteile, etwa günstige Kredite, die besonders die “Betongold”-affinen Deutschen reichlich genutzt haben, um sich eine Immobilie zuzulegen – was dann wiederum zu massiv steigenden Immobilienpreisen in deutschen Großstädten geführt hat. Wer Zinsen abschafft, inflationiert also logischerweise Vermögenspreise, weil dem Sparer nichts anderes übrig bleibt, als sein Geld andernorts zu parken.

Aber es wird noch skurriler: die EZB behautet einen Zusammenhang zwischen den Anleihekäufen und einer niedrigeren Arbeitslosigkeit und höheren Einkommen der Menschen! Wodurch denn? Was haben die Staats-Anleihekäufe der Notenbank mit der Frage zu tun, ob die Menschen weniger arbeitslos sind oder mehr Geld verdienen? Denkt sich ein Arbeitgeber: na, die EZB kauft Staatsanleihen, also stellen wir natürlich, weil wir das so toll von der EZB finden, mehr Menschen ein und zahlen ihnen dann auch mehr Geld?

Absolut absurd – wie absurd, zeigt die Argumentation des EZB-Papiers z.B. in diesem Satz (Seite 10 des Papiers):

“For example, lower interest rates reduce the cost of servicing government debt and allow for reduction in taxes, or for an increase in public transfers.”

Interessant: weil die Staaten aufgrund der Anleihekäufe der EZB (die die Renditen für diese Staatsanleihen nach unten drückt) weniger Zinszahlungen leisten müßten, könnten eben diese die Steuern zu senken (und mehr Sozialleistungen auszubezahlen). Ja, wir erinnern uns alle noch gut an die letzten massiven Steuersenkungen, nicht wahr? Wie hieß die nochmal – “die EZB hat es uns gegeben, wir geben es an euch zurück-Steuersenkung”, nicht wahr? Einfach nur grotesk. Der vor allem aufgrund der Nullzinsen (oder gar Negativzinsen) “Schwarze Null”-Haushalt Deutschlands ist eben nicht als Steuererleichterung beim Bürger angekommen, schon gar nicht in anderen Ländern.

Vielmehr ist es doch so, dass natürlich die Inflationierung der Vermögenspreise durch die Nullzinspolitik jene begünstigt hat, die eben über Vermögen (Aktien, Immobilien) verfügen, während jene eben nicht profitierten, die über keine Vermögen verfügen. Und weil das so ist, sind faktisch die Einkommensunterschiede massiv gestiegen – ebenso wie in den USA durch die zwischenzeitliche Nullzins-Politik der Fed.

Es ist schon reichlich dreist, diesen völlig offenkundigen Zusammenhang durch ein pseudowissenschaftliches Papier der EZB zu leugnen! Man kann durchaus sagen, dass die politische Unruhe in jenen westlichen Ländern bzw. Währungsräumen, die zwischenzeitlich oder dauerhaft den Zins abgeschafft haben, wesentlich auch eine Folge dieser Notenbank-Nullzins-Politik ist, weil sie die Mittel- und Unterschichten, die über wenig oder gar keine Vermögen verfügen, massiv benachteiligt und damit in ökonomische Existenzängste gestürzt hat.

Insofern könnte man sogar sagen: Trump ist – als Vertreter der abstiegsgefährdeten weißen Mittelschicht in den USA, die ihre gut dotierten Indsutriejobs verloren hat und sich nun mit mehreren Dienstleistungsjobs durchschlägt – ein Symptom der verheerenden (auch psychologischen) Folgewirkungen der Nullzinspolitik, die die Wall Street bereichert hat, die Main Street (also den Durchschnittsamerikaner) eher ärmer gemacht hat. Diese Schichten sind vielleicht sogar weniger Gloabilisierungsverlier als vielmehr sogar Nullzins-Umverteilungsverlierer..

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    tm

    18. Juli 2018 13:39 at 13:39

    Die Argumentation der EZB ist doch schlüssig und nachvollziehbar. Die untersten 50% der deutschen Haushalte verfügen praktisch nicht über Nettovermögen und leiden daher auch nicht unter niedrigen Zinsen. Die meisten Zinsen erhalten die Top 1%, die nun weniger Zinsen erhalten. Bei denen dazwischen kommt es u.a. darauf an, ob nun Wohneigentum erworben wurde. In Summe aber vermutlich weniger Unterschiede. Und dass die transferleistungen in den letzten Jahren erhöht wurden, ohne gleichzeitig die Steuern oder die Schulden zu erhöhen, kann doch auch nicht ernsthaft bestritten werden. Ihr selbst habt doch gestern oder vorgestern auf die Zuschüsse zur Rentenkasse hingewiesen.

    Der zweite Punkt, niedrige Arbeitslosigkeit und steigende Einkommen, ist sicher schwieriger prüfbar. Nun wissen wir doch aber, dass die Fiskalpolitik seit 2010 in den meisten Euroländern restriktiv war. Der laufende Aufschwung wurde also sicherlich nicht von der Fiskalpolitik ausgelöst, aber sicherlich von der Geldpolitik mindestens gefördert.

    Sie verweisen auf die Inflationierung der Aktien- und Immobilienpreise. Nun gilt für Immobilien doch aber, dass diese keineswegs überall in der Eurozone steigen – obwohl die Zinsen überall niedrig sind. Der Zusammenhang ist hier also keineswegs so eindeutig, zumal die deutschen Immobilienpreise im internationalen Vergleich auch keineswegs so hoch sind (außer in wenigen Orten). Und Geldpoltik und Aktien: Wenn die Geldpolitik für die Kurssteigerungen verantwortlich ist, wieso liegen die KGVs dann nicht weit über normalen Niveaus? Tatsächlich spiegeln die Kurse doch sehr gut die Gewinnsituation der Unternehmen wider. Zudem ist der DAX-Preisindex seit 2011 um gerade einmal 4,2% pro Jahr gestiegen, also weit weniger als in den 1990er Jahren.

    Was wäre eigentlich eure Alternative zu einer expansiven Geldpolitik gewesen?

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    sj

    18. Juli 2018 13:53 at 13:53

    Der Effekt der geringeren Arbeitslosigkeit liegt darin, dass durch die Anleihenkäufe:

    a. Zombi Unternehmen, die sonst pleite gegangen wären, künstlich am Leben erhalten wurden und diese Arbeitskräfte dadurch nicht freigesetzt wurden.

    b. In Großunternehmungen die eine eigene Banklizenz besitzen, also die z.B. die Mehrzahl der deutschen Autokonzerne, ABM Stellen geschaffen wurden (F&E und sonstige Luftnummern) die über selbst begebene Unternehmensanleihen direkt finanziert werden.
    Bzw. auch indirekt indem diese Unternehmungen wiederum Waren und Dienstleistungen bei anderen Unternehmungen nachfragen für die sonst keine Finanzierung vorhanden wäre.
    (Fehlallokationen – Es wird gemacht weil man es kann und nicht weil es etwa sinnvoll wäre)

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      tm

      18. Juli 2018 14:02 at 14:02

      Sie definieren Zombie-Unternehmen also als Unternehmen, die bei höheren Zinsen pleite wären? Bei welchen Zinsen gilt das dann? Bei 10% Zins hätten wir sicher eine Pleitewelle. Sind das dann alles Zombies?

      b) ne, das ist nahezu irrelevant. Die Auslastung der deutschen Unternehmen ist schlicht gut und auch in anderen Ländern steigt die gesamtwirtschaftliche Nachfrage und somit auch die Arbeitskräftenachfrage.

      Wenn ich Sie nun richtig verstehe, hätten Sie zusätzlich zur restriktiven Fiskalpolitik also mitten in der Rezession auch noch eine restriktive Geldpolitik begrüsst?

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    Beobachter

    18. Juli 2018 14:02 at 14:02

    Absolut richtig von Herr Fugmann, es ist schon sehr tiefes Niveau was da die Weltelite wie Draghi, Trump u. s.w. von sich geben.Ich kann mich noch an Kommentare erinnern wo man als Ziel der Anleihenkäufe die Steigerung der Aktienkurse = Wohlstandsmehrung u.Hoffnung auf Wirtschaftswachstum offen bekundete.
    Wie wir alle wissen sind jetzt die anfänglich positiven Effekte verfrühstückt ohne grosses Wachstum.Die negativen Nebenwirkungen bleben jetzt vor allem an der Unterschicht hängen.Ich bin nur erstaunt, dass durch die gestiegenen Immopreise die höheren Mieten nicht stärker auf die Inflation schlagen, oder werden die Mieten überhaupt berücksichtigt ? Ich glaube, die hässliche Seite dieses Experimentes wird uns noch beschäftigen.
    IMMOBILIEN– AKTIEN– ANLEIHENGEWINNE für wenige, fehlende Sparzinsen u.viel kleinere Renten für die grosse Masse, DAS IST DIE WAHRHEIT HERR DRAGHI !

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      tm

      18. Juli 2018 14:25 at 14:25

      ” kann mich noch an Kommentare erinnern wo man als Ziel der Anleihenkäufe die Steigerung der Aktienkurse = Wohlstandsmehrung ”

      Echt? Kann ich mich nicht dran erinnern.

      “verfrühstückt ohne grosses Wachstum”

      Aber das Wachstum ist doch nun seit Jahren wieder da und das trotz einer zumindest bis 2015/16 restriktiven Fiskalpolitik.

      “werden die Mieten überhaupt berücksichtigt ?”

      Ja

      Wieso sollten die Preise denn stärker steigen? Das Geldmengenwachstum ist doch weiterhin neidrig und ist im Durchschnitt seit 2008 sogar weiter historisch niedrig.

      Was wäre denn Ihre Wunsch-Geldpolitik ab 2008 gewesen?

  4. Avatar

    Stephan Fischer

    21. Juli 2018 18:51 at 18:51

    Es ist wahr, dass die Null-Zins-Politik in Deutschland den Arbeitsmarkt beflügelt hat. Der Grund liegt in einem für Deutschland unterbewerteten Euro, welcher die deutschen Exporte fördert. Diese Politik geht aber zu Lasten der Sparer mit steuerlich geförderten Produkten wie Rieser-Policen und Lebensversicherungen (ca. 100 Mio. Verträge). Deren Vermögen wird durch schleichende Inflation abgewertet. Besitzer von Immobilien und Aktien sind die Gewinner. Eine solche Geldpolitik endet, sobald von den Sparern nichts mehr zu holen ist. Man kann ein Problem auch nicht mit der gleichen Denkweise lösen, durch welche es entstanden ist, nämlich durch billige Kredite. Am Ende wird aus dem Land der Dichter und Denker das Land der Sozialhilfeempfänger.

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USA: Fed-Bilanz, Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung im Vergleich

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Die Zentrale der Fed in Washington DC

Wie auch in Europa, so wird in den USA in gigantischem Ausmaß gedruckt, gepumpt und verschuldet. Hier schauen wir uns die Orgie des frischen Geldes mal in Form von Charts an, alle seit dem Jahr 2002. Im ersten Chart sehen wir die Bilanz der Federal Reserve. Sie musste in gigantischem Ausmaß jüngst Geld drucken, um damit Staatsanleihen und viele andere Instrumente aufkaufen zu können. Die Bilanz stieg seit 2002 von gerade mal 719 Milliarden Dollar auf aktuell über 7 Billionen US-Dollar! Noch Ende Februar, kurz vor dem Start der ganzen Rettungsorgien, waren es noch 4,1 Billionen US-Dollar.

Bilanz der Fed seit dem Jahr 2002

Im Vergleich zum Wachstum der Fed-Bilanz sehen wir im folgenden Chart seit dem Jahr 2002 die Entwicklung der offiziellen Arbeitslosenquote in den USA. Damals noch bei 5,7 Prozent, stieg sie in der Spitze der Finanzkrise bis auf 10 Prozent an. Dann in den Boomjahren danach die Erholung bis auf nur noch 3,5 Prozent im Februar 2020. Was für eine Vollbeschäftigung! Ein Paradies in jeder Hinsicht? Und dann der große Knall durch die Coronakrise. Binnen weniger Wochen die Explosion der Arbeitslosigkeit auf 14,7 Prozent.

Offizielle Arbeitslosenquote in den USA seit 2002

Die US-Staatsverschuldung, die entwickelt sich völlig unabhängig von Konjunkturzyklen oder Notenbank-Bilanzen! Dies sieht man im folgenden Chart, auch seit dem Jahr 2002. Egal ob während der Finanzkrise oder danach in einem jahrelangen Konjunkturboom, wo der Staat eigentlich Gelegenheit hätte Schulden abzubauen. Die Verschuldung der US-Regierung wächst konstant weiter an, von 6 Billionen US-Dollar im Jahr 2002 auf aktuell über 25 Billionen Dollar, was hier im Chart noch nicht final aktualisiert wurde. Die nächsten Monate wird diese Zahl wohl deutlich anwachsen, aufgrund der Rettungsmaßnahmen in Folge der Coronakrise.

US-Staatsverschuldung seit 2002 wächst kontinuierlich an

Aber zum Schluss nochmal zurück zur Arbeitslosigkeit in den USA. Der folgende Chart zeigt die Entwicklung seit den 1950er-Jahren. So erkennt man besser die aktuelle dramatische Lage!

Arbeitslosigkeit in den USA seit den 1950er Jahren
Charts: St. Louis Fed

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Deutschland verkauft Schulden – Investoren mit Nachfrage-Explosion!

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Geldmünzen und Scheine

Ja, so was sieht man nicht oft. Deutschland hat heute neue Schulden verkauft, und die Nachfrage… die war so hoch wie seit 13 Jahren nicht mehr. Fast schon unfassbar. Der deutsche Staat hat heute zwei Jahre laufende Bundesschatzanweisungen mit einem Zinskupon von 0,00 Prozent verkauft. Die Negativrendite der Emission lag bei -0,66 Prozent (vorher -0,68 Prozent). Angeboten hatte der Bund ein Emissionsvolumen von 5 Milliarden Euro. Die Finanzagentur Deutschland GmbH, die für Bundesfinanzminister Olaf Scholz das Anleihemanagement durchführt, zeigt in ihren frisch veröffentlichten Details zu dieser Emission, dass die Nachfrage bei unglaublichen 13,26 Milliarden Euro lag!

Tja, wenn man eh weiß, dass die EZB sowieso den ganzen Markt aufkauft (vereinfacht ausgedrückt), wo ist da noch das Risiko für Investoren? Außerdem ist Deutschland eh der solventeste Schuldner? Aber halt. Mit -0,66 Prozent Rendite macht der institutionelle Anleger mehr Verlust, als wenn er sein überschüssiges Geld auf einem Bankkonto parken würde, wo er zwar auch Negativzinsen auf große Einlagen zahlt, aber noch nicht -0,66 Prozent. Also warum dieser Ansturm auf diese Bundesschatzanweisungen?

Die Anleger könnten darauf spekulieren, dass in Zeiten von Gelddrucken, Coronakrise und Staatsschulden-Orgien die Rendite-Niveaus der Anleihen jetzt weiter, weiter, und noch weiter ins Negative rutschen. Weiter sinkende Renditen bedeuten automatisch immer weiter steigende Anleihekurse. Wer also jetzt in die Auktion stürmt, hofft auf einen höheren Verkaufskurs seiner Anleihe in einigen Tage, Wochen, oder Monaten.

Der deutsche Staat macht wie seit Jahren so richtig kräftig Kasse mit seinen Emissionen. Von wegen Haushaltsdisziplin oder sparsame Finanzminister Schäuble und Scholz. Die guten Herren verdienen ihr Geld durch den Verkauf neuer Schulden. Geld im Schlaf verdienen sozusagen – das kann jeder! In diesem Fall, bei dieser einzelnen Transaktion, ist mal wieder eine beträchtliche Gewinnsumme angefallen. Bei 5 Milliarden Euro Angebot hat der Bund tatsächlich 4,07 Milliarden Euro verkauft. 930 Millionen Euro gingen in die Marktpflegequote – damit wird der laufende Anleihehandel nach der Emission liquide gehalten.

Bei 4,07 Milliarden Euro Nominalwert muss exakt diese Summe in zwei Jahren an die Inhaber der Papiere zurückgezahlt werden. Zu einem heutigen Emissionskurs von 101,35 Prozent wurden sie aber heute über Nominalwert verkauft, wodurch die Negativrendite für die Anleger entsteht. Daher hat der Bund heute tatsächlich 4,125 Milliarden Euro eingenommen, und per sofort einen Gewinn in Höhe von 55 Millionen Euro eingestrichen. Summiert man alle Emissionen der letzten Jahre mit Negativrenditen zusammen, entstehen da Milliarden-Gewinne, nur durch den Verkauf neuer Anleihen! Die Zeche zahlen tun diejenigen, die solche Anleihen nicht zum Zweck der Kursgewinne halten, sondern weil sie es zum Beispiel als Fonds oder Pensionskasse oder Rentenversicherung per Satzung tun müssen, nämlich “sichere Anleihen” im Portfolio halten.

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Warum Ihnen bei der privaten Altersvorsorge schwere Verluste drohen!

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Die Private Altersvorsorge steht vor Problemen

Die OECD hat eine interessante Studie zum Thema Unternehmensanleihen herausgegeben. Ein Thema, das fast alle Menschen angeht, vor allem wegen der privaten Altersvorsorge. Aber merken tun es kaum jemand. Denn schließlich investieren alle Versicherungen und Pensionsfonds in Anleihen. Diese Anlagegattung ist nicht nur das Fundament der privaten Altersvorsorge – es IST die private Altersvorsorge. Leider beginnt das gesamte Gebäude morsch zu werden. Die Qualität der am Markt verfügbaren Anleihen nahm im Laufe der vergangenen Jahre signifikant ab und sie dürfte im Angesicht der Coronakrise die größten Einbußen noch vor sich haben. Mit abnehmender Qualität steigt jedoch das Verlustrisiko, womit die Altersvorsorge der Sparer in Gefahr ist.

Die Studie bezieht sich auf einen Teilmarkt der Anleihen, nämlich Unternehmensanleihen außerhalb des Finanzsektors. Dieser Markt umfasste Ende 2019 immerhin 13,5 Billionen US-Dollar weltweit. Der größte Teil dieses Schuldenbergs entstand erst nach 2008. Allein 2019 nahmen die Unternehmen 2,1 Billionen US-Dollar zusätzliche Schulden auf.

Schlechtere Bonität, längere Laufzeit, mehr Schulden – so startet die Unternehmenswelt in die Krise

Im Gegensatz zu früheren Kreditzyklen weist der Markt dieses Mal einige Besonderheiten auf. Die Bonität der Unternehmen ist schlechter, es gibt größere Zahlungsverpflichtungen denn je, längere Laufzeiten und weniger Schutz für die Anleger als in früheren Zyklen. Mehr Schulden längerer Laufzeit bei geringer Bonität und weniger Schutz bedeutet, dass Verluste für Anleger in der größten Wirtschaftskrise seit mindestens 90 Jahren nicht nur wahrscheinlich sind, sondern sicher. Und sie werden vermutlich größer ausfallen als während der Finanzkrise 2008. Untersucht wurden dabei mehr als 92.000 verschiedene Wertpapiere aus 114 Ländern.

Für Unternehmen ist das von Ratingagenturen vergebene Bonitätsrating sehr wichtig. Denn die meisten institutionellen Anleger dürfen nicht in Junkbonds investieren, also in Anleihen mit einem Bonitätsrating schlechter als BBB (hier finden Sie eine gut erklärte Tabelle mit einer Übersicht der Ratingstufen). Rutscht ein Unternehmen in den Junkbereich, also Schrott, verliert es den Zugang zu den meisten Anlegern und wird in der Folge deutlich höhere Zinsen zahlen müssen und eventuell trotzdem weniger Kredit bekommen als zuvor. Das Rating hängt weitestgehend davon ab, wie die Ratingagentur die Rückzahlungswahrscheinlichkeit einschätzt. Niedrige Zinsen bedeuten, dass ein Unternehmen mehr Schulden aufnehmen kann, ohne dass die Rückzahlungswahrscheinlichkeit sinkt. Warum das für Ihre Altersvorsorge zum Problem wird, dazu kommen wir gleich noch. Dieser Mechanismus wurde in den vergangenen Jahren ausgenutzt, um Unternehmen mit Krediten zu überladen. Sei es, um andere Unternehmen zu kaufen, sei es, um eigene Aktien zurückzukaufen, sei es, um auch einmal Investitionen ins Kerngeschäft zu tätigen.

Eine Abwertung setzt eine Abwärtsspirale für die Unternehmen in Gang

Größere Schulden werden dann zu einem Problem, wenn die Zinsen wieder steigen sollten und fällige Kredite nicht aus dem Cashflow des laufenden Geschäfts bedient werden können, sondern mit neu aufgenommenen Krediten getilgt werden müssen. Die neuen Kredite sind dann auf einmal deutlich teurer als die alten, abzuzahlenden. Im schlimmsten Fall scheitert die Refinanzierung, weil der Kapitalmarkt entweder die Schuldentragfähigkeit bei höheren Zinsen negativer einschätzt oder weil eine Refinanzierung ausgerechnet während einer Börsenkrise stattfinden muss, in der Anleger Risiko avers agieren und nur Schuldnern bester Bonität trauen. Ein weiteres Problem tut sich dadurch auf, dass die durchschnittliche Laufzeit einer Unternehmensanleihe von neun auf zwölf Jahre stieg. Die Nachfrage nach länger laufenden Anleihen ist umso geringer, je niedriger die Bonität eines Unternehmens eingeschätzt wird. Es ist in den meisten Fällen von Schuldnern schlechter Bonität wahrscheinlicher, dass eine Anleihe in einem Jahr als in zwölf getilgt wird.

Werden die Anleihen eines Unternehmens auf Junkbonds-Niveau herabgestuft, müssen die meisten institutionellen Anleger verkaufen. Das lässt die Preise für die Anleihen sinken. Da die Rendite invers mit dem Preis gekoppelt ist, geht die Rendite automatisch nach oben. Die Zinsen neu herausgegebener Anleihen orientieren sich an der Rendite bereits auf dem Markt verfügbarer Anleihen gleicher Laufzeit. Also steigt auch der Zinssatz für neue Anleihen. Da auf dem Junkbonds-Markt wenig Nachfrage nach den durchschnittlich lang laufenden Anleihen besteht, wird der Zinssatz bei einem Downgrade wahrscheinlich überproportional steigen.

Der Markt kann weitreichende Abwertungen nicht verkraften

Seit 2010 waren durchschnittlich 20% aller ausstehenden Unternehmensanleihen Junkbonds. 2019 hingen waren es bereits 25%. Und 51% aller 2019 neu herausgegebenen Anleihen hatten ein BBB-Rating, also die letzte Stufe vor einem Junkbonds. Im schlimmsten Fall, wenn aufgrund der Corona-bedingten Wirtschaftskrise weitreichende Downgrades durchgeführt werden, müsste sich also der Markt für Junkbonds (hier dazu ein Artikel über die EZB) schlagartig verdreifachen. Die Folgen wären eine akute Kreditklemme für die meisten Unternehmen und traumhafte Zinskonditionen für die wenigen verbliebenen Emittenten von Anleihen guter Bonität. Denn alle institutionellen Anleger, die gezwungen sind, in Investment-Grade Anleihen zu investieren, würden sich um die verbliebenen 25% streiten. Den Besitzern der jetzt noch mit BBB bewerteten Anleihen, also ETFs, Versicherungen, Pensionsfonds, drohen erst schwere Kursverluste bei den herabgestuften Anleihen und dann Niedrig- oder sogar Negativzinsen beim Kauf der wenigen verbliebenen Anleihen mit Investment-Grade Rating. So wirkt sich diese Gemengelage negativ auf Ihre private Altersvorsorge aus, und Sie merken es kaum, weil Details von außen nicht erkennbar sind.

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