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Anleihen

Selten so gelacht: EZB behauptet, Anleihekäufe würden Einkommens-Unterschiede verringern!

Die EZB ist derart dreist mit ihren absruden Behauptungen, dass einem das Lachen im Halse stecken bleibt!

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Humor ist die Fähigkeit zu lachen, auch wenn es eigentlich wirklich traurig ist! Und die EZB bietet heute wieder einmal einen Anlaß, laut aufzulachen, auch wenn es eigentlich doch eher traurig ist!

So in einem heute von der Notenbank vorgelegten „Analyse“ über die Segnungen der Anleiheläufe durch die EZB, die zu einer erstaunlichen Schlußfolgerung kommt:

„To summarise, the paper finds that low short rates do hurt “savers”, i.e. households owning non-negligible amounts of liquid assets, via a direct effect — that is, via the reduction in their income from those assets. Low short rates, however, also benefit savers, like all other households, via an indirect effect — that is, the reduction in their unemployment rate and the increase in their labour income. The indirect effect dominates from a quantitative perspective. The paper also finds that the APP reduced income inequality, mainly through a reduction of the unemployment rate of poorer households. On the whole we find that monetary policy in recent years benefited most households and did not contribute to an increase in wealth, income or consumption inequality.“

Das muß man sich auf der Zunge vergehen lassen! Zunächst wird hier eingestanden, dass natürlich niedrige Zinsen (ergo: Null-Zinsen bzw. die Abschaffung des Zinses) natürlich nicht so gut sei für Sparer, weil sich eben keine Zinseinnahmen mehr generieren lassen. Jenseits der Tatsache, dass mit der Abschaffung des Zinses durch Null-Zinsen faktisch der Markt-Mechanismus zur realistischen Bepreisung von Risiken komplett ausser Kraft gesetzt ist, haben alleine deutsche „Sparer“ über einen längeren Zeitraum dreistellige Milliardenbeträge verloren: die DZ hat diesen Betrag für die Jahre 2010 bis 2017 auf 436 Milliarden Euro taxiert. Klar, sind ja nur peanuts…die dann in  der Altervorsorge fehlen.

Nun kann man natürlich argumentieren: die Nullzinspolitik der EZB bringt auch Vorteile, etwa günstige Kredite, die besonders die „Betongold“-affinen Deutschen reichlich genutzt haben, um sich eine Immobilie zuzulegen – was dann wiederum zu massiv steigenden Immobilienpreisen in deutschen Großstädten geführt hat. Wer Zinsen abschafft, inflationiert also logischerweise Vermögenspreise, weil dem Sparer nichts anderes übrig bleibt, als sein Geld andernorts zu parken.

Aber es wird noch skurriler: die EZB behautet einen Zusammenhang zwischen den Anleihekäufen und einer niedrigeren Arbeitslosigkeit und höheren Einkommen der Menschen! Wodurch denn? Was haben die Staats-Anleihekäufe der Notenbank mit der Frage zu tun, ob die Menschen weniger arbeitslos sind oder mehr Geld verdienen? Denkt sich ein Arbeitgeber: na, die EZB kauft Staatsanleihen, also stellen wir natürlich, weil wir das so toll von der EZB finden, mehr Menschen ein und zahlen ihnen dann auch mehr Geld?

Absolut absurd – wie absurd, zeigt die Argumentation des EZB-Papiers z.B. in diesem Satz (Seite 10 des Papiers):

„For example, lower interest rates reduce the cost of servicing government debt and allow for reduction in taxes, or for an increase in public transfers.“

Interessant: weil die Staaten aufgrund der Anleihekäufe der EZB (die die Renditen für diese Staatsanleihen nach unten drückt) weniger Zinszahlungen leisten müßten, könnten eben diese die Steuern zu senken (und mehr Sozialleistungen auszubezahlen). Ja, wir erinnern uns alle noch gut an die letzten massiven Steuersenkungen, nicht wahr? Wie hieß die nochmal – „die EZB hat es uns gegeben, wir geben es an euch zurück-Steuersenkung“, nicht wahr? Einfach nur grotesk. Der vor allem aufgrund der Nullzinsen (oder gar Negativzinsen) „Schwarze Null“-Haushalt Deutschlands ist eben nicht als Steuererleichterung beim Bürger angekommen, schon gar nicht in anderen Ländern.

Vielmehr ist es doch so, dass natürlich die Inflationierung der Vermögenspreise durch die Nullzinspolitik jene begünstigt hat, die eben über Vermögen (Aktien, Immobilien) verfügen, während jene eben nicht profitierten, die über keine Vermögen verfügen. Und weil das so ist, sind faktisch die Einkommensunterschiede massiv gestiegen – ebenso wie in den USA durch die zwischenzeitliche Nullzins-Politik der Fed.

Es ist schon reichlich dreist, diesen völlig offenkundigen Zusammenhang durch ein pseudowissenschaftliches Papier der EZB zu leugnen! Man kann durchaus sagen, dass die politische Unruhe in jenen westlichen Ländern bzw. Währungsräumen, die zwischenzeitlich oder dauerhaft den Zins abgeschafft haben, wesentlich auch eine Folge dieser Notenbank-Nullzins-Politik ist, weil sie die Mittel- und Unterschichten, die über wenig oder gar keine Vermögen verfügen, massiv benachteiligt und damit in ökonomische Existenzängste gestürzt hat.

Insofern könnte man sogar sagen: Trump ist – als Vertreter der abstiegsgefährdeten weißen Mittelschicht in den USA, die ihre gut dotierten Indsutriejobs verloren hat und sich nun mit mehreren Dienstleistungsjobs durchschlägt – ein Symptom der verheerenden (auch psychologischen) Folgewirkungen der Nullzinspolitik, die die Wall Street bereichert hat, die Main Street (also den Durchschnittsamerikaner) eher ärmer gemacht hat. Diese Schichten sind vielleicht sogar weniger Gloabilisierungsverlier als vielmehr sogar Nullzins-Umverteilungsverlierer..

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    tm

    18. Juli 2018 13:39 at 13:39

    Die Argumentation der EZB ist doch schlüssig und nachvollziehbar. Die untersten 50% der deutschen Haushalte verfügen praktisch nicht über Nettovermögen und leiden daher auch nicht unter niedrigen Zinsen. Die meisten Zinsen erhalten die Top 1%, die nun weniger Zinsen erhalten. Bei denen dazwischen kommt es u.a. darauf an, ob nun Wohneigentum erworben wurde. In Summe aber vermutlich weniger Unterschiede. Und dass die transferleistungen in den letzten Jahren erhöht wurden, ohne gleichzeitig die Steuern oder die Schulden zu erhöhen, kann doch auch nicht ernsthaft bestritten werden. Ihr selbst habt doch gestern oder vorgestern auf die Zuschüsse zur Rentenkasse hingewiesen.

    Der zweite Punkt, niedrige Arbeitslosigkeit und steigende Einkommen, ist sicher schwieriger prüfbar. Nun wissen wir doch aber, dass die Fiskalpolitik seit 2010 in den meisten Euroländern restriktiv war. Der laufende Aufschwung wurde also sicherlich nicht von der Fiskalpolitik ausgelöst, aber sicherlich von der Geldpolitik mindestens gefördert.

    Sie verweisen auf die Inflationierung der Aktien- und Immobilienpreise. Nun gilt für Immobilien doch aber, dass diese keineswegs überall in der Eurozone steigen – obwohl die Zinsen überall niedrig sind. Der Zusammenhang ist hier also keineswegs so eindeutig, zumal die deutschen Immobilienpreise im internationalen Vergleich auch keineswegs so hoch sind (außer in wenigen Orten). Und Geldpoltik und Aktien: Wenn die Geldpolitik für die Kurssteigerungen verantwortlich ist, wieso liegen die KGVs dann nicht weit über normalen Niveaus? Tatsächlich spiegeln die Kurse doch sehr gut die Gewinnsituation der Unternehmen wider. Zudem ist der DAX-Preisindex seit 2011 um gerade einmal 4,2% pro Jahr gestiegen, also weit weniger als in den 1990er Jahren.

    Was wäre eigentlich eure Alternative zu einer expansiven Geldpolitik gewesen?

  2. Avatar

    sj

    18. Juli 2018 13:53 at 13:53

    Der Effekt der geringeren Arbeitslosigkeit liegt darin, dass durch die Anleihenkäufe:

    a. Zombi Unternehmen, die sonst pleite gegangen wären, künstlich am Leben erhalten wurden und diese Arbeitskräfte dadurch nicht freigesetzt wurden.

    b. In Großunternehmungen die eine eigene Banklizenz besitzen, also die z.B. die Mehrzahl der deutschen Autokonzerne, ABM Stellen geschaffen wurden (F&E und sonstige Luftnummern) die über selbst begebene Unternehmensanleihen direkt finanziert werden.
    Bzw. auch indirekt indem diese Unternehmungen wiederum Waren und Dienstleistungen bei anderen Unternehmungen nachfragen für die sonst keine Finanzierung vorhanden wäre.
    (Fehlallokationen – Es wird gemacht weil man es kann und nicht weil es etwa sinnvoll wäre)

    • Avatar

      tm

      18. Juli 2018 14:02 at 14:02

      Sie definieren Zombie-Unternehmen also als Unternehmen, die bei höheren Zinsen pleite wären? Bei welchen Zinsen gilt das dann? Bei 10% Zins hätten wir sicher eine Pleitewelle. Sind das dann alles Zombies?

      b) ne, das ist nahezu irrelevant. Die Auslastung der deutschen Unternehmen ist schlicht gut und auch in anderen Ländern steigt die gesamtwirtschaftliche Nachfrage und somit auch die Arbeitskräftenachfrage.

      Wenn ich Sie nun richtig verstehe, hätten Sie zusätzlich zur restriktiven Fiskalpolitik also mitten in der Rezession auch noch eine restriktive Geldpolitik begrüsst?

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    Beobachter

    18. Juli 2018 14:02 at 14:02

    Absolut richtig von Herr Fugmann, es ist schon sehr tiefes Niveau was da die Weltelite wie Draghi, Trump u. s.w. von sich geben.Ich kann mich noch an Kommentare erinnern wo man als Ziel der Anleihenkäufe die Steigerung der Aktienkurse = Wohlstandsmehrung u.Hoffnung auf Wirtschaftswachstum offen bekundete.
    Wie wir alle wissen sind jetzt die anfänglich positiven Effekte verfrühstückt ohne grosses Wachstum.Die negativen Nebenwirkungen bleben jetzt vor allem an der Unterschicht hängen.Ich bin nur erstaunt, dass durch die gestiegenen Immopreise die höheren Mieten nicht stärker auf die Inflation schlagen, oder werden die Mieten überhaupt berücksichtigt ? Ich glaube, die hässliche Seite dieses Experimentes wird uns noch beschäftigen.
    IMMOBILIEN– AKTIEN– ANLEIHENGEWINNE für wenige, fehlende Sparzinsen u.viel kleinere Renten für die grosse Masse, DAS IST DIE WAHRHEIT HERR DRAGHI !

    • Avatar

      tm

      18. Juli 2018 14:25 at 14:25

      “ kann mich noch an Kommentare erinnern wo man als Ziel der Anleihenkäufe die Steigerung der Aktienkurse = Wohlstandsmehrung “

      Echt? Kann ich mich nicht dran erinnern.

      „verfrühstückt ohne grosses Wachstum“

      Aber das Wachstum ist doch nun seit Jahren wieder da und das trotz einer zumindest bis 2015/16 restriktiven Fiskalpolitik.

      „werden die Mieten überhaupt berücksichtigt ?“

      Ja

      Wieso sollten die Preise denn stärker steigen? Das Geldmengenwachstum ist doch weiterhin neidrig und ist im Durchschnitt seit 2008 sogar weiter historisch niedrig.

      Was wäre denn Ihre Wunsch-Geldpolitik ab 2008 gewesen?

  4. Avatar

    Stephan Fischer

    21. Juli 2018 18:51 at 18:51

    Es ist wahr, dass die Null-Zins-Politik in Deutschland den Arbeitsmarkt beflügelt hat. Der Grund liegt in einem für Deutschland unterbewerteten Euro, welcher die deutschen Exporte fördert. Diese Politik geht aber zu Lasten der Sparer mit steuerlich geförderten Produkten wie Rieser-Policen und Lebensversicherungen (ca. 100 Mio. Verträge). Deren Vermögen wird durch schleichende Inflation abgewertet. Besitzer von Immobilien und Aktien sind die Gewinner. Eine solche Geldpolitik endet, sobald von den Sparern nichts mehr zu holen ist. Man kann ein Problem auch nicht mit der gleichen Denkweise lösen, durch welche es entstanden ist, nämlich durch billige Kredite. Am Ende wird aus dem Land der Dichter und Denker das Land der Sozialhilfeempfänger.

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Unternehmensschulden erreichen weltweit neuen Rekordstand

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Weltweite Unternehmensschulden laut OECD auf Rekordniveau

Die in Form von Anleihen verbrieften weltweiten Unternehmensschulden haben ein neues Rekordhoch erreicht. Warum die OECD die Alarmglocken läutet?

Unternehmensschulden erreichen ein nie da gewesenes Niveau

Ein weiterer Beweis dafür, dass die Finanzkrise nie aufhörte zu existieren, kann man u. a. an dem Stand der weltweit verbrieften Unternehmensschulden erkennen. Gemäß den jüngsten Daten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) haben sich die Anleiheschulden der Unternehmen seit dem Jahr 2008 bis zum Ende des Jahres 2019 auf 13,5 Billionen US-Dollar verdoppelt. Die OECD sieht in diesem Zusammenhang gleich mehrere Entwicklungen problematisch und warnt u. a. vor dem anhaltenden Rückgang der Qualität der im vergangenen Jahr verbrieften Unternehmensschulden. Über die Hälfte der neu ausgegebenen Anleihen sind mit „BBB“ geratet und erfüllen nur noch knapp den Status „Investment Grade“. Sollte es zu einer weiteren Eintrübung der Konjunktur kommen, bestünde die Gefahr massenhafter Qualitätsabstufungen in den „Ramsch“-Bereich. Dies würde es vielen institutionellen Käufern dieser Schuldpapiere verunmöglichen, die Anleihen der betroffenen Unternehmen weiterhin zu erwerben oder in ihren Beständen zu halten.

Die in ihrer Bonität herabgestuften Unternehmen hätten dann kaum alternative Finanzierungsquellen und müssten deutlich höhere Kreditkosten in Kauf nehmen. Beide Effekte erhöhen wiederum die Ausfallwahrscheinlichkeit der Anleihen weiter und können zu einem gefährlichen Dominoeffekt führen. Die OECD weist daher auf das Risiko hin, dass ein künftiger Abschwung zu deutlich höheren Ausfallraten führen kann als in früheren Kreditzyklen. So waren in den Jahren 2000 bis 2007 am Kapitalmarkt aufgenommene Unternehmensschulden nur zu 39 Prozent mit dem schlechten Rating „BBB“ bewertet.

Besorgniserregend ist auch die Geschwindigkeit, mit der sich die Unternehmen weltweit in neue Schulden stürzen: Seit dem Jahr 2010 gewinnt die Schuldenaufnahme an Dynamik. Im vergangenen Jahr haben Firmen außerhalb des Finanzsektors neue Verbindlichkeiten in Höhe von 2,1 Billionen US-Dollar aufgebaut. Dieses Volumen entspricht dem bisherigen Rekord aus dem Jahre 2016 – mit einem Unterschied: Damals wuchs die Weltwirtschaft noch mit einer Jahresrate von 3,2 Prozent, im Jahr 2019 waren es nur knapp 3 Prozent. Für das laufende Jahr wird hingegen, je nach Schätzung, nur noch mit einem Wachstum von 2,3 bis 2,8 Prozent gerechnet, einhergehend mit einem neuen Rekord bei den Unternehmensschulden. Der Trend hin zu immer weniger Wachstum, das durch immer höhere Schulden erkauft wird, setzt sich damit fort. Besonders stark explodierten die Unternehmensschulden seit dem Jahr 2018 in den Schwellenländern. Auch dieser Trend dürfte sich in diesem Jahr fortsetzen, da gerade in China, das nach wie vor als Schwellenland geführt wird, immer mehr Unternehmen nur noch dank massiver Ausweitung ihrer Verbindlichkeiten zahlungsfähig bleiben. Die Coronavirus-Epidemie wird diese Entwicklung zusätzlich verstärken.

Die Gründe für die Emissionsflut bei Unternehmensanleihen

Positiv zu werten ist, dass die weltweit sinkenden Kapitalmarktzinsen die Kreditkosten in den letzten Jahren massiv gesenkt haben. Dadurch ist es für Unternehmen attraktiver geworden, sich direkt am Kapitalmarkt durch die Ausgabe von Anleihen zu refinanzieren, anstatt teurere Bankkredit in Anspruch nehmen zu müssen. So fanden im Zuge der sinkenden Kapitalmarktzinsen in den letzten Jahren in hohem Volumen auch Umfinanzierungen statt. Für die Banken bedeutet dies einen Marktanteilsverlust bei Unternehmensfinanzierungen. Banken, die über kein eigenes Anleihegeschäft verfügen, leiden besonders unter diesem Trend.

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Anleihen

Zinssenkung voraus – Anleihemarkt in den USA sendet klares Signal

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Federal Reserve in Washington DC - Zinssenkung voraus?

Die flache und in Teilen bereits inverse Zinsstrukturkurve in den USA sowie drohende Kreditausfälle dezimieren die Kreditmargen der US-Banken. Nur durch eine weitere Zinssenkung kann die Situation verbessert werden.

Die Banken und der Kapitalmarkt werden eine Zinssenkung erzwingen

Bedingt durch die Eigentümerstruktur bei der Fed of New York haben die Großbanken einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Geldpolitik der US-Notenbank (Buch: Die Kreatur von Jekyll Island: Die US-Notenbank Federal Reserve – Das schrecklichste Ungeheuer, das die internationale Hochfinanz je schuf). Die sich weiterhin stark gen Süden bewegenden Zinsen am amerikanischen Kapitalmarkt führen zu der gefürchteten Invertierung der Zinsstrukturkurve. Um die Kreditvergabefreudigkeit der Banken nicht zu belasten, muss die Fed, auch im Interesse ihres offiziellen dualen Mandats, kurzfristig mindestens eine Zinssenkung vornehmen. Nur durch eine Absenkung des Leitzinses kann die für das Kreditgeschäft der Banken wichtige Versteilerung der Zinsstrukturkurve wieder erreicht werden. Die dritte und bislang letzte Zinssenkung im aktuellen Zyklus erfolgte am 30. Oktober letzten Jahres um 25 Basispunkte (0,25 Prozent) aus genau diesem Grund. Der effektive Leitzins liegt seitdem in den USA bei 1,55 Prozent. Die rote Linie in der unteren Grafik zeigt die erneut flache bzw. zu Teilen bereits invertierte Zinsstrukturkurve in den USA.

Zinssenkung? Hier die Zinsstrukturkurve als Chart

Die US-Notenbank kommt um eine weitere Zinssenkung nicht herum

Noch erwartet die Mehrheit der Marktteilnehmer in den USA erst für Ende Juli die erste von zwei Zinssenkungen in diesem Jahr. Doch diese Erwartungshaltung wird sich im Zuge der in den nächsten Wochen zur Veröffentlichung anstehenden Konjunkturdaten auf der Zeitebene nach vorn verlagern und auch die Anzahl der Zinsschritte wird sich weiter erhöhen. Sehr wahrscheinlich wird die Fed bereits am 18. März oder spätestens am 29. April eine weitere Zinssenkung vornehmen. Bereits jetzt deuten erste Daten auf einen signifikanten Einbruch des Welthandels und des Weltwirtschaftswachstums hin. Die jüngste Umsatzwarnung des Börsen-Highflyers Apple ist ein Indiz dafür, dass sich auch die US-Wirtschaft diesem Einbruch nicht wird entziehen können.

Das gilt zum Beispiel auch für die US-Autobauer von General Motors bis Tesla, für die China der zweitwichtigste Absatzmarkt ist. Mit einem Wirtschaftswachstum von 2,1 Prozent im Schlussquartal 2019 und einer erwarteten Expansionsrate von nur noch 1,5 Prozent für das Auftaktquartal 2020 schreitet die Konjunkturabkühlung auch in den USA voran. Verstärkt wird dieser Trend nun durch die noch nicht quantifizierbaren Schäden durch die Coronavirus-Epidemie. Eines kann man aber schon seriös prognostizieren: Die negativen Wachstumseinflüsse sind signifikant.

Die bereits zu Jahresbeginn gedämpften Aussichten für die US-Konjunktur, also noch vor dem Covid-19 Ausbruch, hatten mehrere Gründe:

1) Der Produktionsstopp bei Boeing
2) Die erneut massiv gestiegenen Beiträge für Krankenversicherte
3) Auslaufende Effekte aus der Steuerreform von 2018
4) Die Rekordverschuldung bei den Unternehmen und Verbrauchern
5) Der starke US-Dollar mit wieder aufflammender Schwellenländer-Dollar-Krise
6) Die flache bis inverse US-Zinsstrukturkurve

Für die Banken bedeutet dieses Umfeld einerseits drohende Anstiege bei den Kreditausfällen und anderseits sinkende Margen im Kreditgeschäft. Bekanntermaßen leihen sich die großen Geschäftsbanken (Primary Dealer) bei der US-Notenbank Fed kurzfristig Geld und verleihen es langfristig an Staaten, Unternehmen und Verbraucher weiter (Fristentransformation). Die Kapitalmarktzinsen sind dabei die Benchmark für die Zinsen der kurz-, mittel- und langfristigen Ausleihungen.

Die heute veröffentlichten Zahlen der auch in den USA, speziell an er Ostküste, vertretenden Großbank HSBC, zeigen exemplarisch, wie stark die Margen bereits unter Druck kommen. Die Bank will nach eigenen Angaben das in den USA eingesetzte Kapital bis 2022 um 45 Prozent reduzieren, über 30 Prozent der US-Filialen sollen geschlossen werden und die Aktivitäten des in New York angesiedelten Investmentbankings sollen deutlich zurückgefahren werden. Die Bank erwartet auch wegen der Folgen des Covid-19 steigende Kreditausfälle und ein bereits jetzt spürbar rückläufiges Kreditgeschäft, speziell in Asien. Die angestrebte zweistellige Eigenkapitalrendite rückt damit weiter in die Ferne.

Fazit und Ausblick

Lange kann die Fed auf ihrer aktuellen Position des Nichtstuns und Abwartens nicht mehr verharren. Zu stark wird sich auch in den USA die konjunkturelle Dynamik abkühlen – mit negativen Effekten auch auf die Preisstabilität und den Arbeitsmarkt. Womit dann auch das offizielle duale Mandat der Fed tangiert wäre. Die Geschäftsbanken werden zusätzlichen Druck auf die Fed ausüben, da sie eine Verschlechterung ihrer Kreditportfolios fürchten und bereits jetzt unter schwindsüchtigen Margen im Kreditgeschäft leiden (abgesehen vom Kreditkarten-Geschäft). Perspektivisch kommt die Fed auch um den erneuten Ankauf von gebündelten Kredit- und Hypothekenpapieren nicht herum, da die Banken, wie z. B. die HSBC, ihre Bilanzen reduzieren als weiter aufblähen wollen. Daher muss die Fed ihre Bilanz umso stärker ausweiten, um das für die US-Wirtschaft essenzielle Kreditrad in Schwung zu halten.

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Anleihen

Griechenland und die Zinsen – das Symbol für den Anlagenotstand

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Die Akropolis ist das Symbol für Griechenland

Erfahrene Ökonomen schütteln nur noch den Kopf. 0,902 Prozent, das war die Rendite, die man gestern am Markt bekam, wenn man sich eine 10-jährige Staatsanleihe aus Griechenland ins Depot holte. Zum Vergleich: die wohl sicherste und liquideste Staatsanleihe der Welt, die 10-jährige US-Treasury, notierte gestern Abend bei 1,61 Prozent. Die Welt der Zinsen ist aus den Fugen geraten, ganz besonders in Europa.

Die schützende Hand über Griechenland

Wie kann ein Land wie Griechenland, dessen Staatsschulden 180 % zum Bruttoinlandsprodukt ausmachen, sich langfristig zu einem solchen Zinssatz verschulden? Man muss einen gewaltigen Schutzpatron oder sagen wir Sponsor haben, der nicht nur für das Land gewisse Sicherheiten gewährleistet, sondern auch für ein Zinsklima in mehr als zwei Dutzend EU-Staaten sorgt, damit diese Anomalie zustande kommt. Es ist die Europäische Zentralbank (jüngst mit klarer Warnung an die Politik), die mit ihren Leitzinssenkungen und den Anleihekaufprogrammen eine Zinslandschaft kreiert hat, in der es für die großen Kapitalsammelstellen (Pensionskassen, Versicherungen) kaum noch renditebringende Anlagenöglichkeiten gibt. Also weicht man in den Not auf die Länder aus, die noch etwas Zinsen bringen.

Griechenland war 2019 nicht nur der Star an den weltweiten Aktienmärkten mit einem Plus von 49 Prozent, auch die Anleihekäufer griffen beherzt zu. Die Zinsen fielen so rapide, dass die Kurse der Bonds um 30 Prozent nach oben schossen. Investoren verlassen sich auf die EU-Staaten, die mit ihren Garantien dem Land mindestens für die nächsten acht Jahre den Rücken freihalten.

Es läuft für Griechenland im Sinne der internationalen Investoren. Eine stabilere Regierung und ein Abbauprogramm der faulen Kredite bei den Banken in Höhe von 71 Milliarden Euro haben dazu geführt, dass die Ratingagentur Fitch im Januar Griechenlands Rating auf BB hochgestuft hat, gerade noch zwei Stufen unter Investmentgrade. Diese Entwicklung könnte dazu führen, dass das Land bald wieder so stabil eingestuft wird, dass es einen neuen und überaus zahlungskräftigen Käufer für die Staatspapiere geben könnte: Griechenland würde ins Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank rücken. Darauf hoffen die Investoren und kaufen „Ouzo-Bonds“. Eigentlich unglaublich für ein Land, dass so tief in den Schulden steckt.

Der einmalige Anlagenotstand

Das gerade geschilderte Phänomen beschränkt sich natürlich nicht nur auf Griechenland und ganz Europa. Japan hat vor mehr als zwei Jahrzehnten den Anfang gemacht. Jetzt läuft eine riesige Zinssenkungswelle über den Planeten mit über 100 Zinssenkungen weltweit im Jahr 2019, aber es ist noch nicht das Ende. Die weltweite Verschuldung erlaubt keinen Zinsanstieg derzeit. Dabei sind fallende Zinsen keine Spezialität des 21. Jahrhunderts. Eine wissenschaftliche Langzeit-Studie des Harvard-Wissenschaftlers Paul Schmelzing hat gezeigt. (siehe Artikel vom 11. Januar): Die Zinsen fallen in ihrer Tendenz schon seit dem Jahr 1300, aber jetzt ist ein kritischer Punkt erreicht. Wir sind Teil eines riesigen Experiments geworden.

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