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Anleihen

Selten so gelacht: EZB behauptet, Anleihekäufe würden Einkommens-Unterschiede verringern!

Die EZB ist derart dreist mit ihren absruden Behauptungen, dass einem das Lachen im Halse stecken bleibt!

Markus Fugmann

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Humor ist die Fähigkeit zu lachen, auch wenn es eigentlich wirklich traurig ist! Und die EZB bietet heute wieder einmal einen Anlaß, laut aufzulachen, auch wenn es eigentlich doch eher traurig ist!

So in einem heute von der Notenbank vorgelegten “Analyse” über die Segnungen der Anleiheläufe durch die EZB, die zu einer erstaunlichen Schlußfolgerung kommt:

“To summarise, the paper finds that low short rates do hurt “savers”, i.e. households owning non-negligible amounts of liquid assets, via a direct effect — that is, via the reduction in their income from those assets. Low short rates, however, also benefit savers, like all other households, via an indirect effect — that is, the reduction in their unemployment rate and the increase in their labour income. The indirect effect dominates from a quantitative perspective. The paper also finds that the APP reduced income inequality, mainly through a reduction of the unemployment rate of poorer households. On the whole we find that monetary policy in recent years benefited most households and did not contribute to an increase in wealth, income or consumption inequality.”

Das muß man sich auf der Zunge vergehen lassen! Zunächst wird hier eingestanden, dass natürlich niedrige Zinsen (ergo: Null-Zinsen bzw. die Abschaffung des Zinses) natürlich nicht so gut sei für Sparer, weil sich eben keine Zinseinnahmen mehr generieren lassen. Jenseits der Tatsache, dass mit der Abschaffung des Zinses durch Null-Zinsen faktisch der Markt-Mechanismus zur realistischen Bepreisung von Risiken komplett ausser Kraft gesetzt ist, haben alleine deutsche “Sparer” über einen längeren Zeitraum dreistellige Milliardenbeträge verloren: die DZ hat diesen Betrag für die Jahre 2010 bis 2017 auf 436 Milliarden Euro taxiert. Klar, sind ja nur peanuts…die dann in  der Altervorsorge fehlen.

Nun kann man natürlich argumentieren: die Nullzinspolitik der EZB bringt auch Vorteile, etwa günstige Kredite, die besonders die “Betongold”-affinen Deutschen reichlich genutzt haben, um sich eine Immobilie zuzulegen – was dann wiederum zu massiv steigenden Immobilienpreisen in deutschen Großstädten geführt hat. Wer Zinsen abschafft, inflationiert also logischerweise Vermögenspreise, weil dem Sparer nichts anderes übrig bleibt, als sein Geld andernorts zu parken.

Aber es wird noch skurriler: die EZB behautet einen Zusammenhang zwischen den Anleihekäufen und einer niedrigeren Arbeitslosigkeit und höheren Einkommen der Menschen! Wodurch denn? Was haben die Staats-Anleihekäufe der Notenbank mit der Frage zu tun, ob die Menschen weniger arbeitslos sind oder mehr Geld verdienen? Denkt sich ein Arbeitgeber: na, die EZB kauft Staatsanleihen, also stellen wir natürlich, weil wir das so toll von der EZB finden, mehr Menschen ein und zahlen ihnen dann auch mehr Geld?

Absolut absurd – wie absurd, zeigt die Argumentation des EZB-Papiers z.B. in diesem Satz (Seite 10 des Papiers):

“For example, lower interest rates reduce the cost of servicing government debt and allow for reduction in taxes, or for an increase in public transfers.”

Interessant: weil die Staaten aufgrund der Anleihekäufe der EZB (die die Renditen für diese Staatsanleihen nach unten drückt) weniger Zinszahlungen leisten müßten, könnten eben diese die Steuern zu senken (und mehr Sozialleistungen auszubezahlen). Ja, wir erinnern uns alle noch gut an die letzten massiven Steuersenkungen, nicht wahr? Wie hieß die nochmal – “die EZB hat es uns gegeben, wir geben es an euch zurück-Steuersenkung”, nicht wahr? Einfach nur grotesk. Der vor allem aufgrund der Nullzinsen (oder gar Negativzinsen) “Schwarze Null”-Haushalt Deutschlands ist eben nicht als Steuererleichterung beim Bürger angekommen, schon gar nicht in anderen Ländern.

Vielmehr ist es doch so, dass natürlich die Inflationierung der Vermögenspreise durch die Nullzinspolitik jene begünstigt hat, die eben über Vermögen (Aktien, Immobilien) verfügen, während jene eben nicht profitierten, die über keine Vermögen verfügen. Und weil das so ist, sind faktisch die Einkommensunterschiede massiv gestiegen – ebenso wie in den USA durch die zwischenzeitliche Nullzins-Politik der Fed.

Es ist schon reichlich dreist, diesen völlig offenkundigen Zusammenhang durch ein pseudowissenschaftliches Papier der EZB zu leugnen! Man kann durchaus sagen, dass die politische Unruhe in jenen westlichen Ländern bzw. Währungsräumen, die zwischenzeitlich oder dauerhaft den Zins abgeschafft haben, wesentlich auch eine Folge dieser Notenbank-Nullzins-Politik ist, weil sie die Mittel- und Unterschichten, die über wenig oder gar keine Vermögen verfügen, massiv benachteiligt und damit in ökonomische Existenzängste gestürzt hat.

Insofern könnte man sogar sagen: Trump ist – als Vertreter der abstiegsgefährdeten weißen Mittelschicht in den USA, die ihre gut dotierten Indsutriejobs verloren hat und sich nun mit mehreren Dienstleistungsjobs durchschlägt – ein Symptom der verheerenden (auch psychologischen) Folgewirkungen der Nullzinspolitik, die die Wall Street bereichert hat, die Main Street (also den Durchschnittsamerikaner) eher ärmer gemacht hat. Diese Schichten sind vielleicht sogar weniger Gloabilisierungsverlier als vielmehr sogar Nullzins-Umverteilungsverlierer..

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    tm

    18. Juli 2018 13:39 at 13:39

    Die Argumentation der EZB ist doch schlüssig und nachvollziehbar. Die untersten 50% der deutschen Haushalte verfügen praktisch nicht über Nettovermögen und leiden daher auch nicht unter niedrigen Zinsen. Die meisten Zinsen erhalten die Top 1%, die nun weniger Zinsen erhalten. Bei denen dazwischen kommt es u.a. darauf an, ob nun Wohneigentum erworben wurde. In Summe aber vermutlich weniger Unterschiede. Und dass die transferleistungen in den letzten Jahren erhöht wurden, ohne gleichzeitig die Steuern oder die Schulden zu erhöhen, kann doch auch nicht ernsthaft bestritten werden. Ihr selbst habt doch gestern oder vorgestern auf die Zuschüsse zur Rentenkasse hingewiesen.

    Der zweite Punkt, niedrige Arbeitslosigkeit und steigende Einkommen, ist sicher schwieriger prüfbar. Nun wissen wir doch aber, dass die Fiskalpolitik seit 2010 in den meisten Euroländern restriktiv war. Der laufende Aufschwung wurde also sicherlich nicht von der Fiskalpolitik ausgelöst, aber sicherlich von der Geldpolitik mindestens gefördert.

    Sie verweisen auf die Inflationierung der Aktien- und Immobilienpreise. Nun gilt für Immobilien doch aber, dass diese keineswegs überall in der Eurozone steigen – obwohl die Zinsen überall niedrig sind. Der Zusammenhang ist hier also keineswegs so eindeutig, zumal die deutschen Immobilienpreise im internationalen Vergleich auch keineswegs so hoch sind (außer in wenigen Orten). Und Geldpoltik und Aktien: Wenn die Geldpolitik für die Kurssteigerungen verantwortlich ist, wieso liegen die KGVs dann nicht weit über normalen Niveaus? Tatsächlich spiegeln die Kurse doch sehr gut die Gewinnsituation der Unternehmen wider. Zudem ist der DAX-Preisindex seit 2011 um gerade einmal 4,2% pro Jahr gestiegen, also weit weniger als in den 1990er Jahren.

    Was wäre eigentlich eure Alternative zu einer expansiven Geldpolitik gewesen?

  2. Avatar

    sj

    18. Juli 2018 13:53 at 13:53

    Der Effekt der geringeren Arbeitslosigkeit liegt darin, dass durch die Anleihenkäufe:

    a. Zombi Unternehmen, die sonst pleite gegangen wären, künstlich am Leben erhalten wurden und diese Arbeitskräfte dadurch nicht freigesetzt wurden.

    b. In Großunternehmungen die eine eigene Banklizenz besitzen, also die z.B. die Mehrzahl der deutschen Autokonzerne, ABM Stellen geschaffen wurden (F&E und sonstige Luftnummern) die über selbst begebene Unternehmensanleihen direkt finanziert werden.
    Bzw. auch indirekt indem diese Unternehmungen wiederum Waren und Dienstleistungen bei anderen Unternehmungen nachfragen für die sonst keine Finanzierung vorhanden wäre.
    (Fehlallokationen – Es wird gemacht weil man es kann und nicht weil es etwa sinnvoll wäre)

    • Avatar

      tm

      18. Juli 2018 14:02 at 14:02

      Sie definieren Zombie-Unternehmen also als Unternehmen, die bei höheren Zinsen pleite wären? Bei welchen Zinsen gilt das dann? Bei 10% Zins hätten wir sicher eine Pleitewelle. Sind das dann alles Zombies?

      b) ne, das ist nahezu irrelevant. Die Auslastung der deutschen Unternehmen ist schlicht gut und auch in anderen Ländern steigt die gesamtwirtschaftliche Nachfrage und somit auch die Arbeitskräftenachfrage.

      Wenn ich Sie nun richtig verstehe, hätten Sie zusätzlich zur restriktiven Fiskalpolitik also mitten in der Rezession auch noch eine restriktive Geldpolitik begrüsst?

  3. Avatar

    Beobachter

    18. Juli 2018 14:02 at 14:02

    Absolut richtig von Herr Fugmann, es ist schon sehr tiefes Niveau was da die Weltelite wie Draghi, Trump u. s.w. von sich geben.Ich kann mich noch an Kommentare erinnern wo man als Ziel der Anleihenkäufe die Steigerung der Aktienkurse = Wohlstandsmehrung u.Hoffnung auf Wirtschaftswachstum offen bekundete.
    Wie wir alle wissen sind jetzt die anfänglich positiven Effekte verfrühstückt ohne grosses Wachstum.Die negativen Nebenwirkungen bleben jetzt vor allem an der Unterschicht hängen.Ich bin nur erstaunt, dass durch die gestiegenen Immopreise die höheren Mieten nicht stärker auf die Inflation schlagen, oder werden die Mieten überhaupt berücksichtigt ? Ich glaube, die hässliche Seite dieses Experimentes wird uns noch beschäftigen.
    IMMOBILIEN– AKTIEN– ANLEIHENGEWINNE für wenige, fehlende Sparzinsen u.viel kleinere Renten für die grosse Masse, DAS IST DIE WAHRHEIT HERR DRAGHI !

    • Avatar

      tm

      18. Juli 2018 14:25 at 14:25

      ” kann mich noch an Kommentare erinnern wo man als Ziel der Anleihenkäufe die Steigerung der Aktienkurse = Wohlstandsmehrung ”

      Echt? Kann ich mich nicht dran erinnern.

      “verfrühstückt ohne grosses Wachstum”

      Aber das Wachstum ist doch nun seit Jahren wieder da und das trotz einer zumindest bis 2015/16 restriktiven Fiskalpolitik.

      “werden die Mieten überhaupt berücksichtigt ?”

      Ja

      Wieso sollten die Preise denn stärker steigen? Das Geldmengenwachstum ist doch weiterhin neidrig und ist im Durchschnitt seit 2008 sogar weiter historisch niedrig.

      Was wäre denn Ihre Wunsch-Geldpolitik ab 2008 gewesen?

  4. Avatar

    Stephan Fischer

    21. Juli 2018 18:51 at 18:51

    Es ist wahr, dass die Null-Zins-Politik in Deutschland den Arbeitsmarkt beflügelt hat. Der Grund liegt in einem für Deutschland unterbewerteten Euro, welcher die deutschen Exporte fördert. Diese Politik geht aber zu Lasten der Sparer mit steuerlich geförderten Produkten wie Rieser-Policen und Lebensversicherungen (ca. 100 Mio. Verträge). Deren Vermögen wird durch schleichende Inflation abgewertet. Besitzer von Immobilien und Aktien sind die Gewinner. Eine solche Geldpolitik endet, sobald von den Sparern nichts mehr zu holen ist. Man kann ein Problem auch nicht mit der gleichen Denkweise lösen, durch welche es entstanden ist, nämlich durch billige Kredite. Am Ende wird aus dem Land der Dichter und Denker das Land der Sozialhilfeempfänger.

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Staatsbankrott: Was passiert da eigentlich? Argentinien zeigt es!

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Wenn ein Staat seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann, ist das eine Katastrophe für seine Bürger, die Unternehmen im Land und natürlich auch für die Gläubiger, die auf einen Großteil ihres Geldes verzichten müssen. Doch wie genau ist der Ablauf eines Staatsbankrotts? Da Argentinien gerade wieder zahlungsunfähig ist (schon im Februar forderte der IWF einen Schuldenschnitt) und sich in Verhandlungen mit seinen Gläubigern befindet, können wir an diesem Beispiel lernen, wie der Vorgang abläuft!

Die Insolvenz eines Staates ist ein häufiges Ereignis. In den vergangenen 200 Jahren kam es statistisch gesehen zu mehr als einem Staatsbankrott pro Jahr weltweit. Seit der Abschaffung der Golddeckung und der weitgehend unregulierten Schöpfung ungedeckten Fiatgeldes nahm die Frequenz der Staatsbankrotte sogar deutlich zu. So gab es zwischen 1980 und 2010 pro Jahr durchschnittlich drei insolvente Staaten auf der Erde.

Es gibt kein gesetzlich geregeltes Insolvenzverfahren für den Staatsbankrott

Umso interessanter ist es, dass es zwar gesetzliche Regelungen für den Fall eines Staatsbankrottes gibt, die aber im Falle zum Beispiel der Bundesrepublik Deutschland eine Insolvenz, genauer gesagt ein Insolvenzverfahren, explizit NICHT vorsehen. Doch Papier ist geduldig. Wenn Deutschland seine Schulden nicht mehr bedienen kann, ist das Land insolvent – Gesetz hin oder her.keine gesetzlichen Regelungen für den Fall eines Staatsbankrotts gibt. Zwar mag es dann kein Insolvenzverfahren wie bei Unternehmen oder Privatpersonen geben. Doch eine Art von Insolvenzverfahren findet dennoch statt: die Verhandlung mit den Gläubigern. Zwar kann ein Staat die Zahlungen an seine Gläubiger einstellen. Doch bis es keine Einigung mit diesen gab, wird das Land auch keine neuen Kredite bekommen. Zumindest keine Auslandskredite. Kredite in der heimischen Währung könnte sich ein Staat theoretisch über die Zentralbank selbst geben, wie es zum Beispiel in den USA und der Eurozone schon seit geraumer Zeit nur wenig versteckt stattfindet.

Kann ein Staat keine Devisen mehr beschaffen, leidet darunter die heimische Bevölkerung und die Unternehmen. Importe sind dann nur noch in dem Umfang möglich, in dem Devisen mittels Exporten erwirtschaftet werden. Um einen Ausgleich zwischen Importen und Exporten herzustellen, muss die Währung gegenüber den ausländischen Währungen abwerten. Die dann in der Regel herrschende Devisenknappheit zwingt die Menschen dazu, ihre Ersparnisse in der heimischen Währung zu halten, die im Falle eines Staatsbankrotts jedoch zu hoher Inflation neigt. Die Währungsabwertung heizt die Inflation zusätzlich an, da Importwaren teurer werden. Haben die Menschen und Unternehmen Zahlungsverpflichtungen in Fremdwährung, sind zahlreiche Privat- und Unternehmensinsolvenzen zu erwarten. Selbst wenn die Schuldner in der Lage wären, Devisen zu beschaffen, wären die Kredite durch die Währungsabwertung deutlich teurer als zum Zeitpunkt der Kreditaufnahme.

Gläubiger müssen auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten, bekommen aber teils noch Geld zurück

Eine Einigung mit den Gläubigern und der daraufhin wieder mögliche Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten ist daher ein vordringliches Ziel der Regierung nach einem Staatsbankrott. Den meisten Gläubigern ist bewusst, dass eine vollständige Rückzahlung ihrer Forderungen unwahrscheinlich ist. In der Regel kauften die Gläubiger die Schuldtitel bereits mit deutlichen Preisabschlägen an der Börse und kassierten hohe Zinsen bis zum Zeitpunkt der Zahlungseinstellung. Eine Einigung, die in der Regel einen teilweisen Schuldenerlass, niedrigere Zinsen und gestreckte Zahlungsziele beinhaltet, wird daher relativ schnell gefunden. Interessant ist, dass die Insolvenzquoten bei Staatsbankrotten oft relativ hoch sind. Bei Unternehmens- und Privatinsolvenzen ist in der Regel für die Gläubiger ein Totalverlust anzunehmen. Bei Staatsbankrotten sind 30% oder auch fast 50% Rückzahlungsquoten möglich. Das Beispiel Argentinien zeigt jedoch, dass sich inzwischen auch einige Hedgefonds darauf spezialisierten, die Anleihen praktisch bankrotter Staaten zu Schnäppchenpreisen aufzukaufen und dann auf vollständige Tilgung des Nennwerts zu pochen.

Bis es zu einer Einigung mit den Gläubigern kommt, können diese auch den Besitz des säumigen Staates im Ausland beschlagnahmen lassen. So ließ ein US-Hedgefonds ein argentinisches Marineschiff beschlagnahmen, weil Argentinien sich weigerte, die vom Hedgefonds gehaltenen Anleihen zum vollen Nennwert zu tilgen.

Beispiel Argentinien: Bankrott seit Ende Januar

Argentinien erklärte am 29. Januar 2020, dass es plane, den Gläubigern ein Programm zur Schuldenrestrukturierung zu präsentieren. Mit anderen Worten: Argentinien könnte zwar seine Schulden noch bedienen, weigert sich aber, es zu tun. Am 19. Februar bestätigten Prüfer des Internationalen Währungsfonds, dass die Staatsschulden Argentiniens in der Tat nicht mehr tragbar seien. Am 21. April präsentierte Argentinien schließlich seinen Plan zur Restrukturierung von 69 Milliarden US-Dollar Auslandsschulden und setzte den Gläubigern eine Frist bis zum 8. Mai, um diesen Plan zu akzeptieren.

Die dachten natürlich nicht daran, den Plan einfach durchzuwinken. In persönlichen Treffen und Videokonferenzen versuchte Argentinien, die größten Gläubiger zu überzeugen. Schließlich musste jedoch am 7. Mai verkündet werden, dass man für Gegenvorschläge der Gläubiger offen sei. Die Frist zur Annahme des Restrukturierungsangebots wird in den kommenden Wochen mehrfach verlängert. In der Zwischenzeit wurden auch die ersten Zinszahlungen fällig, die Argentinien nicht bezahlte. Das Land ist damit offiziell zahlungsunfähig und hat damit bereits den neunten Staatsbankrott seiner Geschichte erklärt.

Nach Wochen des Wartens präsentieren erste große Gläubiger ihre Vorschläge zur Restrukturierung der Schulden. Sie bieten einen Schuldenerlass von rund 45% an, was Argentinien zu wenig ist. Schließlich einigt sich Argentinien am 2. August doch noch auf einen Schuldenerlass von 45,2% mit dem Großteil seiner Gläubiger.

Im Endeffekt dauerte der Staatsbankrott also nur rund ein halbes Jahr. Für Argentinien wird es nach der Einigung noch nicht sofort so sein wie vor der Erklärung der Zahlungsunfähigkeit. Investoren werden noch eine Weile merkliche Risikoaufschläge für neue Kredite verlangen. Und vermutlich wird es auch wieder den einen oder anderen Gläubiger geben, der auf vollständige Tilgung seiner Anleihen besteht. Der Wechselkurs des argentinischen Peso wird sich aller Voraussicht nach auch nicht erholen, solange Argentinien nicht das grundlegende Problem der negativen Zahlungsbilanz löst. Der teilweise Schuldenerlass gab dem Land nur eine Atempause.

Der Obelisco als Smybol für Argentinien - Staatsbankrott lähmt das Land
Der Obelisco in Buenos Aires. Foto: Gobierno de la Ciudad Autónoma de Buenos Aires CC BY 2.5 ar

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Wann brechen die Staatsschulden den USA das Genick?

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Trotz massiv steigender Staatsschulden geht die Party in den USA weiter

Die Staatsschulden der USA steigen während der Coronakrise im Rekordtempo. Doch es ist nicht der schiere Berg an immer schneller wachsenden Schulden, der Sorgen bereitet, sondern der ebenso enorme kurzfristige Refinanzierungsbedarf für Altschulden. Insolvent wird ein Staat schließlich nicht, wenn der letzte Kredit-Cent nicht zurückgezahlt werden kann, sondern bereits, wenn das beim ersten nicht gelingt. Allein im kommenden Jahr müssen die USA 7,4 Billionen US-Dollar umschulden – mehr, als der Staat Anfang 2010 insgesamt an börsengehandelten Schuldtiteln emittiert hatte. Gelingt nur eine Refinanzierung nicht, weil der Appetit des Marktes auf niedrig verzinste US-Staatsanleihen nachlässt, wären die USA insolvent. Wahrscheinlicher ist jedoch ein anderes Szenario: Ein schleichender Vertrauensverlust in den US-Dollar.

Staatsschulden verändern sich in ihrer Zusammensetzung ständig

Viele sehen Staatsschulden als etwas monolithisches, unveränderliches, einfach immer nur weiter wachsendes Etwas an. Doch die Schulden eines Staates gleichen eher einem Ameisenhaufen. Sie setzen sich zusammen aus einer Vielzahl von Schuldtiteln unterschiedlicher Laufzeit, unterschiedlichen Zinsen und unterschiedlichen Umfangs – und diese Zusammensetzung ändert sich ständig. Das heißt, dass zum Beispiel in den 70er Jahren aufgenommene Schulden in den meisten Fällen gar nicht mehr existieren. Sie wurden zwischenzeitlich in den allermeisten Fällen schon mehrfach umgeschuldet. Immer dann, wenn eine alte Anleihe fällig wird, emittiert der Staat eine neue Anleihe. Die Einnahmen aus der neuen Anleihe fließen sofort zur Tilgung der alten Anleihe zurück an Anleger. Durch Zinszahlungen und die Finanzierung der oft defizitären Staatshaushalte wächst sowohl das Volumen der neuen Anleihe-Emissionen als auch deren Anzahl immer weiter an.

Ein Beispiel: Die USA hatten Ende Februar 2010 börsengehandelte Staatsschulden von insgesamt 7,39 Billionen US-Dollar. Von diesen 7,39 Billionen waren damals binnen eines Jahres 2,5 Billionen US-Dollar fällig. Das heißt, die USA mussten in einem Jahr neue Anleihen im Umfang von 2,5 Billionen US-Dollar ausgeben, um die alten fällig werdenden Anleihen zu tilgen. Zusätzlich mussten weitere rund 1,6 Billionen US-Dollar neue Schulden aufgenommen werden, um das Defizit im Staatshaushalt auszugleichen.

Die USA finanzieren ihre Schulden immer kurzfristiger

Im Laufe der vergangenen zehneinhalb Jahre wuchs so die in Form von Anleihen börsenhandelbaren Staatsschulden auf heute 19,9 Billionen US-Dollar an (hier ein Blick auf die offiziellen Gesamtschulden). Inzwischen werden in den kommenden zwölf Monaten bereits 7,4 Billionen US-Dollar fällig. 3/4 der Neuverschuldung der vergangenen zwölf Monate wurde mit extrem kurz laufenden Anleihen finanziert. Der Trend zu längeren Laufzeiten kehrte sich während der Coronakrise binnen weniger Wochen wieder um. Das ist kurzfristig eine tolle Sache für den Staat, da er für Anleihen mit bis zu einjähriger Laufzeit nur Zinsen von bis zu 0,1% bezahlen muss. Kurzfristige Schulden sind für die USA also derzeit fast gratis. Für Deutschland würden sie sogar Zinseinnahmen generieren, da die Zinsen für deutsche Staatsanleihen negativ sind.

Der Haken an der Sache ist, dass kurzfristige Schulden auch öfter refinanziert werden müssen. Das macht die Staatsschulden anfällig für Zinserhöhungen. Denn bei jeder Refinanzierung muss der Schuldner natürlich den dann aktuellen Marktzinssatz zahlen. Würden die USA die Schulden gleich für fünf, zehn oder mehr Jahre aufnehmen, müssten sie zwar ein wenig höhere Zinsen zahlen. Die wären dann aber für die volle Laufzeit der Anleihen sicher. In der Zwischenzeit steigende Zinsen würden nicht nach kurzer Zeit zu höheren Zinsbelastungen für den US-amerikanischen Staatshaushalt führen.

Ein weiterer Nachteil der kurzen Laufzeiten ist, dass die USA permanent Investoren davon überzeugen müssen, Billionen US-Dollar in die USA zu reinvestieren. Käme es zu einer Vertrauenskrise, dann wird es wahrscheinlich unmöglich sein, sieben Billionen US-Dollar in einem Jahr aufzutreiben oder gar 14 Billionen in den kommenden fünf Jahren. Bei Vertrauensverlust steigen natürlich als Erstes die Zinsen an, was die Schuldenlast der USA angesichts der kurzen durchschnittlichen Laufzeit schnell untragbar macht. Durchschnittlich beträgt die Laufzeit nur noch 62 Monate. Bei steigenden Zinsen müssten also nach 62 Monaten die kompletten derzeit knapp 20 Billionen US-Dollar zum dann höheren Zinssatz refinanziert werden.

Langfristig wird die US-Zentralbank alle neuen Staatsschulden finanzieren müssen

Angesichts der hohen Summen ist es wahrscheinlich, dass bei einem Vertrauensverlust selbst bei gestiegenen Zinsen über kurz oder lang nicht mehr genügend Investoren überzeugt werden können, den USA Geld zu leihen. Und sobald nicht mehr genug Interesse an Neuemissionen besteht, um die fällig werdenden Altschulden zu tilgen, wären die USA zahlungsunfähig. Im Falle Griechenlands ging dieser Prozess innerhalb weniger Wochen vonstatten.

Im Unterschied zu Griechenland können die USA jedoch ihr eigenes Geld drucken. Schon heute sehen wir, dass die US-Zentralbank einen beträchtlichen Teil der US-Staatsschulden kauft. Es ist anzunehmen, dass dieser Anteil mittel- und langfristig weiter ansteigt, bis irgendwann die Zentralbank der einzige Käufer der Anleihen ist. Schon vorher wird das Vertrauen in den US-Dollar massiv schwinden. Denn eine Zentralbank, die Jahr für Jahr Billionensummen schöpft, um den eigenen Staat zu finanzieren, hat keinerlei Vertrauen mehr verdient. Die Kaufkraft des US-Dollars wird im In- und Ausland schrumpfen. Inflation im Inland und Abwertung im Ausland werden die Folge sein.

Trumps Ansinnen, das Außenhandelsbilanzdefizit der USA zu reduzieren, macht es übrigens nicht besser. Bisher exportierten die USA Jahr für Jahr US-Dollar im Austausch für Waren. Diese US-Dollar flossen zum Teil zurück und wurden in US-Staatsanleihen investiert. Wenn das Defizit reduziert wird, reduzieren sich damit auch die Exporte von US-Dollar und der Rückfluss in US-Staatsanleihen. Gleichzeitig steigt das Emissionsvolumen, was mehr und nicht weniger Käufer für die Papiere benötigt.

Ob angesichts der sich immer schneller drehenden Schuldenspirale überhaupt noch ein Kurswechsel möglich ist, darf bezweifelt werden. In die Staatspleite wird diese Spirale bei den Staatsschulden im Falle der USA jedoch auf absehbare Zeit noch nicht münden. Dafür ist das Vertrauen in den US-Dollar weltweit noch immer zu groß und die Zahl der Alternativen zu klein. Dollarbesitzer sollten sich jedoch auf einen beschleunigten Verlust ihrer Kaufkraft einstellen.

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Anleihen

Goldpreis: Aktuell echte Stärke, und ein Blick auf die Realrenditen

Claudio Kummerfeld

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Ein Barren Gold

Haben Sie Freitag Nachmittag unsere Berichterstattung zum Thema Gold verfolgt? Da fiel der Goldpreis plötzlich. Zeitgleich war der US-Dollar (gut sichtbar im Währungskorb “Dollar-Index”) deutlich gestiegen. Oft gibt es eine klare Korrelation. Dollar stark, Gold schwach, und umgekehrt! Und so geschah es dann auch zügig am Freitag Nachmittag. Der Dollar-Index kletterte schon den ganzen Freitag von 92,52 auf über 93,50 Punkte. Und der Goldpreis sackte ab von 1.975 auf 1.960 Dollar, wohl vor allem als Reaktion auf den starken US-Dollar.

Goldpreis kann sich halten

Aber seitdem? Da zeigt der Goldpreis eine aktuelle Stärke. Denn schauen wir hier mal auf den aktuellen Chart, wo Gold in rot-grün gezeigt wird, und der Dollar-Index in blau. Der Greenback ist auch übers Wochenende weiter deutlich gestiegen auf jetzt 93,82 Punkte. Demnach hätte der Goldpreis weiter fallen können oder sogar müssen? Aber nein, das Edelmetall hält sich robust bei 1.971 Dollar. Dies kann man als aktuell echte Stärke bezeichnen. Weitere Anläufe über 1.980 Dollar und in Richtung der großen runden Marke von 2.000 Dollar sind jederzeit möglich? Vor allem, wenn der Dollar-Index wieder kehrt macht gen Süden? Es bleibt spannend.

Chart zeigt Goldpreis gegen Dollar-Index

Realrenditen

Die realen Renditen von Anleihen ergeben sich aus dem Zins abzüglich der Inflationsrate. Holger Zschaepitz hat im folgenden Chart, der bis zu den 90er-Jahren zurückreicht, die Realrendite deutscher Bundesanleihen gezeigt. Schon seit Jahren liegen sie im negativen Bereich. Ganz aktuell kommen sie etwas nach oben Richtung Null-Linie. Dies liegt aktuell aber wohl nur daran, dass die Inflation in Deutschland auf Null gesunken und sogar in die Deflation gerutscht ist. Und das wiederum liegt wohl vor allem an der jüngst in Kraft getretenen Mehrwertsteuersenkung, durch die viele Produkte billiger wurden.

In der folgenden Grafik der Notenbank von St. Louis sieht man für zehnjährige US-Staatsanleihen den inflationsbereinigten Zins. Seit Januar diesen Jahres geht es in den Minusbereich. Der Chart reicht von 2018 bis zum letzten Donnerstag. Es geht weiter Richtung Süden. Was lernen wir daraus? Je schlechter verzinsz Anleihen global sind, desto größer grundsätzlich der Drang von Anlegern Richtung Edelmetalle, was dem Goldpreis helfen sollte (hier dazu ein interessantes Video von Markus Fugmann). Eine Garantie für steigendes Gold ist das nicht, aber von der Grundtendenz her… wenn man sieht, 2018 lag der Goldpreis noch bei 1.300 Dollar!

US-Realrendite fällt immer weiter

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