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So soll die Türkei aus der Krise kommen

Wie kommt die Türkei wieder aus der Krise? Geht es nach Präsident Erdogan, genügt vor allem das Vertrauen auf Gott. Die Ökonomen vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sehen das etwas anders. Hat man sensationelle Rettungspläne aus der Schublade gezaubert, mit denen man den außenstehenden Beobachter überraschen kann?

Nein, man hat wohl das „Handbook“ des IWF kopiert, so möchten wir es locker formuliert ausdrücken. Der DIW hat in einer ganz frischen Denkschrift veröffentlicht, wie die Türkei aus der aktuellen Krise kommen soll. Dazu solle die Notenbank die Zinsen spürbar erhöhen. Dann müsse der Staat sparen um den Haushalt in den Griff zu bekommen. Und es müsse klar gemacht werden, dass die Notenbank in Ankara wirklich unabhängig von der Politik ist. Und letztlich solle die Türkei auch zinsgünstige Kredite aus dem Ausland aufnehmen („back to the IWF“ wie zur Jahrtausendwende?).

Ohne Gegenmaßnahmen habe die jetzige Krise hat das Potential, so schlimm wie die Krise der Türkei im Jahr 2001 zu werden, so das DIW aktuell. Würde man die DIW-Ideen jetzt umsetzen, würde das BIP erst einmal um knapp 1% sinken. Aber schon im Folgejahr würde es bereits wieder ansteigen. Vor allem aber würde die Inflation in den nächsten beiden Jahren jeweils um rund fünf Prozent eingedämmt und die Lira um insgesamt neun Prozent aufwerten. Weiter sagt das DIW Zitat:

Sowohl am effektivsten als auch am effizientesten wäre den Berechnungen zufolge, wenn die Zentralbank das von den internationalen Kapitalgebern wahrgenommene Inflationsziel deutlich senken würde. „Dies könnte vor allem durch eine Restaurierung der Notenbankunabhängigkeit erfolgen. Auch das verlorene Vertrauen am internationalen Kapitalmarkt könnte damit zurückgewonnen werden“, erwartet Studienautor Malte Rieth.

Die Ökonomen haben auch simuliert, wie wirkungsvoll Kredite von internationalen Partnern wären. Eine Senkung des ausländischen Zinssatzes um fünf Prozentpunkte würde Währung, Inflation und Wirtschaft deutlich stabilisieren: Die türkische Lira würde durch diese Maßnahmen in den kommenden zwei Jahren um rund acht Prozent aufwerten. „Die Türkei hat es selber in der Hand, die Krise zu entschärfen. Dabei können sie die internationalen Partner unterstützen. Zentral ist im Reformprozess, dass die Glaubwürdigkeit der Notenbank wieder hergestellt wird“, resümiert Malte Rieth.

Klicken Sie hier für die komplette zehnseitige Studie des DIW. Ob Erdogan diesen Weg gehen wird? Das darf man wohl kaum annehmen. Aber: Erst vor drei Tagen wurde die aktuellste Inflationszahl für die Türkei mit 17,9% bekannt gegeben. Daraufhin sagte die Notenbank sie werde auf ihrer Sitzung am 13. September Maßnahmen ergreifen um diese Entwicklung einzudämmen. Also wird es wohl Zinsanhebungen geben. Dann dürfte Präsident Erdogan mehr als nur schäumen, denn er will unbedingt sinkende Zinsen für eine Stimulanz der Wirtschaft. Wird er dann ab dem 13. September Notenbanker entlassen? Dadurch könnte eine denkbare Lira-Aufwertung brutal abgewürgt und ins Gegenteil verkehrt werden!



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