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Korrektur kommt! S&P 500: Die Rally an der Wall Street biegt in die Schlussgerade ein

S&P 500: Die Rally an der Wall Street biegt in die Schlussgerade ein

Die Wall Street setzt zum Wochenbeginn ihre Rally unbeirrt fort. Sowohl der Leitindex S&P 500 als auch der Nasdaq und Dow Jones legen aufgrund der Zinshoffnungen weiter zu. Nicht nur die zuletzt gefallenen Inflationszahlen, sondern auch die schwachen Konjunkturdaten wecken die Hoffnung, dass die US-Notenbank Fed die Zinsen nicht so stark erhöht wie befürchtet. Die US-Investoren setzen darauf, dass der Peak der Inflation überwunden ist und die Wirtschaft ein Soft-Landing vollzieht.

Schlechte Nachrichten und konjunkturelle Warnsignale treten dabei in den Hintergrund, sodass die Börsenbullen das Handeln bestimmen. Vor allem die Hoffnung auf eine Drosselung oder gar ein Ende des Zinsanhebungszyklus beflügelt die Wall Street. Es ist jedoch äußerst unwahrscheinlich, dass der Preisauftrieb schon bald auf breiter Front nachlässt und die Fed auf die Bremse tritt. Dies wird sie erst tun, wenn die USA in eine tiefe Rezession fällt.

Die Marktteilnehmer scheinen die Risiken indessen völlig zu ignorieren. Der Kaufrausch der vergangenen Wochen zeigt sich in den Anstiegen der US-Indizes. Der Leitindex S&P 500 konnte bereits 18 Prozent von den Juni-Tiefs zulegen. Beim Old-Economy-Index Dow Jones ging es seitdem 14 Prozent aufwärts. Am stärksten stieg der Technologieindex Nasdaq, der in der Spitze um 24 Prozent kletterte. Aus technischer Sicht dürfte die Rally aber auf die Schlussgerade einbiegen.

Die Aktienmärkte neigen bekanntlich zu Übertreibungen

Die Belastungsfaktoren sind immer noch zahlreich: Lieferengpässe, Abschwung in China, geopolitische Risiken, hohe Energie- und Rohstoffpreise und eine (technische) Rezession. Es handelt sich dabei um bekannte Risiken, weshalb es zu einem Gewöhnungseffekt kommt. Aber nur, weil sich die Lage nicht weiter verschlimmert hat, bedeutet es nicht, dass es besser wird. Die US-Aktienmärkte preisen aber schon wieder den nächsten Aufschwung ein. Die Bilanzsaison ist zwar nicht so dramatisch schlecht ausgefallen wie erwartet, hat aber aufgezeigt, dass die Unternehmen unter dem schwierigen Umfeld leiden. Während die Umsätze weiterhin auf hohem Niveau liegen, sehen wir einen deutlichen Rückgang bei den Gewinnmargen. Die Erwartungen sind durch die „guten“ Firmenbilanzen angestiegen, die Risiken dürften aber bleiben. Für die Unternehmen dürfte es somit deutlich schwieriger werden, auch im dritten Quartal zu überzeugen.

Zudem bleiben der Zinsanhebungszyklus der Fed und die Rezession ein Unsicherheitsfaktor. Der jüngste Rückgang der Verbraucher- und Produzentenpreise im Juli hat die Wall Street beflügelt. Die drei großen US-Indizes S&P 500, Dow Jones und Nasdaq marschieren schon wieder als ob es kein Morgen gibt. Das bringt die Fed jedoch unter Zugzwang, da die finanziellen Konditionen in diesem Umfeld immer lockerer werden. Also passiert genau das Gegenteil von dem, was die Fed durch ihre restriktive Geldpolitik bewirken möchte. Vermutlich dürften die Zentralbanken eine restriktivere Haltung einnehmen als die Marktteilnehmer derzeit annehmen.

Die Inflation muss sinken – Fed bleibt hartnäckig

Die US-Notenbank möchte im Durchschnitt eine Inflationsrate von 2,0 % erreichen. Aktuell liegt die Teuerung jedoch bei 8,5 Prozent. Die Lücke soll geringer werden, dies geht aber nur durch eine straffere Geldpolitik oder eine tiefe Rezession. Daher geben Ökonomen und Währungshüter noch keine Entwarnung im Kampf gegen die Inflation. Wenn morgen Abend das Protokoll der jüngsten FOMC-Sitzung veröffentlicht wird, gibt es neue Hinweise über den künftigen Kurs der Fed. Die derzeitige Euphorie an der Wall Street könnte also ein wenig verfrüht gewesen sein. Aus technischer Sicht deutet sich ebenfalls eine Pause oder gar ein Ende der Rally an.

S&P 500: Erholungsrally auf der Schlussgeraden

In den vergangenen Wochen haben wir einen Short-Squeeze sondergleichen gesehen. Im Juni lagen die Märkte am Boden, das Anleger-Sentiment war so niedergeschlagen wie nur wenige Male in den letzten Jahrzehnten. Der Großteil der Anleger hatte sich mit Put- und Short-Positonen eingedeckt, zudem lag die Investitionsquote institutioneller Investoren nur noch bei 20 Prozent. All das hat sich zuletzt in einer rasanten Rally entladen. Aus technischer Sicht haben die US-Indizes S&P 500, Dow Jones und Nasdaq markante Widerstände erreicht. Die laufende Rally könnte nun eine Verschnaufpause vertragen.

Das mittelfristige Chartbild im S&P 500 hat sich mit dem Ausbruch über den Mai-Hochs bei circa 4.200 Punkten aufgehellt. Durch den Ausbruch könnte es zu einer Trendwende kommen. Damit dies geschieht, sollte der Leitindex auch nachhaltig die 200-Tage-Linie zurückerobern, die aktuell bei 4.315 Punkten verläuft. Angesichts der bereits weit gelaufenen Erholung sowie der überhitzten Marktlage ist ein Ausbruch über der wichtigen Durchschnittslinie aber sehr unwahrscheinlich. Viel wahrscheinlicher ist, dass der S&P 500 zunächst an der 200-Tage-Linie scheitert und in eine Konsolidierung übergeht.

Der Relative-Stärke-Index notiert auf Tagesbasis bereits deutlich im überkauften Bereich. Auf der Long-Seite ergibt sich derzeit kein gutes Chance-Risiko-Verhältnis. Der S&P 500 könnte an dem markanten horizontalen Widerstand bei 4.300/330 Punkten scheitern. Ein Rücklauf bis zu dem Ausbruchslevel bei 4.200 ist möglich. An dieser Stelle könnte eine kurzfristige Richtungsentscheidung fallen. Unterhalb von 4.082 Punkten würde es dagegen zu einem starken Verkaufssignal kommen. Nach der rasanten Rally ist im S&P 500, Nasdaq und Dow Jones auf jeden Fall die Zeit gekommen vorsichtiger zu werden und die Gewinne abzusichern.

Rally an der Wall Street endet - S&P 500, Dow Jones & Nasdaq am Widerstand

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