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Blick auf den Mayer-Plan Spreads, Schuldentürme, Inflation: Wer rettet den Euro?

Rettet der Mayer-Plan den Euro? In Zeiten von explodierenden Schuldenbergen und hoher Inflation ist es wichtig kreative Ideen zu beachten.

Euro-Geldscheine

Die Spreads zwischen italienischen und deutschen Staatsanleihen haben sich massiv gespreizt. Sie kommen Einladungskarten an die Finanzmärkte und internationalen Pensionsfonds gleich. Denn die Zinsdifferenz zwischen dem deutschen Euro und dem italienischen Euro lassen sich weidlich nutzen. Hier von Gier der Spekulanten zu sprechen, ist in etwa so unpassend wie einem Ehepaar beim allabendlichen Spaziergang in der Feldmark Geldgeilheit vorwerfen, weil es sich nach einem 1-Euro-Stück bückt. Das sind Gelegenheiten. Es ist nicht an den Spekulanten, sie nicht wahrzunehmen, sondern an den Regierenden, sie zu vermeiden. Im übrigen macht derlei Spekulation eindrücklich eines deutlich: In den Augen der Märkte ist der deutsche Euro auf der einen Seite und der italienische oder griechische Euro auf der anderen nicht ohne weiteres dasselbe. Diese Sschwankungen innerhalb eines Währungsraums wirken wie Sprengstoff – die EZB steuert nun gegen mit der Regulierung der Renditen über ihr „Transmission Protection Instrument“ oder TPI.

Schulden und Inflation des Euro verschärfen Spreads

Hinzu kommt, dass die Verschuldung in der Eurozone 2022 annähernd doppelt so hoch ist wie vor der Weltfinanz- und Eurokrise 2007/8. Und als ob das nicht schon reichte, haben wir eine EZB, welche die dynamische Inflationsentwicklung des Euro vollkommen verkannte: Erst war die Inflation gar nicht da. Dann war die Inflation das Konstrukt hysterischer Alarmisten. Wenig später war die Inflation nur transitorisch. Und schließlich war die Inflation Putins Schuld: Schiffbrüchige und ihre Planke, Respekt. Christine Lagarde und ihre rechte Hand Isabel Schnabel begegnen dem Publikum im Modus anhaltender Überforderung. Das Euro-Schiff hat viel Wasser geschluckt, die Pumpen versagen. Was tun? Hier kommt der Mayer-Plan zur Rettung des Euros ins Spiel.

Der Retter des Euro könnte Thomas Mayer heißen

Thomas Mayer ist nicht irgendwer. Er ist der maßgebliche Finanzökonom der Gegenwart. Mayer war in herausgehobenen Positionen für den Internationalen Währungsfonds, für Goldman Sachs und Salomon Brothers an den internationalen Finanzmärkten in London und New York tätig. Zuletzt war er Chefökonom der Deutschen Bank in Frankfurt am Main. 2014 baute er für Flossbach von Storch in Köln das gleichnamige Research Institute auf, als dessen Gründungsdirektor er seitdem fungiert. Heute, nach nur 7 Jahren, besitzt das Flossbach von Storch Research Institute einen Ruf wie Donnerhall. Neben dem Ifo-Institut München dürfte es das maßgebliche Finanzforschungsinstitut des Landes sein. Mayers Flossbach von Storch Research Institute hat unter anderem den Vermögenspreisindex in die Finanzökonomie eingeführt, eine längst überfällige Skala, um Assetpreise akribisch zu vermessen. Der Flossbach von Storch Vermögenspreisindex ist inzwischen aus keiner ernstzunehmenden makroökonomischen Analyse mehr wegzudenken.

Die Digitalisierung des Euro als Chance

Seinen Plan zur Rettung des Euros stellte Thomas Mayer im Rahmen seines Buches „Das Inflationsgespent – Eine Weltgeschichte von Geld und Wert“ im Februar dieses Jahre vor. In einem Interview vom 15. Juli legte er seine Pläne noch einmal detailliert dar (hier das Video – Timecode 17:00ff.). Mayer möchte die Digitalisierung des Euro, die ohnehin ansteht, mit einer alten Idee zur Währungskonsolidierung verknüpfen, dem sogenannten Chicago-Plan von 1933. Mayers schwebt mit diesem Ansatz vor, im Zuge einer einmaligen Umstellung alle Euroschulden auf der Bilanz der EZB zu neutralisieren. Technisch sieht das wie folgt aus: Jede Banknote beinhaltet im Kern eine direkte Verpflichtung der Zentralbank gegenüber dem Banknoteninhaber.

In der physischen Welt wird diese Verpflichtung allerdings nicht wirksam, weil der Geldschein physisch nur von Hand zu Hand wandern kann. Im Rahmen der Digitalisierung des Euro wird der Geldschein indessen digital. Er lässt sich nun elektronisch zwischen beliebigen Zahlungspartnern hin und her transferieren. Die klassischen Geschäftsbanken als vermittelnder Intermediär, aber auch schwer berechenbarer Geldvermehrer durch die Fiatkreditgeldschöpfung, entfallen fortan. Es gäbe somit, und zwar schlagartig, nur noch ausschließlich von der EZB geschaffenes Zentralbankgeld. Die Zentralbank agiert fortan als Monopolist der Geldschöpfung.

Digitalisierung des Euro und der Schulden

Zur Deckung des neuen digitalen Zentralbankgeldes werden Forderungen gegen die Euro-Staaten in die Bilanz gestellt. Die EZB hat derzeit gut 4 Billionen Euro an Staatsanleihen auf ihrer Bilanz. Das für den Deckungsstock notwendige Geldvolumen berechnet Mayer auf ca. 6 Billionen Euro, so dass eine Aufstockung der Forderungen in Höhe von 2 Billionen Euro durch die EZB erforderlich wäre. Nun wendet Thomas Mayer folgenden entscheidenden Trick an: Die Gesamtschulden im Euroraum belaufen sich derzeit auf gut 11 Billionen Euro, das meiste davon in Form von Staatsanleihen. Diese immense Schuld halbiert Mayer dadurch, dass er 6 Billionen Euro aus den 11 Billionen Schulden herausschneidet und auf die Bilanz der EZB platziert. Damit reduziert sich die Staatsschuld der Eurostaaten gegenüber äußeren Marktteilnehmern um mehr als die Häfte, die Schuldenquote sänke knapp unter 45 Prozent: Eine einmalige Erleichterung an Marschgepäck für die krisengebeutelten und schwer angeschlagenen Südstaaten.

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Um zukünftigem Gelddrucken durch die Regierungen im Euro-Raum einen wirksamen Riegel vorzuschieben, sieht Mayers Plan vor, dass die EZB fortan die einzige verbleibende Instanz der Geldschöpfung darstellt. Um ihr Monopol wirksam zu garantieren, möchte Mayer dem digitalen Euro außerdem ein digitales Wasserzeichen einsetzen, in Form eines Algorithmus‘, der jeden einzelnen digitalen Euro im Moment seiner Entstehung gleichsam „eingeprägt“ wird. Dieser Algorithmus gibt Auskunft darüber, im Rahmen welches Prozesses der betreffende Euro entstand, aufgrund welcher Legitimation, an welchem Datum und zu welcher exakten Uhrzeit. Alle Euro-Einheiten ohne das digitale Wasserzeichen wären faktisch wie Falschgeld zu behandeln. Eine Abschaffung des Bargeldes geht mit Mayers Euro-Rettungsplan übrigens nicht einher. Der Euro-Papierschein wäre lediglich ein dingliches Positiv zu seinem digitalen Negativ.

Mayers Euro-Rettung mit wenig Chancen

Thomas Mayer ist Realist genug, um seiner Idee zur Neuverankerung der Gemeinschaftswährung wenig Chancen einzuräumen. Dafür ist der Handlungsdruck der EZB und der Regierungen noch nicht groß genug und das plurale Meinungsbild der viel zu vielen Akteure noch zu chaotisch. Dennoch propagiert Mayer seine Idee der Euro-Rettung, um zukünftigen Sprechweisen der handelnden Akteure einen Riegel vorzuschieben, die da lauten werden: Das Auseinanderbrechen des Euro habe ja doch keiner kommen sehen, und überdies hätte niemand einen Fahrplan zu seiner Rettung rechtzeitig unterbreitet. Spätestens seit 2022 steht nun fest, dass es derlei Alternativen gab und dass sie sogar öffentlich zur Diskussion standen.



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4 Kommentare

  1. Wie immer Abstraktes Denken in voller Blüte erforderlich.
    Der Kopf raucht. Noch 10. mal das MAYER Video anschauen.
    Dann wird’s kapiert. Volkswirtschaft und Finanzlehre,fordert ungeheuere ABSTRAKTE Denkvorgänge voraus, aber auch eine gewisse SCHLITZORIGKEIT.
    BIEGSAMKEIT IST MÖGLICH.

  2. Eine auch wie definierte Paralellwährung zum Euro mit stringenten Regeln, die auch eingehalten bzw. durchgesetzt werden, wäre der Torpedo für Südeuropa und Frankreich. Das Bessere ist der Feind des „Guten“ – siehe die Rentenmark. Binnen kurzen gäbe es mit dem Euro zweiter Klasse auch beim Bäcker kein Brot mehr zu kaufen.

  3. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Alles veraltet. „Nichts ist so alt wie die Meldung von gestern. „. Die Spreads sind schon um über 100 Basispunkte gesunken.
    Die italienische Umlaufrendite ,die zum Monatsende Mai ,noch bei 420 Basispunkten rentierte liegt aktuell bei unter 3 Prozent.
    Die Griechische noch tiefer. Im Gegenzug stiegen die Renditen der deutschen-, französischen-, niederländischen Anleihen um etwa 50 Basispunkte.

    Das heißt ,die EZB kauft im Hintergrund schon zu, konkret der EZB Tower in Frankfurt. In den Händlerräumen der EZB sitzen über 300 junge Leute ,die den ganzen Tag nichts anderes zu tun haben ,als vor ihren Monitoren zu hocken und die „Eurokrise zu bekämpfen“. O- Ton eines Berichtes im „ZDF- heute journal“ aus dem Jahre 2015 als Draghis erstes QE startete.
    „Sie würden damit den Euro retten“, sind sie überzeugt. In Wirklichkeit fachen sie die Inflation weiter an und sorgen dafür ,das italienische Staatsanleihen im Wert steigen und deutsche im Gegenzug fallen.
    Insgesamt 8200 Milliarden Euro, hat die EZB bisher dafür aufgewendet den Euro zu retten, verbunden mit ultra niedrigen Zinsen und einer ständig steigenden Geldmenge,musste das Inflation erzeugen.
    Zuerst erfasste die Inflation nur die Aktienmärkte, dann die Immobilienmärkte und zum Schluss die Realwirtschaft.
    Das neue „Anti- Fragmentierungsprogramm der EZB“ wird dafür sorgen, das es so bleibt. Deutsche Staatsanleihen werden verkauft, um mit den eingenommenen Geldern,massiv italienische Schuldtitel zu kaufen.
    Das erhöht automatisch die Zinslast für Deutschland und senkt diese für Italien. Wir reden hier über einen dreistelligen Milliardenbetrag, im Laufe der nächsten 10 Jahre.
    Das verteuert das Leben in Deutschland. Kredite werden teurer, Bauzinsen steigen, die Wirtschaft verlangsamt sich, gleichzeitig steigen die Refinanzierungskosten für den Bund, die Bundesländer,die Kommunen, Landkreise und Unternehmen ,Private… .
    Solvenz wird bestraft und Schlampigkeit beglückt- so könnte man das neue „EZB QE Süd “ bezeichnen.

  4. Genau, das ist es, worauf alle warten – ein digitaler Euro unter der vollständigen Kontrolle der EZB, die eine Agenda verfolgt, welche immer politischer wird und kein Mandat besitzt. Ein grauenhafter Gedanke. In einer Welt, die immer verrückter wird, ist das einzige was zählt Cash und nicht irgendein digitales Gespiele, wo einem im Zweifel der Stecker gezogen werden kann und man plötzlich mit nichts dasteht.

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