Anleihen

Russland steht besser da Ukraine droht der Staatsbankrott? Es gibt Anlass zur Sorge

Der Ukraine droht der Staatsbankrott. Hier einige Indizien, die für dieses Szenario sprechen.

Ukraine-Flagge

Ein Artikel bei tagesschau.de vom 3. März 2022, also knapp zwei Wochen nach Kriegsbeginn, war betitelt mit der Überschrift „Ukraine leiht sich Geld von Investoren“. Im folgenden Text wird auf einen weiteren Artikel verwiesen, nämlich „Droht Russland der Staatsbankrott?“ Dieses beiden Schlagzeilen zeichnen ein Bild, das lange in der breiten Öffentlichkeit aufrecht erhalten wurde, nämlich, dass die Ukraine finanziell gut aufgestellt sei und Russland nicht nur um jeden Meter ukrainischen Bodens, sondern auch um jeden Rubel, ja um jeden Kopeken hart kämpfen muss. Heute am 26. Juli dauert der Krieg bereits 153 Tage an. Wie stehen beide Länder jetzt da?

Fitch Ratings stuft Ukraine von CCC auf C herab

Am Freitag, 22. Juli hat Fitch Ratings die Ukraine von CCC auf C herabgestuft, nachdem die Regierung ein Ersuch an seine Gläubiger gerichtet hatte, die Schuldentilgung für 24 Monate auszusetzen. Dies wertet Fitch Ratings als den Beginn eines DDE (distressed debt exchange), also eines Zahlungsausfalls. Sollten die Gläubiger, darunter BlackRock Inc. und Fidelity International dem Vorschlag zustimmen – Fitch stuft dies als sehr wahrscheinlich ein – würde das Land weiter auf RD (Restricted Default) herabgestuft werden. Für dieses Jahr erwartet man eine Schrumpfung der Wirtschaftsleistung der Ukraine um 33 Prozent, zudem schätzt die ukrainische Regierung die Wiederaufbaukosten auf mindestens 750 Milliarden US-Dollar, verteilt über die nächsten zehn Jahre.

Fitch schätzt weiter, dass die öffentlichen Schulden 92 Prozent des BIPs zum Jahresende ausmachen werden, für 2023 schätzt man die Schuldenquote auf 103 Prozent. Weiter heißt es: „Die Fähigkeit der Ukraine, ihre extremst hohen finanziellen Bedürfnisse für 2023 zu decken, hängt maßgeblich von multilateraler und bilateraler Unterstützung ab. Diese ist aktuell aber sehr unsicher.“ Allerdings ist man der Meinung, dass eine Restrukturierung der Schulden eine Voraussetzung dafür sein wird, weitere Unterstützung in diesem Ausmaß zu erhalten. Andere Rating-Agenturen stufen die Ukraine ähnlich ein, Moody´s Investor Service vergibt ein Caa3, und S&P Global Ratings ein CCC+.

Ukrainische Zentralbank wertet Hrywnja um 25 Prozent ab

Letzte Woche gab die ukrainische Zentralbank bekannt, dass sie die eigene Währung Hrywnja um 25 Prozent abwerten werde und Kapitalkontroll-Maßnahmen ergreifen muss, um den Abfluss ins Ausland zu verhindern. Im Gegenzug ist der Rubel aktuell die stärkste Währung der Welt. Offensichtlich war das in der breiten Öffentlichkeit verbreitete Bild falsch. Nicht Russland steht vor einem Staatsbankrott, sondern die Ukraine. Hier ein Blick auf den Chart der Währungen seit Kriegsbeginn, denn eine Währung spiegelt immer die wirtschaftliche Stärke eines Landes. Zuerst die ukrainische Währung Hrywnja:

Euro im Vergleich zur Ukraine-Währung Hrywnja

Obwohl es am Anfang ja noch ganz gut aussah – mit der Intervention der ukrainischen Notenbank wird die Währung zu einem Alptraum für Investoren. Der Chart zeigt die Hrywnja gegen den Euro, den US-Dollar und den Schweizer Franken. Zu allen wichtigen Währung hat die Währung deutlich verloren, am wenigsten allerdings zum Euro.

Lesen Sie auch

Russlands Rubel in 2022 die stärkste Währung der Welt

Nachdem der Rubel direkt nach Kriegsbeginn steil gefallen war, setzte er ab Mitte März zu einem Höhenflug an, der bis heute andauert. Seit Kriegsbeginn hat der Rubel gegen den Euro, den Schweizer Franken, den chinesischen Yuan und den US-Dollar zwischen 39 und 53 Prozent hinzu gewonnen. Am stärksten hat der Rubel gegenüber dem Euro zugelegt.

Stärke im russischen Rubel

Ukrainische Anleihen kurz vor Ausfall

Noch dunkler wird es, wenn man sich die Kurse der verschiedenen Anleihen und Laufzeiten anschaut. Laut Finanzen.net sind „zur Zeit Ukraine Anleihen mit Fälligkeiten vom 03.08.2022 bis 10.11.2047 erhältlich mit Kupons, die bis 16,06% reichen. Insgesamt beträgt das ausstehende Volumen bei Ukraine-Anleihen 259,111 Mrd. Euro. In den kommenden 5 Jahren werden davon 239,862 Mrd. Euro fällig.“ Die Kurse der Anleihen mit Laufzeit ein, zwei, drei und sechs Jahren haben seit Kriegsbeginn zwischen 42 und 64 Prozent Kursverlust erlitten. Hier ein Überblick der aktuellen Renditen, die in astronomische Bereiche vordringen:

Renditen für ukrainische Staatsanleihen

Welche Ukraine-Anleihen werden überhaupt noch gehandelt?

Ein Blick auf die aktuell am Markt tatsächlich gehandelten Anleihen der Ukraine zeigt, wie sehr die Investoren das Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit verloren haben. Die Börse Frankfurt zeigt 16 verschiedene Ukraine-Anleihen, die Kurse werden taxiert, es finden keine Umsätze statt. Grundsätzlich werden Anleihen aber außerbörslich gehandelt – an der Börse findet i.d.R. der geringste Umsatz statt.

Getreide-Abkommen ein Geschenk an die Ukraine und die Welt?

Das am Freitag in Istanbul unterzeichnete Getreide-Abkommen zwischen der Ukraine, Russland und der Türkei ermöglicht den Export von Getreide über drei ukrainische Häfen an der Schwarzmeerküste. Dadurch würden dringend benötigte Devisen ins Land kommen. Russland profitiert deutlich weniger von dem Getreide-Abkommen, das sollten westliche Politiker bei der Lagebeurteilung berücksichtigen. Denn aus russischer Perspektive macht es wenig Sinn, einem finanziell ertrinkenden den Strohhalm zu reichen. Vor allem, wenn, wie in den letzten Tagen berichtet, die ukrainische Armee eine große Gegenoffensive plant und, aus US-Beständen stammende, weitreichende Artillerie geliefert bekommt. Eine Großoffensive der ukrainischen Armee würde Russland sicherlich mit einer Störung des Abkommens quittieren. Das wiederum würde die Hrywnja und die Anleihen der Ukraine weiter stark unter Druck setzen.



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

5 Kommentare

  1. >> Offensichtlich war das in der breiten Öffentlichkeit verbreitete Bild falsch.

    LOL, der beste Sarkasmus ist ja der unbeabsichtigte. Nur Staatsfunk-Schlafschafe waren dieser Meinung (und sind es noch immer…)

  2. Naja, dann wird die Aufnahme der Ukraine in die EU eben vorgezogen, und darauf ausgeweitet, das auch bankrotte Staaten aufgenommen werden dürfen. Und dann können doch die Billionen fließen. Vorher werden noch die Banken entschädigt, die jetzt der Ukraine noch Geld leihen.
    Mal sehen, wieviel Territorium der Russe der Ukraine abnimmt, und wieviel Zerstörung in den dann nicht besetzten Gebieten entstanden ist.
    Es wird spannend und sehr, sehr teuer.
    Aber das ist ja dann ein demokratischer Prozess, oder?

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  3. Na das wird doch unser Regierungs-Dreamteam dazu nutzen, um Russland mal so richtig zu schaden. Den Staatshaushalt der Ukraine und dessen Schulden kann doch die/der deutsche Steuerzahler nun wirklich übernehmen.
    Das tut den Russen bestimmt weh

  4. Es ist doch endlich Zeit,der Ukraine Bank Vollmacht zu geben.Das kann doch nicht so schwer sein…sofort bei Agnes, Strack -Zimmermann melden.Die Dame ist gerne behilflich.

  5. Paula Rubelstütz

    Ein völlig laienhafter Artikel, der völlig außer Acht lässt, dass Finanztheorie und Finanzpraxis zwei völlig verschiedene Paar Schuhe sind, wie bereits jeder Wirtschafts-Gymnasiast wissen sollte. Wird marktwirtschaftliche Logik durch ein Extrem-Ereignis wie einen Krieg ausgehebelt, taugt sie nicht mehr ansatzweise als Maßstab für die Praxis. Folgende Aussage schießt dann endgültig den Vogel ab: „Hier ein Blick auf den Chart der Währungen seit Kriegsbeginn, denn eine Währung spiegelt immer die wirtschaftliche Stärke eines Landes.“

    😀😃😄😁😆🥹😅😅😂🤣🥲

    Da muss ich gleich an den 15. Januar 2015 denken, als „die wirtschaftliche Stärke“ der Schweiz innerhalb Sekunden um 32% explodierte.
    Natürlich weiß jeder, dass dies nicht der Fall war, sondern massive Währungsmanipulationen der SNB der Grund für einen losgelösten Kurs sind und immer waren, der nur sehr peripher die wirtschaftliche Situation widerspiegelt. Und ganz ähnlich verhält es sich auch in Russland.

    Eine harte Währung mag gut sein für das nationalistische Selbstbewusstsein. Mit wirtschaftlicher Stärke hat sie sicherlich nicht immer – und vor allem nicht im Falle Russlands – zu tun. Da die westlichen Sanktionen Importe verhindern, ist auch der russische Handelsüberschuss explodiert, was automatisch die Währung, aber nicht die Wirtschaft stärkt. Dazu kamen massive Interventionen durch die Notenbank, was ebenfalls nichts mit wirtschaftlicher Stärke gemein hat.

    Russlands Wirtschaft ist angeschlagen und wird im laufenden Jahr voraussichtlich zwischen acht und zwölf Prozentpunkten des Bruttoinlandprodukts schrumpfen.

    https://www.fuw.ch/article/warum-der-rubel-so-stark-ist
    https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/sanktionen-gegen-russland-warum-der-rubel-nur-stark-wirkt-18123260.html
    https://www.nytimes.com/2022/04/01/opinion/russia-ruble-economy.html
    https://www.zeit.de/news/2022-05/17/starker-rubel-wie-putin-die-waehrung-manipuliert?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.de%2F
    https://www.boersen-zeitung.de/konjunktur-politik/russlands-problem-mit-dem-starken-rubel-5f6365c2-d678-11ec-91db-7926653cc795

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage