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Warum kämpfen die Urkainer - Gunnar Heinsohn Ukraine-Krieg: Über Demografie und Völkermord

Warum sind die Ukrainer bereit, diesen Kampf durchzustehen?

Ukraine-Krieg Gunnar Heinsohn Demografie

Der Ukraine-Krieg ist ein game changer der neueren Geschichte: ein Krieg in Europa, bei dem ein Ende noch nicht in Sicht ist, im Gegenteil: Gunnar Heinsohn, Wirtschaftswissenschaftler und Soziologe, prognostiziert, dass der Krieg noch mindestens ein Jahr andauern wird.

Gunnar Heinsohn: Ukraine-Krieg und der Kriegsindex

Gunnar Heinsohn erklärt den Ukraine-Krieg aus der Perspektive der Demografie und interpretiert das Vorgehen Russlands unter Putin im Ukraine-Krieg als Versuch eines gescheiterten Imperiums, die alte Größe und Bedeutung wieder zu erlangen. Dieser Versuch Russlands aber ist laut Heinsohn von vornehrein zum Scheitern verurteilt, weil dem Land die demografischen Voraussetzungen dafür fehlen: Russlands Bevölkerung schrumpft, befindet sich im demografischen Niedergang. Schon die Teilmobilisierung war daher ein schwerer Rückschlag für Putins Russland.

Gunnar Heinsohn, der an der Universität Bremen das erste Institut für vergleichende Völkermordanalyse gegründet und Maßgebliches zum Holocaust formuliert hat („Warum Ausschitz?“), verweist auf den von ihm eingeführten Kriegsindex als Prognosemodell für die Entwicklung menschlicher Gesellschaften – und Kriege. Dieser Kriegsindex geht davon aus, dass die Menge unversorgter junge Männer in einer Gesellschaft dafür entscheidend ist, wie kriegerisch oder pazifistisch eine Gesellschaft ist. Dementsprechend konnte Russland den Krieg in Afghanistan nicht gewinnen, weil in Afghanistan eine massiv wachsende Bevölkerung stets weitere junge Männer in den Krieg schicken konnte – die bereits demografisch schrumpfenden Russen aber eben nicht.

Die Motivation der Ukrainer: Angst vor Genozid

Im Ukraine-Krieg aber kämpfen zwei demografisch schrumpfende Länder gegeneinander. Zur Überraschung der Welt aber kämpfen die Ukrainer gegen die vermeintliche Übermacht Russland unter Aufbringung immenser Opfer. Sie sind zahlenmäßig unterlegen, schaffen es aber durch die westlichen Waffenlieferungen, den Vorstoß der russischen Truppen zurück zu drängen und erreichten in den letzten Monaten sogar erhebliche Geländegewine.

Aber warum sind die Ukrainer bereit, diesen Kampf durchzustehen? Aus Angst vor Genozid, sagt Gunnar Heinsohn. Im ukrainischen Bewußtsein  ist der Holodomor, die systematische Tötung von Millionen von Ukrainern durch Hunger während der Herrschaft Stalins in den 1930er-Jahren, das ausschlaggebende Motiv für den unbedingten Widerstandswillen der ukrainischen Bevölkerung.

Daher ist wahrscheinlich, dass der Krieg noch lange andauern wird – Hoffnungs-Signale wie das Treffen von Repräsentanten Russlands und der USA in Istanbul am Freitag dürften bald verpuffen.

Sehen Sie hier die bemerkenswerten Aussagen von Gunnar Heinsohn in einem Interview mit Marc Friedrich:



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19 Kommentare

  1. Hallo,

    bitte Überschrift „Warum kämpfen die Urkainer – Gunnar Heinsohn“ zu korrigieren … sollte heissen „Warum kämpfen die Ukrainer…“

    VLG

    1. Gunnar Heinsohn – ein netter Zeitgenosse, mit sozialem Engagement:

      „Er plädierte für eine zeitliche Begrenzung der Sozialhilfe für alleinerziehende Mütter, diese Familienform sollte nicht weiter gefördert werde. … Ebenso dürfe die überproportional hohe Kriminalität dieser Kinder nicht dem angeblichen Versagen der Gesellschaft angelastet werden, dadurch würden leistungsfähige Deutsche aus dem Land getrieben“ (Quelle : Auszug aus wiki)

  2. Die Ukrainer selbst gehen von mehr als 1 Jahr Krieg.
    Die ukrainische Berichterstattung ist sehr pragmatisch und durchwegs realistisch.
    Man ist in erster Linie sehr froh, dass China dem Einsatz der atomaren Waffen deutlich die Ablehnung gezeigt hat. Dies wiederspiegelt sich auch in russischen Medien. Die führenden Propaganda-Köpfe haben den Einsatz der taktischen und strategischen Nuklearwaffen nicht mehr auf der Agenda. Die kruden Grafiken, in wie viel Minuten die europäischen Hauptstädte mit allerlei „Kinzhal“ und „Topol“ Raketen erreichen werden können, werden nicht mehr gezeigt.
    Man friert und sitzt ohne Strom, vielen sind Zustände nicht unbekannt, man erinnert sich sehr gut an die Chaosjahre der 90-er. Manch einer freut sich sogar auf den Frost, die iranische Drohne fliegt nicht bei Frost, auch der Feind ist für den Winter nicht gerüstet und wird mehr leiden als man selbst.
    Man hofft, dass den Russen die Raketen ausgehen, man spekuliert auf die Unruhen in Russland, wenn die nächste Welle der Mobilmachung anrollt, man freut sich, die Initiative übernommen zu haben, den Besatzer in Schach zu halten oder gar Richtung Landesgrenze zu drängeln, man wünscht sich das baldige Ableben von Putin aber niemand glaubt an das schnelle Ende.

    1. Das ist auch ensprechend der Studie der RAND Cooperation von 2019 von den USA gar nicht vorgesehen

      1. @ottonorma
        ???
        Können Sie auch ganze Sätze…?

        1. welchen ganzen Satz benötigen Sie zum Verständnis das der Krieg noch mehr wie 1 Jahr dauert ? Wenn Sie die Studie der Rand Cooperation nicht kennen ist dies eine Wissenslücke. Der Satz muss nicht verlängert werden, es ist ein ganzer Satz – jedenfalls für denjenigen der den Inhalt der Studie kennt. Sie hätten höchstens fragen können „was steht denn drin ?“

          1. @ottonorma
            Aus welchem Grund hätte ich es höchstens fragen können 🤷🏼‍♂️
            Lesen Sie selbst, was Sie schreiben 🤔

  3. Hier mal – quasi als Kontrastprogramm – ein Interview mit Jacques Baud (Ex-Oberst und Ex-Mitglied des Nachrichtendienstes der Schweiz, Spezialist für osteuropäische Länder und ehemaliger Nato-Mitarbeiter) zur Lage in der Ukraine:

    https://overton-magazin.de/top-story/abzug-aus-cherson-oder-niederlage-ueber-die-russische-kriegsfuehrung/
    Die
    Die „Wahrheit“ wird wahrscheinlich irgendwo in der Mitte zwischen den beiden Sichtweisen liegen…

  4. Krieg in Afganistan hat nicht Russland, sondern UdSSR geführt. Unter den sowjetischen Soldaten gab nicht nur Russen, sondern Vertreter von 15 sozialistischen Republiken, die UdSSR gebildet haben.

    1. @Trigo
      Laut Verfassungsschutz ist die JungeWelt verfassungsfeindlich und mit ihrer kommunistischen und marxistischen Ausrichtungen und Überzeugungen sich gegen der demokratischen Grundprinzipien richtet ☝️
      Natürlich wird so ein Blättchen versuchen die Verbrechen der Kommunisten zu relativieren oder zu leugnen 🤷🏼‍♂️

      1. Wer ist Herr über den Verfassungsschutz ? gehören zu den demokratischen Grundprinzipien auch Grundrechtsbeschränkungen ? wie z.B. in den letzten 2 Jahren ? und verfassungsfeindliche Ausgangssperren und Lockdowns ? Japan z.B. hatte keine.

    2. @trigo
      Ja, ich kenne die Holdomor Geschichte – eine grausige Zeit – aber noch von vor 30 Jahren ein wenig anders eher so wie in der Jungen Welt beschrieben. Und die USA hofierten in den 1930 iger Jahren Stalin und Hollywood brachte positiv gefärbte Filme über die Sowjetunion und den Diktator, der Holodomor spielte da keine Rolle. Alles um die Sowjetunion für einen Kampf gegen das Deutsche Reich zu gewinnen. Diese US Einstellung dauerte bis genau zum Abwurf der ersten Atombomben.
      So geht Propaganda.

  5. Außerordentlich interessant.
    Aber da werden einige Details nicht bewertet.
    Im Opiumkrig der Engländer gegen die Chinesen war nicht die Zahl der jungen Männer entscheidend.
    Entscheidend war die Zahl der Männer, die nicht vom Heroin abhängig waren.

    Die technische Überlegenheit wir unberücksichtigt gelassen.

    Im ersten und zweiten Irak- Krieg, zählte nicht die Zahl der Soldaten.
    Einzig und allein die Skrupellosigkeit war kriegsentscheidend.
    2003 haben die Amerikaner in nur 3 Wochen so viele tote „verursacht“, wie in der Ukraine bis heute (geschätzt) zu Tode gekommen sind.
    1991 haben die Amerikaner genau das, was die Russen jetzt in der Ukraine machen, schon in den ersten Tagen des Angriffs auf Irak gemacht. Sie haben jedes Wasserwerk, jedes Klärwerk und jegliche Stromversorgung zerbombt. Zwischen dem ersten und zweiten Irak- Krieg haben sie sogar Chlortabletten sanktioniert, so, dass in den folgenden 12 Jahren ca. 500.000 Minderjährige an Seuchen und Unterernährung starben.
    Zumindest wurden diese Zahlen in einer Sendereihe auf ZDF Info genannt.
    Titel der 3 -teiligen Sendereihe „die Zerstörung Iraks“.

    1. @HD
      Ja, Zerstörung der Infrastruktur ist Krieg und sind die ersten Ziele um dem Feind weitere Kämpfe zu erschweren oder unmöglich zu machen. Dies war zu Beginn des Einmarsches der Russen nicht der Fall. Also doch eine Sonderoperation ? Die Ukrainer hatten vollen Zugriff auf Ressourcen. Elektrizität, Stassen, Brückem Eisenbahn etc. Ein Angreifer der böses im Schilde führt Eroberungspläne hatt würde so etwas nie zulassen.Sogar ein hoher US Offizier a.D. sagte nach den ersten Wochen, „die Russen gehen zahm vor.“ Und hier wurde er ab dem ersten Tag sofort als brutal eingestuft. Inflätionärer Wortgebrauch ist das. Jetzt wird der Krieg brutaler. Man muss sich nur die Dokus über den 2.WK ansehen oder über Korea, Vietnam, 2x Irak, Afghanistan, da sieht man wie brutal Kriege sind. Auch im Krieg gegen Yugoslawien („eine Nato Mission“, also auch kein Krieg) wurden sofort E-Werke, Wasserwerke und Brücken zerstört, landesweit, was alles zu Lasten der Bevölkerung ging.
      Ich erinnere, hier wird erklärt (von einem Profi) warum so etwas gemacht wird
      Der damalige NATO-Sprecher J. Shea äußerte sich nach Beginn der massiven Luftangriffe auf die jugoslawische (serbische) elektrische Infrastruktur Anfang Mai 1999 wie folgt: „Die Tatsache, dass in 70 Prozent des Landes die Lichter ausgegangen sind, zeigt, dass die NATO jetzt den Finger auf dem Schalter hat“.
      Und auf einer Pressekonferenz in Brüssel am 25. Mai 1999 verteidigte NATO-Sprecher Shea diese Art der Kriegsführung als notwendig und legitim. Auf die Frage einer norwegischen Nachrichtenagentur, warum die NATO mit ihren Bombenangriffen 70 Prozent der serbischen Bevölkerung der Strom- und Wasserversorgung beraubt habe, antwortete Shea: „Leider werden mit Strom auch Kommando- und Kontrollsysteme betrieben. Wenn Präsident Milosevic wirklich will, dass sein Volk Wasser und Strom hat, dann muss er nur die fünf Bedingungen der NATO akzeptieren, und wir werden diese Kampagne beenden. Solange er das nicht tut, werden wir weiterhin Ziele angreifen, die seine bewaffneten Streitkräfte mit Strom versorgen, was Auswirkungen auch auf die Zivilbevölkerung haben wird.“

      1. @ottonorma Das ist nicht vergleichbar: Es macht schon einen großen Unterschied, ob ich gegen einen Aggressor vorgehe, der andere Völker mit dem Leben bedroht oder ob die Kriegsführung a priori zur Herstellung einer neuen Länderordnung zu eigenen Gunsten betrieben wird. Letztere kann zunächst zwar harmloser wirken, da rein taktisch auf große Vernichtung verzichtet wird, führt aber unweigerlich zur Eskalation, wenn das Opfer nicht gefügig genug ist. Langfristig ist es aber umso mehr zerstörend. Die objektivierbaren Kriegsziele sind entscheidend. Die Mittel können ohnehin nicht frei gewählt werden, da sie immer den Regeln des Krieges folgen müssen. Die erste Aggression ist die brutalste, da sie fast unweigerlich die Tür für einen nicht vorhersehbaren Sturm der Gewalt öffnet. Quod licet Iovi, non licet bovi.

        1. Erste Aggression die brutalste ? Wieso ? (hat etwa Korea oder Vietnam oder Irak andere Völker bedroht ?) Zu Beginn ging es zahm zu wie auch der US Offizier erwähnte. Und Friedensverhandlungen waren in greifbarer Nähe. Ich denke Sie vergessen, daß sich die Ukraine jahrelang auf den Krieg vorbereitet hat. Poroschenko sagte es in einem Interview (hab das leider nur auf ukrainisch), der Geheimdienstchef sagte es nach den Verhandlungen im Normandieformat 2019, Selenskij wiederholte das, und Arestowytsch, sehr präsent im ukr. TV sagte es auch. Die Ukraine wolle in die Nato und nehme dafür einen Krieg mit Russland in Kauf. Frau Merkel sagte wie Poroschenko auch, daß Minsk 2 nur dazu diente die Ukraine für einen Krieg gegen Russland aufzurüsten. Im Nov. 21 schloß die USA ein zig Mrd. schweres Militärhilfeprogramm mit der Ukraine. das Lend+Lease Gesetz für die Ukraine wurde in der 3. Januarwoche verabschiedet, heißt die Ukraine muss alles wieder zurückzahlen und die Sanktionen wurden schon Monate vorher beschlossen wie auch Scholz im Frühjahr zugab.Mit dem Beschuss des Donbass 30x so stark wie zuvor lt. OSZE, vom 16-18.2.22 leitete die Ukraine den Krieg ein und überschritt damit die rote Linie. Dies war eine von den USA gestellte Falle um Putin in den Krieg zu locken. Diese Vorhersage machte bereits Ende Januar 22 der Blog aus Virginia Bereits Monate zuvor hatte die Ukraine gut 100.000 Mann an die Donbass Grenzen verlegt für einen Angriff, wie in der Militärdoktrin von Selenskiy vorgesehen.

          Und ich sagte ja : jetzt beginnt der Krieg erst richtig – leider. Putin hatte sich verschätzt, mit so wenig Truppen einzumarschieren.Erobern wollte er das Land nie. Wer so etwas behauptet ist militärisch unterhalb des Kellers angesiedelt.
          Es wäre auch nie zu einem Krieg gekommen wären die Minsker Vereinbarungen umgesetzt worden. Dann gäbe es keine neue Länderordnung. Putin ist an Sicherheit interessiert.. Vereinbarungen schließen und dann nicht einhalten, betrügen und jetzt klagen. Mir tut die Bevölkerung verdammt leid. Aber Regierungen scheren sich nie darum. Die Ukrainer laufen jedenfalls nicht freudig zu den Waffen wie man uns hier suggerieren will.
          So sehe ich diese Tragödie.

          1. @ottonorma
            haben Sie sich als Aufgabe gesetzt, hier die kruden Narrative der Putins Propaganda zu zitieren? 😂😂😂

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