Anleihen

Umschulden ist für Unternehmen in Europa so teuer wie noch nie

Umschulden ist für Unternehmen in Europa so teuer wie noch nie. Die Spreads zwischen alten und neuen Krediten liegt bei 250 Basispunkten.

Bankentürme in Frankfurt

Umschulden ist für Unternehmen in Europa aktuell so teuer geworden wie noch nie zuvor! Gerade in dieser heraufziehenden Krise, in der viele Unternehmen dank explodierender Energiekosten um ihr nacktes Überleben kämpfen, bedeutet das: Auch die Zinsfront frisst zunehmend an der Existenz. Denn was machen Unternehmen, die auf Fremdkapital angewiesen sind, gerade in so einer Krise gerne? Auslaufende Kredite werden durch neue Kredite ersetzt. Und dieser neue Zins ist so stark verteuert, dass dies die finanziellen Probleme von Unternehmen verstärken dürfte. Experten sehen deutlich mehr Zahlungsausfälle.

Umschulden wir für Unternehmen so teuer wie nie – Spread bei 250 Basispunkten

Wie Bloomberg errechnet hat, war es für Unternehmen in Europa noch nie so teuer wie heute bestehende Anleihen durch neue zu refinanzieren. Für künftige Zahlungsausfälle lässt das nichts Gutes erwarten. Die Zinsdifferenz zwischen ausstehenden und aktuell neu begebenen Unternehmensanleihen stieg laut einem von Bloomberg aggregierten Index heute auf 250 Basispunkte – das ist der höchsten Wert seit 1998, als der Index erstmals berechnet wurde. Anders gesagt: Unternehmen müssen pro 100 Millionen Euro, die sie umschulden, 2,5 Millionen Euro mehr an Zinsen zahlen.

Damit hat sich die Situation am Kreditmarkt ins Gegenteil verkehrt. Für den größten Teil des letzten Jahrzehnts waren die Refinanzierungskosten niedriger, und nicht höher. Noch zu Jahresanfang etwa lag die Rendite neuer Anleihen etwa 90 Basispunkte unter der ausstehender Schulden. Auch das Ausmaß der Kehrtwende ist beispiellos. Der Sprung von insgesamt 339 Basispunkten seit Anfang 2022 ist weit größer als der letzte Rekord, der von 1999 stammt. Und da die EZB ihre Zinswende gerade erst begonnen hat, werden die Kosten für das Umschulden auf neue Anleihen weiter steigen.

Grafik zeigt dass Umschulden für Unternehmen jetzt so teuer ist wie noch nie

“Die Unternehmen gehen zwar aus einer Position der Stärke in diese schwierige Zeit, aber Tempo und Ausmaß des Anstiegs lassen eine erhebliche Zunahme der Zahlungsausfälle erwarten, wenn auch von einem sehr niedrigen Niveau aus”, sagt Daniel Ender von Actiam, einem Fonds mit rund 22 Milliarden Euro unter Verwaltung. “Die Ausfälle werden wohl von einem historischen Tiefstand auf einen Wert ansteigen, der über dem langfristigen Durchschnitt liegt.”

Ein weiteres ominöses Zeichen: Mehr als ein Viertel der rund 750 in Euro begebenen Ramschanleihen, die von einem weiteren Bloomberg-Index abgebildet werden, handeln derzeit auf einem Niveau, das impliziert, dass sie nicht vollständig bedient werden. Ende letzten Jahres traf das nur auf zwei zu. Die Strategen der ING Bank erwarten einen Anstieg der Kreditausfälle auf etwa 5,6%, von derzeit unter 2%.

Primärmarkt mit höheren Aufschlägen

Unternehmen, die sich trotz der Kosten für das Umschulden (Refinanzierung) entscheiden, treffen auf einen Markt, der mehr verlangt – sowohl im Hinblick auf Sicherheit als auch auf Kosten. Im September wurden bis Freitag 138 neue Anleihetranchen begeben, von denen 96% mit Investment Grade eingestuft waren. Und der für Neuemissionen verlangte Aufschlag betrug 12 Basispunkte, etwa das Dreifache von dem, was noch zu Jahresanfang fällig war. “Die sich verschlechternden Fundamentaldaten müssten theoretisch zu einer weiteren Ausweitung der Spreads führen”, so die Strategen Timothy Rahill und Jeroen van den Broek von ING. “Wir erwarten für die Zukunft mehr Schwäche und Volatilität an den Kreditmärkten.”

FMW/Bloomberg



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