Devisen

Und täglich grüßt das Murmeltier..

Irgendetwas muss passiert sein über das Wochenende in Frankfurt, denn seitdem vergeht kein Tag mehr, an dem Draghis Truppen nicht an die Front geschickt werden: am Montag Noyer, gestern Constancio, und heute gleich zwei Guerilla-Kämpfer gegen die Euro-Aufwertung: Spaniens Notenbankchef Linde und EZB-Direktoriumsmitglied Coeure.

Heute Morgen meldete sich Linde zu Wort und zeigte den bösen Hedgefunds wieder einmal die Folterinstrumente der EZB: eine weiter sinkende Inflation und ein steigender Euro könnten weitere geldpolitische Lockerungen erforderlich machen. Linde aber sprach von „sinkender Inflation“ und vermied das böse Wort „Deflation“, das in Kreisen der EZB eigentlich Tabu ist und im Falle der endgültigen Machtübernahme der EZB in Europa wohl aus dem Sprachschatz getilgt wird (wie sonst das ebenso böse F…-Wort, das im Fernsehen mit einem pieps eliminiert wird).

Aber dann kam das französische EZB-Direktoriumsmitglied Benoit Coeure, der ursprünglich kein Notenbanker, sondern Wirtschaftswissenschaftler ist und möglicherweise deshalb noch nichts vom Verbot des bösen D……-Wortes mitbekommen hat. Es gebe, so Coeure, ein „gewisses Deflationsrisiko“ (autsch) im Euroraum, aber man habe Instrumente, falls die Deflationsrisiken einträten.

Nur welche denn, Monsieur Coeure? Bislang jedenfalls haben die bisher verwendeten Instrumenten einen eher überschaubaren Effekt gehabt. Und vor allem: auf der Pressekonferenz letzten Donnerstag hatte Draghi doch Mantra-mäßig wiederholt, dass es eben diese D……-Risiken gar nicht gebe. Also was nun?

Zunächst muss bei der EZB mal ein Kommunikationstrainer her, der dem letzten Himpel bei der Notenbank klar macht, dass es Worte gibt, die aus dem Sprachschatz aufgrund ihrer unanständigen Nebenwirkungen gestrichen wurden. Dazu gehört auch „Japan“ mit seiner üblen D……s-Erfahrung – ein Land, das es überhaupt nicht gibt auf dieser Welt. Haben das jetzt endlich alle kapiert?



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