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Eine geografische Analyse Unterstützt China Russland im Ukraine-Krieg? Mysteriöse Flüge

China Russland und Ukraine-Krieg

Unterstützt China Russland militärisch im Ukraine-Krieg? Die russische Fluglinie Volga-Dnepr Airlines fliegt regelmäßig Flughäfen in China an. Die Flüge werden z.T. mit ausgeschaltetem Responder durchgeführt. Was transportieren sie?

Zhengzhou – militärischer Knotenpunkt in China

Zunächst wurden Flüge der Airline von und nach Zhengzhou bekannt. In chinesischen sozialen Netzen hieß es, es würde „Kleidung“ von Zhengzhou nach Russland geflogen. Das erscheint unwahrscheinlich. Chinas Kleidungsindustrie ist hauptsächlich im Süden, um Xiamen konzentriert. Was also befindet sich in den Flugzeugen?

Zhengzhou ist ein wichtiger Knotenpunkt in Zentral-China. Neben der bekanntesten Fabrik Zhengzhous, die des Apple-Lieferanten Foxconn, ist hier Schwerindustrie angesiedelt: Aluminium- und Eisenverarbeitung etwa. Aber es ist auch aus militärischer Sicht wichtig. In Zhengzhou ist das PLA Joint Logistic Support Force (JLSF) der Zentralen Militärkommission (CMC) der Volksbefreiungsarmee (PLA) beheimatet. Das JLSF koordiniert die gesamte Logistik der PLA im In- und Ausland. Es ist nicht nur für den Transport von Waffen und Personal, sondern auch den Bau von Unterkünften, Krankenhäusern und die Verpflegung der Truppen zuständig.

Die Volksbefreiungsarmee hat nicht nur ihre Kernaufgabe in der Verteidigung des Landes, sondern Mitglieder der Armee sind auch wirtschaftlich sehr aktiv. Dies geht auf Deng Xiaoping und seinen Reformen zurück. Zu Beginn seines Schaffens – selbst hochrangiger Militär – fand auf der einen Seite eine demoralisierte Armee vor, die völlig aufgeblasen war, auf der anderen Seite eine Wirtschaft, die noch nicht einmal die einfachsten Güter des täglichen Bedarfs produzieren konnte.

Deng Xiaoping ermutigte daher die Armee, wirtschaftlich aktiv zu werden. Natürlich stellen immer noch viele Betriebe der PLA Güter her, die der Armee direkt oder indirekt dienen, also Waffen, Munition und militärische Ausrüstung. Aber daneben auch im Prinzip alles, was der Mensch zwischen Wiege und Bahre benötigt, von der Windel bis zum Sarg. Viele militärische Betriebe sind auch rund um Zhengzhou angesiedelt.

Es wäre daher naheliegend, wenn die Flugzeuge der Volga-Dnepr Airlines Waffen und Munition an Russland liefern würden. Beides hat aber eher ein kleines Volumen und ein hohes Gewicht, beides ist daher eher unpraktisch beim Transport per Flugzeug. Die Flüge von Zhengzhou landen oft in Nowosibirsk oder Moskau, was auch eher gegen den Transport von Waffen und Munition sprechen würden. Zhengzhou ist ebenfalls einer der Ausgangspunkte für die Eisenbahnlinie China-Hamburg/Düsseldorf. Es wäre also eher zu vermuten, dass Waffen und Munition per Zug direkt bis in das Kampfgebiet transportiert wird. Zumal die Eisenbahn das bevorzugte Verkehrsmittel der russischen Militärdoktrin ist.

Zielflughafen der Flüge aus Zhengzhou, Shenzhen und auch Tianjin sind häufig Barnaul, Hauptstadt der russischen Region Altai. Hier gibt es einen klaren militärischen Bezug, denn Barnaul ist als Herstellungsort für Munition bekannt.

Auf Weibo tauchten in den letzten Tagen Berichte auf, dass via Zhengzhou militärische Schutzausrüstung transportiert wird, also taktische Westen, Helme, Schuhe, militärische Kleidung.

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In Folge der begrenzten Mobilmachung in Russland gab es viele Berichte, dass die russische Armee den im Ukraine-Krieg Eingezogenen keine Ausrüstung ausgeben konnte und die Zwangsverpflichteten diese selbst kaufen mussten. Die auf privaten Shops angebotenen Ausrüstungsgegenstände kamen offensichtlich häufig aus China. Es ist also zumindest denkbar, dass nicht Chinas Militär die russische Armee unterstützt, sondern es sich um privatwirtschaftliche Aktivitäten handelt.

Kooperation mit der XPCC?

Neben Flügen nach Zhengzhou werden auch regelmäßig Flüge der Volga-Dnepr Airlines von und nach Urumqi gemeldet. Hier ist eine rein privatwirtschaftliche Aktivität fast ausgeschlossen. Xinjiang ist eine sehr sensible Gegend, die im Westen hauptsächlich mit den Menschenrechtsverletzungen an den Uiguren assoziiert wird.

In Xinjiang ist aber auch das Xinjiang Produktions- und Aufbau-Korps (XBCC) sehr aktiv. Das XBCC ist eine paramilitärische Einheit, die – von Mao gegründet – die Verwaltung und wirtschaftliche Entwicklung, sowie die Grenzsicherung in Xinjiang sicherstellen sollen. Sie stellt in vielen Gebieten die Verwaltung, hat eigene Städte gegründet und ist ebenfalls wirtschaftlich sehr aktiv. Diese Aktivitäten reichen von Landwirtschaft bis Tourismus. Flüge von Urumqi landen entweder in Christopol, Kasachstan oder Karaichevo, Tatarstan.

Karaichevo ist ein kleiner Militärflughafen. Christopol war zu UdSSR-Zeiten bekannt für seine Uhren. Vorläufer des Uhrenwerkes war während des Zweiten Weltkrieges eine Militärfabrik. Im Zuge der Sanktionen verließ Siemens Russland, das in Christopol Instrumentierungen und Tachographen für Autos herstellte.

Technik aus Shenzhen für russische Raketen?

Mit den Sanktionen ist Russland auch von elektronischen Bauteilen aus dem Westen abgeschnitten, die Russland dringend benötigt. Laut Politico hat der Kreml eine Liste von Halbleitern, Transformatoren, Konnektoren, Transistoren und anderen Komponenten aufgestellt, die für das Militär von unabdingbarer Wichtigkeit sind. Das Zentrum der chinesischen elektronischen Industrie ist um Shenzhen angesiedelt. Auch von dort werden zwei bis drei Flüge pro Woche von Volga-Dnepr Airlines gemeldet.

Volga-Dnepr Airlines mit Mutter aus Lichtenstein und Tochter in Deutschland

Die Volga-Dnepr Airlines ist in Deutschland kein unbekanntes Unternehmen. Bis zum russischen Einmarsch in die Ukraine waren drei Maschinen der Tochtergesellschaft AirBridge Cargo am Flughafen Halle/Leipzig stationiert und unterstützten dabei mit Lufttransportkapazitäten für friedenssichernde und humanitäre Einsätze europäischer NATO- und EU-Staaten. Durch die Sanktionen dürfen diese drei Maschinen derzeit nicht starten. Die Airline setzt vor allem Schwertransporter vom Typ Antonow und Iljuschin Il-76TD-90WD. Der bisherige Eigentümer, Alexey Isaikin, versuchte im August, über eine weitere Tochtergesellschaft in Dubai den Fortbestand zu sichern. Es scheint, nun hat er direkt oder indirekt einen liquiden Auftraggeber gefunden: Das russische Militär.



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