Devisen

US-Dollar aufwärts? Experten mit hochinteressanter Meinung

US-Dollar Geldscheine

In den letzten Tagen und Wochen konnte man gut sehen, dass nicht Gold, sondern dass der US-Dollar der vermeintliche Hort der Sicherheit war, der Fluchthafen schlechthin. Auch heute früh konnte der US-Dollar von aufkommender Unsicherheit im Zuge der US-Wahl profitieren – diese Euphorie verflog aber wieder schnell. Grundsätzlich konnte der US-Dollar seit Ende Oktober profitieren als Fluchtort, weil in Europa die zweite Corona-Welle die einzelnen Ländern wieder zu neuen Lockdown-Maßnahmen zwang. Auch die US-Wahl, Änderungen im US-Kongress und mögliche neue Stimulus-Maßnahmen nach der US-Wahl können die nächsten Wochen für reichlich Bewegung sorgen.

Experten mit hochinteressanter Meinung zum US-Dollar

Denkt man über zwei, drei Ecken nach, dann landet man auch bei Auswirkungen für den Devisenmarkt. Eine hochinteressante Meinung vertreten aktuell die Analysten der Deutschen Bank. Der Analyst George Saravelos aus London hat heute am frühen Nachmittag die Ansicht der Bank veröffentlicht, wonach man seine bisherige Meinung eines schwächeren US-Dollar nun ändert. Da der Ausgang der US-Wahl äußerst ungewiss sei, ändere man seine Meinung zum US-Dollar auf Neutral. Aus drei Gründen sehe man bis zum Jahresende keine überzeugende Darstellung der Dollarschwäche mehr. Hier die drei Thesen der Analysten, aus dem Englischen übersetzt.

Erstens, wer auch immer das Weiße Haus gewinnt, die Chancen für eine strukturelle Verschiebung hin zu einer einfacheren Fiskalpolitik in den USA sind dramatisch gesunken. Sollten die Demokraten den Senat verlieren (das Risiko dafür erscheint jetzt hoch) und eine einheitliche Regierung unmöglich werden, würde dies eine Einigung über eine beträchtliche fiskalische Expansion erschweren. Größere Zwillingsdefizite und eine reflationäre Versteilerung der US-Zinskurve waren eine wichtige Triebkraft für unsere negative Dollarbetrachtung, und diese ist auf Eis gelegt worden.

Zweitens sind die Risiken eines langwierigen umstrittenen Wahlergebnisses erheblich. Der Markt ist wahrscheinlich am meisten besorgt über eine echte Ungewissheit bezüglich der Stimmenmarge, und weniger über die politische Unsicherheit im Zusammenhang mit einer Verweigerung von Zugeständnissen. Zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Artikels sind die Spannen in zahlreichen Schlüsselstaaten sehr gering (Georgia, Nevada, Wisconsin) oder ungewiss (Pennsylvania, Michigan), was zu einem Risiko langwieriger Nachzählungen und Rechtsstreitigkeiten führt. Dies könnte bis weit in den Dezember hinein andauern.

Drittens und über die Wahl hinaus hat sich die COVID-Winterwelle als schneller und größer erwiesen, als wir dachten. Europa befindet sich bereits im „weichen“ Lockdown, und die Zahlen für die USA werden sich wahrscheinlich noch verschlechtern. Es besteht ein erhebliches Risiko, dass die lang anhaltende Wahlunsicherheit zu einer Politisierung der COVID-Eindämmungsmaßnahmen führt, die mit der Unfähigkeit einhergeht, finanzielle Unterstützung zu leisten.

Was wir bei FMW in den letzten Wochen schon oft mit Artikeln begleitet hatten, ist das immer wieder aufs neue Funktionieren des US-Dollar als sicherer Hafen in Zeiten der Unsicherheit. So sieht es wohl auch die DB. Der US-Dollar sei in seinem Verhalten als sicherer Hafen und antizyklischer Vermögenswert einzigartig. Er habe sich in den letzten sechs Monaten abgeschwächt, da Aktien gestiegen sind und die Renditekurve eine Reflation eingepreist habe. Daraus folge, dass Deflation und Risikoaversion, auch wenn sie ihren Ursprung in den USA haben, positiv für den US-Dollar sein könnten. Alles in allem sehe man bei Leerverkäufen des Dollars keinen guten Risikoertrag mehr, insbesondere gegenüber Schwellenländerwährungen.

Eine eigene Meinung bilden!

Der japanische Yen und Gold könnten einige der wenigen Nutznießer eines höchst unsicheren Umfelds sein, so die DB. Natürlich muss man hier nochmal darauf hinweisen, dass man auch solchen Meinungen von hochbezahlten Experten nicht blind folgen sollte. Wir erwähnen diese Meinung der DB, damit sich Trader einen besseren Gesamtüberblick verschaffen können, und somit womöglich in den nächsten Wochen im Trading erfolgreicher sein können. Aber weder die Deutsche Bank noch wir bei FMW wissen natürlich, wie der US-Dollar die nächsten Wochen tendieren wird. Auffällig ist wie gesagt, dass er bei Unsicherheit sprunghaft hochspringen kann als vermeintlicher Fluchthafen. Auch möglicherweise ausbleibende Stimulus-Maßnahmen in den USA und daran anschließende eventuelle Fed-Aktivitäten könnten den Greenback die nächsten Wochen beeinflussen.

Chart zeigt US-Dollar im Vergleich zum breiten US-Aktienmarkt
Der Chart zeigt im Verlauf der letzten zwölf Monate den US-Dollar (Währungskorb Dollar-Index) in rot-grün, gegenüber dem S&P 500 Index auf CFD-Basis in blau. Eine klare negative Korrelation.



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