Folgen Sie uns

Devisen

US-Dollar aufwärts? Experten mit hochinteressanter Meinung

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

US-Dollar Geldscheine

In den letzten Tagen und Wochen konnte man gut sehen, dass nicht Gold, sondern dass der US-Dollar der vermeintliche Hort der Sicherheit war, der Fluchthafen schlechthin. Auch heute früh konnte der US-Dollar von aufkommender Unsicherheit im Zuge der US-Wahl profitieren – diese Euphorie verflog aber wieder schnell. Grundsätzlich konnte der US-Dollar seit Ende Oktober profitieren als Fluchtort, weil in Europa die zweite Corona-Welle die einzelnen Ländern wieder zu neuen Lockdown-Maßnahmen zwang. Auch die US-Wahl, Änderungen im US-Kongress und mögliche neue Stimulus-Maßnahmen nach der US-Wahl können die nächsten Wochen für reichlich Bewegung sorgen.

Experten mit hochinteressanter Meinung zum US-Dollar

Denkt man über zwei, drei Ecken nach, dann landet man auch bei Auswirkungen für den Devisenmarkt. Eine hochinteressante Meinung vertreten aktuell die Analysten der Deutschen Bank. Der Analyst George Saravelos aus London hat heute am frühen Nachmittag die Ansicht der Bank veröffentlicht, wonach man seine bisherige Meinung eines schwächeren US-Dollar nun ändert. Da der Ausgang der US-Wahl äußerst ungewiss sei, ändere man seine Meinung zum US-Dollar auf Neutral. Aus drei Gründen sehe man bis zum Jahresende keine überzeugende Darstellung der Dollarschwäche mehr. Hier die drei Thesen der Analysten, aus dem Englischen übersetzt.

Erstens, wer auch immer das Weiße Haus gewinnt, die Chancen für eine strukturelle Verschiebung hin zu einer einfacheren Fiskalpolitik in den USA sind dramatisch gesunken. Sollten die Demokraten den Senat verlieren (das Risiko dafür erscheint jetzt hoch) und eine einheitliche Regierung unmöglich werden, würde dies eine Einigung über eine beträchtliche fiskalische Expansion erschweren. Größere Zwillingsdefizite und eine reflationäre Versteilerung der US-Zinskurve waren eine wichtige Triebkraft für unsere negative Dollarbetrachtung, und diese ist auf Eis gelegt worden.

Zweitens sind die Risiken eines langwierigen umstrittenen Wahlergebnisses erheblich. Der Markt ist wahrscheinlich am meisten besorgt über eine echte Ungewissheit bezüglich der Stimmenmarge, und weniger über die politische Unsicherheit im Zusammenhang mit einer Verweigerung von Zugeständnissen. Zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Artikels sind die Spannen in zahlreichen Schlüsselstaaten sehr gering (Georgia, Nevada, Wisconsin) oder ungewiss (Pennsylvania, Michigan), was zu einem Risiko langwieriger Nachzählungen und Rechtsstreitigkeiten führt. Dies könnte bis weit in den Dezember hinein andauern.

Drittens und über die Wahl hinaus hat sich die COVID-Winterwelle als schneller und größer erwiesen, als wir dachten. Europa befindet sich bereits im „weichen“ Lockdown, und die Zahlen für die USA werden sich wahrscheinlich noch verschlechtern. Es besteht ein erhebliches Risiko, dass die lang anhaltende Wahlunsicherheit zu einer Politisierung der COVID-Eindämmungsmaßnahmen führt, die mit der Unfähigkeit einhergeht, finanzielle Unterstützung zu leisten.

Was wir bei FMW in den letzten Wochen schon oft mit Artikeln begleitet hatten, ist das immer wieder aufs neue Funktionieren des US-Dollar als sicherer Hafen in Zeiten der Unsicherheit. So sieht es wohl auch die DB. Der US-Dollar sei in seinem Verhalten als sicherer Hafen und antizyklischer Vermögenswert einzigartig. Er habe sich in den letzten sechs Monaten abgeschwächt, da Aktien gestiegen sind und die Renditekurve eine Reflation eingepreist habe. Daraus folge, dass Deflation und Risikoaversion, auch wenn sie ihren Ursprung in den USA haben, positiv für den US-Dollar sein könnten. Alles in allem sehe man bei Leerverkäufen des Dollars keinen guten Risikoertrag mehr, insbesondere gegenüber Schwellenländerwährungen.

Eine eigene Meinung bilden!

Der japanische Yen und Gold könnten einige der wenigen Nutznießer eines höchst unsicheren Umfelds sein, so die DB. Natürlich muss man hier nochmal darauf hinweisen, dass man auch solchen Meinungen von hochbezahlten Experten nicht blind folgen sollte. Wir erwähnen diese Meinung der DB, damit sich Trader einen besseren Gesamtüberblick verschaffen können, und somit womöglich in den nächsten Wochen im Trading erfolgreicher sein können. Aber weder die Deutsche Bank noch wir bei FMW wissen natürlich, wie der US-Dollar die nächsten Wochen tendieren wird. Auffällig ist wie gesagt, dass er bei Unsicherheit sprunghaft hochspringen kann als vermeintlicher Fluchthafen. Auch möglicherweise ausbleibende Stimulus-Maßnahmen in den USA und daran anschließende eventuelle Fed-Aktivitäten könnten den Greenback die nächsten Wochen beeinflussen.

Chart zeigt US-Dollar im Vergleich zum breiten US-Aktienmarkt
Der Chart zeigt im Verlauf der letzten zwölf Monate den US-Dollar (Währungskorb Dollar-Index) in rot-grün, gegenüber dem S&P 500 Index auf CFD-Basis in blau. Eine klare negative Korrelation.

Hier klicken und kommentieren

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Devisen

Rüdiger Born: Aktuelle Lage im Dow, mögliche Idee für den Yen

Rüdiger Born

Veröffentlicht

am

Im folgenden Video schaue ich direkt am Chart auf die aktuelle Entwicklung im Dow Jones und seine Reaktion auf die US-Arbeitsmarktdaten. Auch überlege ich, ob im Yen ein interessanter Trade möglich sein könnte.

Wollen Sie meine täglichen Analysen im „Trade des Tages“ erhalten? Dieses Angebot ist für Sie völlig kostenfrei! Melden Sie sich dafür einfach hier an.

BORN-4-Trading – Trading-Ideen kostenfrei aufs Smartphone! Aktuelle Trading-News, Handelsideen und Trader-Know-how, Rüdiger Born sendet seine Einschätzungen direkt auf Dein Smartphone, entweder als Video- oder Voice-Nachricht oder einfach als schneller Text mit Bild. Welche Märkte kann man handeln, wo gibt es interessante aktuelle Trading-Setups, wo wären Einstiege möglich oder aber Stopps sinnvoll? Brandaktuell, überall und in gewohnt professioneller und spritziger Art. Klicke dazu einfach an dieser Stelle.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Devisen

Warum sich der Goldpreis vor dem Wochenende gestärkt zeigt

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Ein Barren Gold

Der Goldpreis zeigt sich auch heute gestärkt. Wir hatten es gestern bereits angesprochen. Der diese Woche gelaufene Aufwärtstrend im Gold scheint noch nicht nachhaltig zu sein, weil in den letzten Tagen die Anlegergelder weiterhin aus Gold-ETF abflossen. Von daher sollte man dem Aufwärtstrend bei Gold noch nicht blind vertrauen. Aber es ist ein ordentlicher Anstieg.

Der Goldpreis stürzte in den letzten Wochen fast 200 Dollar in den Keller, weil die Kapitalmärkte deutlich mehr Hoffnung auf die Corona-Imfpungen hatten, und daher bereit waren in riskantere Geldanlagen zu investieren. Gold war weniger interessant. Seit dieser Woche ist aber (wir erwähnten es gestern) die wichtige negative Korrelation zwischen Gold und US-Dollar wieder angesprungen. Der Dollar fiel immer weiter, und der Goldpreis stieg. Auch heute sehen wir eine weitere Dollar-Abwertung, und Gold (Montag noch bei 1.764 Dollar) konnte sich bis vorhin noch robust bei 1.840 Dollar behaupten (aktuell 1.836 Dollar).

Den Vergleichschart von gestern zwischen Gold und US-Dollar setzten wir hiermit aktualisiert fort. Die Trends sind weiterhin intakt – zumindest in diesem Augenblick. Wir sehen den gegenläufigen Verlauf seit Anfang der Woche. Auch wenn der Goldpreis ganz aktuell ein paar Dollar fällt, so ist die gegenläufige Bewegung im Gesamtbild der Woche erkennbar. Der US-Dollar befindet sich aktuell am tiefsten Punkt seit Frühjahr 2018. Diese Talfahrt hatten wir heute in einem separaten Artikel besprochen (mehr dazu hier).

Chart zeigt Goldpreis gegen US-Dollar seit Anfang der Woche

weiterlesen

Devisen

Die Talfahrt des US-Dollar – was ist da los?

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Brennende US-Dollar Scheine

Der US-Dollar fällt, und fällt, und fällt. Im Chart sehen wir den Kursverlauf des Dollar-Index seit Ende 2017. Der Dollar-Index zeigt den Verlauf des US-Dollar gegen einen Korb aus anderen wichtigen Währungen wie Euro, Pfund, Yen etc. Aktuell ist die US-Währung auf den tiefsten Stand seit April 2018 gefallen.

Korrelation des US-Dollar zur Coronakrise

Ganz klar sieht man im Chart das Hoch des US-Dollar aus März 2020 bei 103,78 Indexpunkten. Bis jetzt ist es ein klarer Absturz auf aktuell 90,62 Punkte. Der Grund dafür ist offensichtlich. Der US-Dollar fungierte zum Ausbruch der Coronakrise als der globale Fluchthafen. Anleger flohen aus unsicheren Geldanlagen und unsicheren Schwellenländerwährungen, und parkten das Geld in der weltweit größten Reservewährung. Und je mehr Hoffnung auf eine Entspannung der Coronakrise aufkam, desto mehr verlor der US-Dollar wieder, weil die Anleger risikofreudiger wurden, und ihre Gelder umschichteten in riskantere Anlagen mit höherem Renditepotenzial, wie zum Beispiel Anleihen in Schwellenländern, wozu natürlich Dollar verkauft, und die jeweilige Landeswährung gekauft werden musste.

Bereits am 17. November, wo der US-Dollar noch höher notierte, besprach ich die bedrohliche Lage für den Greenback, und warum er womöglich nächstes Jahr abwerten könnte. Dieses Szenario scheint der Devisenmarkt jetzt vorweg zu nehmen. Neben der Entspannung der Coronakrise (Impfungen starten wohl noch im Dezember) steht womöglich nächstes Jahr auch ein stärkeres Wirtschaftswachstum außerhalb der USA an. Und vermutlich dürfte die weitere Staatsverschuldung und Gelddruckerei in den USA noch stärker laufen als in Europa, was den US-Dollar gegen den Euro noch schwächer dastehen lassen könnte.

Negativen Ausblick vorwegnehmen

Der anerkannte Experte Holger Zschaepitz von der WELT twitterte jüngst zum immer weiter fallenden US-Dollar, dass die Investoren am Devisenmarkt wohl den negativen Ausblick für die US-Währung für 2021 schon jetzt einpreisen würden. Man sehe bitte: Der Euro notiert aktuell gegen den US-Dollar mit 1,2161 auf dem höchsten Stand seit April 2018. Also sehen wir hier eine korrespondierende Schwäche des Dollar-Index wie auch des US-Dollar gegen den Euro. Kein Wunder, denn der Euro ist das absolute Schwergewicht im Dollar-Index als Gegenpart zum US-Dollar.

Die Experten der Commerzbank erwähnen ganz aktuell aus rein charttechnischer Sicht (!), dass Rückgänge im Währungspaar Euro gegen US-Dollar bei 1.1936 auf eine erste Unterstützung, und bei dem Tief vom 23. November und der 55- Tagelinie bei 1.1800/09 auf gute Unterstützung treffen. EUR/USD biete weiter Aufwärtspotential, solange sich der Markt über der 6-Monatsunterstützungslinie bei 1.1749 befinde.

Negative Faktoren für den US-Dollar

Aber gut, wir schauen hier ja auf das größere Bild für den US-Dollar, und das auch eher aus fundamentaler Sicht. Joe Biden dürfte als US-Präsident versuchen so kräftig wie nur irgendmöglich auf die Stimulus-Pumpe zu drücken, und die Fed dürfte ihn dabei mit der Druckerpresse ordentlich unterstützen. Es scheint zumindest so zu sein, dass dem US-Dollar kein bullisches Jahr 2021 bevorsteht. Und es scheint gemäß des aktuell immer weiter fallenden Greenback so auszusehen, dass die Trader am Devisenmarkt schon jetzt kräftig short dabei sind. Ebenso verstärken die Impfstoff-Hoffnungen wohl immer mehr den Risikohunger der Anleger, was bei den globalen Geldflüssen gegen den US-Dollar spricht.

Noch was: Alles was gegen den US-Dollar gehandelt wird, profitiert grundsätzlich von seiner Schwäche. So konnte diese Woche vor allem der zuletzt immer weiter schwächelnde Goldpreis (endlich?) von der Dollar-Schwäche profitieren. Und so stieg Gold diese Woche von 1.765 auf 1.840 Dollar. Erwähnenswert zur Dollar-Schwäche ist derzeit auch noch die aktuell eigenständige Pfund-Stärke.  Die Devisenmärkte sind optimistisch, dass in Kürze ein Brexit-Deal zwischen UK und EU zustande kommen wird. Dies preist man mit einem steigenden Pfund ein. Da das Pfund Teil des Währungskorbs im Dollar-Index ist, stellt dies einen weiteren schwächenden Faktor gegen den US-Dollar dar. Natürlich kann niemand vorhersagen, ob der US-Dollar die nächsten Monate wirklich weiter fallen wird. Aber Stand heute gibt es dafür einige gute Gründe.

Chart zeigt Verlauf im US-Dollar seit Ende 2017

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage