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US-Handelsbilanz: Wo Trump Recht hat und wo nicht

Bislang dominieren Extrempositionen: Trump hat Recht oder er hat komplett Unrecht. Die Wahrheit aber liegt oft in der MItte..

Ein Gastbeitrag von Thomas Müller

Kaum ein Thema beherrscht die Medien derzeit so sehr wie der Handelskrieg, doch aufgrund der von Trump bewirkten Polarisierung gibt es nur die beiden Extrempositionen: Trump hat Recht oder er hat komplett Unrecht. Insbesondere Deutschland steht immer wieder im Mittelpunkt seiner Kritik. Und zumindest völlig aus der Luft gegriffen sind seine Behauptungen in diesem Fall nicht. Gemäß Daten des statistischen Bundesamtes stieg der Handelsbilanzüberschuss gegenüber den USA 2017 auf ein neues Rekordhoch von 57 Mrd. Euro an.


Handelsbilanzsalden Deutschland gegenüber ausgewählten Ländern
Quelle: Destatis (bitte alle folgenden Grafiken durch anklicken vergrößern!)

Doch auch gegenüber Großbritannien und Frankreich erzielt Deutschland sehr hohe Exportüberschüsse, die sich nahezu parallel zu den Überschüssen gegenüber Deutschland entwickelt haben.

Nun exportieren die USA in Summe sogar mehr als Deutschland und pro Kopf auch mehr als China und Frankreich weist im Handel mit Nicht-Euro-Ländern einen kleinen Überschuss auf. So ganz stichhaltig ist dieses Argument also nicht. Ein Blick auf die Top 10 der Deutschen Überschüsse zeigt zudem, dass darunter auch Länder wie Österreich oder die Schweiz sind, denen wohl kaum jemand mangelnde Wettbewerbsfähigkeit unterstellen möchte. Umgekehrt werden im Handel mit Bangladesch Defizite erwirtschaftet – ist Bangladesch demnach wettbewerbsfähiger als die Schweiz? So einfach ist es offenkundig nicht.


Quelle: Destatis

Nun umfasst die deutsche Handelsbilanz lediglich den Warenverkehr und gerade in jüngster Zeit haben deutsche Politiker darauf hingewiesen, dass die Zahlen bei einer Berücksichtigung der Dienstleistungen oder auch der ins Ausland überwiesenen Gewinne anders aussehen. Die umfassendste Darstellung all dieser grenzüberschreitenden Transaktionen ist die Leistungsbilanz.

Über viele Jahre in der Vergangenheit war die deutsche Leistungsbilanz tatsächlich sehr ausgeglichen, teils sogar leicht defizitär, während die Handelsbilanz deutliche und steigende Überschüsse aufwies. Grundsätzlich aber sind Handels- und Leistungsbilanz sehr eng miteinander verzahnt. Durch die mittlerweile lange Zeit der Überschüsse wurde zudem von Deutschland ein beträchtliches Auslandsvermögen aufgebaut, während die von Ausländern gehaltenen Forderungen gegenüber Deutschland oftmals sehr niedrig verzinslich sind, so dass seit geraumer Zeit hohe Einkommen gegenüber dem Rest der Welt erzielt. Letztlich ist die Leistungsbilanz u.a. aufgrund dieses Faktors seit ähnlich hoch oder sogar höher als der Handelsbilanzsaldo.


Deutsche Handelsbilanz und Leistungsbilanz
Quelle: Destatis; eigene Saisonbereinigung

Zumindest in Summe ist das Argument, unter Berücksichtigung aller Zahlungen würde Deutschland keine oder deutlich geringere Überschüsse erzielen, also nicht haltbar. Wie die jeweils exakten bi-lateralen Zahlen aussehen, lässt sich nur schwer ermitteln. Die US-Statistik stellt aber neben dem Warenverkehr zumindest auch Zahlen für grenzüberschreitende Dienstleistungen mit den jeweiligen Ländern bereit. Da zeigt sich allerdings, dass Deutschland auch im Handel mit Dienstleistungen einen Überschuss gegenüber den USA erwirtschaftet.

 


USA: Handelsbilanz Waren und Waren + Dienstleistungen mit Deutschland
Quelle: Census

Wer nun dieses Diagramm mit dem ersten vergleicht, wird feststellen, dass die USA nun plötzlich 2017 kein Rekorddefizit gegenüber Deutschland mehr erzielt haben. Eine Ursache ist sicherlich der Wechselkurs, aber auch unabhängig davon gab es lange eine nicht unbeträchtliche Diskrepanz.

 


Handelsbilanz USA gegenüber Deutschland – US-Zahlen und Destatis, eigene Berechnung

Nun wissen wir zwar, dass Trump auch den eigenen Quellen nur dann traut, wenn sie das aussagen, was er gerne hören möchte. Aber genau das wäre hier eigentlich gegeben. Gemäß der US-Daten hat sich die Handelsbilanz gegenüber Deutschland sowohl 2016 als auch 2017 verbessert. Aber gut, Trump hat nicht ganz Unrecht, denn das Defizit ist weiter erheblich.

Klar ist aber auch: Deutschland schottet sich gegenüber den USA nicht besonders ab, also nicht mehr als die anderen EU-Staaten und es gab auch keine Zollerhöhungen ab 2009, die das von 2010 bis 2015 gewachsene Defizit erklären könnten. Insofern ist nicht ganz klar, worauf Trump hinauswill. Die Ursachen liegen offenkundig nicht in irgendwelchen Zöllen oder sonstigen Handelshemmnissen begründet, sonst hätte Deutschland nicht auch und vor allem gegenüber den Handelspartnern innerhalb der EU so hohe Überschüsse. Trump benennt also ein durchaus vorhandenes Problem korrekt, sein Lösungsansatz hat nur nichts mit dem Problem zu tun.



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