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US-Staatsverschuldung: Zuwachs von 430 Milliarden Dollar in drei Monaten

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Die US-Staatsverschuldung nimmt immer mehr Fahrt auf. Wir haben dies die letzten Jahre schon mehrfach erwähnt, auch noch zu Obama-Zeiten. Aber das Tempo erhöht sich immer weiter unter Präsident Trump. Laut Berechnungen des US-Finanzministeriums wird die Schuldenaufnahme in diesem Jahr so hoch sein wie seit 2010 nicht mehr (1,59 Billionen Dollar). Damals musste man nach der Finanzkrise und Rezession extrem viel Geld aufnehmen.

US-Staatsverschuldung bei 21,73 Billionen Dollar

Alleine von August bis heute ist die US-Staatsverschuldung um 430 Milliarden Dollar angestiegen auf aktuell 21,734 Billionen US-Dollar. Das US-Finanzministerium hat ein doppeltes Problem. Die Zinskosten steigen immer weiter, weil die schiere Schuldenlast immer größer wird – und gleichzeitig erhöht die Federal Reserve momentan alle paar Monate die Zinsen. Hauptgrund ist aber die massive Steuersenkung der Trump-Administration, welche die Neuverschuldung in die Höhe pusht.

Lauf Haushaltsbüro des US-Kongresses (CBO) sind die Zinskosten der USA im Fiskaljahr 2018 der fünftgrößte Posten mit 343 Milliarden Dollar. Unter den fünf größten Ausgabenposten seien die Zinskosten mit +19,2% mit Abstand am Schnellsten gestiegen. Sollten die Zinsen das Niveau von über 4% aus dem Jahr 2008 erreichen, könnten die Zinskosten von 343 auf 555 Milliarden Dollar steigen, und damit ein größerer Ausgabenposten werden als der gesamte US-Verteidigungshaushalt. Wahnsinn!

Das Haushaltsdefizit der US-Regierung soll im Fiskaljahr 2018 bei 895 Milliarden Dollar liegen, und somit 222 Milliarden Dollar höher als im Vorjahr. Laut Präsident Trump (wenn man ihn denn fragen würde) wären diese neuen Schulden und Zinslasten bestimmt nur ein Zustand, der demnächst überwunden wird. Denn durch seine Politik soll ja angeblich das Wirtschaftswachstum derart stark ansteigen, dass die Steuern nur so sprudeln werden – trotz deutlich geringerer Steuersätze.

Die Wahrscheinlichkeit scheint doch extrem groß zu sein, dass es so läuft wie bei Bush und Obama auch. Die Schuldenlast steigt immer weiter, und man schiebt die Verantwortung einfach weiter an seinen Nachfolger. In den USA nennt man das “kick the can down the road”, also die leere Cola-Dose auf der Straße einfach zum Nachbarn weiter kicken, damit er den Dreck aufheben muss. Aber der Nachbar, der kickt die Dose wohl auch nur weiter zum nächsten Nachbarn.

US-Staatsverschuldung
US-Staatsverschuldung in Tagen von Oktober bis 13. November. Grafik: US-Finanzministerium.

US-Staatsverschuldung
Das US-Finanzministerium in Washington DC. Foto: Florian Hirzinger – www.fh-ap.com CC BY-SA 3.0

22 Kommentare

22 Comments

  1. Avatar

    tm

    16. November 2018 13:07 at 13:07

    Zum einen als Ergänzung: Die US-Bundesschulden (ihr nennt oben die gesamten öffentlichen Schulden) sind im laufenden Jahr bis Oktober um 654,5 Mrd. USD gestiegen – 2017 waren es im Gesamtjahr 681 Mrd. USD, 2016 581 Mrd USD und in den beiden Jahren davor unter 500 Mrd. USD.

    Da der November traditionell in Monat mit hoher Neuverschuldung ist, stehen die Chancen nicht so schlecht, dass Trump 2018 mehr neue Schulden macht als Obama 2014 und 2015 zusammen.

    Bei Obama wiederum gilt, dass er im ersten Amtsjahr am meisten neue Schulden gemacht hat und das Defizit dann Jahr für Jahr bis 2015 reduziert hat. Bei Trump stellt sich die Frage, wie die Situation erstmal aussieht, wenn die Konjunktur schwächer läuft…

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    Rbird

    16. November 2018 13:24 at 13:24

    Wer gerne grosse Zahlen mag “und im Sekunden Takt mitgezählt”!

    Hier ein Link der im Fokus die US Schulden im Sek. Takt mitzählt (inkl. verschiedenen Departemente etc), aber auch andere Länder Rohstoffe etc.

    http://www.usdebtclock.org/index.html

    Viel Spass ….

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      tm

      16. November 2018 14:27 at 14:27

      Naja, die Debt Clock gibt sich den Anschein einer offiziellen Seite und tut zudem so, als gäbe es diese Zahlen wirklich Real Time… mit Vorsicht zu geniessen.

      • Avatar

        Rbird

        16. November 2018 15:40 at 15:40

        :-) beiden Summen kommen die ooo ehe nicht mit im Takt, aber die groben Muster sind zu erkennen …nicht mehr und nicht weniger.

        • Avatar

          tm

          16. November 2018 16:04 at 16:04

          ja, allerdings wurde dort früher mal die Schuldenquote errechnet, indem die (nominalen) Schulden durch das reale BIP geteilt wurden. Also das ist mittlerweile korrigiert, aber da finden sich vermutlich immer noch Fehler.

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    Wolfgang M.

    16. November 2018 13:38 at 13:38

    Was bedeuten diese US-Zahlen wenn man sie in Relation zu unseren Maastricht-Kriterien setzt?
    Ein US-Haushaltsdefizit 2018 von 895 Mrd.$ in Relation zum erwarteten Bruttoinlandsprodukt von 20,4 Bio.$ und einen Schuldenstand der öffentlichen Hand von über 22 Bio.$:
    Ein aktuelles Defizit von 4,38% und eine Gesamtverschuldung von ungefähr 108% (fairerweise muss man feststellen, dass diese Zahl in den letzten Jahren aufgrund des starken Wirtschaftswachstums kaum zugelegt hat) und damit einen klaren Bruch der EU-Stabilitätskriterien von 3% Defizitobergrenze und 60% Gesamtschuldenstand. Und die Neuverschuldung soll 2019 noch deutlich steigen. Die Amerikaner haben das Glück mit dem Dollar die Weltleitwährung zu besitzen und sich in eigener Währung zu verschulden, sonst….! Es darf nur keinen Wirtschaftseinbruch geben.
    Aus diesem Gesamtzusammenhang heraus habe ich schon mehrfach erwähnt, dass sich die US-Notenbank vor einem besonders fürchtet: Vor einer Steuerreform 2.0 für den Mittelstand (10%), natürlich zuerst auf Pump finanziert. Schöne Schuldenwelt.
    Gruß

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      tm

      16. November 2018 14:31 at 14:31

      “Die Amerikaner haben das Glück mit dem Dollar die Weltleitwährung zu besitzen und sich in eigener Währung zu verschulden, sonst…”

      Eine weltwährung haben die Italiener z.B. auch nicht oder die Japan oder Singapur oder oder oder… und geht trotzdem.

      • Avatar

        Wolfgang M.

        16. November 2018 15:38 at 15:38

        @tm. Und warum? Weil die Japaner ihre Schulden im Land halten und in Italien bürgt die EU-Zone (Draghi) und die Deutschen haben die Target 2 Salden. Wollte damit sagen, sobald ein Land in fremder Währung verschuldet ist, steigt das Risiko. Wenn die eigene Notenbank Geld drucken kann, kann es lange gut gehen.
        Gruß

        • Avatar

          tm

          16. November 2018 16:33 at 16:33

          hm ist hier eine Antwort von mir verloren gegangen?

          • Avatar

            Petkov

            16. November 2018 18:21 at 18:21

            Nein, nein, normalerweise erscheinen die Kommentare wieder, sobald sie freigegeben sind, auch wenn man sie vorher nicht sieht. Fand ich anfangs auch komisch.
            Gruß

        • Avatar

          tm

          16. November 2018 16:36 at 16:36

          Ja, das klingt doch schon ganz anders. Schulden in eigener Währung können höher sein als Fremdwährungsschulden, absolut korrekt. Das hat aber gerade nichts mit dem USD als Weltwährung zu tun, sondern gilt ganz allgemein.

          Und Italien hat seine Schulden lange vor Euroeinführung in den 1970er und 1980er angehäuft. Seit den frühen 1990er Jahren erwirtschaftet Italien fast ohne Unterbrechung Primärüberschüsse. Entsprechend sank die Schuldenquote von 1994 bis 2007 und nun wieder seit 2014.

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            Wolfgang M.

            16. November 2018 17:15 at 17:15

            @tm. Sorry, wenn ich nochmals nachhake. Was wird denn passieren bei einer Wirtschaftskrise? Der US-Dollar, das britische Pfund und der Schweizer Franken gingen m.E. noch nie unter. Der US-Dollar ist mit über 60% Weltanteil die Währung, die im Krisenfall eine gewisse Sicherheit bietet und deshalb kann man sich vermutlich in dieser Währung leichter verschulden, als in jeder anderen Währung der Welt, noch. Man wird den Amerikanern das exzessive Schuldenmachen eine zeitlang ermöglichen. Das meinte ich mit dem Vorteil. Quo probare esset.
            Gruß

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    Marcus

    16. November 2018 14:30 at 14:30

    Das Problem ist das die Republikaner immer noch an die “Trickle down Theorie” glauben nach der niedrige Steuersätze langfristig mehr Steuereinnahmen generieren. Dieser Blödsinn hat schon unter Reagan nicht funktioniert den viele Republikaner ja als die Lichtgestalt überhaupt ansehen. Genau so wenig ist aber auch das “Deficit spending” der Demokraten der richtige Weg.

    Das Wachstum wird über die nächsten Monate sowieso abflachen. Warum denn sonst hat Donald schon wieder eine Eingebung was eine neue Steuerreform betrifft ? Weil sich damit Strohfeuer entzünden lassen ohne langfristigen Effekt.

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      tm

      16. November 2018 15:13 at 15:13

      welches Deficit Spending?
      Obama hatte das größte Defizit in seinem ersten Amtsjahr, das Defizit ist 2010, 2011, 2012, 2013, 2014 und 2015 gesunken.

      CLinton hatte Überschüsse im Staatshaushalt.

      • Avatar

        Marcus

        16. November 2018 15:17 at 15:17

        Und was war mit Obamas 900 Mrd. US-Dollar Konjunkturpaket ? Viel hat es ja nicht gebracht außer kurzfristiger Effekte. Selbiges wie mit Donalds Steurreform.

        • Avatar

          tm

          16. November 2018 15:25 at 15:25

          hm, also wie gesagt, das Defizit war in seinem ersten Amtsjahr am höchsten und wurde danach Jahr für Jahr reduziert. Und woran messen Sie das “nichts gebracht”? Als Obama Präsident wurde, befand sich die US-Wirtschaft im freien Fall. Zwei Quartale nach Amsantritt wuchs die Wirtschaft wieder und es begann ein bis heute anhaltender Aufschwung. Und genau dieser Aufschwung ermöglichste es dann doch auch, das Defizit stetig zu senken.

          Obama dagegen senkt die Steuern und erhöht das Defizit in einer Situation hoher Beschäftigung und soliden Wachstums. Da erkennen Sie ernsthaft keinen Unterschied?

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    Marcus

    16. November 2018 16:11 at 16:11

    In Ihrem letzten Abschnitt meinten sie wohl eher Trump als Obama… Ich sehe schon, Obama ist für Sie derjenige der für den heutigen Aufschwung in den USA ganz alleine verantwortlich ist. Und das Konjunkturpaket von Obama das war ja wohl Deficit Spending, denn im Jahr 2009 hatten die USA keine Budgetüberschüsse.

    • Avatar

      tm

      16. November 2018 16:33 at 16:33

      Ja, da meinte ich Trump :-)

      An welcher Stelle habe ich behauptet, die USA hatten 2009 Budgetüberschüsse? Ganz im Gegenteil. Also nochmals: Als Obama in Q1 2009 Präsident wurde, lag das Defizit im Bundeshaushalt bei 6,4% des BIPs. Es stieg dann noch bis Jahesende an, so dass Obama in seinem ersten Jahr das höchste Defizit seiner Amtszeit verbuchte. Ab dann sank es Jahr für Jahr bis 2015. Kann es sein, dass Sie “Deficit Spending” über die Höhhe des Defizits und nicht die Veränderung definieren? Reduktion von Schulden ist aber gerade kein Deficit Spending. Das Paket 2009 lasse ich gelten – und die Reduktion der Defizite danach zeigt ja gerade, dass es erfolgreich war.

      Und nein, Obama ist nicht alleine dafür verantwortlich. Bernanke hat z.B. auch dazu beigetragen.

      • Avatar

        Marcus

        16. November 2018 17:53 at 17:53

        Wie auch immer, wenn ich keine Überschüsse habe und Geld ausgebe (Steurreform oder Konjunkturprogramm), dann ist das aus meiner Sicht Deficit Spending.

        Zu Bernanke: In Krisenzeiten ist QE ja vielleicht ein adäquates Instrument um kurzfristig auf Krisensituationen zu reagieren, aber alles was danach kam war doch Vermögenspreisinflation-/umverteilung und aufpumpen von Spekulationsblasen. Welchen wirklichen Effekt QE -wenn überhaupt- gehabt habt, ist ja bis heute umstritten. Die Studien der Zentralbanken zeichnen das alles natürlich in tollen Farben. Ist ja logisch, denn sonst würde man ja öffentlich zugeben das die eigene Geldpolitik wirkungslos ist.

  6. Avatar

    Shong

    16. November 2018 16:50 at 16:50

    Soweit ich weiss, war Obama 8 Jahre an der Macht, 6 zählen Sie auf plus das erste, was ist mit dem achten Jahr?

  7. Avatar

    Kritisch

    16. November 2018 18:49 at 18:49

    Was jedoch Deficit Spending in einer boomenden Wirtschaftslage zu suchen hat ist mir völlig schleierhaft, wie auch die dahinterstehende Theorie der Keynesianer!

    • Avatar

      Marcus

      16. November 2018 22:05 at 22:05

      Deficit spending ist nun mal ein gängiges Mittel zu dem jeder Staat greift um Strohfeuer zu erzeugen. Donald´s Steuerreform mag zwar per se kein Deficit spending sein, es erzeugt aber auch nur ein Strohfeuer was recht zeitnah abgebrannt sein wird.

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Trading: Fünf wichtige Lektionen, die die Erfahrung lehrt

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Wenn man zum ersten Mal ins Trading einsteigt, versteht man schnell, dass es eine ganze Welt von Informationen gibt, die man aufnehmen muss. Aber einer der wichtigsten Dinge beim Trading ist, die Vielzahl von Informationen auf das Wesentliche zu reduzieren.

In diesem Video zeigt David Jones, chief market strategist bei capital.com, fünf Lektionen, die er in seiner 20-jährigen Karriere als Trader gelernt hat. Eine der wichtigsten Dinge beim Trading ist sich zunächst klar zu machen,  dass es so etwas wie die beste Handelsstrategie nicht gibt: Kein Ansatz ist besser als die anderen.

Eine weitere wichtige Lektion für das Trading besteht darin zu verstehen, dass der Preis die relevanteste Information ist – dementsprechend es eben meist aussichtsreicher ist, sich beim Trading im Trend  zu engagieren (und nicht gegen den Trend): denn Trends dauern meist länger als man denkt!

Das Wichtigste aber ist das Risikomanagement – und David Jones zeigt anhand von Charts, wie man sinnvolle Chance-Risiko-Verhältnisse ermitteln kann:

Wichtige Lektionen für das Trading

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Schweden: Sonderweg mit Covid-19 – wirtschaftlich ohne Auswirkung

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Die Welt blickt auf das skandinavische Land Schweden, zumindest aus virologischer Sicht: Was brachte die Strategie, weitgehend auf den harten Lockdown zu verzichten und auf die Vernunft der schwedischen Bürger bei der Bekämpfung von Covid-19 zu setzen? Wirtschaftlich nicht viel, wie die volkswirtschaftlichen Daten offenbaren.

Schweden in der Rezession

Der Weg Schulen, Geschäfte und Restaurants geöffnet zu lassen, sollte zu einer raschen Immunisierung bezüglich Covid-19 führen und dabei auch die Wirtschaft am Laufen halten, so der schwedische Sonderweg. Das Statistikamt SCB brachte die Tage aber Ernüchterung: Zwar stieg das schwedische Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal noch um 0,1 Prozent, aber für das zweite rechnet die Behörde mit einem Rückgang von heftigen 9,5 Prozent und auch für das Gesamtjahr einen Einbruch um 5,4 Prozent. Auch ist die Arbeitslosenquote mit 8,4 Prozent nur noch wenig von ihrem Hoch des Jahres 2010 entfernt. Damit ist man nicht weit entfernt von Ländern wie Deutschland, die eine über Wochen andauernde Schließung durchgeführt hatten.

Die Coronazahlen des Nachbarn Dänemark

Gerne werden die nordischen Länder Schweden und Dänemark bei der Entwicklung der Coronazahlen verglichen. Auch unter Berücksichtigung der Tatsache, dass Dänemark mit 5,8 Millionen Einwohnern nur etwas mehr als die Hälfte des nördlichen Nachbarn (10,3 Mio) aufweist, ergeben sich doch eklatante Differenzen.

Schweden verzeichnet aktuell 73.061 Infektionen mit Covid-19 (gesamt, inklusive der Genesenen und Verstorbenen), davon 5433 Todesfälle.

Dänemark 12.878 (gesamt) – 607 Todesfälle

Diese Zahlen beschäftigen die Regierung in Schweden – und auch den Chefvirologen, Anders Tegnell, der auch schon von einem großen Fehler sprach, die Risikogruppen nicht hinreichend geschützt zu haben.

Die Vergleiche beim Konsumverhalten

Aufgrund der hohen Vergleichbarkeit beider Staaten in politischer Sicht und was die staatlichen Stützungsmaßnahmen angeht, haben Wissenschaftler der Universität Kopenhagen das Ausgabeverhalten der Bürger beider Länder im Zeitraum März – April verglichen. Erstaunlicherweise ging der Konsum in Dänemark in der Phase des strengen Lockdowns nur um vier Prozent mehr zurück, als in Schweden, wo das Leben vergleichsweise normal weiterlief. Dafür werteten die Forscher die Kontobewegungen der zweitgrößten skandinavischen Bank aus. Dabei kam heraus, dass die Dänen ihre Ausgaben während dieser Zeit um 29 Prozent reduziert hatten, aber auch die Schweden, die auf 25 Prozent minus kamen.

Damit hatte der Lockdown nur einen vergleichsweise geringen Einfluss, der größere entstand aus dem Bewusstsein der Gesundheitsrisiken für die Bevölkerung.

Natürlich konnten jüngere Menschen in Dänemark weniger in Bars und Diskotheken ausgeben, da diese geschlossen waren. Ältere gaben weniger aus, weil sie durch die Maßnahmen gesundheitlich stärker geschützt waren.

Die Diskussion in beiden Ländern

Durch die Erkenntnisse der Studie hat sich die Diskussion über den Sinn und Zweck des Lockdowns in beiden Ländern belebt. In Dänemark, ob man so hart hätte vorgehen müssen und in Schweden, ob der dänische Weg nicht doch der insgesamt erfolgreichere gewesen ist. Das Thema dürfte weiter virulent bleiben, wenn klar sein wird wie viele Menschen die Virusinfektion bereits bewältigt haben (Herdenimmunität) und wenn eine zweite Welle auftreten sollte.

Fazit

In einer globalisierten Welt gibt es kein Entweichen: Die Wirtschaften der Länder sind vernetzt, wenn es in einem Land einen Lockdown gibt, leidet der Nachbar mit, weil der Güteraustausch schrumpft, von touristischen Aktivitäten gar nicht zu reden. Aber auch die Vernunft der Menschen führt automatisch zu wirtschaftlichen Folgen: man wägt das Gesundheitsrisiko bezüglich Covid-19 ab, dem man sich in der Öffentlichkeit aussetzt. Wirtschaftlich hat der Sonderweg Schweden nicht allzu viel gebracht, aber die Zahlen über die Opfer sprechen eine andere Sprache.

Schweden hat mit seiner Strategie gegen Covid-19 keine relevanten wirtschaftlichen Vorteile gehabt

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Industrie: Probleme bei Exporten? Der Steuerzahler soll noch mehr haften

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Bild vom Hamburger Hafen, wo viele deutsche Exporte durchlaufen

Kennen Sie die deutschen Exportkreditgarantien, oder auch besser bekannt als “Hermes-Bürgschaften”? Es ist ein seit Jahrzehnten bewährtes Instrument für die stark exportlastige deutsche Industrie (hier gut erklärt). Das Problem ist leicht nachvollziehbar. Ein Kunde aus einem Dritteweltland bestellt eine Maschine bei einem deutschen Hersteller. Ob der Kunde wie vereinbart die Maschine wirklich in Raten abbezahlen wird, ist mehr als ungewiss. Der Exporteur muss sich entweder diesen Verkaufserlös irgendwie von irgendwem garantieren lassen – oder im Zweifel das Geschäft abblasen.

Mit den Hermes-Bürgschaften sichert der deutsche Staat seit Jahrzehnten politische und wirtschaftliche Risiken ab, die Kunden in Schwellenländern in Zahlungsschwierigkeiten bringen könnten. Aber nun hat das Bundeswirtschaftsministerium ganz aktuell offenbar erkannt, dass es hier dank der Coronakrise wohl einigen Nachholbedarf gibt. Der deutsche Steuerzahler soll also noch viel mehr Ausfallrisiko für die Exporteure übernehmen als ohnehin schon.

Noch mehr Absicherung für Exporte

Mit einem 5-Punkte Maßnahmenpaket will Bundeswirtschaftsminister Altmaier den Exporteuren nun noch mehr unter die Arme greifen. Letztlich ist es eine noch stärkere Verlagerung des Geschäftsrisikos auf den Steuerzahler. Welcher kleiner Handwerker träumt nicht davon, dass der Staat seine Rechnung bezahlt, wenn der Häuslebauer sich weigert die Rechnung für die verlegten Fliesen zu begleichen? Aber gut, zurück zur Exportwirtschaft. Denn ja, die ist wichtig. Und ja, einen Kunden in Tansania, Bolivien oder Indien kann der deutsche Exporteur nicht so leicht auf Zahlung der Rechnung verklagen wie einen Kunden in Deutschland. Laut dem Ressort von Herrn Altmaier spüre die deutsche Exportwirtschaft aktuell sehr deutlich die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Neben Störungen in den Lieferketten und bei der Abwicklung der Projekte im Ausland hätten sich auch die Finanzierungsbedingungen deutlich verschlechtert. Den bewährten staatlichen Exportkreditgarantien („Hermes-Bürgschaften“) käme in dieser Situation eine besonders hohe Bedeutung zu.

Folgende Verbesserungen wird es jetzt für Exporteure geben. Extrem wichtig: Der Kunde im Ausland soll auch erste am Ende der Kreditlaufzeit zahlen können, und der Steuerzahler übernimmt dafür das Risiko (das ist ein deftiges Risiko!). Zitat: Kurzfristige Finanzkreditdeckungen (FKG) werden angeboten, um die Bilanz der Exporteure und ihrer Kunden zu entlasten. Dabei beträgt die Kreditlaufzeit maximal 720 Tage mit der Möglichkeit der Rückzahlung am Ende in einer Summe (Bulletzahlung). Eine Anzahlung ist in Höhe von nur 5 % vor Risikobeginn erforderlich, weitere Zwischenzahlungen müssen nicht geleistet werden, so das Bundeswirtschaftsministerium.

Und auch beim Exporteur könne aufgrund der Coronakrise die Liquiditätssituation angespannt sein, sodass auf Antrag Erleichterungen bei der Fälligkeit der Gebühr (für die Exportkreditgarantien) eingeräumt werden können. Auch bei den exportfinanzierenden Banken hilft der Bund aus. Durch eine zusätzliche Variante der Verbriefungsgarantie sollen die Refinanzierungsmöglichkeiten für hermesgedeckte Geschäfte verbessert werden. Zukünftig werde damit für Nicht-Pfandbriefbanken unter bestimmten Voraussetzungen wieder eine Refinanzierung bei Pfandbriefbanken mit einer Bundesdeckung ermöglicht und somit die Möglichkeit von Exportfinanzierungen verbessert. Und folgender Punkt aus dem Maßnahmenpaket ist auch noch erwähnenswert. Zitat aus dem Papier des Ministeriums:

Wahlrecht auf Einmalentschädigung für Non-performing Loans (unbefristet)

Aktuelle bankaufsichtsrechtliche Änderungen (CRR) bzgl. notleidender Kredite (NPL) hätten sich ungünstig auf das Bankenangebot bei ECA-Finanzierungen auswirken können. Dies wäre gerade in Zeiten einer Krise kontraproduktiv gewesen. Banken erhalten jetzt ein Wahlrecht auf Einmalentschädigung, das ab Stellung des ersten Entschädigungsantrages bis zum Abschluss des Entschädigungsverfahrens flexibel ausübbar ist. Bei Ausübung des Wahlrechts wird der Entschädigungsbetrag derart begrenzt, dass in Summe keine höhere Entschädigung geleistet wird als nach der bestehenden Systematik.

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