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Insider berichten Viele EZB-Entscheider wollten bereits gestern die Zinsen senken

Jetzt wird bekannt, dass viele EZB-Entscheider bereits gestern die Zinsen senken wollten. Hier dazu Aussagen.

EZB-Chefin Christine Lagarde gestern bei der PK. Photo: © Angela Morant/ECB CC BY-NC-ND 2.0 DEED https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/

So einheitlich scheint die Stimmung bei den Entscheidern der EZB offenbar nicht zu sein? Der Drang die Zinsen schnell zu senken, ist offenbar viel größer, als man es als Außenstehender erkennen kann! Bis zu fünf Ratsmitglieder der Europäischen Zentralbank bedurften längerer Überzeugungsarbeit, um für die gestrige Zinsentscheidung auf die Mehrheitsmeinung des Gremiums einzuschwenken und die Zinsen noch einmal auf einem Rekordniveau beizubehalten. Das berichten laut Bloomberg Insider über die Diskussionen der Euro-Währungshüter.

Größere Gruppe in der EZB wollte gestern Zinsen senken

Zunächst hatte sich eine größere Gruppe für eine Zinssenkung bei der Ratssitzung am gestrigen Donnerstag ausgesprochen, doch einige aus dieser Gruppe scherten rasch aus und schlossen sich der Mehrheit an, die für eine Senkung der Zinsen im Juni plädierte, hieß es. Die unerwartet hohen Inflationsdaten aus den USA trug zu der vorherrschenden vorsichtigen Stimmung bei, so die Insider. Präsidentin Christine Lagarde räumte bei ihrer Pressekonferenz nach der Ratssitzung Meinungsverschiedenheiten ein.

“Um die Wahrheit zu sagen, fühlten sich einige Mitglieder auf der Grundlage der begrenzten Daten, die wir im April erhalten haben, ausreichend zuversichtlich”, sagte sie. “Sie haben sich dem Konsens einer sehr, sehr großen Mehrheit der Gouverneure angeschlossen, die der Meinung waren, dass das Vertrauen weiter gestärkt werden muss, wenn wir im Juni viel mehr Daten erhalten.”

Einige bewerteten den Vorstoß für eine Zinssenkung schon im April als indirekte Vorarbeit für die Forderung eines sofortigen zweiten Zinsschritts in der Juli-Sitzung des EZB-Rats. Eine eingehende Debatte über den weiteren Pfad für die Entwicklung der Zinsen habe es jedoch nicht gegeben, sagten die Insider, die nicht namentlich genannt werden wollten. Allerdings scheint sich ein Konsens darüber abzuzeichnen, dass der Einlagensatz in der ersten Phase des Zinssenkungszyklus von derzeit 4% um etwa 100 Basispunkte gesenkt werden wird. Unklar bleibt freilich, in welchem Zeitrahmen das geschieht. Ein Sprecher der EZB lehnte eine Stellungnahme ab.

Kommentar

FMW: Dass ein Insider bei der EZB an Reporter durchsteckt, wie weit der Drang zu einer raschen Senkung der Zinsen doch schon zu sei scheint, kann was bedeuten? Interne Unzufriedenheit über Christine Lagarde, die zu lange an hohen Zinsen festhält, um die Inflation kräftig abzuwürgen? Vermutlich machen die Südländer verstärkt Druck, um endlich günstigere Kreditkosten für ihre Volkswirtschaften zu erhalten. Und Madame Lagarde ist einfach zu vorsichtig? Man könnte diese Zögerlichkeit darauf zurückführen, dass sie sich de facto blamierte mit der vorigen Ignoranz der heraufziehenden Inflation. Und jetzt will man vermutlich lieber zu lange die Zinsen oben behalten, um diese Inflation richtig abzuwürgen.

Diese TradingView Grafik zeigt seit 2020 die Entwicklung den Leitzins als blaue Linie (Leitzins aktuell 4,5 %, Einlagensatz 4,0 %), dazu im Vergleich in orange die Inflation in der Eurozone. Den Anstieg in 2021 und 2022 hatte die EZB nicht kommen sehen, und viel zu spät Zinsen erhöht.

Grafik zeigt EZB-Zinsen im Vergleich zur Eurozonen-Inflation seit dem Jahr 2020

FMW/Bloomberg



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2 Kommentare

  1. „Viele EZB-Entscheider wollten bereits gestern die Zinsen senken“

    die ezb ist ohnedies mit einem gap von 6 monaten in die zinserhöhungsphase gestartet. in den usa zieht nun im „normalen“ zweitrundeneffekt die inflation natürlich wieder an. das wird dementsprechend auch in eu passieren. diesmal zu senken wöre genauso fahrlässig wie das finanzgebahren einiger südländer insgesamt, die nun natürlich mit immer weiter steigenden renditen auf ihre staatsanleihen konfrontiert sind.

    ich vermute daher, dass hier einige dem trend zuvorkommen wollten weil sie vermutlich genau wissen, dass es im juni deutlich schwerer wird ihre zinssenkungswünsche umgesetzt zu bekommen. aber verantwortungsvolle finanzpolitik ist spätestens seit corona offensichtlich ohnedies keine kategorie mehr im zusammenspiel der politik und den lokalen zentralbanken. da riskiert man lieber das ernsthafte wiederanspringen von inflation.

  2. Beste Aussage seit langem: “ Um die Wahrheit zu sagen…“
    Also ich denke es wird demnächst gesenkt mit oder ohne der Fed.
    Immo und andere klassische zinssensiblen Unternehmen kommen dann noch mehr in Fahrt.
    Nicht zu vernachlässigen wäre mMn auch der Energie Sektor, alleine schon wegen den wieder ansteigende Energiekosten.

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