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Warum ESG-Kampagnen bei aktivistischen Anlegern in Ungnade fallen

Investments in Öko-ETF waren 2023 ein Desaster. Und auch aktivistische Investoren werden offenbar ihre Aktivitäten zurückfahren.

Windräder
Foto: Liesa Johannssen/Bloomberg

Die Börse handelt die Zukunft, und an der Börse erhält man einen Blick auf die tatsächlichen Erwartungen von Anlegern. Haben Anleger wirklich Interesse an einem Thema, wird doch investiert – und wenn nicht, dann wird eben woanders investiert. Nur wenn Anleger eine Aussicht auf Rendite und Wachstum haben, investieren sie in bestimmte Branchen. Das Thema ESG (Environmental, Social and Corporate Governance) ist zwar bei staatlichen Institutionen und medial hoch im Kurs. Die EZB droht Banken sogar Strafgelder an, wenn sie sich nicht genug um Öko-Themen kümmern. Der jüngste Blick zeigte aber, dass 2023 ein Katastrophenjahr war für Öko-Investments.

Aktivistische Investoren werden ESG-Kampagnen zurückfahren

Der iShares Global Clean Energy UCITS ETF, der als Fonds den gesamten Sektor von Aktien aus dem Bereich Erneuerbarer Energien gut abdeckt, verlor im letzten Jahr 24,47 % an Wert, während beispielsweise Uran-Aktien massiv zulegen konnten. Denn global gibt es nun mal einen Drang nach mehr Atomkraftwerken, und damit Nachfrage nach Uran. Aktuell gibt es auch Aussagen über ein deutliches Zurückfahren von ESG-Engagements von aktivistischen Investoren. Sie werden in diesem Jahr voraussichtlich weniger ökologische und soziale (ESG) Kampagnen durchführen, nachdem sich diese Strategie als weniger lukrativ als andere Aktionärsagenden erwiesen hat, so sagt es aktuell laut Bloomberg das Unternehmensberatungsunternehmen Alvarez & Marsal.

Eine Analyse des Unternehmens ergab, dass aktivistische Kampagnen, die sich auf operative oder strategische Veränderungen konzentrieren, in den letzten sechs Jahren eine durchschnittliche Outperformance von 9,4 % erzielten. Im Gegensatz dazu erzielten Kampagnen, die sich auf ökologische und soziale Themen (ESG) konzentrierten, die schwächsten relativen Renditen und übertrafen den Markt im selben Zeitraum um durchschnittlich nur 0,2 %, so heißt es in einem heute veröffentlichten Bericht.

„Da sich die Investoren im Jahr 2024 in einem herausfordernden Markt stärker auf die Rendite konzentrieren, erwarten wir einen Rückgang der ESG-bezogenen Kampagnen und eine erneute Konzentration auf Kennzahlen wie Margenwachstum, Cash-Generierung und Kapitalrendite“, so Andre Medeiros, Managing Director von A&M.

Die Analyse von A&M basiert auf 550 öffentlichen Kampagnen von Aktionärsaktivisten, die zwischen Anfang 2016 und dem 31. Oktober 2021 gegen Unternehmen mit Hauptsitz in Europa und den USA gestartet wurden. Die Firma untersuchte dann die Gesamtrendite der Aktionäre für jedes Unternehmen in den folgenden zwei Jahren nach dem Start der Kampagne, und verglich diese Rendite entweder mit dem europäischen Stoxx 600 Index oder dem S&P 500 Index, je nachdem, wo das Unternehmen seinen Sitz hatte.

Kommentar

FMW: So sehr ESG angesagt sein mag in bestimmten Kreisen. Beim Thema Rendite hört der Spaß bei Anlegern auf, vor allem bei Institutionellen Anlegern, die ihren Kunden Rechenschaft schuldig sind. Erzielt man über eine gewisse Zeit mit ESG-Themen eine viel zu schlechte Performance, wird man Geld umschichten in andere Bereiche. Aber natürlich ist ein gezielter ESG ETF – wie der oben genannte – von solch einem drohenden Abzug von Kapital ausgenommen, denn dieser ETF fokussiert sich nun mal genau auf dieses Thema.

FMW/Bloomberg



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