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Warum London die EU verlassen will! Angst vor Crash am Immobilienmarkt

Redaktion

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FMW-Redaktion

Kürzlich hatte Londons Bürgermeister Boris Johnson bekanntlich verkündet, dass er für einen Brexit sei. Kurz darauf folgte eine Art Gutachten seines ökonomischen Beraters, der diese Absicht untermauern sollte. Die Stadt London, so der Tenor, brauche die EU nicht, wichtiger sei die weitere Flexibilisierung der Institutionen etc. etc. Von einer Sache aber war nicht die Rede: von Immobilien.

Aber der tiefere Grund für die Lust am Brexit könnte eine Richtlinie der EU sein, über die wir kürzlich in dem Artikel „Tschüß deutsche Immobilienblase! Wohnimmobilienkreditrichtlinie: weniger Kredite, fallende Preise!“ berichteten. Denn als Vorschrift der EU muß auch UK das Gesetz zur Wohnimmobilienkreditrichtlinie innerhalb von zwei Jahren, sprich jetzt, einführen. Und diese Richtlinie besagt, dass Banken dazu verpflichtet sind sicherzustellen, dass die Rückzahlung eines Immobilienkredits (zu Lebzeiten des Kreditnehmers) wahrscheinlich sein muß. Aber davon kann angesichts der Preisentwicklung der Immobilien in London nicht wirklich die Rede sein – Daten speziell aus UK und speziell London zeigen nämlich, dass die Briten alles andere tun als ihre Kredite zu tilgen. Sie verschulden sich vielmehr immer weiter.

Würde man die Wirtschaft Großbritanniens charakterisieren, könnte man sagen: steigende Immobilienpreise + Dienstleistung=Wirtschaftswachstum. Die Entwicklung der Immobilienpreise vor allem in London sind der Motor des Wirtschaftswachstums, da auf der Basis der steigenden Immobilienpreise auch der Dienstleistungssektor zulegen kann. Und so stiegen und stiegen die Preise für Immobilien immer weiter – begünstigt durch die Politik der konservativen Regierung. Denn diese wollte, nachdem sie mit einem Programm der Re-Industrialisierung gescheitert war, sich die Zustimmung der geschätzten Wählerschaft sichern. Und das ging am Besten dadurch, indem man die Immobilienbesitzer umschmeichelte – denn die Eigenheimquote in UK beträgt 69%. Etwa ein Drittel des Vermögens der Briten liegt in Immobilien – also lag es nahe, durch gezielte Förderung den Wert der Immobilien zu erhöhen, womit die Briten auf dem Papier reicher wurden – und daher die Neigung hatten, die Wohltäter auch zu wählen.

Seit März 2013 gibt es das sogenannte „Help to Buy Programme“, das faktisch dazu führt, dass der erforderliche Anteil des Eigenkaptals beim Kauf einer Immobilie bei lediglich 5% liegt. 20% des Wertes einer Immobilie können Briten seitdem als zinslosen Kredit vom Staat erhalten. Kreditinstitute, die Immobilienkäufer Kredite gewähren, können für einen Teil der Kreditsumme zu extrem günstigen Konditionen staatliche Garantien erhalten. Mehr geht nicht – das sind eine Menge Blankschecks für Kreditnehmer und Kreditgeber auf einmal.

Ein schöner Kreislauf: die steigenden Immobilienpreise pumpem das BIP nach oben, machen die britischen Immobilienbesitzer auf dem Papier reicher, das hebt die Stimmung und garantiert die Zustimmung zur derart segensreichen Regierung. Und das will man sich nicht kaputt machen lassen, vor allem nicht im Immobilienpreis-Wunderland London, wo derzeit Garagen für 700.000 Pfund, also knapp eine Millionen Euro, an den Käufer gebracht werden.

Nun besagt jedoch diese EU-Verordnung, dass die Rückzahlbarkeit eines Immobilienkredites wahrscheinlich sein muß – und das ist speziell bei Käufern Londoner Immobilien faktisch nicht der Fall. Wenn UK diese EU-Gestzgebung umsetzt Und das muß erfolgen, wenn man in der EU ist), steigen die Anforderungen an die Kreditnehmer und sind die Banken in der Haftung, wenn Risiken nicht beachtet wurden. Und vor allem: Kreditverlängerungen, die vorher nicht garantiert wurden, müssen neu verhandelt werden, wobei die Anforderungen an die Rückzahlbarkeit des Kredits massiv nach oben gehen.

Nun gibt es keinen sicheren Beweis, dass Londons Bürgermeister Johnson so gerne aus der EU ausscheiden würde, weil er Gefahren für die Blase am Londoner Immobilienmarkt wittert. Aber er hätte einen verdammt guten Grund, für einen Austritt zu sein – denn die Party am Immobilienmarkt der britischen Hauptstadt wäre mit der verpflichtenden Umsetzung der EU-Gesetzgebung so gut wie sicher sehr schnell beendet!

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    sabine

    8. März 2016 23:02 at 23:02

    „Nun gibt es keinen sicheren Beweis, dass Londons Bürgermeister Johnson so gerne aus der EU ausscheiden würde, weil er Gefahren für die Blase am Londoner Immobilienmarkt wittert. Aber er hätte einen … guten Grund, für einen Austritt zu sein“ Wolkenschieberei, mehr nicht. Man kann sich viel zusammenreimen, wenn der Tag es hergibt. Von der Länge her.
    Aber es sicher Fakt, daß die leidige, von den meisten gehaßte EU überalll herumdiktatiert, wobei das Rumdoktern im Finanzbereich sicher ein wichtiger Punkt ist. Einzelne Sabber-Punkte aus Brüssel herauszusuchen, um zu denken, daß der Bürgermeister, der ja auch mal hinfällt beim Spiel mit Kindern (siehe älteren Beitrag über den Brexit hier…), vielleicht wegen dem oder dem aus der EU will, ist langweilige und unnütze Spekulation. Ihr Wert reicht ein paar Tage.

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Aktienmärkte: Warum einige aktive Fonds 2020 den Markt schlagen

Wolfgang Müller

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Die Aktienmärkte sind Schauplatz eines Kampfes, der von Jahr zu Jahr härter wird: Der Wettstreit zwischen den aktiven Fonds und den preisgünstigen, passiven Indexfonds (ETFs). In diesem Jahr haben einige der aktiv gemanagten Investmentfonds die Nase vorn. Ein Grund dafür ist die auch die ungewöhnliche Konzentration der Anleger allgemein auf marktschwere Titel.

Aktienmärkte: Das Dauerduell aktiv gegen passiv

Was hatte sich der in diesem Jahr verstorbene Gründer des passiven Investierens, John Bogle, anfangs für Feinde gemacht, zumeist wurde er milde belächelt! Mitte der Siebziger war Mittelmaß als Ziel eines Investments absolut verpönt, alle wollten noch die Aktienmärkte schlagen.

Doch Bogle hatte seine Mitarbeiter beauftragt, alle im S&P 500 enthaltenen Aktien entsprechend ihrer Gewichtung zu kaufen und damit den bekannten Börsenindex einfach nachzubilden.

Damit schuf Bogle den ersten Indexfonds (Vanguard 500), mit einem aus heutiger Sicht mickrigen Volumen von 11,3 Millionen Dollar.

Doch von Jahr zu Jahr steigt die Anlagesumme in die passiven Anlagevehikel, vor gut zehn Jahren wurde die Billionen-Grenze überschritten, mittlerweile ist die von BlackRock, Vanguard, State Street dominierte Branche bei weit über sechs Billionen Dollar angelangt.

Natürlich lässt es sich auf Dauer nicht verheimlichen, dass es kaum einem aktiven Anlagevehikel jenseits der 10-Jahresfrist gelingt, den Index und damit auch den entsprechenden Exchange Traded Fund zu schlagen. Am allerwenigsten den Leitindex der Aktienmärkte, den S&P 500 als Benchmark – insgesamt liegt die Underperformance bei über 90 Prozent in den großen Märkten.

Ich habe es vor kurzem in einem Artikel dargelegt, welche Folgen es hat, wenn man in einem Jahrzehnt auch nur die zehn besten Handelstage der Aktienmärkte versäumt.

2020 und die extreme Outperformance von Growth

Blicken wir nun auf den heimischen Markt, wo die Entwicklung natürlich einmal mehr den amerikanischen Vorbildern folgt. Hier gibt auch BlackRock den Ton an mit seinen iShares, gefolgt von Lyxor und den XTrackers von DWS, einer Tochter der Deutschen Bank. Gefolgt von UBS, Amundi, Invesco und Deka Investments und damit sind auch die deutschen Sparkassen im Geschäft.

Wie eine Auswertung des Fondsverbands BVI zeigt, haben in den Privatanleger-Depots es einige der alten Namen aus der aktiven Branche geschafft, ihre Vergleichsindizes zu schlagen. Produkte der DWS, der Deka oder der Allianz Group und aus dem Kreise derer, die schon über ein Jahrzehnt am Markt sind. Und dies gilt auch schon für ein paar Jahre, obwohl für diese Produkte die teuren Konditionen mit dem Ausgabeaufschlag und der jährlichen Jahresgebühr von deutlich über ein Prozent p.a. gelten. Wie ist diese Performance zu erklären?

Es waren zum Teil die internen Vorschriften, die den aktiven Fondsmanagern geholfen haben – und nicht die besondere Aktienauswahl.

Man hatte innerhalb der Aktienmärkte auf Aktien gesetzt, die eine hohe Marktkapitalisierung aufwiesen, so genannte Blue Chips – und was lief in den letzten Jahren besonders gut?

Klar, der Tech-Bereich mit Titeln wie Amazon, Apple oder Microsoft, Aktien, die in den Fonds zum Teil noch stärker gewichtet waren, als zum Beispiel im S&P 500 oder im MSCI World. Aber bereits seit Anfang September ist so etwas wie eine Branchenrotation feststellbar, verstärkt durch das Ergebnis des Wahlausgangs in den USA sowie den letzten Ereignissen im Zusammenhang mit der Impfstoffentwicklung.

Anders ausgedrückt: Was passiert, wenn die Big Player wieder auf ein „normales“ Wachstumstempo zurückfallen, um nur eine milde Kursentwicklung zu prognostizieren?

Fazit

Aus den letzen Überlegungen wird deutlich, wie schwierig es in Zukunft bleiben wird, mit spezieller Aktien-Einzelauswahl die Aktienmärkte zu schlagen. Wird es zu einer bleibenden Branchenrotation von Growth zu Value kommen, oder hält sich das Wachstum der Big Seven, oder auch der FAANG-Aktien noch eine Weile?

Man braucht sich nur den explosiven Anstieg einiger Corona-Aktienopfer seit der Impfstoffmeldung von BioNTech/Pfizer zu betrachten. Wie stark wird es noch zu großen Umschichtungen in den großen Depots, insbesondere zum Jahreswechsel kommen? Der 9. November könnte bedeutsamer gewesen sein, als bisher angenommen. Der Anstieg des Nasdaq 100 von seinem Tief vom 6. März 2009 bis zu seinem Hoch am 2. September 2020 mit sagenhaften 1154 Prozent sollte irgendwann korrigiert werden, Kurse (speziell von Indizes) wachsen nie in den Himmel. Der Dax brachte es in diesem Zeitraum auf bescheidene 354 Prozent.

Die Aktienmärkte und die aktiv verwalteten Fonds

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