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Welche Konzerne bleiben in Russland? „Stay-in-Russia“ als Geschäftsmodell

Moskau ist die Hauptstadt von Russland

In den letzten Tagen haben immer mehr namhafte Firmen ihren Rückzug aus dem operativen Geschäft in Russland angekündigt. Die Liste der Unternehmen liest sich wie ein „who-is-who“ der global agierenden Großkonzerne. Neben fast allen Automobilherstellern und den großen Ölkonzernen stellen auch große amerikanische Restaurantketten wie McDonalds und Starbucks ihr Geschäft in Russland vorerst ein. Die Yale School of Management führt eine Liste mit mittlerweile mehr als 310 Unternehmen (Stand 10. März), die Russland wegen des Ukraine-Krieges verlassen. Welche Konzerne aber entschieden sich für „Stay-in-Russia“ und bleiben vor Ort weiter tätig? Ein Überblick:

Accor, Marriot und Intercontinental Hotels – alle drei Unternehmen sind weiterhin in Russland engagiert. Accor betreibt die Hotel Ketten Ibis und Novotel, von 55 Objekten in Russland sind alleine 21 in Moskau. Obwohl die Expansionspläne auf Eis liegen und die Niederlassung in Moskau geschlossen wurde, prüft das Unternehmen, das seine Hotels über „Dritte“ betreibt, ob diese weiter geöffnet bleiben können. Hilton Hotels hatte bereits am Tag zuvor bekanntgegeben, seine Niederlassung in Moskau zu schließen, versucht aber auch seine Hotels wie Marriot und Accor weiter zu betreiben.

Burger King, Subway und Dunkin Donuts bleiben in Russland

Burger King hat alleine über 800 Franchise Partner, Subway 446 und Dunkin Donuts mindestens 150 Partner in Russland – diese drei bleiben in Russland. McDonalds stellt seinen Betrieb zwar „vorübergehend“ ein, zahlt seinen Mitarbeiter aber vorerst weiterhin volle Bezüge. Deutsche Unternehmen gehören auch zu der „Stay-in-Russia“-Gruppe, wie die Metro Group, Bayer und Henkel. Die Gründe für den Verbleib sind die Versorgung der russischen Bevölkerung mit lebensnotwendigen Produkten und die Verantwortung für die Mitarbeiter. Das Festhalten an Russland hat nicht allen drei Aktienkursen geschadet. Die Bayer Aktie ist gerade seit Beginn des Krieges im Vergleich zum DAX ein klarer Outperformer.

Chart von Henkel und anderen Aktien

Namhafte „Stay-in-Russia“ US-Firmen

Die Citigroup Inc. ist derart stark in Russland involviert, dass ein sofortiger Rückzug aktuell nicht möglich ist. Das Gesamtausfallrisiko in Russland beläuft sich auf knapp 10 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen versucht, sich nun schrittweise aus dem Geschäft zurückzuziehen. Im schlechtesten Szenario, so der CFO in einem Rundschreiben an die Belegschaft, drohen fünf Milliarden US-Dollar Verlust. Pirelli und Bridgestone Tires gehören ebenfalls zu den „Stay-in-Russia“ US-Firmen. Pirelli produziert immerhin zehn Prozent seiner Reifen in Russland.

Es gibt aber auch Konzerne, die in der Öffentlichkeit weitestgehend unbekannt sind und ebenfalls noch in Russland tätig sind. Halliburton und Schlumberger sind zwei Unternehmen aus dem Bereich Erdölexploration, die ihre Aktivitäten nicht einstellen. Schlumberger erzielt immerhin fünf Prozent seiner Umsätze in Russland. Halliburton sieht zwar von einer weiteren Expansion ab, der international agierende Konzern bleibt aber ebenfalls in Russland aktiv.

„Der Krieg macht einen reich und zehn arm“ – deutsches Sprichwort

Hinter den unscheinbaren Namen Bunge und Cargill verbergen sich zwei der vier größten Agrarrohstoffhändler der Welt. Bunge erzielt in etwa 2,6 Prozent seiner Umsatzerlöse in Russland (ca. 1,7 Milliarden US-Dollar). Cargill setzt dort etwa 1,1 Milliarden US-Dollar um und beschäftigt über 1.100 Mitarbeiter. Beide Unternehmen bleiben vorerst in Russland.

Bunge und andere Aktien

Auch wenn die Öffentlichkeit den Rückzug der bekannten US-Firmen bejubelt, zeigt dies nur, wie wenig Systemrelevant solche Betriebe sind. Die Welt kann ohne Nike, McDonalds und Coca-Cola leben, aber eben nicht ohne Öl, Gas und Weizen.



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1 Kommentar

  1. Young Global Leader

    „Neben fast allen Automobilherstellern und den großen Ölkonzernen stellen auch große amerikanische Restaurantketten wie McDonalds und Starbucks ihr Geschäft in Russland vorerst ein.“

    Vorerst? Haben die vor, zurückkommen, wenn sich der Pulverdampf verzogen hat – ins Reich des Bösen?

    Seit 22 Jahren ist Neo-Hitler nun schon an der Macht und keiner von all den großen Playern hatte bis zum 22.02 wirklich bemerkt, dass sie sich im Reich des Bösen aufhalten. Wie wollen sie, bei so schwachem moralischen Urteilsvermögen, es das nächste Mal erkennen? Wäre es nicht besser, für das Gewissen, wenn sie nie mehr nach Russland zurückkehren?

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