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Wells Fargo-Skandal: „Kein Betrug, Schuld sind die Berater, Cross Selling geht weiter“

FMW-Redaktion

In diesen drei Aussagen kann man die Sichtweise von John Stumpf wohl am Besten in Kurzform zusammenfassen. Der Wells Fargo-Chef gab ein Interview beim Börsenclown Jim Cramer bei CNBC. Erst vor Kurzem wurde bekannt, dass bei Wells Fargo, einer der fünftgrößten US-Banken (Nummer 1 bei Hausfinanzierungen) 2 Millionen zusätzliche Konten und Kreditkartenkonten einfach so eröffnet wurden, ohne die bestehenden Kunden darüber zu informieren. Wie US-Behörden offiziell bestätigen, lag der Grund darin, dass die Berater sich genötigt sahen ihre von den Vorgesetzten ausgegebenen Vertriebsziele zu erreichen.

Lauf Stumpf ist das aber wohl alles kein Problem. Was sagt er nämlich im Interview? Cramer fragte ganz direkt: Bei diesen 2 Millionen Konten: War das Betrug? Antwort: Nein! Man habe bei Wells Fargo eine unabhängige Prüfung beauftragt, die 93 Millionen eröffnete Konten nachgeprüft habe. Bei diesen 2 Millionen Konten habe man letztlich nicht feststellen können, ob die sie nun autorisiert oder nicht autorisiert eröffnet wurden (wie lustig). Zitat:

And of that, 2 million accounts, they identified where they– they was a possibly they could not rule out that they’re either authorized or unauthorized. We didn’t know. Either way, they couldn’t tell from the data.

CRAMER: –and they could not tell? 2 million that is not explicitly defrauded?

STUMPF: No.

Lustig oder doch eher traurig, diese Dummstellen des Chefs? Die zuständigen US-Behörden haben hierzu bereits eindeutig Stellung bezogen. Betrug! Bereitet sich der liebe Herr Stumpf schon mal auf seine in Kürze stattfindende Senatsanhörung vor? „Betrug“? Was ist das? Wie definiert man das? Können wir nicht sagen, ob das Betrug war, autorisiert oder nicht autorisiert, alles unklar…

Auch hatte Wells Fargo letzte Woche großspurig und voller Stolz bekanntgegeben, dass man ab 1. Januar 2017 sämtliche Vertriebsziele für das Privatkundengeschäft abschafft. Das bedeutet: Kein Mitarbeiter bekommt zukünftig Zahlen vorgesetzt, die er/sie erreichen muss (verkaufte Volumen/Anzahl eröffneter Konten). Aber Verkaufsdruck wird auf irgendeine Art und Weise weiter bestehen bleiben, so darf man die Aussagen von Stumpf deuten. So sagte er zu Cramer zu den abgeschafften Vertriebszielen:

„So we took it off. But also it has a good business purpose. We still love cross sell. We still love depth of relationship.“

Also. We still love Cross Sell. Auf Deutsch: Man wird weiterhin versuchen dem Bankkunden unnütze Produkte aufzudrücken, die er eigentlich gar nicht braucht (Übersetzung für das Wort Cross Selling). Warum sollte irgendein Mitarbeiter ohne Vertriebsdruck noch versuchen jemandem eine Versicherung aufzuschwatzen, der eigentlich ein Sparkonto eröffnen will? Die Aussage von Stumpf zeigt eindeutig, dass es auch ab Januar (irgendwie) weitergeht mit dem Vertriebsdruck. Vielleicht nennt man es von da an nicht mehr Vertriebsziel, sondern „freiwillige Zielvereinbarung“? Klingt doch viel freundlicher.

Und generell, wer ist denn nun Schuld an dem „Nicht-Betrug“ bei Wells Fargo? Das Vertriebssystem, der Verkaufsdruck, der von oben nach unten weitergegeben wurde? Nein, der Chef ist da ganz eindeutig. Schuld waren 5.300 Kundenberater und einige ihrer direkten Vorgesetzten, die ja inzwischen alle entlassen wurden. Schlimm ist sowas. Diverse Male betonte Stumpf, dass das nicht zur Kultur bei Wells Fargo gehöre. So wird das dann wohl auch bei der Senatsanhörung klingen. Hier zwei Original-Zitate von ihm:

„That has never – there is nothing in our culture, nothing in our vision and values that would support that. It’s just the opposite. Our goal is to make it right by a customer every time, 100%. And we don’t do that, we feel accountable.“

„Well, first of all, of the 5,300 people who we terminated because they did not live up to our vision of values, it was bankers, branch managers and in some cases managers of those managers. So– and– and secondly, with respect to cooperation with our regulatory authorities, when we did this full review, every issue right– you know, we shared that with our regulatory.“



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