Folgen Sie uns

Aktien

Bewertung von US-Aktien: das Wunder ist schon fest eingepreist..

Letztlich verdanken sich die hohen Stände der US-Indizes, die nach wie vor nahe den Allzeithochs hantieren, einem permanent in die Zukunft verschobenen Gewinn-Wunder..

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Von Markus Fugmann

Nein, US-Aktien sind derzeit nicht wirklich günstig: so liegt bei den im S&P500 gelisteten Unternehmen das durchschnittliche KGV bei knapp über 20. Das ist sehr sportlich, eher am oberen Rand der Bewertung, wenn man sich die Vergangenheit ansieht. Derzeit ist der S&P damit so teuer wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Aber ist diese Bewertung wirklich gerechtfertigt? Sieht man sich die Einschätzungen der Analysten an, ist der Tenor: ja schon. Warum? Weil bald alles viel viel besser wird. Angeblich.

So erwarten die Analysten für das Jahr 2017 eine Gewinnsteigerung der S&P500 von durchschnittlich 13%. Nur gibt es da ein kleines, klitzekleines Problem: einen solchen Gewinnsprung hat es seit dem Jahr 2011 nicht mehr gegeben. Und dass sich so etwas wiederholt wie 2011 ist eher unwahrscheilich: damals erholte sich die USA massiv von der Finanzkrise, während derzeit die Weltwirtschaft lahmt und die US-Konjunkturdaten eine klar negative Sprache sprechen!

Und auch aus der Vergangenheit läßt sich ein solcher Gewinnsprung keinesfalls ableiten, ganz im Gegenteil. Vielmehr haben die S&P500-Unternehmen die Gewinnprognosen in den letzten fünf aufeinanderfolgenden Quartalen verfehlt. Seit 2015 aber ist „der Wurm drin“ bei den earnings, die in diesem Jahr um 3,1% gefallen waren. Und dieser Trend hat sich 2016 noch verstärkt: so liegt der Gewinn pro Aktie bei S&P500-Unternehmen durchschnittlich bei nur noch 106 Dollar – im September 2014 waren es noch 114 Dollar pro Aktie.

Schon das dritte Quartal 2016 sollte laut Prognose von Analysten gut werden: noch im Juli herrschte die Meinung vor, dass sich die Gewinne wieder erhöhen würden. Dem war aber nicht so: derzeit geht der Konsens von einem Rückgang von 1,4% aus. Das wäre der sechste Rückgang in Folge – das nennt man auch „earnings recession“, also Gewinn-Rezession!

Gleichwohl bleiben die Analysten sehr optimistisch: von derzeit 106 Dollar pro Aktie soll der Gewinn dann im vierten Quartal des Jahres wundersamerweise auf 116 Dollar steigen. In Amerika, das wissen wir natürlich alle, ist ja irgendwie alles möglich. Aber 2017 dann sollen es sogar im dritten Quartal sogar 124 Dollar werden. Bescheidenheit ist ja bekanntlich nicht die hervorstechenste Tugend der Amerikaner – und Wunder geschehen ja meistens dort, wo die Menschen fest an Wunder glauben. Also in den USA, respektive an den Aktienmärkten der USA.

Aber gleichwohl haben die Amerikaner schon immer ein Talent, ausbleibende Wunder irgendwie zu verarbeiten: man senkt also die Erwartung für das kommende Quartal kurz vor dessen Anbruch – und verschiebt das Wunder einfach auf die nächsten Quartale. Kommt ganz sicher, das Wunder. Und nebenbei übertreffen die Unternehmen dann die rabiat abgesenkte Erwartung, was dann natürlich ein deftiger Kaufgrund ist, weil ja viel viel besser als erwartet.

Letztlich also verdanken sich die hohen Stände der US-Indizes, die nach wie vor nahe den Allzeithochs hantieren, einem permanent verschobenen Wunder. Woran man übrigens sehen kann, dass die USA alles haben – nur keine säkulare Kultur mit Hang zu aufkärerischem Rationalismus..

Hier klicken und kommentieren

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Aktien

Netflix-Quartalszahlen: Erwartungen verfehlt, Aktie fällt

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Netflix auf TV

Die Netflix-Quartalszahlen wurden soeben veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 6,44 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 5,24/letztes Quartal 6,15/für heute erwartet 6,4).

Der Gewinn liegt bei 1,74 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 1,47/letztes Quartal 1,59/für heute erwartet 2,13).

Die Nutzerzahl ist im dritten Quartal um 2,20 Millionen gewachsen. Die Erwartungen lagen bei 2,5 Mio durch Netflix selbst – der Markt erwartete 2,5-3,2 Mio.

Wie man aktuell verkündet, erwartet man 6,0 Millionen neue Nutzer im laufenden 4. Quartal.

Free Cash Flow +1,14 Milliarden Dollar (Vorquartal +899). Operative Marge 20,4 Prozent nach 22,1 Prozent im Vorquartal.

Die Netflix-Aktie reagiert nachbörslich mit -4,7 Prozent.

Kurz-Fazit: Gewinn pro Aktie und die Zahl neuer Abos verfehlen die Erwartungen. Das wird nun nachbörslich abgestraft.

Datenblatt mit aktuellen Quartalszahlen von Netflix

weiterlesen

Aktien

Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – die Stimulus-Hoffnung stirbt zuletzt

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Heute soll angeblich der entscheidende Tag sein. Kommt noch auf den letzten Drücker eine Einigung zwischen Demokraten und Donald Trump über einen neuen Stimulus? Das dürfte kurzfristig die Kurse bewegen.

weiterlesen

Aktien

Kaufverbot für die Nikola-Aktie – Werbung

Avatar

Veröffentlicht

am

Werbung

Lieber Börsianer,

am Firmensitz der Nikola in Phoenix (Arizona) glühen schon seit Wochen die Telefonleitungen. Das junge Unternehmen kämpft hart um seine Reputation. Man kämpft um die letzten Investoren, die noch nicht gegangen sind. Und vor allem, man kämpft um seine Partner wie General Motors, Bosch oder Iveco. Denn wenn die abspringen, wird die Nikola-Zentrale in Phoenix zugesperrt.

Aber der Reihe nach! Was ist zuletzt passiert bei Nikola?

Der charismatische Firmengründer Trevor Milton wurde aufs Abstellgleis geschoben und seitdem geben trockene Technikertypen den Ton bei Nikola an. So trat der Technik-Chef Jesse Schneider zuletzt vor die Presse und referierte betont sachlich über Patente, Chassis-Zeichnungen und andere Dokumente. Er legte haarklein auseinander, welcher Bestandteil des Nikola-Trucks fremd eingekauft, welcher extern entwickelt wurde.

Die Veranstaltung war langweilig, aber wichtig. Wenn Nikola überleben will, muss es das Vertrauen des Marktes und der Industrie wiederherstellen. Dafür wollen die Investoren jetzt keine Visionen hören, sondern Fakten und Details sehen.

Diese Fakten und Details entscheiden in den kommenden Wochen über den Kursverlauf der Aktie. Denn am 30. November läuft die Sperrfrist (lock-up-period) für die vorbörslichen Investoren der Nikola ab. Wenn diese Investoren bis dahin nicht von der Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells überzeugt werden können, werden sie an diesem Tag mit großem Volumen aus der Aktie aussteigen und ein erneutes Kursmassaker herbeiführen.

Aber denken wir positiv! Unterstellen wir einmal, Jesse Schneider und CEO Mark Russell können die Investoren überzeugen, dann dürfte auch General Motors an Bord bleiben. Das ist aktuell der wichtigste Nikola-Partner. Mehr noch: Der US-Autobauer entscheidet wahrscheinlich über die Zukunft des Lkw-Bauers Nikola.

Nur zur Erinnerung: General Motors (GM) hat zugesagt, für Nikola die Werkbank zu machen und insgesamt Produktionsleistungen im Wert von 2 Milliarden USD für das Startup zur Verfügung zu stellen. Konkret war oder ist geplant, dass GM den…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen