Folgen Sie uns

Aktien

Wie der Optionsmarkt die Tesla-Aktie explodieren liess und jetzt abstürzen lässt!

Avatar

Veröffentlicht

am

Innenansicht eines Tesla Autos

Über die Gründe für den massiven Preisanstieg der Tesla-Aktie rätseln Bullen wie Bären schon seit Wochen. Während die Bullen davon ausgehen, dass der Markt langsam die phantastischen Zukunftsaussichten des Unternehmens einpreist (welche?) und die bösen Shortseller endlich von Elon Musk vernichtet werden, ist eine andere Theorie meiner Ansicht nach deutlich wahrscheinlicher: Optionsverkäufer müssen sich mit immer größeren Mengen Aktien absichern und treiben so den Kurs nach oben, der sich zu weiteren Absicherungen zwingt.

Optionen können von jedermann verkauft werden, also auch von Ihnen und mir, wenn wir bereit sind, das Risiko von gleich 100 Tesla-Aktien zu übernehmen. In der Regel sind Privatanleger und kleine Trader nicht bereit, solche Risiken zu tragen, so dass das größte Handelsvolumen von Hedgefonds und Banken, Market Makern, gestellt wird. Die sind jedoch in der Regel auch nicht geneigt, die Risiken auf’s eigene Buch zu nehmen. Stattdessen sichern sich die Market Maker nach dem Verkauf einer Option selbst ab. Das geschieht zunächst einmal auf Unternehmensebene selbst. Wenn ein Market Maker Calls und Puts für Tesla verkauft, kann er die Risiken miteinander verrechnen und nur das nach Verrechnung übrig bleibende Risiko tatsächlich am Markt absichern. Das reduziert die Kosten für Absicherungsgeschäfte teils immens oder macht sie in einem ausgeglichenen Markt sogar gänzlich obsolet, wenn zu gleichen Teilen auf steigende wie fallende Kurse spekuliert wird.

Wahrscheinlich Absicherungen von Optionen ließen den Tesla-Aktienkurs steigen!

Zur Absicherung wird das Delta der Options-Position berechnet. Das Delta drückt aus, um welchen Prozentsatz sich der Preis einer Option ändert, wenn der Aktienkurs um einen Euro (oder z.B. US-Dollar) steigt oder fällt. Ein Delta von 0,5 bedeutet, dass ein Aktienkursanstieg von 1 Euro einen Optionspreisanstieg von 0,50 Euro verursacht. Bei einem Delta von 0,5, einem verkauften Optionskontrakt im Umfang von 100 Aktien müsste also der Verkäufer der Call-Option 50 Aktien kaufen, um sein Risiko abzusichern.

Das Problem ist nun, dass das Delta veränderlich ist. Bei OTM-Optionen, also Calls, deren Strike-Preis weit oberhalb des aktuellen Aktienkurses liegt, ist das Delta relativ gering. Dann kann es ausreichen, zur Absicherung eines Kontrakts (100 Aktien) zum Beispiel nur 15 Aktien zu kaufen. Doch wenn der Aktienkurs steigt, dann vergrößert sich das Delta und der Optionsverkäufer muss Aktien zur Absicherung nachkaufen. Je näher der Aktienkurs dem Strikepreis der Option kommt oder sie übersteigt, umso stärker nähert sich das Delta 1 an.

Solange also Out of the Money Call-Optionen für die Tesla-Aktie verkauft werden bzw. in Anleger- und Trader-Depots liegen, müssen bei steigenden Kursen Kursen überproportional viele Tesla-Aktien von Optionsverkäufern zugekauft werden. Da derzeit etwa doppelt so viele Call- wie Put-Optionen gehalten werden, kann dieser Effekt auch nur unzureichend durch Aktienverkäufe der Put-Verkäufer ausgeglichen werden. Denn deren Delta sinkt zwar mit steigenden Kursen, es gibt aber zu wenige verkaufte Put-Optionen, um einen Ausgleich zu schaffen. Es entstand so ein tägliches Zukaufvolumen in Höhe etlicher Millionen Aktien.

Gaps machten den Handel unsicherer und trieben die Prämien nach oben

Für Optionsverkäufer kommt erschwerend hinzu, dass die Tesla-Aktie gleich mehrere Tage lang mit großem Gap up in den Handel startete. Das heißt, der erste Kurs nach Handelseröffnung lag signifikant über dem Schlusskurs des vorherigen Tages. Eine am Vortag in der Schlussauktion aufgebaute Absicherungsposition basierend auf dem Delta des Vortages ist demnach viel zu klein, um noch eine Absicherung am Morgen des folgenden Tages darzustellen. Die Market Maker sitzen somit am Morgen trotz der am Abend aufgebauten Absicherung bereits auf großen Verlusten und müssen in den steigenden Kurs hinein wieder zukaufen, um das gestiegene Delta wieder abzusichern. Der durch die Zukäufe ausgelöste Kursanstieg führt zu abermaligem Absicherungsbedarf.

Das ganze ist jedoch keine sich verselbständigende Bewegung, die zu unendlichen Kursen für Tesla führen kann. Denn die Optionsverkäufer reagieren natürlich auf diese Situation, indem sie höhere Optionsprämien zum Ausgleich ihrer Risiken fordern. Wer neue Optionen kaufen will, und das werden viele wollen, um bei steigenden Kursen ihre alte Optionen in neue Kontrakte zu rollen, muss also deutlich mehr zahlen als noch vor vier Wochen. Dadurch rutscht der Break-Even-Preis, also der Aktienkurs, ab dem eine Option bei Endfälligkeit im Gewinn liegt, auch immer weiter nach oben. Um Gewinne zu machen, muss der Aktienkurs immer stärker steigen.

Bitte klicken Sie hier um Teil 2 des Artikels zu lesen

Seiten: 1 2

12 Kommentare

12 Comments

  1. Avatar

    Wirtschaftsstudentin

    5. Februar 2020 19:47 at 19:47

    Sehr detaillierte Erklärung für die Kursbewegung bei Tesla und ein Beweis dafür, wie ahnungslos hier viele, vorwiegend Bären argumentieren, die immer von den unheimlichen Algos berichten und von dem Casino, das an der Börse vorherrscht. Das Ganze ist zum einen viel komplizierter als man sich das allgemein vorstellt, deshalb auch das Abschweifen in Verschwörungstheorien, wenn man sich eine Sache nicht erklären kann – und zum anderen ein Beispiel dafür, dass es Menschen sind, die die Kurse hin und hertreiben, gierige Menschen. Und nicht irgendwelche Manipulatoren, sondern Menschen, die in dieser Extremsituation Geld verdienen wollen, viel Geld und damit steigt das Risiko. Aus Gewinnen werden Verluste und die erhoffte Superrendite verflüchtigt sich schlussendlich. Der Verfasser des Artikels ist ein Profi, eindeutig.

    • Avatar

      Macwoiferl

      5. Februar 2020 21:01 at 21:01

      Also wer andere für ahnungslos erklärt muss selbst Ahnung haben. Punkt 1 – ganz schön anmaßend für eine „Wirtschaftsstudentin“.
      Dass die Börse zum Casino geworden ist, seit der Zeit, da man noch mit handgeschnittenen „Coupons“ seine Dividende zog, darüber sind sich wohl alle einig.
      Ich glaube, fast alle Foristen sind sich zudem d´accord, dass die Kurse manipuliert werden, sei es durch Nachrichten, sei es durch Handeln, wie selbst Du zugibst („es Menschen sind, die die Kurse hin und hertreiben“).
      Schon auch mal was von Computer-Hochfrequenzhandel gehört, Frau Besserwisserin/Herr Troll?
      Ein Kommentar wie Deiner zeugt also nicht von besserem Wissen. Sondern von leidenschaftlich gelebtem, typisch deutschen, autoritären Oberlehrertum, wie es in „Tagessschau“, „Süddeutsche“ oder „Heute Journal“ gang und gäbe ist. Jedweder Erklärungsansatz, der nicht in die Systemdenke passt wird sofort als „Verschwörungstheorie“ abgekanzelt.
      Sorry.
      Für Systemlinge besser geeignet ist der Wirtschaftsteil des Handelsblatts.

  2. Avatar

    Pit

    5. Februar 2020 20:19 at 20:19

    Danke für die Hintergründe.
    Nochmal die Vorjahrestiefs (<180 US-Dollar) wäre schön, aber halte ich
    kurz- und mittelfristig für ausgeschlossen.
    Die Zahlen Tesla haben sich signifikant verbessert und da geht noch viel mehr.

  3. Avatar

    Segler

    6. Februar 2020 00:26 at 00:26

    Sehr geehrter Herr Schumanns,
    Lieber Dirk,
    Deine Ausführungen treffen genau den Punkt. Du hast am Beispiel von Tesla versucht, die Abläufe beim optionsinduzierten long squeeze und dem nachfolgenden short squeeze für ein breites Publikum konsekutiv und kausal zu erklären.
    Kein leichtes Unterfangen, zumal in einem Forum, zumal dieser Couleur, zumal auf einer Seite, die sich dem Negativismus verschrieben hat und und welche mir als ein Sammelbecken Frustrierter erscheint.
    Dennoch – Bei aller Kritik schätze ich Herrn Fugmanns Recherchen und seine Art, börsenrelevante Themen theatral und verbal in Szene zu setzen.
    Thats Business :-)
    Ich freue mich mehr von Dir zu lesen.

    Liebe Grüsse vom sailing Option Trader

  4. Avatar

    Columbo

    6. Februar 2020 07:58 at 07:58

    @Segler

    „…zumal auf einer Seite, die sich dem Negativismus verschrieben hat und und welche mir als ein Sammelbecken Frustrierter erscheint…“

    Liebe Frustrierte im hiesigen Sammelbecken. Macht endlich was gegen Eure psychischen Leiden, begebt Euch in ärztliche Obhut, Psychotherapie, Psychoanalyse…es gibt heute viele Möglichkeiten wieder gesund zu werden. Das Geld ist zwar dann auch weg, aber sicher besser angelegt, als bei Tesla & Co.

  5. Avatar

    Tiefstapler

    6. Februar 2020 12:41 at 12:41

    @Columbo. Gut gebrüllt Löwe, da taucht einer nach langer Zeit wieder auf u.brüskiert wieder Alle FMW Poster. Er gibt sich als absoluter Börsenspezialist u.behandelt andern als Anfänger.Darum stelle ich dem Tausendsassa einige Fragen
    Gemäss früherer Aussagen ist er Arzt u.wie er uns weismachte ein Superanleger u.spart für ein Segelboot ??
    Wo ist denn der Erfolg geblieben, dass es nach 10 Jahren Superhausse noch nicht für dieses Boot gereicht hat ?
    Ich kenne Leute mit normalen ,schlechter bezahlten Berufen, die sich mit gesundem Menschenverstand
    u.vorsichtigem Anlegen ein schönes Vermögen erschaffen haben.
    Ich könnte z.B.ein solches Boot bis zu 2 Mio.Euro besorgen u.es Ihnen vermieten.Leider würde ich es Leuten wie Ihnen auch bei 15% Zinsen ( auch in der Tiefstzinsphase) wegen charakterlichen Eigenschaften nicht geben.Zudem beachte ich bei meinen Investitionen immer noch das Risiko.
    Bitte meinen Kommentar leicht entschuldigen, aber bei grossmäuligen Leuten habe ich Mühe zurückhaltend zu sein.

    • Avatar

      Hochstapler

      6. Februar 2020 14:15 at 14:15

      @Tiefstapler
      Was trägt Ihr persönlicher Angriff zu einer konstruktiven Diskussion und einem anregenden Austauch auf diesem Forum bei?

      • Avatar

        leftutti

        6. Februar 2020 21:05 at 21:05

        @Hochstapler, es ist auch nicht sonderlich konstruktiv und anregend, wenn ein ehemals frustrierter Phönix aus der Asche aufersteht und sogleich zwar smart und höflich, sprachlich dezent, aber inhaltlich sehr heftig ebenfalls persönlich attackiert:

        zumal in einem Forum,
        zumal dieser Couleur,
        zumal auf einer Seite,
        die sich dem Negativismus verschrieben hat
        und und welche mir als ein Sammelbecken Frustrierter erscheint
        .

        Dennoch wird überheblicherweise Herrn Fugmanns theatrale und verbale Art geschätzt und akzeptiert, ist schließlich nur Business.

        Herzlich willkommen zurück auch von mir, @Segler
        Sie haben sich offensichtlich nicht sehr verändert.

        • Avatar

          Carsten

          7. Februar 2020 15:19 at 15:19

          @Leftutti,
          es ist aber auch nicht sonderlich konstruktiv und anregend, zunächst unter dem Pseudonym @Tiefstapler als Platzhirsch das Revier zu markieren, um sich dann später künstlich über das Auftreten von @Segler aufzuregen und dabei genau die Mittel anzuprangern, mit denen Sie selbst zu 100 Prozent spielen.
          Sie sind sich ähnlicher als Sie glauben und werden sich wohl beide – leider – nicht mehr ändern.

  6. Avatar

    Hesterberg

    7. Februar 2020 17:38 at 17:38

    Auf den oberklugen Segler haben sicher alle schon lange gewartet. Endlich ist er wieder da und beglückt uns mit Häme. Aber nicht, ohne sich anschließend noch bei Markus Fugmann und Dirk Schuhmanns einzuschleimen. Welch eine Bereicherung für dieses Forum.

  7. Avatar

    Tiefstapler

    7. Februar 2020 18:25 at 18:25

    @ Carsten, ich möchte Ihnen berichten, dass ich, der Tiefstapler ,nichts mit @Leftutti zu tun habe, aber seine Meinung voll unterstützte u. Ich ihm für seine Unterstützung danke.
    Offensichtlich war die Antwort vom Hochstapler eindeutig der“ beleidigte Beleidiger „ namens @ Segler.
    Vielleicht könnte zur Entlastung des @Leftutti FMW meine Richtigstellung bestätigen.

    • Avatar

      leftutti

      8. Februar 2020 13:37 at 13:37

      @Tiefstapler, am besten, Sie ignorieren dieses Identitäts-Paranoia-Geschreibsel, um diese sinnlose Diskussion nicht erneut anzufachen. Dennoch herzlich willkommen im Schizo-Club, wir (also ich und meine 472 Alter Egos) freuen uns über jedes neue Ehrenmitglied 🤣

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Aktien

Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Die Good News-Wall Street

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Besprochen werden die ganz frisch veröffentlichten US-Arbeitsmarktdaten. Auch Thema ist der wohl anstehende neue Konjunkturstimulus.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Aktien

Aktienmärkte: „Die Coronakrise ist vorbei“ – wirklich?

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

„Die Coronakrise ist für die Aktienmärkte vorbei“, sagt der Mathematiker und Vermögensverwalter Andreas Beck. Diese Aussage überrascht, schließlich stecken wir mitten im zweiten, diesmal „differenzierten Lockdown“ (O-Ton Markus Söder) mit enormen wirtschaftlichen Folgeschäden. Andreas Beck rechnet aber dennoch mit einem guten Jahrzehnt für die Aktienmärkte – schon mangels Alternative angesichts der von den Notenbanken manipulierten Anleihemärkte. Die Nullzinsen, so Beck, hätten sich bereist bei Immobilien niedergeschlagen, es sei nur eine Frage der Zeit, bis das auch die Aktienmärkte vollständig einpreisen.

Aktienmärkte und Coronakrise: Das Jahrzehnt der Aktie?

Seit dem 09.November – der Meldung von BioNTech/Pfizer – haben die Aktienmärkte einen Paradigmenwechsel vollzogen: Man kauft die „Corona-Verlierer“. Für Andreas Beck bedeutet das: die Aktienmärkte blicken schon auf die Zeit nach der Coronakrise (auch die Rohstoff-Märkte, siehe etwa die Rally bei Kupfer, das für die Industrie sehr wichtig ist). Man preist also eine vollständige Erholung der Wirtschaft ein, eben weil die Coronakrise vorbei doch vorbei sei. Der Wirtschaft sei der zweite Lockdown faktisch „egal“ – sie habe sich an die neuen Umstände angepaßt.

Nun ist Andreas Beck Vermögensverwalter und Mathematiker, kein Epidemologe. Nun hat kürzlich der britische Epidemologe und Berater des britischen Premiers Boris Johnson, Jonathan Van-Tam, kürzlich davon gesprochen, dass die Coronakrise „niemals“ vorbei gehen werde (hier seine Aussage im Video). Ist es vielleicht doch so, dass Andreas Beck und mit ihm die Aktienmärkte die Coronakrise zu früh abhaken, also das Fell des Bären schon verteilen, bevor er erlegt ist?

Eines ist für Andreas Beck klar: die Schulden der Staaten werden niemals zurück gezahlt werden können – daher weredn sich die Staaten am Privatvermögen sener Bürger bedienen (müssen). Auch klar für Beck ist weiterhin: die demokratischen Länder werden sich die Dominanz der US-Tech-Unternehmen nicht mehr lange gefallen lassen. Er geht daher davon aus, dass in diesem Jahrzehnt daher dann „value“ besser laufen sollte als „growth“ und erklärt, wie er selbst investiert ist:

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

 

Für die Aktienmärkte ist die Coronakrise vorbei, sagt Vermögensverwalter Andreas Beck

weiterlesen

Aktien

Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Steigenden Renditen? Tesla, Snowflake, China-Aktie

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Zahlreiche Themen werden besprochen wie die Arbeitsmarktdaten für November, Anleiherenditen, Tesla uvm.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage