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Zinsen senken? Top US-Notenbanker sieht keine Dringlichkeit

Die US-Konjunktur brummt. Für eine Senkung der Zinsen sieht ein Top-Banker der Federal Reserve derzeit keine Dringlichkeit.

New York Fed-Chef John Williams. Foto: Samuel Corum/Bloomberg

Wie wir heute bereits berichteten: Die Abweichung zwischen den beiden wichtigsten Zentralbanken wird immer offensichtlicher. Die EZB wird die Zinsen offenkundig im Juni senken. Und die Federal Reserve (Fed) kann sich immer mehr Zeit lassen, weil die US-Konjunktur einfach zu stark brummt. Jetzt gibt es aktuelle Aussagen. Der Präsident der Federal Reserve Bank of New York, John Williams, sagt aktuell, es bestehe keine Eile, die Zinsen (aktuell 5,25 bis 5,50 %) zu senken, und die Wirtschaftsdaten würden den Zeitpunkt bestimmen.

„Die Geldpolitik ist in einer guten Position“, sagte er heute laut Bloomberg auf dem Semafor World Economy Summit in Washington. „Die Zinssätze sind an einem Punkt, an dem wir uns allmählich auf unsere Ziele zubewegen. Ich sehe also definitiv keine Dringlichkeit die Zinsen zu senken. Ich denke, dass die Geldpolitik genau das tut, was wir gerne sehen würden.“

Der Kernverbraucherpreisindex, ein wichtiges Maß für die Inflation, ist im März in den USA den dritten Monat in Folge stärker gestiegen als von Ökonomen erwartet, was die Befürchtung verstärkt, dass die Fortschritte bei der Abkühlung des Preisdrucks ins Stocken geraten sind. Die Markterwartungen für eine Senkung der Zinsen durch die Federal Reserve – die in den vergangenen zwei Wochen eingebrochen sind – sind diese Woche weiter gesunken, nachdem der Vorsitzende der Fed Jerome Powell, erst gestern signalisiert hat, dass die Entscheidungsträger mit Zinssenkungen länger warten werden als bisher angenommen.

Powell wies auf die mangelnden Fortschritte an der Inflationsfront hin und fügte hinzu, dass die Federal Reserve die Zinsen „so lange wie nötig“ beibehalten kann, wenn der Preisdruck anhält. Noch im letzten Monat hatten die Anleger auf drei Zinssenkungen um jeweils einen Viertelpunkt gewettet. In den Prognosen im Anschluss an die Fed-Sitzung im März hatten die Entscheidungsträger knapp das Gleiche erwartet.

John Williams sagte heute auch, dass eine Erhöhung der Zinsen nicht seine Grunderwartung sei, obwohl sie immer noch möglich ist, wenn die Wirtschaftsdaten dies rechtfertigen, um das Inflationsziel der Federal Reserve zu erreichen. Anfang dieser Woche sagte er in einem Interview mit Bloomberg TV, dass die Zentralbank wahrscheinlich noch in diesem Jahr mit Zinssenkungen beginnen wird, wenn die Inflation weiter allmählich zurückgeht.

FMW: Dieser Chart zeigt die Entwicklung seit dem Jahr 2020: Die Zinsen der Federal Reserve (blau) haben seit Anfang 2023 die Inflationshöhe (orange) überschritten, um letztlich dämpfend zu wirken – was bis jetzt noch nicht funktioniert hat.

Chart zeigt Entwicklung von Zinsen und Inflation in den USA

FMW/Bloomberg



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3 Kommentare

  1. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Theoretisch dürften die Zinsen überhaupt nicht sinken, theoretisch. Praktisch werden die Kapitalmärkte irgendwann Druck machen, damit sie ihren Willen bekommen…

    Die Mehrzahl der Marktteilnehmer geht nämlich immer noch von einer Zinswende in diesem Jahr aus.

  2. wenn der „gute zustand“ nun als grund herhalten muss, dass es doch keine zinssenkungen gibt ist das genau eine 180grad drehung der bisherigen position. denn da wollte man eben wegen dem goldilocks szenario trotzdem senken. da wird geschwätzt wie es gerade passt, ohne die wahren gründe für diese eratischen schwenks zu benennen, um primär die schafe im gatter nicht zu beunruhigen.

    ich denke der gute mann weiß, dass geopolitisch gerade die situation wieder so kippt (iran/israel resp. energiepreise), dass wir deutliche inflationstrigger bekommen werden. russland ist am besten wege sich eine echte verhandlungssituation zu schaffen. und was weiß man wie weit die chinesischen pläne hinsichtlich taiwan gediehen sind. nachdem die brics auch zunehmende militärische erfolge einfahren, oder zumindest eskalationen ohne größere eigene schäden ausprobieren können könnte sich xi auch zu etwas hinreissen lassen, das schon lange verfolgt wird. und der westen kann natürlich mehrere krisenherde gleichzeitig immer schlechter managen.

    1. ….krisenherde managen?
      aber, aber, mit feministischer aussenpolitik der legasthenikerin ist das doch ein klacks,
      im gegesatz zu stümpern wie bismarck und rathenau

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