Folgen Sie uns

FMW

Nach Ölpreis-Kollaps haben es die Saudis plötzlich ganz eilig

Redaktion

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

Saudi-Arabien gilt als eines der konservativsten Länder weltweit. Es orientiert sich mit seinem Wahabismus an einem Theologen des 18-Jahrhunderts, Stammesstrukturen prägen das Land bis heute tief. Nun aber hat in den letzen Tagen in Riad plötzlich ein Aktivismus eingesetzt, der mehr als erstaunlich ist. Dazu gehört auch die Exekution von 47 Menschen, darunter bekanntlich der nicht als Islamist verschriene schiitische Geistliche Nimr al-Nimr, der die Welt entstetzt hatte und die Saudis in einen sich verschärfenden Konflikt mit dem Iran treibt.

Innenpolitisch aber tut sich derzeit extrem viel – es hagelt geradezu neue Maßnahmen und Ideen, nachdem immer klarer wird, dass der Ölpreis wohl nicht schnell wieder deutlich steigen wird und die Saudis damit ein erhebliches Problem haben. Innerhalb nur weniger Tage etwa wurden mehr ökonmische Reformen angekündigt als in den letzten Jahrzehnten – und das liegt vor allem am Sohn des neuen Königs Salman, Prinz Mohammed bin Salman. Der knapp über 30-jährige ist noch nicht einmal knapp ein Jahr im Amt und gilt als westlich orientiert – daher vermutlich die neue Dynamik innerhalb der saudischen Führung.

So kündigte der junge Prinz in einem Interview mit dem „Economist“, den staatlichen Ölkonzern Saudi Aramco an die Börse bringen zu wollen (siehe dazu unseren Artikel „Saudi-Aramco: Der größte Ölkonzern der Welt mit einem IPO – was das bedeuten würde“). Seine Pläne seien eine Art „Thatcher-Revolution“, so der Prinz – das sind völlig ungewohnte Töne aus dem Königreich. Im Klatext bedeutet das, dass durch Privatisierungen Gelder eingenommen werden sollen, um die Löcher in der Staatskasse zumindest teilweise zu stopfen. Das aber wäre bisher deutlich unter der Würde der in Dollars schwimmenden Herrscherclans gewesen – aber nun sorgt der Prinz mit solchen Vorstößen auch innerhalb der Machtelite für Unruhe. Aber man läßt ihn vorerst gewähren, weil die Alternativen fehlen: Saudi-Arabien hat sich jahrzehntelang gesonnt mit den Petro-Dollars, die eigene Bevölkerung gilt als wenig gebildet, der Fokus lag auf der Vermittlung extrem konservativer religiöser Werte. Aber wer ein Haushaltsdefizit von 15% des BIP in 2015 produziert hat, der muß umdenken – das zumindest ist die Philosophie des jungen Prinzen.

Das meinen übrigens auch die Finanzmärkte: die Preise für Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps, CDS) für saudische Staatsanleihen liegen derzeit so hoch wie seit der Finanzkrise nicht mehr. An den Märkten wird zunehmend spekuliert, dass die Saudis die Bindung ihrer Währung an den US-Dollar aufgeben könnte, um durch Abwertung dem enormen ökonomischen Druck durch den Kollaps der Ölpreise zu begegnen. Die Futures auf den Riyal preisen inzwischen eine immer höhere Wahrscheinlichkeit dafür ein.

Als erste konkrete Maßnahme wurden nun die Preise für Benzin im Land erhöht – das bislang stark subventioniert war und nur ein paar Cents kostete. Daraufhin bildeten sich an den Tankstellen des Landes lange Schlangen, bevor die Preiserhöhung in Kraft trat. Der Aktivismus des jungen Prinzen ist dabei wohl die einzige Chance, das verknöcherte Herrschaftssystem auf Vordermann zu bringen und die neuen Herausforderugen anzunehmen. Aber die neue Dynamik löst vor allem im Westen auch neue Sorgen aus: man hält den Prinzen für zu jung und unerfahren – hinter den Kulissen, so heißt es, warnten die Amerikaner bereits König Salman, die Dinge nicht zu überstürzen..

Hier klicken und kommentieren

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Bitcoin

Goldpreis: Gestern Bitcoin-Absturz, heute Gold! Marktgeflüster (Video)

Gestern stürzte Bitcoin ab, heute fällt der Goldpreis mit einer schnellen Bewegung unter die Unterstützung bei 1800 Dollar. Was ist da los?

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Gestern stürzte Bitcoin ab, heute fällt der Goldpreis mit einer schnellen Bewegung unter die Unterstützung bei 1800 Dollar (und das im buchstäblich selben Moment, als auch der VIX deutlich fiel). Was ist da los? Wiederholt sich das Geschehen aus dem März, als ein heftiger Abverkauf von Bitcoin das Vorspiel für den Absturz der Aktienmärkte im März-Crash war? Auffallend ist die Schwäche im Goldpreis und gestern die Schwäche bei Bitcoin) vor allem deshalb, weil der Dollar alles andere als Stärke zeigt – normalerweise unterstützt ein schwacher Dollar das gelbe Edelmetall. Die heute in den USA verkürzt handelnden US-Aktienmärkte nun immer mehr im „Gier-Modus“ – wie lange geht das noch?

Werbung: Traden Sie smart mit Capital.com: https://bit.ly/316AkWq

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Finanznews

Aktienmärkte: Der Chart, der die Welt erklärt! Videoausblick

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Die Aktienmärkte gestern am US-Feiertag erwartungsgemäß uninspiriert – auch heute ist durch den verkürzten Handel in den USA am Black Friday nicht viel zu erwarten. Aber übergeordnet gilt: es gibt einen Chart, der die ganze (Wirtschafts-)Welt erklärt: dieser Chart zeigt, dass seit den 1980er-Jahren die Schulden schneller wachsen als die Wirtschaft! Und dieser Trend explodiert seit der Finanzkrise geradezu, die Coronakrise wiederum bringt dann die nächste Eskalationsstufe in Sachen Schulden und Geld drucken. Die Notenbanken versuchen mit ihrem Liquiditäts-Exzess diese Verschuldungs-Spirale und damit die Wohlstandsillusion am laufen zu halten – die Aktienmärkte und die Anleihemärkte spiegeln diesen Exzess geradezu beispielhaft wider!

Werbung: Traden Sie smart mit Capital.com: https://bit.ly/316AkWq

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Finanznews

Aktienmärkte: Wichtige Botschaften! Videoausblick

Die Aktienmärkte heute aufgrund des US-Feiertags wohl eher ruhig. Aber es gibt heute dennoch sehr wichtige Botschaften für die Zukunft!

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Die Aktienmärkte dürften heute aufgrund des US-Feiertags Thanksgiving einen ruhigen Handelstag vor sich haben. Aber es gibt dennoch sehr wichtige Botschaften, die das größere Bild in den nächsten Tagen und Wochen prägen sollten: so dürfte die Fed Änderungen bei Anleihekäufen vornehmen (operation twist) und denkt bereits über Tapering (Reduzierung des Kaufvolumens) nach. China dagegen will bereits die Stimulus-Maßnahmen zurück fahren. Und Italien will von der EZB einen Schuldenerlass – das ist der Beginn von Forderungen, die ausufernden Schulden einfach zu streichen (aber wer hat dann den Schaden?). Kann der Dax ohne die US-Indizes heute Dynamik entwickeln? Ohne die Aktienmärkte der USA ist Europa aber wohl allein zu Haus – und langweilt sich..

Werbung: Traden Sie smart mit Capital.com: https://bit.ly/316AkWq

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage