Devisen

Forex-Handel mit maximal Hebel 30? Zwei weitere Anbieter äußern sich – kleine aggressive Konkurrenten loswerden?

Dabei geht es im Forex-Handel eigentlich nur um die Festsetzung eines Hebels auf maximal 30 beim Aufbau neuer Positionen. Das gefährdet Umsätze und Erträge der Broker eigentlich massiv...

FMW-Redaktion

Zweit weitere der ganz großen CFD- und Forex-Broker haben sich inzwischen zu den angekündigten Beschränkungen der EU-Behörde „ESMA“ geäußert. Dabei geht es im Forex-Handel eigentlich nur um die Festsetzung eines Hebels auf maximal 30 beim Aufbau neuer Positionen. Das gefährdet Umsätze und Erträge der Broker eigentlich massiv. Gestern berichteten wir bereits, dass IG Markets sich kritisch dazu äußerte, während Plus500 kein schlechtes Wort über die bevorstehende Hebel-Begrenzung verlor. Erstaunlich!

Heute nun, wenn man zwischen den Zeilen liest, wird das Motiv einiger Anbieter offensichtlicher, warum sie kein wirkliches Problem mit einer Hebelbeschränkung haben. Und damit meinen wir nicht den Kniff von IG Markets, dass man den Kunden die Möglichkeit einräumt sich einfach vom Privatkunden umklassifizieren zu lassen in Profikunden. Denn die Hebelbeschränkung würde nur für „Privatkunden“ gelten. Nein, die Saxobank hat anscheinend ein anderes Motiv die Hebelbeschränkung willkommen zu heißen. Denn auch von ihr gibt es aktuell keine negative Aussage hierzu. Zitat auszugsweise von Saxo:

„For its long-term survival, the industry should welcome the move away from competition on leverage and embrace competition on quality of platform, price, product and service“.

Was das bedeutet? Nun, in den letzten Jahren kamen immer mehr kleine, aber hoch aggressive Broker-Buzzen auf den Markt mit Geschäftssitzen in Offshore-Paradiesen. Auch innerhalb der EU gibt es zahlreiche Anbieter an weniger strikt regulierten Standorten! Diese Unternehmen versuchen aggressiv in den Markt zu kommen, und den großen starken Anbietern Geschäft wegzunehmen. Dies tun sie vor allem durch das Angebot von extrem hohen Hebeln von zum Beispiel 1:200 oder 1:400. Damit verheizen die Kunden ihre Kontoeinlagen oft in sehr kurzer Zeit – genauso hat man die Chance schnell viel zu gewinnen.

Aber mit diesen hohen Hebelangeboten gräbt man wie gesagt an der Kundenbasis der großen etablierten Anbieter. Möglicherweise sehen „etablierte“ Anbieter wie Saxo die Chance, dass durch diese ESMA-Regulierung diese teilweise dubiosen Anbieter mit ihren Monster-Hebeln zumindest in der EU vom Markt gefegt werden. Saxo weiter im Wortlaut:

Saxo strongly welcomes and supports the proposals set forth by ESMA and believes that consistent, harmonised regulation at a European level will be positive for clients and the industry as a whole. At Saxo, we have been expecting these developments for some time and have provisions in place. We made a clear strategic decision not to compete on high leverage, placing us in a good position to maintain and grow our business in this new regulatory environment.

Auch hier sagt man ganz klar, dass man nicht versucht mit den Anbietern im extrem hohen Hebel-Bereich zu konkurrieren. Ein Problem kann für diese hochriskant arbeitenden Broker auch entstehen, wenn Märkte ganz plötzlich kräftig schwanken. Durch den hohen Hebel könnte ein Gruppe von Kunden, die beispielsweise auf einen steigenden Euro setzt, urplötzlich mit riesigen Gewinnen da stehen. Diese „High Leverage“-Broker haben oft die Angewohnheit Trades nicht im Interbanken-Devisenmarkt zu platzieren, sondern ins eigene Buch zu nehmen. Bei einem plötzlichen massiven Kundengewinn in großem Umfang könnten kleine Anbieter plötzlich nicht genug Geld haben um den Kunden ihre Gewinne in die Konten zu buchen. Das wäre ihr Ende.


Die Saxo Bank-Zentrale in Kopenhagen. Photo: Jensejnerjep / Wikipedia (CC BY-SA 4.0)

GAIN

Der große US-Anbieter GAIN Capital, hinter dem die Anbietermarken City Index und forex.com stehen, sieht die Beschränkung des Hebels genau so kritisch wie gestern bereits IG Markets. Natürlich wird es in Wirklichkeit darum gehen, dass man Umsatzeinbußen befürchtet. Offiziell begründet man seine Kritik wie IG ebenfalls damit, dass Privatkunden mit hohem Risikowunsch ihre Konten abziehen und zu Brokern außerhalb der EU wechseln könnten, wo es keine Restriktionen gibt. Das könnte bei manchen Kunden auch tatsächlich passieren, denn ein Hebel von 1:100 ist bei zahlreichen Forex-Tradern der Standard-Hebel. Auch sieht GAIN, dass große kapitalstarke Anbieter von dem gesamten Komplex verschärfter Maßnahmen (Risikoaufklärungen, keine Bonusanreize mehr etc) vor allem große Anbieter profitieren sollten. GAIN auszugsweise im Wortlaut:

GAIN has also expressed concern, based in part on experience operating in other markets which went through regulatory change, that mandating excessively low leverage levels will have negative unintended consequences, including driving retail investors offshore to brokers that do not offer the level of investor protections present in strongly regulated markets.

GAIN believes that new regulation tends to lead to industry consolidation, which will ultimately benefit large, well-capitalized firms like GAIN Capital.

GAIN schreibt auch, dass derzeit weniger als 20% der Firmenumsätze durch Privatkunden in der EU generiert werden. Das soll wohl schon mal vorsorglich ein Hinweis an die Aktionäre sein: Leute, keine allzu große Angst bitte, wir verkraften das…



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1 Kommentar

  1. Umklassifizierung vom Privatkunden zum Profikunden ist nicht so einfach wie es den Anschein erweckt. Anforderungen sind unter anderem mindestens 500K Kapital und 1 Jahr professionelle Tätigkeit im Handelsbereich meines Wissens.

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